<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
    <channel>
        <title>Archiv-RSS-Feed</title>
        <description>Beiträge nach Datum: 2025 / 2</description>
        <language>de</language>
        <link>https://open-access.network/blog/archive/archive/2025/februar/blog.archive.xml</link>
        <lastBuildDate>Tue, 21 Jul 2026 08:53:31 +0200</lastBuildDate>
        
    
        
            
            
<item><title>Diamond OA: BMBF-Projekte bringen faires und freies Open Access auf den Punkt</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt#comments</comments><pubDate>Wed, 12 Feb 2025 15:26:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Evin Dalkilic</dc:creator><dc:creator>Mamta Dwivedi </dc:creator><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Lena Marie Henkes</dc:creator><dc:creator>Simona Noreik</dc:creator><dc:creator>Jonas Scherr</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</guid><description>Diamond Open Access (DOA), also Publikationen ohne Gebühren für Leser*innen und Autor*innen (siehe Definition des DIAMAS-Konsortiums), sind entscheidend für den nachhaltigen und fairen Zugang zu wissenschaftlicher Forschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) trägt diesem Umstand mit der „Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis“ Rechnung.

Am 24. Oktober 2024 haben sechs Projekte dieser Förderlinie anlässlich der Internationalen Open Access Week 2024 ein „Blitzlicht“ organisiert, um ihre Zwischenergebnisse vorzustellen und für die wichtigen Anliegen von Diamond Open Access weiter zu sensibilisieren. Mit dabei waren KOALA-AV, Diamond Thinking, OLEKonsort, edu_consort_oa, DiamOnd@HsH und ELADOAH, die mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen einen guten Einblick in die Vielfalt der Diamond-Open-Access-Landschaft in Deutschland bieten konnten.

Die Veranstaltung richtete sich an alle, die sich für freien Zugang zum wissenschaftlichen Diskurs und Diamond Open Access interessieren, unabhängig von deren Kenntnisstand. Bewusst hatten sich die Projekte dem Anliegen der Internationalen Open Access Week 2024 angeschlossen: Unter dem Motto „Community over Commercialization“ haben die beteiligten Einrichtungen ein Zeichen für faires und freies Open Access gesetzt. Die jeweiligen Projektergebnisse stützen dieses Engagement inhaltlich.


KOALA-AV

Das Projekt KOALA-AV (Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz, Technische Informationsbibliothek (TIB)) widmet sich der Etablierung qualitätsgesicherter APC-freier konsortialer Open-Access-Lösungen. Dafür wurden bisher 13 Zeitschriften und zwei Schriftenreihen fachlich gebündelt und von nationalen und internationalen Einrichtungen für jeweils drei Jahre gemeinschaftlich finanziert.

Das Projekt untersucht Motivation und Mehrwerte des KOALA-Modells sowie Herausforderungen bestehender Konsortien und Modelle. Erhebungsergebnisse unter Erwerbungsbibliothekar*innen ergeben, dass ein relevanter Beweggrund für eine Beteiligung die Umwidmung von Erwerbungsmitteln ist. Die strategische Motivation bei der Unterstützung von DOA wird als wichtigster Mehrwert gesehen. Als größter Hinderungsgrund für eine Teilnahme werden fehlende Publikationen von Forschenden der eigenen Einrichtung eingeschätzt. Hierfür entwickelt das Projekt Lösungsvorschläge und vernetzt die Community, etwa in Workshops. Derzeit optimiert das Projektteam die Workflows und baut das Modell mit nationalen und internationalen Partnern weiter aus. So gibt es beispielsweise seit 2024 eine KOALA-Konsortialstelle als Pilotprojekt an der SLUB Dresden.
ELADOAH

Im Verbundprojekt ELADOAH („Erwerbungslogik als Diamond-Open-Access-Hindernis: Aus-, Um- und Nebenwege“) werden bestehende und mögliche Modelle zur Finanzierung von DOA erhoben und diskutiert. Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft kann im Rahmen einer Interview- und Literaturstudie vorläufig bilanzieren, dass wissenschaftliches Publizieren stark im Wandel begriffen ist, wobei insbesondere Kooperation (statt Wettbewerb) und Gemeinwohlorientierung (statt Gewinnorientierung) an Bedeutung gewinnen. Wissenschaftliches Publizieren wird, so haben die Interviews gezeigt, stärker als ein ganzheitliches Modell verstanden, bei dem Risiken im Publizieren durch eine gemeinschaftliche Organisation und Finanzierung besser aufzufangen sind.

