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<item><title>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen#comments</comments><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 10:05:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access Policy</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Benedikt Krüger</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</guid><description>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen

Open Access in der Landeskunde sichtbar machen: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und das Projekt FLOAT luden am 12. Februar 2026 in Hannover zum Workshop „Open Access und Landeskunde“ ein. Forschende, Einrichtungen, Verlage und Bibliotheken diskutierten Strategien und Herausforderungen der OA-Transformation in Niedersachsens Landesgeschichtsforschung.
Strategische Signale aus Wissenschaft und Gedächtnisinstitutionen

Nach einem informellen Ankommen bei Kaffee eröffnete Anne-Katrin Henkel, stellvertretende Direktorin der GWLB, den Tag mit einer Begrüßung, in der sie den Stellenwert von Open Access für eine moderne Landesbibliothek betonte. In den anschließenden Grußworten unterstrichen Anna Teschner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Arne Butt von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen die Bedeutung freier Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen besonders im Bereich der Landeskunde. Ergänzend dazu erläuterte Andreas Steinsieck, Leiter der Abteilung Medienbearbeitung an der GWLB, mit Verweis auf die aktualisierte Open-Access-Policy des Hauses die strategische Positionierung der GWLB als wichtiger Anlaufstelle insbesondere für außeruniversitär Forschende – einer Zielgruppe, die zwar durchaus daran interessiert ist Open Access zu publizieren, bislang aber kaum durch einschlägige Förderprogramme darin unterstützt wird.
Das FLOAT-Projekt: Ziele, Pilotprojekte und Verlagsperspektive

Im Anschluss stellte Benedikt Krüger (GWLB) als Projektverantwortlicher das Projekt Förderung landeskundlicher Open-Access-Transformation (FLOAT) vor, das darauf abzielt, ein stärkeres Bewusstsein für Open Access in der landeskundlichen Community in Niedersachsen zu schaffen und neue Wege für die Finanzierung und Umsetzung von Open Access-Transformationsvorhaben zu erproben. Als Beispiel für eine solche Transformation stellte Benedikt Krüger u. a. das Pilotprojekt „Open-Access-Transformation der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ vor, das in Kooperation mit dem Wallstein-Verlag und der Historischen Kommission entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden ausgewählte Bände der sehr umfangreichen Reihe retrospektiv Open Access publiziert. Für zukünftig geplante Bände wiederum sollen verschiedene Formen der Open-Access-Finanzierung, wie z. B. konsortiale Finanzierungen oder purchase to open geprüft werden. Bezugnehmend auf dieses Projekt erläuterte Lena Hartmann (Wallstein Verlag) wie sich der Wallstein Verlag durch die Entwicklung von Open-Access-Geschäftsmodellen und die Durchführung von Transformationsprojekten zu den Veränderungen des wissenschaftlichen Publizierens positioniert. Zugleich verwies sie aber auch auf die großen technischen und personellen Herausforderungen, die für kleinere Verlage damit einhergehen.
Niedersächsische Förderlandschaft und Infrastruktur

Der späte Vormittag stand im Zeichen von Projekten und Fördermöglichkeiten. Jan Stieglitz präsentierte NiedersachsenOPEN, ein vom Land Niedersachsen und der Volkswagenstiftung finanziertes Programm. Es fördert sowohl die Open Access-Stellung von Publikationen aus und über Niedersachsen als auch Infrastrukturprojekte – darunter das FLOAT-Projekt. Einen Einblick und Vorausblick in die Arbeit der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) vermittelte Katja Wermbter, die besonders auf den SeDOA Distribution Hub und die Unterstützung bei technischen und rechtlichen Fragen hinwies. Daran anknüpfend stellte Linda Martin vom Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING das Konzept für eine kooperativ aufgebaute und über verschiedene niedersächsische Bibliotheken verteilte Diamond-Open-Access-Publikationsinfrastruktur vor. In jedem der drei Vorträge wurden auch spezifische, für die landeskundliche Forschung relevante Anknüpfungspunkte, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten, aufgezeigt.
Ein Blick über die Landesgrenzen

