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<item><title>Openness an Hochschulen verankern mit dem OER-Policy Kit</title><link>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2</link><comments>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2#comments</comments><pubDate>Mon, 26 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Policy</category><category>OER</category><dc:creator>Silvia Czerwinski</dc:creator><dc:creator>Irina Hörmann</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2</guid><description>Immer mehr Hochschulen bekennen sich zu Openness. Durch verschiedene Richtlinien wollen sie ein Signal für Lehrende, Forschende und andere Hochschulangehörige setzen, dass sie einen freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur, Forschungsdaten und Bildungsmaterialien unterstützen. Doch was sollten solche Policies eigentlich enthalten bzw. regeln? Was ist aus rechtlicher Sicht zu beachten? Und welche Stakeholder sollten bei der Erstellung einbezogen werden, damit später bei der Umsetzung alle an einem Strang ziehen und die Policies nicht nur auf dem Papier bestehen? Antworten in Bezug auf Open Educational Resources (OER) gibt das OER-Policy Kit. Es bietet Orientierung, Handlungsempfehlungen und praktische Tipps.
Openness in der Hochschullehre - Open Educational Resources (OER)

Viele Hochschulen im DACH-Raum haben bereits eine Policy für die Förderung von OER auf den Weg gebracht (siehe Policy-Liste). Als OER werden freie Bildungsinhalte bezeichnet, die durch eine offene Lizenzierung kostenlos einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen und somit für andere nachnutzbar sind - dabei kann es sich um einzelne Materialien oder ganze Kurse handeln (siehe UNESCO Definition). Dabei haben sich die Creative Commons Lizenzen als Standard für die Kennzeichnung und Verbreitung von OER etabliert.

Nachnutzbar können OER in vielerlei Hinsicht sein: Passende Lehr-/Lernmaterialien zum eigenen Lehrgebiet können die Lehrveranstaltung anreichern, ergänzen und vertiefen, sie bieten aber auch die Möglichkeit, die (Neu-)Gestaltung der eigenen Lehre zu inspirieren, umzustrukturieren und stärker kompetenzorientiert auszurichten (z. B. nach dem Prinzip des Inverted Classroom). Durch die Bereitstellung eines didaktischen und methodischen Mix an Lernangeboten können Studierende eingebunden und eine Vermischung von wissenschaftlichen Arbeitsmethoden und informellen Lernprozessen erreicht werden. Außerdem wird den Studierenden durch ein breites Angebot an Begleitmaterialien eine bedarfsorientierte Beschäftigung mit dem Thema ermöglicht und so eigenverantwortliches und individuelles Lernen gefördert, z.B. mittels persönlicher Lernpfade zur Prüfungsvorbereitung, zur Vertiefung von Themen oder zum Auffangen unterschiedlicher Wissensstände bei Studierenden. Dies trifft umso mehr zu, wenn die Studierenden selbst dazu angeregt werden, gemeinsam mit den Lehrenden den Materialpool zu erweitern oder offene Lehrmaterialien an die eigenen Lernprozesse anzupassen.

Besonders beim Einstieg in die Hochschullehre können nachnutzbare Bildungsmaterialien für neuberufene Professorinnen und Professoren, frisch angestellte Mitarbeitende und Lehrbeauftragte hilfreich sein. Indem auf bewährte Materialien zurückgegriffen wird und somit die Erstellung von Lehrkonzepten und -materialien nicht bei null begonnen werden muss, kann der Lehreinstieg erleichtert werden.

Großes Potenzial entfalten OER vor allem dann, wenn die offenen Materialien verändert und erweitert werden. Sie können z. B. einfach in andere Sprachen übersetzt werden (mittels KI), wodurch sich Potenziale für die Internationalisierung ergeben. Oder die Inhalte können aus den Hochschulen heraus in andere Bildungssparten wie z. B. die wissenschaftliche Weiterbildung bzw. Erwachsenenbildung überführt werden.