Der Verfassungsblog untersucht, ob und inwieweit das öffentliche Haushaltsrecht der Finanzierung von DOA-Publikationen insbesondere durch Hochschulen und ihre Bibliotheken entgegensteht. Vorab lässt sich hierzu sagen, dass bei Erwerbungsfragen meist aus dem Blick zu geraten scheint, welche Spielräume das Agieren im Kontext der Wissenschaftsfreiheit schaffen kann. Dass die Rechtsstellung wissenschaftlicher Bibliotheken rechtswissenschaftlich kaum Aufmerksamkeit erfährt, dürfte zu möglicherweise verengten Rollenverständnissen beitragen.
OLEKonsort

Das Projekt OLEKonsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für Diamond-Open-Access-Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften auf. Das Projekt ist ein Teil der Open Library Economics (OLEcon), einer Initiative der ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Nach einer erfolgreichen ersten Finanzierungsphase läuft noch bis Mitte Dezember 2024 die Abfrage zur Mit-Finanzierung von vier DOA-Zeitschriften für 2025.

Der Austausch mit anderen Projekten im Bereich Diamond Open Access ebenso wie mit der Community der wissenschaftlichen Bibliotheken hat sich im Projekt als sehr fruchtbar erwiesen. Beim Aufbau einer Community von Mit-Finanzierenden (meist wissenschaftliche Bibliotheken) zeigt sich, dass neben Informationen zu Publikationszahlen der Zeitschriften für die Mit-Finanzierenden vor allem ein Austausch zum „Wie“ des Finanzierens von Open Access interessant ist. Die engagierten Herausgeber*innen der wissenschaftsgeführten DOA-Zeitschriften haben hingegen Bedarf am Austausch zu praktischen Fragen der Zeitschriftenpublikation. Im weiteren Projektverlauf liegt der Fokus auf dem Ausbau des Konsortiums über den DACH-Raum hinaus sowie auf der Stabilisierung der Konsortialteilnahme.
edu_consort_oa

Das Verbundprojekt Open Access-Konsortium Bildung für E-Books und Zeitschriften (edu_consort_oa) des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik. Das zentrale Ziel ist es, eine tragfähige Infrastruktur zur verteilten Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften- und Open-Access-E-Book-Paketen durch die Beteiligung von Hochschulbibliotheken zu bilden und bedarfsgerecht im fachlichen Publikationsgefüge zu etablieren.

Dabei werden für diese beiden Publikationsformen konsortiale Subskriptionsverfahren entwickelt und in jährlichen Verfahren jeweils:
1) Ausschreibungen durchgeführt,
2) die Einreichungen formal durch die Projektbeteiligten und inhaltlich über ein fachliches Auswahlgremium geprüft und ausgewertet,
3) über Pledgings Hochschulbibliotheken finanziell beteiligt und abschließend
4) die Publikationen mit ihren Metadaten über das fachliche Repositorium peDOCS sowie der FIS Bildung Literaturdatenbank verbreitet und langzeitarchiviert.

Mit edu_consort_oa und dem FID konnten bisher drei Pakete mit insgesamt 59 OA-E-Books durch die jeweilige Beteiligung von über 50 Hochschulbibliotheken finanziert werden. Die Deadline zur Einreichung für eine weitere Runde an 20 OA-E-Books sowie erstmals auch für fünf DOA-Zeitschriften ist Ende Februar.
DiamOnd@HsH

Im Fokus des Projekts DiamOnd@HsH steht die Etablierung eines wissenschaftsgeleiteten, institutionell verankerten Diamond-Open-Access-Verlags, mit dem die bestehenden Publikationsinfrastrukturen an der Hochschule Hannover um ein professionalisiertes Angebot ergänzt werden sollen. Durch ein niedrigschwelliges Vor-Ort-Angebot sollen Forschende und Lehrende zum Publizieren motiviert und durch qualitätssichernde Maßnahmen unterstützt werden. Bei fakultätsübergreifenden Gesprächen hat sich bestätigt, dass es nicht nur Fachkultur-, sondern auch HAW-spezifische Bedürfnisse und Anforderungen gibt, die bei der Konzeption des Dienstleistungsportfolios berücksichtigt werden müssen. Entsprechend ist eine früh im Prozess ansetzende Beratung und konstante Begleitung für die Wahrnehmung des hauseigenen Angebots essenziell. Nach sechs Monaten Laufzeit, in denen z. B. an der benötigten technischen Infrastruktur und Bewerbung des Vorhabens gearbeitet worden ist, stehen nun die ersten vier Publikationen im Verlag HsH Applied Academics an.
Diamond Thinking