Am Nachmittag rückten Open-Access-Projekte in den Fokus, die mit ihren jeweiligen Ansätzen und Schwerpunktsetzungen Impulse für zukünftige landeskundliche Open-Access-Initiativen liefern sollten. Gerrit Heim (Badische Landesbibliothek Karlsruhe) stellte RegionaliaOPEN vor, eine Plattform, die bereits seit mehreren Jahren Publikationen zur Region Baden offen zugänglich macht und dabei auf eine rege Nachfrage, aber auch einen hohen Beratungsbedarf seitens der landeskundlichen Community stößt. Daniel Fischer (SLUB Dresden) präsentierte beispielhaft die umfangreichen Aktivitäten zur Klärung von Rechten bei der nachträglichen Open-Access-Stellung landeskundlicher Periodika. Zum Abschluss zeigte Markus Bierkoch (GWLB) auf, welche Rolle die in Niedersachsen neu eingeführte E-Pflicht, also die Pflichtabgabe elektronischer Publikationen aus Niedersachsen an die GWLB, für eine umfassende, frei zugängliche Überlieferung landeskundlicher Publikationen spielen könnte.
World Café zu Chancen, Hürden und Unterstützungsbedarfen

Ein zentrales Element des Workshops war das World Café am Nachmittag, das den Teilnehmenden einen aktiven Austausch ermöglichte. An drei Thementischen wurden Leitfragen diskutiert: Was spricht für Open Access in der niedersächsischen Landeskunde? Welche Hürden stehen dem Open-Access-Publizieren entgegen? Und welche Formen der Unterstützung und Services werden konkret benötigt, damit Open Access im landeskundlichen Bereich breitere Akzeptanz findet? Die offene Gesprächsform ermöglichte es, Erfahrungen aus Forschung, Verlagen, Einrichtungen und Projekten zusammenzubringen. In den Gesprächen wurden noch stärker die Potenziale herausgearbeitet, die Open Access für die Landeskunde bringen kann: von der besseren Sichtbarkeit landeskundlicher Publikationen, über die Langzeitverfügbarkeit bis hin zu ganz neuen Möglichkeiten der Vernetzung landeskundlicher Publikationen mit Kulturdaten anderer Gedächtnisinstitutionen. Zugleich zeichneten sich in den Diskussionen aber auch Spannungs- bzw. Handlungsfelder ab. Einige Wortmeldungen monierten die Diskrepanz zwischen den Vorgaben von Förderern einerseits und den Interessen von landeskundlich Publizierenden andererseits. Insbesondere wurde die Vorgabe kritisiert, ausschließlich die freieren Lizenzen CC BY und CC BY-SA zu vergeben. Hier wünschten sich einige Teilnehmende u.a. mit Verweis auf die bestehenden Unsicherheiten im Zuge der Verarbeitung von Inhalten durch KI-Anwendungen mehr Auswahlmöglichkeiten, um im Zweifel auch restriktivere Lizenzen vergeben zu können Festgestellt wurde auch, dass sich mit Blick auf die Landeskunde ein hoher Bedarf an kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Fördermöglichkeiten abzeichnet, der zwar kurz- und mittelfristig durch bestehende Open-Access-Projekte bedient werden könne. Wünschenswert wäre aber nach Meinung verschiedener Teilnehmender eine Strategie für eine dauerhafte und nachhaltige Unterstützung landeskundliche Forschender, die Open Access publizieren wollen.
Ergebnisse und Ausblick

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Ergebnisse des World Cafés im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens, dass Open Access in der Landeskunde große Chancen für Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Forschung bietet. Die im Verlauf des Workshops aufgekommenen Diskussionen über die Auswahl und Vergabe von CC-Lizenzen oder auch über die Frage, was genau „Nachnutzbarkeit“ im Kontext von Open Access bedeutet, verdeutlichte aber auch, dass zugleich niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote sowie verlässliche Infrastrukturen benötigt werden, um landeskundliche Forschende beim Open-Access-Publizieren zu unterstützen.

Literatur

Die Präsentationsfolien zum Workshop wurden auf Zenodo veröffentlicht:

    Bierkoch, M (2026). E-Pflicht und Open Access an der GWLB. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978416.
    Fischer, D (2026). Open Access und Rechteklärung. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979043.
    Hartmann, L (2026). Open-Access-Transformation aus Verlagssicht. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979274.
    Krüger, B (2026). Das FLOAT-Projekt. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18977953.
    Martin, L (2026). Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978983.
    Stieglitz, J. &amp; M. Schatz (2026). NiedersachsenOPEN - Zentraler Publikationsfonds des Landes Niedersachsen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18885371.
    Wermbter, K (2026). SeDOA. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979086.