Grundsätzlich kann die Veröffentlichung eigener Lehr-/Lernmaterialien sowie Lehrkonzepte als OER dem Reputationsaufbau im Bereich der Hochschullehre dienen, ähnlich wie wissenschaftliche Publikationen im Forschungsbereich. Mitunter werden OER im Lebenslauf auch für spezifische Stellen relevanter. Durch die Bereitstellung von Open Educational Resources kann ein aktiver Beitrag zu einer vielfältigen und nachhaltigen Bildungslandschaft geleistet werden.
Warum brauchen Hochschulen eine OER-Policy?

Das Teilen von Lehr-/Lernmaterialien, Lehrkonzepten oder Prüfungsaufgaben ist für manche Lehrende immer noch mit einigen Fragezeichen, Unsicherheiten oder Vorbehalten verbunden: Wo kann ich nach geeigneten Materialien suchen? Woher weiß ich, dass das gute Materialien sind? Ist es nicht aufwändig, die Materialien anderer an meine Lehre anzupassen? Welche rechtlichen Aspekte muss ich beachten, wenn ich meine Materialien veröffentlichen möchte? Wer gibt mir Antworten auf meine Fragen? Um eine Kultur des Teilens in der Lehre an Hochschulen und damit die Nutzung und Erstellung von OER zu etablieren bzw. zu fördern, braucht es verschiedene Maßnahmen auf mehreren Ebenen, z. B.:

    Beratungsstellen und konkrete Ansprechpersonen vor Ort
    Informationsmaterialien, Selbstlernkurse, Sprechstunden etc.
    Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote zur Erstellung und Nutzung von OER
    Austausch- und Vernetzungsformate für Lehrende, um u. a. Good-Practice-Beispiele sichtbar zu machen
    Anreizsysteme wie z. B. Förderprogramme, Auszeichnungen, Deputatsanrechenbarkeit für besondere Leistungen rund um OER in der Lehre
    Nationale und internationale Veranstaltungen rund um OER
    Unterstützung bei der Anpassung und Erstellung von OER in Form von ausgebildeten Hilfskräften

Ein wesentlicher Grundstein, der den Weg für diese Maßnahmen ebnen kann (aber nicht muss), kann mit einer Policy gelegt werden. Mit einer solchen Richtlinie, die sich an Lehrende, Mitarbeitende und/oder andere Hochschulangehörige richtet, können Hochschulen nicht nur zeigen, dass sie sich für OER, Openness und eine Kultur des Teilens einsetzen, sondern auch wie sie diese Ziele mit welchen Maßnahmen an der Hochschule erreichen möchten. Typische Inhalte einer OER-Policy sind folgende (siehe auch Muster Policy des niedersächsischen Landesportals twillo):

    Die Position der Hochschule in Bezug auf OER (enthält u. a. Präambel, Verständnis von OER, Ziele, Zielgruppen)
    Empfehlungen der Hochschule („Pflichten“ der Zielgruppe, u. a. Lizenzwahl, Namensnennung, offene Dateiformate, Qualitätssicherung)
    Angebote der Hochschule (welche Unterstützung möchte sie in Sachen OER gewährleisten, z. B. Einräumung der Nutzungsrechte, Verantwortlichkeiten und Ansprechpersonen, OER-Repositorium, Qualifizierungsangebote und weitere Maßnahmen)

Jedoch ist der Weg zu einer OER-Policy und ihre inhaltliche Ausgestaltung dabei so unterschiedlich und vielfältig wie die Hochschullandschaft selbst. Wenn sich eine Hochschule auf den Weg zu einer OER-Policy machen möchte, gibt es allerdings immer ähnliche Fragen: Wo und wie fange ich an? Was soll die Policy enthalten bzw. regeln? Was ist aus rechtlicher Sicht zu beachten? Welche Akteur:innen müssen einbezogen werden?
Das OER-Policy Kit als Handlungsleitfaden
Abb. 1: Roadmap OER-Policy Prozess. (Bild: Frank Homp und Stefanie Legler, CC BY 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de)

Klar definierte Antworten auf diese Fragen gibt es weniger, aber es gibt Erfahrungen, wie Hochschulen diese Fragen individuell für sich beantwortet haben. Diese sind nun in Form des OER-Policy Kits von einer Arbeitsgruppe bestehend aus twillo, dem Netzwerk ORCA.nrw und der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen übersichtlich und interaktiv zusammengestellt worden. Über einen Zeitraum von sechs Monaten hat die sechsköpfige Arbeitsgruppe Erfahrungen von Hochschulen zusammengetragen, die bereits eine OER-Policy veröffentlicht haben oder noch mittendrin stecken. Während des Schreibprozesses wurden u. a. Rückmeldungen aus Vernetzungstreffen von Policy-Aktiven eingeholt und eingearbeitet.

