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<item><title>Informationsbudget als Leitungsaufgabe</title><link>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</link><comments>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe#comments</comments><pubDate>Tue, 25 Nov 2025 08:40:00 +0100</pubDate><category>Informationsbudget</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</guid><description>Informationsbudget als Leitungsaufgabe

Ein Workshop von Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network zur strategischen Steuerung der Open-Access-Transformation

Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates, Informationsbudgets an Wissenschaftseinrichtungen zu etablieren, luden Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network Leitungspersonen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Erfahrungsaustausch ein. Der Workshop zeigte, dass Informationsbudgets im Prozess der Open-Access-Transformation ein wesentliches Instrument der Kostenkontrolle sind und ihre Einführung eine strategische Leitungsaufgabe darstellt.

Unter dem Titel „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ fand am 22. September 2025 ein Online-Workshop für Leitungspersonen aus Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen statt. Die geschlossene Veranstaltung wurde gemeinsam von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem BMFTR-geförderten Verbundprojekt open-access.network organisiert. Dies war der Abschluss der Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, die von den Projektpartnern Universitätsbibliothek Bielefeld und Helmholtz Open Science Office von 2023 bis 2025 durchgeführt wurde. Ziel war es, drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie ist der Stand der Entwicklung? Welche Erfahrungen wurden bereits gemacht? Und wie können Hochschulleitungen Informationsbudgets als strategisches Instrument in der Open-Access-Transformation einsetzen?
Informationsbudgets – Steuerung, Transparenz, Verantwortung

Das Konzept des Informationsbudgets wurde 2022 vom Wissenschaftsrat als zukunftsweisendes Steuerungsinstrument ausgearbeitet und empfohlen. Es soll sämtliche Ausgaben für wissenschaftliche Publikationskosten wie Beschaffung, Förderung, Subskriptionen, Open-Access-Gebühren oder Lizenzkosten in einem transparenten Gesamtbudget zusammenführen. Am Ende soll eine institutionenweite Übersicht entstehen, in der Aufwände für die Publikations- und Informationsversorgung transparent aufgestellt werden, um eine fundierte Grundlage für strategische Entscheidungen zu erhalten. Informationsbudgets ermöglichen mehr Transparenz, bessere Steuerung und eine verantwortungsvolle Ressourcennutzung. Zugleich verändert sich der Blick auf wissenschaftliche Publikationen: Sie werden nicht länger als isolierter Kostenfaktor betrachtet, sondern als strategischer Bestandteil der Hochschulentwicklung und Wissenschaftspolitik.
Leitungsaufgabe mit strategischer Dimension

Der Workshop machte deutlich, dass die Etablierung eines Informationsbudgets nicht nur eine Frage technischer und organisatorischer Umsetzbarkeit ist, sondern vor allem auf Leitungsebene entschieden werden muss, damit die gesamte Institution in die Prozesse eingebunden wird. Informationsbudgets sind eng mit strategischen Entscheidungen verknüpft, wie beispielsweise die Open-Access-Finanzierung, das Publikationskostenmanagement und die langfristige Ausrichtung digitaler Infrastruktur. Das erfordert ein gemeinsames Verständnis zwischen Präsidium, Verwaltung, Bibliothek und Wissenschaft über zentrale Fragen:

    Welche Ziele verfolgt die Einrichtung mit ihrer Publikationsstrategie?
    Wie sollen Ressourcen verteilt werden?
    Welche Governance-Strukturen sind notwendig, um Entscheidungen datenbasiert zu treffen?