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<item><title>Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026</title><link>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026</link><comments>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026#comments</comments><pubDate>Thu, 16 Apr 2026 15:06:46 +0200</pubDate><category>Konferenz</category><dc:creator>Susanne Luger</dc:creator><dc:creator>Christopher Fabbro</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026</guid><description>Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026


Vom 28.09. bis 30.09.2026 finden die diesjährigen Open-Access-Tage an der Johannes Kepler Universität Linz statt. Der Call for Proposals für Vorträge und Workshops läuft noch bis zum 26.04. und steht unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“. Die Ortskomitee-Mitglieder Susanne Luger und Christopher Fabbro geben einige Einblicke sowohl zum Motto als auch zum Veranstaltungsort.

Wandel im wissenschaftlichen Publikationswesen
Durch Digitalisierung, Open Access, Open Science und in den letzten Jahren den Einzug von Künstlicher Intelligenz befindet sich das wissenschaftliche Publikationswesen in einer Zeit immer schnelleren Wandels und des Umbruchs. Ausgetretene Pfade werden verlassen und neue Wege beschritten. Etablierte Standards und langjährig praktizierte Arbeitsweisen haben zum Teil ausgedient, geraten ins Wanken, werden hinterfragt und neu definiert. Dies ist überall zu spüren. Dabei müssen allerdings nicht nur die Vorteile und Chancen erkannt, sondern auch die möglichen Risiken und Konsequenzen in den Blick genommen werden. 

Verfolgt man die Mottos der Open-Access-Tage der letzten Jahre, ist es nun an der Zeit, den Schritt von den Visionen hin zu einer verantwortungsvollen Umsetzung zu gehen. Als bedeutender Treiberinnen der Open-Access-Bewegung nehmen insbesondere Bibliotheken und andere forschungsunterstützende Einrichtungen im Zusammenspiel mit allen Stakeholdern des Publikationssystems eine zentrale Rolle ein. Damit geht auch die Verantwortung einher, diesen Wandel mit Bedacht und praxisnah zu gestalten, damit Schlüsselbegriffe wie „Qualität“, „Integrität“, „gute wissenschaftliche Praxis“, „Teilhabe“ und „Nachhaltigkeit“ keine leeren Worte sind.


Herausforderungen im Zuge des Wandels
Aus dieser Problemlage heraus ist der Call for Proposals unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“ entstanden. Hierbei nehmen wir insbesondere die folgenden Herausforderungen und Problemfelder in den Blick:

Mit den fortschreitenden technischen Möglichkeiten und Anforderungen aus der Wissenschaft entstehen zunehmend neuartige Publikationsformate wie Micro-Publikationen, Datenpublikationen oder digitale Editionen, die in der Open-Access-Bewegung bisher weniger Beachtung gefunden haben. Der umfassendere Open-Science-Gedanke beschränkt sich aber nicht nur auf den freien Zugang zu einem klassischen Artikel in einer Zeitschrift. Welche neuen Denkweisen, Standards und Infrastrukturen sind daher erforderlich, um die diversen Publikationskulturen und -formate bestmöglich in die Open-Access-Transformation zu integrieren und am wissenschaftlichen Diskurs teilhaben zu lassen?
In einer zunehmend offenen Publikationslandschaft müssen auch Qualitätssicherung, Transparenz und wissenschaftliche Standards geachtet, gelebt und gegebenenfalls neu gedacht werden. Vor dem Hintergrund, dass Open-Access-Publikationen im Rahmen der Verarbeitung durch KI-Systeme tausendfach als Basis für großangelegte, maschinelle Auswertungen und automatisierte Texterstellung herangezogen werden, stellt sich auch hier die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit diesen Ressourcen. Was bedeutet es in diesem Kontext, „Autor*in“ zu sein und welche Verantwortung kommt den Betreibern, Rechteinhabern, Autor*innen und Nutzer*innen zu? Welche rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen können und wollen wir als Open-Science-Community hierfür stecken?
Einige etablierte Systeme geraten durch unsichere Finanzierung, Wissenschaftsskepsis und politische Umbrüche immer mehr unter Druck, z. B. (Publikations-) Infrastrukturen wie die in den USA betriebene Datenbank PubMed. Ein stärker werdendes Konkurrenzdenken zwischen einigen Ländern schafft zudem eine Tendenz, den Grundgedanken eines offenen Zugangs zu Forschungsergebnissen zu hinterfragen.  Daher ist es wichtig, Verantwortung für nachhaltige Open-Access-Modelle und resiliente Infrastrukturen zu übernehmen und diese zu gestalten. Gibt es Systeme, die uns als Open-Access-Community unabhängiger von einzelnen Akteuren oder Ereignissen machen, und trotzdem einen weltweiten und freien Zugang zu gewährleisten? Welche Verantwortung kommt dabei auch Entscheidungsträger*innen und Hochschulleitungen zu, die die notwendigen Rahmenbedingungen dafür schaffen müssen?