Das fertige OER-Policy Kit ist ein Handlungsleitfaden, der als praktischer Wegweiser durch den Dschungel des OER-Policy-Entwicklungsprozesses dienen soll (Abb. 1). Egal, an welchem Punkt eine Hochschule steht – ob man einen Vorschlag für einen Policy-Entwurf benötigt, einen partizipativen Prozess gestalten oder die Hochschulleitung erst noch über das Für und Wider einer OER-Policy aufklären möchte –, das OER-Policy Kit versucht, trotz der vorhandenen Unterschiede zwischen den Hochschulen eine allgemeine Orientierung, konkrete Tipps und Beispiele sowie hilfreiche Materialien zu den verschiedenen Stationen zu geben.
Transferpotenzial für Open Access Policies

Ähnlich wie bei der Entwicklung von OER-Policies, bei denen es um den freien Zugang zu Lehr-/Lernmaterialien geht, gibt es auch bei der Gestaltung von Open Access Policies ähnliche Fragen. Diese Richtlinien zielen darauf ab, wissenschaftliche Publikationen und Forschungsdaten frei zugänglich zu machen. Der Prozess der Erstellung und Implementierung einer Open Access Policy umfasst viele der gleichen Herausforderungen und Schritte wie bei OER-Policies: die Definition von Zielen und Maßnahmen, die Einbeziehung relevanter Stakeholder und die Berücksichtigung rechtlicher Aspekte. Das OER-Policy Kit kann daher ebenfalls hilfreiche Antworten auf den Entwicklungsprozess einer Open Access Policy geben und als Leitfaden herangezogen werden. Schließlich können Hochschulen durch die parallele Förderung von OER und Open Access eine umfassende Kultur der Offenheit etablieren, die sowohl die Lehre als auch die Forschung umfasst.

Wenn sich also Ihre Hochschule auf den Weg Richtung Openness machen und das in Form einer Policy verankern möchte, dann werfen Sie gerne einen Blick in das OER-Policy Kit. Alle Dateien zum Nachnutzen des Policy Kits finden sich in diesem Git-Repository: https://github.com/twillo-lehre-teilen/OER-Policy-Kit Wenn das Kit hilfreich für Sie ist oder wenn Sie Verbesserungsvorschläge haben, freuen wir uns immer über Ihr Feedback an support.twillo@tib.eu bzw. als Kommentar unter diesem Post.
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<item><title>Diamond Open Access und Zweitveröffentlichungen im Fokus beim oa.barcamp 2024 an der SUB Göttingen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen#comments</comments><pubDate>Mon, 19 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zweitveröffentlichung</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</guid><description>Am 14. und 15. Mai trafen sich mehr als siebzig Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zur vierten Auflage des oa.barcamps an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen), um sich über den Status Quo, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft von Open Access (OA)  auszutauschen. Organisatorinnen waren die Universität Konstanz und die SUB im Rahmen des BMBF-geförderten Projekt open-access.network.
Innovatives Format mit aktiver Mitgestaltung durch die Teilnehmenden

Ein Barcamp ist verglichen mit gewöhnlichen Konferenzen ein offenes Veranstaltungsformat: Im Gegensatz zu einem im Vorfeld fixierten Programm mit festgelegten Vorträgen, Workshops und Sprecher*innen bestimmen die Teilnehmenden erst vor Ort, worüber sie wann in welchem Rahmen sprechen möchten.