Gerade weil durch die Einführung von Informationsbudgets diese Aspekte sichtbar werden, sind sie mehr als ein Controlling-Instrument: Sie fördern den Dialog über wissenschaftliche Werte und Prioritäten.
Impuls aus der Forschung: Informationsbudgets als kulturprägendes Instrument

Den fachlichen Impuls zu Beginn des Workshops gab Prof. Dr. Gerard J. M. Meijer, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und Sprecher der Arbeitsgruppe „Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrats. Er ordnete das Konzept des Informationsbudgets in den größeren Kontext der Open-Access-Transformation und der wissenschaftlichen Informationsversorgung ein. Für Meijer sind Informationsbudgets nicht nur ein Werkzeug zur Kostensteuerung, sondern ein Instrument institutioneller Kulturentwicklung: „Ein Informationsbudget zwingt uns, uns mit der Frage zu befassen, wofür wir Geld in der Wissenschaft ausgeben – und welche Werte dahinterstehen“, so Meijer.

Er betonte, dass die Einführung solcher Budgets nur gelingen kann, wenn sie von der Leitung aktiv getragen und abteilungsübergreifend umgesetzt wird. Bibliothek, Forschungsmanagement und Finanzverwaltung müssen dazu enger zusammenarbeiten als bisher. Nur dann könne das Informationsbudget sein Potenzial entfalten: Transparenz zu schaffen, Prioritäten zu klären und die Open-Access-Transformation strategisch zu steuern.
Praxisbericht aus Leipzig: Strukturen, Prozesse, Lernkurven

Anschließend berichtete Dr. Henriette Rösch, stellvertretende Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig, von den Erfahrungen an ihrer Hochschule. Hier hat man in den vergangenen Jahren begonnen, ein Informationsbudget als internes Steuerungsinstrument aufzubauen, um sämtliche Kosten der Informationsversorgung zu erfassen und systematisch auszuwerten. Sie berichtete von folgenden Herausforderungen:

    Heterogene Finanzierungsstrukturen: Fakultätsmittel, Drittmittel und zentrale Mittel mussten zusammengeführt werden.
    Datentransparenz: Die Erfassung und Auswertung der Kosten erforderte neue Formen der Datenerhebung und -integration.
    Kommunikation und Verantwortung: Die Einführung eines Informationsbudgets bedeutete auch, Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen in einen kontinuierlichen Austausch zu bringen.

Henriette Rösch betonte, ein Informationsbudget sei nicht nur ein Controlling-Werkzeug, sondern auch ein Kommunikationsanlass – es schaffe Bewusstsein und eröffne Gespräche über Prioritäten und Verantwortung. Der Aufbau solcher Strukturen brauche zwar Zeit, sei aber ein wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen, datenbasierten Steuerung von Publikationskosten und Open-Access-Ausgaben.
Praxisbericht aus Bielefeld: Datenbasiert steuern – digital und integriert

Im zweiten Praxisbeitrag sprachen Prof. Dr. Ulrich Rückert, Prorektor für Digitalisierung und Dateninfrastruktur der Universität Bielefeld, und Dirk Pieper, ständiger Vertreter der Leitenden Bibliotheksdirektorin, über die Bielefelder Ansätze und Erfahrungen. Hier wurde früh damit begonnen, Kosten für Subskriptionen, Publikationsgebühren und Open-Access-Fonds zusammenzuführen und digitale Systeme zur Erfassung und Analyse von Informationskosten zu entwickeln. Die beiden Projekte OpenAPC und openCost haben hilfreiche Vorarbeiten und nachnutzbare Ergebnisse gebracht. An der Universität Bielefeld ist das Informationsbudget in die Gesamtstrategie der Digitalisierung eingebettet und diene nicht nur der Kostentransparenz, sondern auch der Integration von Datenflüssen zwischen Bibliothek, Finanzverwaltung und Forschungsdatenmanagement. Ulrich Rückert stellte fest: „Ein Informationsbudget ist ein Teil der digitalen Infrastruktur einer Hochschule und verbindet Datenmanagement, Finanzen und wissenschaftliche Verantwortung.“ So wird es zu einem Instrument der Governance, das hilft, Entscheidungen faktenbasiert und wertorientiert zu treffen.
Moderation und Austausch auf Leitungsebene

Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, moderierte den Workshop und führte durch die Diskussion. Unter seiner Moderation entstand ein intensiver Austausch zwischen den teilnehmenden Führungskräften über Erfahrungen, Hürden und Erfolgsfaktoren. Wichtig war, das Informationsbudget als strategisches Instrument zu nutzen, ohne operative Strukturen zu überfrachten. Dabei gehe es weniger um Detailsteuerung, sondern um Rahmensetzung, Prioritätensetzung und Kulturentwicklung.