Wandel in Stadt und Universität
Die Open-Access-Tage 2026 laden dazu ein, diese Fragen und Herausforderungen zu diskutieren und den Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems gemeinsam zu reflektieren, kritisch zu begleiten und aktiv mitzugestalten. Dabei sind die diesjährigen Open-Access-Tage nicht nur in Hinblick auf ihre jubiläumsträchtigen Zahlen – 20. Auflage der Konferenz (davon zum dritten Mal in Österreich) an einer Universität, die heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiert – besonders, sondern auch, weil sie in der Stadt Linz stattfinden, die selbst ein Ort des Wandels ist.

Linz hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer grauen Industriestadt zu einem bunten, international beachteten Ort für Kunst, Kultur Technologie und Gesellschaft entwickelt, in dem digitale Innovation auf gesellschaftliche Reflexion trifft. Auch wenn die Stahlwerke der Voestalpine weiterhin größter Arbeitgeber der Stadt sind, so bietet Linz mit zahlreichen Museen, dem Mural Harbor, dem Ars Electronica Festival oder der Klangwolke eine bunte Kunst- und Kulturszene sowie grüne Oasen entlang der Donau. 2009 war Linz europäische Kulturhauptstadt und ist mittlerweile von der UNESCO als „City of Media Arts“ ausgezeichnet worden.

Auch die Johannes Kepler Universität hat sich in ihren 60 Jahren sehr gewandelt. Als Hochschule für Wirtschaftswissenschaften gegründet, ist sie heute die drittgrößte Arbeitgeberin in Linz und die größte Bildungseinrichtung Oberösterreichs. Sie bietet an ihrem Campus am Rande der Stadt einen Ort für Forschung und Lehre in einem breiten Spektrum an Fächern, von Rechtswissenschaften bis Humanmedizin, von Soziologie bis Artificial Intelligence. An einer der ersten Campusuniversitäten in Österreich, die sich bewusst als zusammenhängender Forschungsraum positioniert, begegnen sich die Wissenschaften nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich. Diese Interdisziplinarität spiegelt sich auch im Selbstverständnis der Universität wider, die auf gesellschaftliche Relevanz und Transfer setzt – Aspekte, die auch für Open Access relevant sind.

Das Orts- und Programmkomitee freuen sich darauf, die Teilnehmenden der Open-Access-Tage 2026 unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“ in Linz an der Johannes Kepler Universität begrüßen zu dürfen – in einer Stadt und an einer Universität, die selbst Teil dieser Transformation sind.</description><enclosure
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<item><title>Was die Diamond-OA-Community wirklich braucht – Ergebnisse einer SeDOA-Befragung aus dem Jahr 2025</title><link>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025#comments</comments><pubDate>Mon, 09 Mar 2026 08:00:00 +0100</pubDate><category>Metadaten</category><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><dc:creator>Bente Steinecke</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025</guid><description>Im Juli und August 2025 fand eine Online-Befragung des SeDOA-Projektes zu den Bedarfen von Herausgebenden und weiteren Akteuren der Diamond-OA-Community statt. Die Auswertung zeigte, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht.