&quot;I enjoyed being a part of the Barcamp a lot because of its open and flexible format. Every participant had a say in deciding the topics of discussion, and instead of fixed sessions and lecture-type presentations, the floor was open to different group sizes as well as discussion methods. Whether the participant was new to the topic or experienced, everyone had the opportunity to learn and discuss thanks to the format. I think the Barcamp created a very open platform for healthy interactions. It was a learning experience, not only on the theme at hand, but also on how to make group interactions more engaging and productive.&quot;  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

Die Zentralbibliothek bot dafür optimale Bedingungen: Im Digital Creative Space (DCS), das mit seiner Atmosphäre dem offenen und eher lockeren Konferenzcharakter zu Gute kam, bekamen die Angereisten zu Beginn der Veranstaltung die Gelegenheit, vor den anderen Gästen ihre zahlreichen Ideen und Themenvorschläge für Sessions – sei es als Workshop, Diskussionsrunde, Vortrag – vorzustellen, welchevon Fördermöglichkeiten von Fair Open Access über Herausforderungen von Zweitveröffentlichungsservices und Monitoring von Open-Access-Publikationen bis hin zur Vernetzung von Open-Access-Projekten reichten.

Im Anschluss an dieses sogenannte Session Pitching, waren alle Teilnehmer*innen aufgefordert, ihre bevorzugten Themen zu wählen, aus denen die Organisator*innen das Programm festzurrten, während die Teilnehmenden an einem Speed Dating zum Kennenlernen auf dem sonnenbeschienenen Campus teilnehmen konnten.
Diskussionen und Austausch über aktuelle Themen

Nach der Mittagspause standgleich eine erste Session zur Finanzierung von diamantenem Open Access an. Ausgehend von einer kurzen Vorstellung des am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelten Projektes Diamond Thinking durch Projektmanagerin Mamta Dwivedi tauschten sich rund fünfzig Teilnehmende über Möglichkeiten aus, Open-Access-Publikationen jenseits einer Finanzierung durch APC und BPC zu finanzieren. Dabei wurde die Notwendigkeit alternativer und fairer Finanzierungsmodelle betont, schon allein wegen der hohen und tendenziell weiter steigenden Kosten im Zusammenhang mit APC-finanzierten Medien und den DEAL-Verträgen. Zwar ermöglichen Projektförderungen es immer wieder, neue Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu gründen oder von Closed auf Open Access umzustellen, jedoch fehlt es an einer nachhaltigen Finanzierung nach Ablauf der jeweiligen Projektlaufzeit. Eine Lösungsmöglichkeit bieten hier alternative Finanzierungsmodelle. Beispiele wie die Open Library of Humanities und das KOALA-Projekt zeigten, dass Crowdfunding-Modelle funktionieren können, aber auch hier gibt es keine Garantie für Folgefinanzierungen. Haushaltsrechtliche Fragen erschweren außerdem die Beteiligung wissenschaftlicher Bibliotheken an solchen Modellen.

Mit der Frage, was Bibliotheken unternehmen können, um nicht-kommerzielle Formen des Open Access gezielt zu unterstützen, wurde sich im Anschluss auch in Session zwei auseinandergesetzt. Ein umfassender Bericht zu diesem Workshop kann hier nachgelesen werden.
Auf dem Weg zu neuen Open Access Policies?

Am zweiten Tag beschäftigte sich ein Workshop intensiv mit der Gestaltung und Implementierung von Open Access Policies bzw. damit, wie diese vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung der Open-Access-Transformation in Richtung einer umfassenden Publication Policy überarbeitet werden müssten.

Untergruppen bearbeiteten die Aspekte “Prozess und Implementation”, “Inhalte” und “Scholarly Publishing”. Dabei wurde die Bedeutung eines partizipativen Prozesses bei der Erstellung von OA Policies betont, bei dem Wissenschaftler*innen und Leitungsebene von Beginn an eingebunden sein sollten. Die Implementierung müsse zudem an quantifizierten Zielen überprüft und durch konkrete Maßnahmen unterstützt werden, die regelmäßig auf ihre Zielgruppen und Inhalte hin kontrolliert und angepasst werden. Schulungen sollten kontinuierlich wiederholt und Multiplikator*innen eingebunden werden, um sicherzustellen, dass die Inhalte den Bedarfen entsprechen. Als Basisinhalte einer OA Policy wurden die Themen Erst- und Zweitveröffentlichung, Empfehlungen zu Open Access und die Bereitstellung von Beratung und Unterstützungsangeboten genannt, neben zusätzlichen Punkten wie freie Lizenzen, Nutzung bestehender OA-Verträge und der Thematisierung von Research Assessment und Publikationsvielfalt. Statt einer reinen OA Policy wäre auch eine umfassendere Richtlinie zum wissenschaftlichen Publizieren denkbar.