Die Diskussion zeigte:

    Ein Informationsbudget stärkt das strategische Handeln von Hochschulleitungen, indem es Transparenz und Grundlagen für Entscheidungsprozesse schafft.
    Es unterstützt den Kulturwandel von der Kostenverteilung zur aktiven Ressourcensteuerung.
    Es erfordert institutionelle Zusammenarbeit und politisches Commitment in den Institutionen.

Die Etablierung eines Informationsbudgets ist ein Schlüssel zur nachhaltigen Gestaltung der wissenschaftlichen Informationsversorgung und ihr Erfolg ist eng mit der institutionellen Führungsverantwortung verbunden.
Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates – eine Zwischenbilanz

Nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates von 2022 haben zahlreiche Hochschulen begonnen, Informationsbudgets einzuführen oder erste Pilotprojekte umzusetzen.

Die Erfahrungen zeigen:

    Technische und organisatorische Hürden sind lösbar, wenn Leitung, Hochschulgremien, Bibliothek und Verwaltung gemeinsam vorgehen.
    Klar definierte Ziele und eine verbindliche Steuerungslogik, um diese zu erreichen, sind entscheidend.
    Informationsbudgets sind erfolgreich, wenn sie in die Gesamtstrategie der Hochschule eingebettet sind.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Weg zu einem institutionell verankerten Informationsbudget ein schrittweiser Lernprozess ist – aber einer, der die wissenschaftliche Informationsversorgung auf eine neue, zukunftsfähige Grundlage stellen kann.
Abschluss der Workshopreihe – Auftakt für neue Diskurse

Mit der Veranstaltung „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ endete die Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, in der verschiedene Aspekte des Informationsbudgets beleuchtet wurden. Das Ende der Workshopreihe markiert zugleich den Beginn eines Austauschs auf Leitungsebene über institutionelle Zusammenarbeit, Wissenstransfer und strategisches Vorgehen. open-access.network und HRK planen, diese Diskussion fortzuführen und die Ergebnisse und Erfahrungen aus den Workshops zu dokumentieren und zu teilen. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, um das Konzept Informationsbudget weiter zu schärfen und bundesweit praktikable Modelle zu fördern.
Fazit

Informationsbudgets sind kein Selbstzweck – sie sind ein Schlüssel, um das Ziel der offenen Wissenschaft finanziell, organisatorisch und politisch zu verankern.
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<item><title>Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Fokus beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025</title><link>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Nov 2025 10:00:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Ronja Kuhlwilm</dc:creator><dc:creator>Sebastian Schaarschmidt</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Simon Schmiederer</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</guid><description>Gemeinsam offen finanzieren - unter diesem Leitgedanken trafen sich Vertreter*innen aus Bibliotheken, Konsortialstellen und Open-Access-Projekten beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025 in Bremen. Im Mittelpunkt standen praktische Erfahrungen, Bedarfe und Ideen für die Zukunft konsortialer Open-Access-Modelle.
Einleitung