Das Verbundprojekt Diamond Thinking (Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Universitätsbibliothek Stuttgart) ist darauf ausgerichtet, an beiden Partneruniversitäten Infrastrukturen für DOA-Veröffentlichungen auf- und auszubauen: in Karlsruhe im Bereich wissenschaftlicher Zeitschriften, in Stuttgart für Buchpublikationen. Dies wird durch Maßnahmen der PR und der Nutzendenforschung begleitet. Denn Information, Kommunikation und das Erzeugen von Renommee sind zentral für den Erfolg von DOA-Strukturen. Nur wenn Wissenschaftler*innen von den neuen Angeboten wissen und diese ernst nehmen, kann ‚wissenschaftsgeleitetes Publizieren‘ gelingen. Gemeinsame Projekte der Bibliothek mit Wissenschaftler*innen können dabei helfen, dies zu leisten.

Die für das Projekt angedachte Teilfokussierung auf wissenschaftliche Fachgesellschaften hat sich indes fallweise als problematisch erwiesen, weil diese meist überregional, oft international ausgerichtet sind, sodass ein Standortbezug nur unzureichend gegeben ist. Auch deshalb erscheinen überregionale DOA-Strukturen, wie sie aus dem Projekt heraus im TU9-Zusammenhang ebenfalls verfolgt werden, als äußerst wünschenswert.
Abschluss und Ausblick

Der Workshop hat gezeigt, dass der Austausch zwischen den Projekten, trotz teils unterschiedlicher Ausrichtung, sehr hilfreich für die erfolgreiche Projektarbeit ist. Die BMBF-geförderten Projekte können von den jeweiligen Erkenntnissen profitieren und die Zusammenarbeit kann Synergien schaffen.

Als aktuelle Schwerpunkte im Bereich DOA haben sich v. a. die folgenden drei Aspekte herauskristallisiert:

    Konsortiallösung
    Beratung
    und institutionelle Publikationsinfrastrukturen

– also Kontexte, die dezidiert von der Zusammenführung unterschiedlicher Perspektiven und Schwerpunkte sowie (interdisziplinärer) Zusammenarbeit leben. Zusammenarbeit und Austausch zwischen Community-geleiteten Initiativen stellen angesichts begrenzter Kapazitäten zwar eine Herausforderung dar, sind gleichzeitig aber entscheidend, um DOA nachhaltig zu gestalten und drängende Fragen wie zum Beispiel die langfristige Finanzierung anzugehen. Das „Blitzlicht“ war Teil der Bemühungen, den Austausch in der Community und die gegenseitige Unterstützung zu stärken.

Zudem ist deutlich geworden, dass DOA mehr ist als ein wissenschaftspolitisches „Modethema“: In den Projektvorstellungen sowie in den Rückmeldungen der Teilnehmer*innen der Veranstaltung zeigt sich ein Bekenntnis für faires und freies Open Access sowie der Wunsch nach einem grundlegenden Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems. Förderpolitisch lässt sich dies unterstreichen mit nationalen Initiativen wie der geplanten Einrichtung einer Servicestelle für Diamond Open Access durch die DFG, auf europäischer Ebene mit den Arbeiten zur Effizienzsteigerung von Diamond Open Access des DIAMAS-Konsortiums; sowie auf globaler Ebene durch Diskussionen im Rahmen des Global Summit Diamond Open Access (2023 in Mexiko und 2024 in Südafrika).</description><enclosure
            length="569486"
            type="image/png"
            url="https://open-access.network/fileadmin/ipoa/Blog/Titelbild_Blitzlicht_DiamondOAProjekte.png" /></item>


            
        
            
            