Eine weitere Untergruppe besprach die Publikationsrichtlinie der TU Dresden als Beispiel und sammelte Feedback von verschiedenen Institutionen. Es stellte sich heraus, dass viele Einrichtungen bereits OA Policies oder Publikationsrichtlinien haben, jedoch oft eine übergreifende Publikationsrichtlinie bevorzugen würden, die alle Aspekte des wissenschaftlichen Publizierens abdeckt. Vorteile einer solchen umfassenden Richtlinie wären die Bündelung aller relevanten Informationen für Autor*innen und Institutionen sowie die Stärkung der Bibliotheken als zentrale Anlaufstellen.
Großes Interesse an Zweitveröffentlichungsservices

Die hohe Teilnehmendenzahl beim Workshop zu Zweitveröffentlichungsservices, den Franziska Deuter von der UB Bamberg anbot, zeigt die große Relevanz auch dieses Themas - für wissenschaftliche Bibliotheken ebenso wie für Verlage, beide Gruppen waren im Plenum vertreten. Deuter gab detaillierte Einblicke in die Workflows und Serviceangebote, die die UB Bamberg für ihre Forschenden und deren Zweitveröffentlichungen im dortigen Repositorium etabliert hat. Die folgende lebhafte Diskussion beleuchtete das Thema Green Open Access von verschiedenen Seiten, wie etwa in Hinsicht auf Haftungsfragen, Lizenzvergaben und Verlagspolicies. Als weitere relevante Themen erwiesen sich die Promovierendenberatung und der Umgang mit konkreten Alltagstätigkeiten wie die Erstellung von Deckblättern. Wer gerne weitere Informationen zu zentralen Aspekten des Themas hätte, kann einen Blick in den bereitgestellten Leitfaden zu Zweitveröffentlichungsservices werfen.
Blick in die Open-Access-Projektlandschaft

Mehrere im Open-Access-Bereich wirkende Projekte haben die Gelegenheit genutzt, der Community Einblicke in ihre Tätigkeiten zu geben.

In einer der ersten Sessions stellte Victoria Jahrmarkt das im vergangenen Herbst gestartete Projekt PANTER vor. Ziel des Projekts ist ein zuverlässiger Preismonitor, der es Publizierenden erlaubt, einen Überblick über die aktuelle Preislandschaft auf dem Open-Access-Zeitschriftenmarkt zu erlangen sowie Preisentwicklungen für Publikationsdienstleistungen sichtbar und vergleichbar zu machen. In der gemeinsamen Diskussion waren die Teilnehmenden eingeladen, eine fiktive Persona zu gestalten und so eine konkrete Nutzerin des Monitors zu imaginieren. Dieser spielerische Ansatz brachte anschaulich die zielgruppenspezifischen Herausforderungen an das Tool ans Licht.

Einer ganz anderen Aufgabe verpflichtet sich das Projekt OS-APS STEMO, über das Markus Putnings In einer der abschließenden Sessions informierte. Putnings zeigte, wie die im Projekt erstellte Open Source Software institutionelle Verleger*innen (etwa Repositorien, OJS-Instanzen oder Hochschulverlage) bei der Sicherstellung digitaler Barrierefreiheit unterstützen kann - hierfür stellte er auch eine Cloud-Software zum Selber-Ausprobieren bereit.