Auf dem 9. Bibliothekskongress 2025, der 113. Bibliocon in Bremen, veranstalteten vier Open-Access-Konsortialstellen ein Hands-on-Lab mit dem Titel „Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Dialog mit der bibliothekarischen Erwerbung zukunftsfähig gestalten“. Ziel des Workshops war es, die Bedarfe und Herausforderungen von Bibliotheken bei der Finanzierung von Open-Access-Publikationen zu analysieren und vertiefend zu diskutieren. Aus den Thementischen gingen folgende Kernbefunde hervor: Es besteht ein dringender Bedarf an transparenter Kosteninformation und Nachvollziehbarkeit der Pledging-Summen; strukturelle und dauerhafte Finanzierungswege (statt rein fallweiser Einzelförderung) werden als notwendig erachtet; konsortiale Modelle werden als zentrales Instrument zur Förderung bibliodiverser, solidarisch finanzierter Diamond-Open-Access-Publikationen geschätzt, sind jedoch angesichts der heterogenen Publikationslandschaft herausfordernd umzusetzen; darüber hinaus wurden Entscheidungshilfen, gezielte Ansprache budgetverantwortlicher Stellen und mehr Awareness- und Informationsarbeit als Voraussetzung für eine breitere Beteiligung identifiziert.

Diamond Open Access

Open Access bezeichnet die Möglichkeit, wissenschaftliche Ergebnisse ohne Zugangsbeschränkungen im Internet frei verfügbar und nachnutzbar zu machen. Dafür existieren verschiedene Modelle. Eines davon ist Diamond Open Access – ein Begriff, der seit Jahren intensiv diskutiert und unterschiedlich interpretiert wird. Manche verstehen Diamond Open Access lediglich als Unterform des Gold Open Access, andere sehen darin eine eigenständige Publikationskategorie mit klaren Abgrenzungskriterien (vgl. Dellmann et al., 2022).

Die Uneinigkeit entsteht vor allem dadurch, dass die zugrunde liegenden Kriterien variieren. Ein gemeinsamer Nenner aller Definitionen ist jedoch: Für Autor*innen und auch für Einrichtungen, an denen diese affiliiert sind, fallen keine Publikationsgebühren an - weder in Form von Article Processing Charges (APCs) für Zeitschriftenartikel noch in Form von Book Processing Charges (BPCs) für Bücher. Ebenso können Leser*innen ohne Kosten oder Abonnements auf die Inhalte zugreifen.

Darüber hinaus beinhalten manche Definitionen weitere Aspekte. Häufig wird gefordert, dass die Publikationsorgane wissenschaftsgeleitet (scholar-led) sind, also von Wissenschaftler*innen oder wissenschaftlichen Fachgesellschaften verantwortet werden und die Titelrechte dort verbleiben. Teilweise wird auch der Ausschluss kommerzieller Interessen als zentrales Kriterium angesehen. Die Finanzierung von Diamond Open Access erfolgt dabei über unterschiedliche Modelle, etwa durch Institutionen, Förderprogramme oder kooperative Gemeinschaftsstrukturen. In diesem Beitrag fokussieren wir uns auf die konsortiale Finanzierung.
Konsortiale Finanzierung statt Transformationsverträge

Um die Kosten für die Publikation einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder Buches zu tragen, kann ein Konsortium organisiert werden. Das bedeutet, dass sich mehrere Einrichtungen zusammenschließen und die Produktionskosten der herausgebenden Redaktion gemeinsam tragen.

Ein Vorreiter für dieses Finanzierungsmodell ist seit vielen Jahren die Open Library of Humanities (OLH). In den letzten Jahren sind auch in Deutschland mehrere Initiativen und Projekte entstanden, die konsortiale Open-Access-Finanzierung für verschiedene Fächer organisieren. Dabei fungiert meistens eine Einrichtung als Konsortialstelle und kümmert sich sowohl um die Gewinnung von Konsorten als auch um die Gewinnung von Zeitschriften oder Büchern für die Diamond-Open-Access-Finanzierung.

Transformationsverträge ermöglichen weder kurz- noch langfristig eine Umwandlung der Publikationslandschaft hin zu vollem Diamond Open Access (Mittermaier, 2025). In einzelnen Fachdisziplinen, wie der Bildungsforschung, ist dies bereits empirisch bestätigt (Rettelbach, 2025).