<item><title>Eine Politik für Open Access Bücher beginnt in der Einrichtung</title><link>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</link><comments>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Feb 2025 14:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Malte Dreyer</dc:creator><dc:creator>Jan-Philip Tummes</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</guid><description>Eine smarte Förderpolitik für OA-Bücher soll zu mehr Open Access in den SSH führen. Wir haben gefragt: wer darf dabei nicht fehlen und wo brennt es am meisten?
Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern
Logo Palomera

Vergleicht man Umsetzungsstand der Open-Access-Transformation im Zeitschriftensektor mit der Lage auf dem Buchmarkt, drängt sich einem der Eindruck auf, dass Bücher in der Open-Access-Transformation bisher eher am Rande behandelt wurden (Shaw &amp; Phillips et al., 2021). Hierfür gibt es viele Gründe. Der in Deutschland sehr kleinteilige Verlagsmarkt macht eine Transformation durch Konsortialverträge kompliziert und auf der Ebene der EU existieren verschiedene Umsetzungsstände und Rahmenbedingungen. Die Diskussion und Durchsetzung von Maßnahmen sowohl auf der nationalen als auch auf der europäischen Ebene gilt deswegen als sehr herausfordernd (Laakso &amp; Bandura-Morgan et al., 2024). Das Projekt PALOMERA (Policy Alignment of Open Access Monographs in the European Research Area) hat sich der Aufgabe angenommen, diese Rahmenbedingungen zu beschreiben und darauf aufbauend Empfehlungen für Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern zu erarbeiten. Dies geschieht – wie in anderen Policy-Forschungsprojekten auch – auf der Basis von Daten, die typischerweise durch Desktopresearch, in Workshops oder in Umfragen erhoben werden.
Die PALOMERA Umfrage zu Open-Access-Büchern

Vor diesem Hintergrund führten die Mitarbeitenden von PALOMERA eine europaweite Online-Umfrage zur Open-Access-Politik für Bücher durch. Sie zielte darauf ab, Einstellungen zur Politik für Open-Access-Bücher, zu anderen Stakeholdern sowie Bedarfe und Herausforderungen der Transformation zu ermitteln. Auch der Wissensstand über Open-Access-Politiken im Allgemeinen und die Beurteilung einzelner Politikmaßnahmen im Besonderen wurde erfragt. Die Einladung zur Umfrage wurde über Mailinglisten, Social-Media und Direktkontakte in 39 Ländern verbreitet.  420 Personen aus 30 Ländern haben teilgenommen. Für die Auswertung im Ländervergleich wurden nur Länder berücksichtigt, aus denen mindestens 30 vollständige Rückläufe vorlagen. Die Respondenten konnten sich außerdem den Stakeholdergruppen Forschungsförderungsorganisationen (RFOs), Universitäten (und andere Forschungsorganisationen, kurz. RPOs), Verlage, Bibliotheken, Infrastrukturanbieter, politische Entscheidungsträger oder Fachgesellschaften zuordnen, was zusätzlich eine stakeholderspezifische Analyse ermöglichte. In Hinblick auf die Gestaltung der Förderpolitik hierzulande und darüber hinaus sind besonders die Ergebnisse zu den Themen politisches Engagement und Stakeholderkooperation interessant.
Unsere nationale Open-Access-Politik: es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie…

Aufgrund der föderalen Struktur gibt es in Deutschland eine große Anzahl von politischen Dokumenten: Richtlinien auf der Ebene der Bundesländer, Stellungnahmen von Forschungsförderungsorganisationen, Papiere von Ministerien und vieles mehr (vgl. Bärwolff &amp; Benz, 2023). 27 % der Befragten scheinen eine dieser vorhandenen Strategien als nationale Politik zu betrachten, während 47 % der Befragten davon überzeugt sind, dass es in Deutschland keine nationale Open-Access-Politik gibt (Abbildung 1). Mit 26 % gibt sogar ein gutes Viertel der Befragten an, nicht zu wissen, ob eine nationale politische Strategie existiert oder nicht. Angesichts der unklaren Situation in Deutschland ist diese Aussage vermutlich nicht nur auf die Unkenntnis der Befragten zurückzuführen: Das Antwortverhalten der größtenteils professionell mit Open Access befassten Respondenten spiegelt vielleicht einfach die faktisch uneindeutige politische Situation in Deutschland korrekt wider.
Abb. 1: Existenz einer nationalen Politik. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.15

Dementsprechend besteht auch eine größere Unentschlossenheit hinsichtlich der Existenz einer Strategie für Open-Access-Bücher als in anderen Ländern. In Deutschland gaben die meisten Befragten an, sie wüssten nicht, ob eine solche Strategie existiert (67 %). In zentralistisch regierten Ländern sind sich die Befragten der Existenz und Verbreitung ihrer Open-Access-Politik dagegen weitaus stärker bewusst, wie ein Blick auf die Zahlen aus Frankreich beweist. Der Föderalismus birgt also besondere Herausforderungen für die Kommunikation der Wissenschaftspolitik.           