Diese beiden vorgestellten Projekte gaben einen Einblick in die Bandbreite von Themen, die in der aktuellen Open-Access-Projektlandschaft behandelt werden. Wie ein Überblick über diese Landschaft aussehen kann und wie mögliche Synergien identifiziert werden können, war Gegenstand einer weiteren Session zu Open-Access-Projekten, nämlich zum Angebot des oa.hub von open-access.network, den Sie hier finden.
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
Rahmenprogramm

Die thematischen Sessions wurden ergänzt durch spannende Rahmenprogrammpunkte. Zum Abschluss des ersten Barcamp-Tages öffnete die SUB die Tore zu ihrem Historischen Gebäude und die sonst verschlossene Tür des Heyne-Lesesaal. Der zweite Tag startete mit einem Refinement – also einer Verfeinerung – der Ergebnisse des ersten Tages mit Lilja Sautter, Product Owner an der SUB und Projektmitarbeiterin bei open-access.network, und Agile Coach Kay Liewald, SUB Göttingen.Hierbei wurden insbesondere der Austausch und die Möglichkeit des Perspektivwechsels am ersten Veranstaltungstag hervorgehoben. Gleichzeitig gaben Sautter und Liewald mit der hier demonstrierten One-Two-Four-All-Methode einen Einblick in die agile Projektarbeit an der SUB und den Teilnehmenden ein Tool zur Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse an die Hand.

„Im Projekt P2P.OA.HAW interessieren uns zum einen die individuellen   Herausforderungen von HAW im Bereich Open Access. Das Barcamp ist hierfür ideal, denn das Format gibt den Einrichtungen den Raum, eben diese spezifischen Themen zu adressieren. Die Größe der einzelnen Sessions bietet die Möglichkeit, in einen persönlicheren Austausch in Kleingruppen zu gehen, was bei Tagungen mit größeren Dimensionen oft zu kurz kommt. Zum anderen sind wir fortlaufend daran interessiert, weitere potentielle Peers kennenzulernen. Da auf dem Barcamp OA-Neulinge bis -Expert*innen vertreten waren, haben wir die Veranstaltung als Netzwerkgelegenheit genutzt.

Unsere Highlights waren: Einblicke in die Erstellung einer Open Access Policy und der persönliche Austausch mit der Ansprechperson unserer zu beratenden Hochschule.“ (Jasper Beyermann und Emilia Mikautsch, Projekt P2P.OA.HAW)

Das Barcamp in Göttingen hat einmal mehr gezeigt, dass dieses Format für den Austausch in der Open Access Community hervorragend geeignet ist. Die SUB Göttingen glänzte mit sehr gut geeigneten Räumlichkeiten, in denen sich die rund 75 Teilnehmenden an den zwei Tagen rundum wohlfühlen konnten. Sowohl Organisator*innen wie auch Teilnehmende zeigten sich in der Abschlusssession rundum zufrieden und sparten nicht mit Lob von der Organisation über das Catering bis hin zumRahmenprogramm, das es ermöglichte, außerhalb der Sessions Gespräche fortzuführen und sich zu vernetzen.

&quot;The theme of Open Access publishing is quite extensive and ever-changing. Therefore discussions and cooperation with specialists are the best way to learn and stay up-to-date on the topic. The community involved with OA publishing is also inclusive and easy to talk to. As I experienced it, this Barcamp had the format designed for easy interactions with specialists in various topics as well as building one-to-one relationship. I think, it&#039;s the best place and format for anyone interested in learning more about the topic as well as connecting with experts.”  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

„Beim Barcamp konnte ich viele Bekannte und frühere Kollegys wiedersehen und mich weiter mit der Community vernetzen. Trotz der vielen Online- Angebote sind solche Präsenztreffen daher sehr schön und wichtig. Ich konnte außerdem die Themen, die mich aktuell beschäftigen, in verschiedenen Sessions einbringen und neue Ideen mitnehmen. Daraus ist auch eine ganz konkrete Idee für einen Austausch zu Finanzierungsmodellen jenseits von APC und BPC entstanden.&quot; (Katharina Schulz, Projekt VEStOR ).