Bedarfe verstehen, zielgerichtet unterstützen
In den vergangenen Jahren ist Diamond Open Access (OA) zunehmend in den Fokus von Forschungsförderern auf europäischer und nationaler Ebene gerückt. Auch in Deutschland existieren vielfältige, häufig aus wissenschaftlichen Communities heraus betriebene Publikationsangebote, die für Autor*innen sowie für Lesende kostenfrei sind. Seit Mai 2025 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA). Ziel des Projekts ist es, die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit bestehender dezentraler Infrastrukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen und Innovationen zu fördern. Um Unterstützungsangebote bedarfsgerecht entwickeln zu können, wurde im Sommer 2025 eine umfassende Online-Befragung durchgeführt. Die Erhebung knüpfte an frühere Studien an und hatte das Ziel, Bedarfe, Herausforderungen und Erwartungen der deutschen Diamond-OA-Community systematisch zu erfassen.

Rahmen und Beteiligung
Die Befragung wurde im Rahmen des Arbeitspakets „Community Support Services“ von der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft umgesetzt. Zwischen Juli und August 2025 war der Fragebogen online zugänglich. Insgesamt nahmen 239 Personen teil. Den größten Anteil bildeten Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken mit 34 Prozent, gefolgt von Forschenden mit 20 Prozent sowie Herausgebende von Periodika mit 18 Prozent. Weitere Teilnehmende kamen aus Universitätsverlagen, Fachinformationsdiensten, Fachgesellschaften oder ordneten sich der Kategorie „Sonstige“ zu. Damit spiegelt die Erhebung ein breites Spektrum der Akteur*innen wider, die im Bereich Diamond Open Access tätig sind.

Zentrale Ergebnisse der Bedarfserhebung im Überblick
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht. Besonders hervorgehoben wurden Fragen der Finanzierung und tragfähiger Geschäftsmodelle, Qualitätsstandards beim Publizieren sowie die Indexierung in relevanten Datenbanken. Diese drei Themen stuften jeweils über 70 Prozent der Befragten als wichtig oder sehr wichtig ein. Auch Aspekte wie der Wechsel des Publikationsanbieters, Unterstützung im Produktionsprozess, technische Fragen zu Softwarelösungen, Managementthemen, Austauschformate oder grundlegende Informationen zu Diamond Open Access wurden von rund der Hälfte der Teilnehmenden als relevant bewertet. 

Die offenen Antworten verdeutlichen die Komplexität der Bedarfe. Im Bereich Software und technische Infrastruktur wurde mehrfach der Wunsch nach tragfähigen organisatorischen und technischen Strukturen geäußert. Im Themenfeld Finanzierung wurde neben allgemeinen Geschäftsmodellen vor allem deren langfristige Nachhaltigkeit betont. Mehrere Befragte wünschten sich gezielte Förderprogramme für Diamond-OA-Initiativen sowie klare Lösungen zur Finanzierung redaktioneller Arbeit. In den ausführlichen Freitextantworten wurden die praktischen Herausforderungen deutlich, etwa die wiederkehrende Klärung von Finanzierungsfragen oder die aufwändige Ausschreibung von Dienstleistungen im öffentlichen Dienst. Zwischen den verschiedenen befragten Gruppen zeigen sich leichte Unterschiede in der Gewichtung einzelner Themen. Über alle Gruppen hinweg bleibt jedoch das Thema Finanzierung das zentrale Anliegen.

Ebenfalls ausgeprägt ist der Bedarf an rechtlicher Unterstützung. Insgesamt wird deutlich, dass ein erheblicher Informations- und Beratungsbedarf im Bereich des Urheber- und Vertragsrechts besteht. Die Community wünscht sich hier insbesondere praxisnahe und rechtssichere Orientierung.

In der Befragung wurden auch Wünsche hinsichtlich der Formate der Unterstützung erfragt. Hier liefern die Ergebnisse ein klares Bild. Bevorzugt werden kurze, kompakte Informationsangebote wie Info-Sheets oder kurze virtuelle Workshops von bis zu zwei Stunden. Längere Workshops oder umfangreiche Selbstlernkurse finden deutlich weniger Zustimmung. Die Mehrheit der Befragten hält die Teilnahme an ein bis zwei Veranstaltungen pro Jahr für realistisch. Zeitliche und finanzielle Ressourcen werden häufig als begrenzend beschrieben, weshalb flexible, digitale und praxisnahe Formate besonders gefragt sind. Zudem besteht ein Wunsch nach nachnutzbaren Materialien, individueller Beratung und Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung.