Alternative Wege wie z. B. Diamond-Open-Access-Finanzierungskonsortien werden also dringend gebraucht. Die Teilnahme an einem Konsortium ist für die teilnehmende Einrichtung mit geringem administrativen Aufwand verbunden. Zudem wird die Bibliodiversität gefördert und ein fairer Zugang zu Forschungsliteratur und -daten ermöglicht. Die Beiträge, die zu zahlen sind, sind in der Regel niedriger als eine einzelne APC/BPC und bei den meisten konsortialen Angeboten werden mehrere Zeitschriften und/oder Bücher gefördert.
Bedürfnisse, Erfahrungen und Perspektiven der Bibliotheken

Im Mittelpunkt des Workshops stand der offene Austausch mit der Open-Access-Community, insbesondere der bibliothekarischen Erwerbung. Um die vielfältigen Perspektiven und Erfahrungen sichtbar zu machen, wurde das Format des Worldcafés gewählt - eine partizipative Diskussionsmethode, bei der Teilnehmende in wechselnden Kleingruppen an verschiedenen Thementischen miteinander ins Gespräch kommen. So konnten zentrale Fragen und Ideen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden.

Alle Thementische bezogen sich auf die konsortiale Open-Access-Finanzierung. Im Fokus standen dabei vier Schwerpunkte: „Preis(-transparenz)“, „Finanzierungsmöglichkeiten“, „Mehrwerte und Entscheidungshilfen“ sowie „bestehende Angebote“. An jedem Tisch wurden Erfahrungen geteilt, Herausforderungen benannt und konkrete Ansätze für zukünftige Entwicklungen formuliert.
Preis(-transparenz)

Bei der Preistransparenz wurde die Rolle der Konsortialstellen als Instanz hervorgehoben, die die Kostenstrukturen der Zeitschriften und Buchprojekte prüft, wenngleich offen bleibt, ob dies den Konsortien vollumfänglich möglich ist. Den Konsortien wird großes Vertrauen entgegengebracht, was die Preisgestaltung von Open-Access-Konsortialangeboten anbelangt. Es wurde einerseits die Meinung geäußert, dass Diamond Open Access grundsätzlich ein Non-Profit-Angebot sei und daher die Preistransparenz an dieser Stelle nicht so wichtig. Demgegenüber wurde andererseits formuliert, dass es wünschenswert sei, wenn es eine größere Transparenz hinsichtlich des Zustandekommens von Pledgingsummen gäbe, um besser nachvollziehen zu können, was Bibliotheks- und Informationseinrichtungen genau finanzieren. Auf einer grundsätzlichen Ebene wurde diskutiert, ob es nicht sinnvoller sei, von der Diamond-Open-Access-Einzelförderung von Zeitschriften weg zu kommen zugunsten einer infrastrukturellen Förderung von Diamond Open Access. Dieser Punkt wurde im Zuge der Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten von Diamond Open Access vertieft diskutiert.
Finanzierungsmöglichkeiten

In den Diskussionsrunden wurde festgestellt, dass umfassende Kenntnisse von Finanzierungsmöglichkeiten von (Diamond) Open Access ein zentrales Desiderat darstellen und es übergreifender struktureller Lösungen bedarf. In den Einrichtungen der Workshopteilnehmenden wird gegenwärtig zum Großteil das Budget zur Erwerbung verwendet, wobei nur vereinzelt auch Open-Access-Budgets vorhanden oder gar ausdifferenzierte Informationsbudgets etabliert sind. Ergänzt werden diese Haushaltsmittel zum Teil durch zentrale Förderpauschalen von DFG und BMFTR). Der Finanzierungsspielraum wird jedoch durch Transformations- und DEAL-Verträge grundlegend beschränkt und zunehmend Mittelflüsse aus dem Forschungsbereichen notwendig. Dabei wurde jedoch angemerkt, dass bei den Fachhochschulen nahezu keine Aktivitäten stattfinden und keine Finanzierungsspielräume vorliegen, wie dies beispielhaft für die Schweiz dargelegt wurde.