Das nächste oa.barcamp wird im Frühjahr 2025 stattfinden. Details zu Ort, Datum und Anmeldemöglichkeiten werden auf open-access.network bekannt gebeben.
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<item><title>Warum Offenheit bei Künstlicher Intelligenz (KI) für Bildung und Wissenschaft wichtig ist</title><link>https://open-access.network/blog/warum-offenheit-bei-kuenstlicher-intelligenz-ki-fuer-bildung-und-wissenschaft-wichtig-ist</link><comments>https://open-access.network/blog/warum-offenheit-bei-kuenstlicher-intelligenz-ki-fuer-bildung-und-wissenschaft-wichtig-ist#comments</comments><pubDate>Thu, 08 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><dc:creator>Sarah-Isabella Behrens</dc:creator><dc:creator>Caroline Boos</dc:creator><dc:creator>Dr. Anne-Sophie Waag</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/warum-offenheit-bei-kuenstlicher-intelligenz-ki-fuer-bildung-und-wissenschaft-wichtig-ist</guid><description>Wikimedia Deutschland ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des Freien Wissens. Wir verstehen die Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen und Bildung als Menschenrecht. Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Menschen am gesamten Wissen der Menschheit teilhaben, es nutzen und mehren können. Wissen ist für uns dann frei, wenn es für alle Menschen jederzeit kostenlos verfügbar, veränderbar und nachnutzbar ist.

Allerdings beobachten wir, dass derzeitige Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz wesentliche Prinzipien des Freien Wissens missachten: Transparenz, freier Zugang und Mitbestimmung.

Transparenz: Die im Bildungsbereich am häufigsten eingesetzte generative KI ist ChatGPT. Doch es ist nur wenig über das große proprietäre Sprachmodell, dessen Trainingsdaten oder Filter bekannt sind. Dadurch kann es kaum durch externe, unabhängige Personen beurteilt werden. In einem so sensiblen Bereich wie der Bildung, bei der es sich um eine öffentliche Aufgabe handelt, ist das nicht akzeptabel - daher fordern wir mehr Transparenz dort eingesetzter KI-Systeme.

Zugang: Privatwirtschaftliche Unternehmen verlangen für generative Chatbots hohe Lizenzgebühren. Wollen öffentliche Einrichtungen deren Nutzung für alle ermöglichen, müssen Sie hohe Lizenzgebühren zahlen. Damit fließen öffentliche Mittel direkt in privatwirtschaftliche Unternehmen, ohne dass für Staat oder Bürger*innen Möglichkeiten der Mitbestimmung über die Technologien existieren. Besser wäre es, diese öffentlichen Gelder könnten in die Entwicklung offener und gemeinwohlorientierter Systeme investiert werden.

Mitbestimmung: Proprietäre und kommerzielle KI-Anwendungen stehen im Widerspruch zu den Prinzipien und den Überzeugungen einer offenen Bildungspraxis und einer zeitgemäßen Pädagogik. Denn dazu gehört auch, dass die Auswahl von Inhalten und der Einsatz von Anwendungen wie beispielsweise KI-Tools gemeinsam ausgehandelt und mitgestaltet werden können. Damit dies realisiert werden kann, muss auf offene und transparente Anwendungen gesetzt werden, die nachvollziehbar sind und für die pädagogischen Bedarfe angepasst werden können.

Im Rahmen der kollaborativen Veranstaltungsreihe Forum Offene KI in der Bildung haben sich Menschen aus Bildungspraxis, -forschung und -zivilgesellschaft mit den Herausforderungen und Bedarfen bezüglich KI-Anwendungen in der Bildung auseinandergesetzt. Herausgekommen sind zehn Handlungsempfehlungen für offen und gemeinwohlorientierte KI-Technologien im Bildungsbereich, die die Relevanz von KI im Kontext der Bildung aus einer pädagogischen Offenheitsperspektive in den Blick nehmen.
An wen richten sich die Handlungsempfehlungen für mehr Offenheit bei KI in der Bildung?