Doch warum ist das wichtig? Nun, das Wissen um die Existenz einer nationalen Politik ist die Voraussetzung für ein entsprechendes Engagement. Tatsächlich ist das Interesse an der Gestaltung einer nationalen Open-Access-Politik in Deutschland bemerkenswert gering (s. Abb. 2). Hier weisen die Daten übrigens eine weitere interessante Korrelation auf: das Interesse am nationalen Engagement scheint in einem Zusammenhang mit dem Interesse an der Open-Access-Politik auf der institutionellen Ebene zu stehen. In Ländern mit einem hohen Maß an Wissen über nationale Strategieprozesse ist auch ein höheres Beteiligungsinteresse auf der institutionellen Ebene messbar.
Abb. 2: Partizipationsinteresse und -wissen. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.30

Politikgestaltung darf demnach nicht nur als nationalstaatlicher Prozess gedacht werden. Hinzu kommt, dass alle Befragten ein höheres Beteiligungsinteresse an Prozessen in ihrer Institution hatten – vielleicht auch, weil sich die Befragten meistens besser auf der institutionellen Ebene auskennen. So geben, wie oben zu sehen, 49% aller Befragten an, die relevanten Stakeholder auf nationaler Ebene benennen zu können, 67% dagegen geben an, die relevanten Stakeholder auf der institutionellen Ebene zu kennen. Wer zum Zwecke der Open-Access-Politikgestaltung besonders engagierte Mitstreiter*innen braucht, sollte sich also auf die Ebene der Institution oder Einrichtung begeben.
Stakeholder und die Sonderrolle der Verlage

Politische Prozesse sind partizipative Prozesse. Konkrete inhaltliche Weichenstellungen können bereits dadurch vorgenommen werden, dass bestimmte Interessengruppen ausgeschlossen und andere zugelassen werden. Daher haben wir gefragt, wer an einem politischen Prozess für Open Access Bücher in Zukunft beteiligt werden sollte und welche Interessengruppen bereits gut vertreten sind.

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie sich für die Zukunft einen geringeren politischen Einfluss der internationalen Verlage wünscht. Dieser Befund korrespondiert mit dem häufig geäußerten Wunsch, wissenschaftsgeleiteten Initiativen mehr politischen Einfluss zu geben (Abb.3).
Abb.3: Relevanz von Stakeholdern. Ländervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.27.

Zusätzlich zum Vergleich der Länder haben wir auch nach Stakeholdern aufgeschlüsselt. Im Allgemeinen sind sie nicht nur der Meinung, dass ihre eigene Gruppe stärker vertreten sein sollte, sondern geben auch an, dass sie sich eine stärkere Präsenz fast aller anderen Gruppen wünschen würden. Die Verlage weisen hierbei allerdings den schwächsten Zuwachs zwischen der geschätzten gegenwärtigen und der erwünschten zukünftigen Bedeutung auf. In Bezug auf die internationalen Verleger wird sogar gewünscht, dass sie in Zukunft eine weniger bedeutsame Rolle in der Open-Access-Politik spielen sollten (Abb.4 und 5). Scholar led Initiativen weisen dagegen die stärkste positive Differenz zwischen der Einschätzung der gegenwärtigen und der erhofften zukünftigen Relevanz auf.
Abb.4: Relevanz von Stakeholdern, Stakeholdervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.28.