Darüber hinaus wurde diskutiert, Diamond Open Access als grundlegende Infrastrukturförderung zu betrachten und nachhaltige Lösungen gefordert. Beispielhaft wurde dabei der Vorschlag aus dem Leopoldina-Papier grundsätzlich als eine dauerhafte Lösung begrüßt, deren konkrete Umsetzung jedoch von den Teilnehmenden eher kritisch diskutiert wurde.

Als wichtige und zentrale Lösungen wurden Finanzierungskonsortie diskutiert. Als Herausforderung wurde dabei die heterogene Situation in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft dargelegt. Die vertretenen fachlichen Konsortien wurden als beispielhaft beschrieben und der weitere Ausbau hin zu Best-Practices mit der Etablierung weiterer fachlicher Konsortien gewünscht.
Mehrwerte und Entscheidungshilfen

Kriterien für eine finanzielle Beteiligung an Diamond-Open-Access-Angeboten

Als grundlegende Aspekte für eine finanzielle Beteiligung seitens Bibliotheken an konsortialen Modellen wurden insbesondere die fachliche Passung eines Angebots und die Affiliationen der Autor*innen mit der eigenen Institution genannt. Dabei handelt es sich um Faktoren, die bereits aus einer Umfrage des Projekts KOALA-AV bekannt sind und somit im Austausch mit der Zielgruppe diskursiv vertieft wurden (vgl. Schenke et al., 2025). Darüber hinaus wurde hervorgehoben, dass Diamond Open Access auch unter einem solidarischen Gesichtspunkt betrachtet werden sollte: Die gemeinsame Finanzierung gilt als Beitrag zur notwendigen Transformation des Publikationssystems, um ein Gegengewicht in der aktuellen APC/BPC-Krise zu schaffen.

Ideen für konkrete Mehrwerte

Als mögliche Beteiligungsanreize wurden u. a. Rabatte für Tagungen oder Mitgliedschaften bei Fachgesellschaften ins Spiel gebracht, wenn deren Zeitschriften durch Diamond Open Access finanziert werden. Auch der exklusive Zugang zu Backlist-Titeln wurde als denkbarer Zusatznutzen genannt. Backlist-Titel sind lieferbare Bücher eines Verlags, die bereits vor einiger Zeit erschienen sind und nicht zu den Neuerscheinungen (Frontlist) gehören. Als Mehrwert werden konsortiale Finanzierungsangebote darüber hinaus dann wahrgenommen, wenn sie ein Flipping von Publikationsmedien bewirken, die zuvor direkte Gebühren für den Lesezugriff (Subskription) oder das Publizieren erhoben haben.

Entscheidungshilfen für Einrichtungen

Um an konsortialer Finanzierung interessierte Einrichtungen bei der Entscheidung für eine Teilnahme zu unterstützen, sei es wichtig, dass Diamond-Open-Access-Anbieter Entscheidungsträger*innen gezielter ansprechen und Teilnahmeumfragen zweckgerichteter versenden, d.h. direkt an die Abteilung einer Einrichtung, von der aus das Budget für eine Konsortialteilnahme verwendet werden kann. Um effizienter herauszufinden, aus welchen Mitteln einer Institution eine Finanzierung potenziell erfolgen könnte und wer die entsprechende Ansprechperson ist, sei eine engere Zusammenarbeit mit den Einrichtungen erforderlich.

Darüber hinaus brauche es mehr Bewusstsein und Aufklärung über die Funktionsweise und den Nutzen von Diamond Open Access in den einzelnen Abteilungen und Fachbereichen von Einrichtungen. Eine Workshop-Teilnehmerin stellte die sogenannten „Sektionstouren“ ihrer Einrichtung vor, bei denen Fachbereiche direkt durch die Open-Access-Mitarbeitenden informiert werden – teilweise kombiniert mit kurzen Erklärvideos („Library Shorts“). Diese Maßnahmen seien zwar aufwendig, hätten sich aber als sehr wirksam erwiesen. Diskutiert wurde, ob Konsortialstellen hier ansetzen und beispielsweise einen Werkzeugkoffer mit Infos zu Diamond Open Access und ihren Konsortialmodellen für Sektionstouren entwickeln könnten.