Das Empfehlungspapier richtet sich an Bildungs- und Digitalpolitiker*innen, die offene und gemeinwohlorientierte KI in der Bildungspraxis fördern möchten. Die Empfehlungen sollen Möglichkeiten und Wege aufzeigen, wie der Einsatz offener KI-Technologien in der Bildung aussehen kann und welche Maßnahmen dafür getroffen werden müssen. Es wurde in einem kollaborativen Prozess zwischen November 2023 und Mai 2024 mit Beteiligten aus verschiedenen Bildungssektoren erarbeitet. Die Motivation war, Impulse in die Entscheidungsprozesse rund um KI-Anwendungen in der Bildung einzubringen und den politischen und gesellschaftlichen Diskurs in eine Richtung zu lenken, die gemeinwohlorientiert ist und nicht durch einzelne marktführende Tech-Konzerne dominiert wird. Ziel ist es, den Zugang zu offenen KI-Technologien, gute Rahmenbedingungen für offene Bildung und die Wahrung der Grundrechte im digitalen Raum voranzutreiben.
Bei der Abschlussveranstaltung des Forums Offene KI diskutierten wir die Empfehlungen mit verschiedenen Bundespolitiker*innen. Zu sehen sind (v.l.n.r.): Dr. Anne-Sophie Waag, Dr. Holger Becker, Maximilian Funke-Kaiser, Sabine Grützmacher, Franziska Hoppermann, Nele Hirsch und Franziska Heine.
Credits: Ekvidi, Wikimedia-DE-Event-14052024-36, CC BY-SA 4.0
Die 10 Handlungsempfehlungen auf einem Blick:

Wir empfehlen die öffentlich finanzierte Entwicklung gemeinwohlorientierter und offener KI-Technologien für den Bildungsbereich mit gleichen Zugangsmöglichkeiten für alle. Alle eingesetzten KI-Systeme sollen vor ihrem Einsatz im Bildungsbereich unabhängig geprüft werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es diverser Maßnahmen, die kurz- bis mittelfristig umzusetzen sind.

Infrastruktur und Zugang

    Kurzfristig: Bundesländer schaffen Zugänge zu KI-Systemen für alle
    Mittelfristig: Bund und Länder fördern die (Weiter-)Entwicklung von offenen, gemeinwohlorientierten KI-Alternativen für die Bildung
    Mittelfristig: Bund und Länder stellen öffentliche digitale Infrastrukturen zum Hosten offener KI-Systeme bereit

Offene Bildungspraxis

    Kurzfristig: Bund und Länder stellen alle öffentlich finanzierten Lern- und Weiterbildungsressourcen zu KI unter freien Lizenzen zur Verfügung
    Kurzfristig: Bundesländer fördern den Aufbau von Offenheitskompetenzen im Kontext der Digital- und Medienbildung
    Mittelfristig: Länder fördern eine neue Fortbildungskultur und -struktur mit offenen Formaten zum Peer-to-Peer- und Selbstlernen
    Mittelfristig: Bundesländer unterstützen die Veränderung der Lern- und Prüfungskultur

Grundrechte im digitalen Raum

    Kurzfristig: Der Bund gewährleistet durch regulatorische Maßnahmen die Nachvollziehbarkeit von spezifischen KI-Anwendungen für Nutzende
    Kurzfristig: Bund und Länder gewährleisten Datenschutz bei der Nutzung von KI-Anwendungen in der Bildung
    Mittelfristig: Bund und Länder führen eine unabhängige KI-Prüfstelle ein
     

Was folgt nach dem Papier und dem Forum?

Wir sehen das vorliegende Papier “Offene KI für alle!” nicht als abgeschlossen, sondern als Arbeitspapier an. Wir laden deshalb zur Fortsetzung unseres begonnenen, kollaborativen Prozesses ein. In diesem Sinne rufen wir alle politischen und pädagogischen Akteur*innen dazu auf, die Handlungsempfehlungen aufzugreifen, sie weiter zu verbreiten, mit Kolleg*innen darüber zu diskutieren und sie weiterzuentwickeln, zum Beispiel in der Wiki-Version der Handlungsempfehlungen: https://meta.m.wikimedia.org/wiki/Offene_KI. Wir hoffen, damit eine breite und differenzierte Debatte über KI-Systeme im Bildungsbereich mit anzustoßen. Wir appellieren an die Politik, die aufgeworfenen Herausforderungen anzugehen, den Dialog mit der Bildungspraxis zu intensivieren, unsere Empfehlungen aufzugreifen und deren Umsetzung aktiv zu unterstützen und voranzubringen.
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