Auch in Bezug auf die Bewertung des Impacts einer Open-Access-Politik spielen die Verlage eine besondere Rolle. Zwar waren Respondenten aus den Verlagen am wenigsten davon überzeugt, dass eine nationale Open Access Politik die Dinge zum Besseren verändern würde, bezeugten aber das größte Interesse, an einer solchen mitzuwirken.
Abb.5: Erwartungen an eine Open Access Politik und Partizipationsinteresse. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S. 32.
Die Moral von der Geschicht

Im Projekt PALOMERA haben wir durch die Umfrage gelernt, dass viele Stakeholder sich eher auf der institutionellen als auf der nationalen Ebene an der Gestaltung einer Open-Access-Politik für Bücher beteiligen würden. Eine starke Einbindung der Institutionen durch geschickte Partizipationsmechanismen bei gleichzeitiger Verzahnung der institutionellen mit der nationalen Ebene könnte daher ein vielversprechender Ansatz für eine Politikgestaltung sein, die Stakeholder auf allen Ebenen von Anfang an mit miteinbezieht. In einem solchen Bottom-up-Prozess würden die RPOs als Vermittlungsorgan zwischen der Ebene der Wissenschaftler und der nationalen bzw. europäischen Ebene fungieren. Dabei steht besonders der Föderalismus vor schwierigen Herausforderungen, weil sich dort mit den Bundesländern ein weiterer Intermediär zwischen den Stakeholdern und ihren nationalen Interessenvertretern schiebt. Das führt zu einer unübersichtlichen Situation, in der eine klar strukturierte Governance und bündige Kommunikationskonzepte umso wichtiger werden, wie der Vergleich mit den zentralistisch regierten Ländern zeigt. Bibliotheken könnten hier eine tragende Rolle übernehmen. Wenn es irgendetwas in Bezug auf Informationsinfrastrukturen zu entscheiden oder zu diskutieren gibt, könnten sie zu wichtigen Ansprechpartnerinnen werden.

In Bezug auf die Stakeholder unterstreichen unsere Daten den vielerorts vernehmbaren Eindruck, dass eine wachsende Skepsis gegenüber kommerziellen Geschäftsmodellen das Bedürfnis nach wissenschaftsgeleiteten Kommunikationsinfrastrukturen nährt. Die Bereitschaft zur politischen Gestaltung ist aber bei allen Stakeholdern hoch. Hier wünschen sich die Befragten auch eine Beteiligung der national agierenden Verlage, womit vermutlich vor allem die kleineren und mittelständischen Verlage gemeint sein dürften. Dass wir jede helfende Hand gebrauchen können, zeigt ein abschließender Blick auf die Problemzonen der Open Access Transformation für Bücher. Obwohl Open-Access-Bücher mittlerweile eine gute Reputation genießen, geben fast alle Befragten an, dass sie in Puncto Informationspolitik, finanzielle Förderung und technische Infrastrukturen noch viel Verbesserungsbedarf sehen (Abb. 6.) Insofern hat die PALOMERA-Umfrage auch einen appelativen Charakter. Die Aufforderung, eine progressive Politik für Open-Access-Bücher zu machen, geht aber nicht nur an die politischen Entscheidungsträger der EU und des Bundes. Sie sollte – das legen unsere Ergebnisse nahe – besonders in den Einrichtungen ernst genommen werden: an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, in den Seminaren, Fachverbänden und in den Bibliotheken. An der Basis.
Abb.6: Handlungsfelder für die Open-Access-Politikgestaltung für Bücher. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.39.
Literaturliste

Bärwolff, Theresa; Benz, Martina; Dreyer, Malte u. a.: Open4DE Landscape Report, 2023. Online: , Stand: 05.11.2024.

Dreyer, Malte; Stone, Graham; Tummes, Jan-Philip u. a.: Report on the PALOMERA survey on open access policies for books in the European research area, 30.08.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13607260, Stand: 03.12.2024.

Laakso, Mikael; Bandura-Morgan, Laura; Bazeliuk, Nataliia u. a.: PALOMERA Deliverable 3.1 – Report on Analysis Findings, in zenodo, 01.10.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13827250, Stand: 26.11.2024.

Shaw, Philip; Phillips, Angus; Gutiérrez, Maria Bajo: Arts, Humanities and Social Sciences Monographs. A Report on Publishing Trends, Oxford International Centre for Publishing, Oxford 2021.</description><enclosure
            length="137665"
            type="image/jpeg"
            url="https://open-access.network/fileadmin/ipoa/Blog/book-Ebook_digital.jpg" /></item>


            
        



    </channel>
</rss>