Framing und Wahrnehmung

Die Diskussion zeigte auch, dass es eine Frage der Rahmung (“Framing”) ist, wie Dringlichkeit erzeugt wird. Während Subscribe-to-Open-Modelle durch ihre Benennung eine unmittelbare Notwendigkeit der Unterstützung signalisieren („ohne Subskription kein Open Access“), wirkt Diamond Open Access auf den ersten Blick als ohnehin frei verfügbares Angebot. Dieser Eindruck ist jedoch trügerisch, da auch Diamond Open Access nur bei ausreichender Mitfinanzierung langfristig bestehen kann.

Übergeordnete Perspektiven

Eine Arbeitsgruppe wählte einen eher grundsätzlichen Blickwinkel. Sie stellte infrage, ob fiktive Mehrwerte überhaupt sinnvoll seien, und plädierte dafür, die Erwerbungslogik von Bibliotheken stärker an Prinzipien der Openness statt an kapitalistischen oder reputationsbasierten Kriterien auszurichten. Falls Mehrwerte formuliert würden, müsse außerdem zwischen Vorteilen für Einrichtungen und Vorteilen für Autor*innen unterschieden werden. Besonders wurde betont, dass DEAL-Verträge nicht unter dem Label Diamond Open Access subsumiert werden dürften. Zudem wurde vorgeschlagen, dass eine stärkere Professionalisierung und Zentralisierung (z. B. durch SeDOA) zur Sichtbarkeit und besseren Vermittlung der spezifischen Mehrwerte von DOA beitragen könnte.
Bestehende Angebote

Die bestehenden (Diamond) Open-Access-Konsortialangebote richten sich stets an eine spezifische Fachdisziplin und somit an eine bestimmte Community. Im Workshop wurde deutlich, dass (Diamond) Open-Access-Angebote nur fachspezifisch gefördert werden können. Wichtige Punkte für Einrichtungen sind zudem Kostenstabilität, Relevanz für die eigene Einrichtung/den Fachbereich und Nutzungszahlen. Außerdem wurde von den Teilnehmenden hervorgehoben, dass es wichtig sei, auch bestehende Open-Access-Zeitschriften und nicht nur geflippte Zeitschriften zu fördern.

Als ein Problem für Neugründungen wird die fehlende Reputation gesehen. Zudem wurde betont, dass gerade bei Neugründungen Förderzusagen für einen festen Zeitraum (z. B. 3 Jahre oder mehr) den Zeitschriften eine bessere Planungssicherheit gibt.

Für einige Bibliotheken sei eine Opt-Out-Regel wichtig, sobald es um mehrjährige Förderung von Diamond Open Access geht. Dies steht dem Wunsch nach Planungssicherheit auf Seiten der Finanzierten gegenüber. Meist werden konsortiale Open-Access-Finanzierungen noch lediglich als eine zusätzliche Etatbelastung wahrgenommen und eine Integration in reguläre Bibliotheksetats steht noch aus. Viel Geld ist aktuell bereits in Transformationsverträgen gebunden. Diese Herausforderungen verstärken sich noch einmal in Zeiten knapper Finanzlagen. Ein eigenes Budget zur Förderung von konsortialer Open-Access-Finanzierung an den Einrichtungen könne hier ein Lösungsweg sein.
Die Konsortialstellen, die das Worldcafé angeboten haben:

OLE-Konsort
OLE-Konsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für wirtschaftswissenschaftliche DOA-Zeitschriften auf. Das Zeitschriftenpaket wächst jährlich an, wobei die Zeitschriften eine Förderzusage von drei Jahren erhalten. Die Teilnahme ist auf ein Jahr ausgelegt vom 01.01. bis zum 31.12. Die Pledgingrunden finden jedes Jahr von Juli bis November statt, währenddessen Einrichtungen ihre Unterstützung für das folgende Jahr zusagen können. OLEKonsort wird von 2023-2026 durch Projektförderung des BMFTR unterstützt. Konsortialführende Einrichtung ist die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

KOALA - Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen
KOALA ermöglicht eine nachhaltige Finanzierung für Diamond-Open-Access-Publikationen. Dafür schnürt KOALA thematisch fokussierte Zeitschriften zu Bündeln, die wissenschaftlichen Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Finanzierung angeboten werden. Sobald das Finanzierungsziel für ein Zeitschriftenbündel erreicht ist, werden die enthaltenen Titel für drei Jahre gesichert finanziert und vollständig frei zugänglich gemacht. Die TIB fungiert als zentraler Dienstleister und Koordinator für das KOALA-Modell und betreibt das Angebot im Regelbetrieb für Zeitschriften in ihrem Fächerspektrum. 

Laufende Pledging-Runde: Noch bis zum 31.10.2025. kann für die KOALA-Bündel KOALA Mathematik 2026 – 2028 (4 internationale Fachzeitschriften, 140 Artikel jährlich) und KOALA TIB Sensor Systems 2026 – 2028 (Journal of Sensor and Sensor Systems, JSSS) am Pledging teilgenommen werden. 

KOALA-SLUB
Die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) betreibt seit 2024 ein Pilotprojekt zur Organisation konsortialer Open-Access-Finanzierungslösungen unter dem Titel KOALA-SLUB. In einer ersten Finanzierungsrunde konnten hier bereits 11 Zeitschriften in drei fachlichen Bündeln im Rahmen des KOALA-Modells finanziert werden. Die SLUB Dresden wird sich in Zukunft weiter in dieser Richtung engagieren.

OPEN-ACCESS-KONSORTIUM BILDUNG (EDU_CONSORT_OA)
Das BMFTR-geförderte Verbundprojekt des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft. Das Verbundprojekt zielt sowohl auf ein Crowdfunding für DOA-Fachzeitschriften als auch auf ein Crowdfunding für E-Books, da diese Publikationsformen weiterhin als zentral in den Fachcommunitys angesehen werden. Dabei konnten bereits in vier erfolgreichen Runden knapp 80 Monografien und Sammelwerke unter Beteiligungen von jeweils über 50 Einrichtungen finanziert werden. Die Erfahrungen mit den beiden Verfahren werden als Best-Practices für einen Transfer in andere Fachcommunitys und Fachinformationsdienste aufbereitet

eilnahme an Konsortialangeboten und weitere Infos

Im Diamond Funding Navigator finden Sie weitere Informationen zu den Angeboten dieser Konsortialstellen.
Literaturverzeichnis

    Dellmann, S., van Edig, X., Rücknagel, J., &amp; Schmeja, S. (2022). Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 9(3), 1-12. https://doi.org/10.5282/o-bib/5849)
    Mittermaier, B. (2025). Transformationsverträge sind eine Sackgasse: In Erinnerung an Irene Barbers (1966–2025). O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(1), 1-22. https://doi.org/10.5282/o-bib/6117)
    Rettelbach, S., &amp; Schindler, C. (2025). Zum Status quo der Open-Access-Transformation in der Bildungsforschung: Eine Analyse einschlägiger Zeitschriften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-23. https://doi.org/10.5282/o-bib/6119)
    Schenke, J., Stork, K. S., &amp; Tullney, M. (2025). Das Diamond-Open-Access-Modell KOALA aus erwerbungsbibliothekarischer Sicht: Ein Auswertungsbericht. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-16. https://doi.org/10.5282/o-bib/6162</description><enclosure
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