Die Ergebnisse als Richtschnur für weitere Angebote
Insgesamt zeigt die hohe Beteiligung an der Befragung das große Interesse am Thema Diamond Open Access in Deutschland. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es in nahezu allen Bereichen Unterstützungsbedarfe gibt, wobei Finanzierung, Qualitätsstandards und Indexierung besonders hervortreten. Gleichzeitig unterstreichen die Rückmeldungen die Bedeutung nachhaltiger Infrastrukturen, rechtssicherer Rahmenbedingungen und strategischer Einbettung in institutionelle Kontexte. Für das Projekt SeDOA bilden diese Erkenntnisse eine wichtige Grundlage, um künftige Angebote gezielt zu entwickeln und an den Bedürfnissen der Community auszurichten.

Die ausführlichen Ergebnisse sind auf Zenodo zu finden.
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<item><title>Offene Publikationswege durch Transparenz und Zusammenarbeit ermöglichen: Einblicke in die Infrastruktur hinter dem oa.finder/journal</title><link>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal</link><comments>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal#comments</comments><pubDate>Thu, 19 Feb 2026 20:45:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Dr. Nina Schönfelder</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal</guid><description>Welche redaktionellen Abläufe, Datenquellen und Kooperationen stecken hinter dem Recherchetool oa.finder/journal? Die Autorinnen berichten zusammenfassend über den Online-Workshop Ein Blick hinter die Kulissen: Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal vom 10. September 2025.
Themen des kollegialen Austauschs mit Expertinnen aus Bibliotheken und Konsortialstellen waren die redaktionellen Abläufe im oa.finder/journal, die Nutzung von Datenquellen, sein Einsatz in der Beratungs- und Anwendungspraxis sowie die Weiterentwicklung der Datenstrukturen. In verschiedenen Impulsreferaten wurden folgende Fragen diskutiert:
-	Wie kommen die Daten über Transformationsverträge und Publikationsfonds der Wissenschaftseinrichtungen in den oa.finder? 
-	Welche Möglichkeiten haben Bibliotheken, Angaben zu prüfen, zu ändern und zu ergänzen? 
-	Welche Rolle spielen Konsortialstellen als Paketverwalter von Transformations- und OA-Flat-Fee-Verträgen?
-	Wie werden Unikliniken und Universitäten mit Literaturversorgung durch rechtlich selbstständige Bibliotheken (SUBs, zentrale Fachbibliotheken etc.) repräsentiert? 
-	Wie ist der Planungsstand zur Erweiterung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) um eine Registry für Transformations- und OA-Flat-Fee-Verträge?

Es wurde deutlich, dass der oa.finder im Austausch mit verschiedenen Beteiligten Transparenz im Veröffentlichungsprozess schafft, Informationswege bündelt und Open-Access-Akteur*innen verbindet. Als Wissensbasis zur Recherche nach Publikationsmöglichkeiten enthält er neben publikationsrelevanten Informationen zu knapp 57.000 wissenschaftlichen Zeitschriften auch Informationen über Open-Access-Aktivitäten, Transformationsverträge und Publikationsfonds an über 700 Wissenschaftsinstitutionen im deutschsprachigen Raum. 
Datenpflege als Gemeinschaftsarbeit 
Der oa.finder unterstützt Wissenschaftler*innen bei der Auswahl geeigneter Publikationsorte für ihre Forschungsarbeit im Open Access sowie Mitarbeitende an Bibliotheken und anderen zentralen Serviceeinrichtungen bei der Publikationsberatung. Er bündelt Informationen über Zeitschriften, Verlage, Geschäftsmodelle und Open-Access-Vereinbarungen und macht diese strukturiert zugänglich. Die Teilnehmenden erfuhren, dass der oa.finder/journal auf eine Vielzahl von Quellen und Schnittstellen zurückgreift, wie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB), das Directory of Open Access Journals (DOAJ), APC-Preislisten von Verlagen, die Transformative Agreements Public Data des Journal Checker Tools sowie einrichtungsspezifische Informationen aus dem oa.atlas. Diese Zusammenführung erfordert technische Schnittstellen, redaktionelle Sorgfalt und institutionsübergreifende Kooperationen.
In ihrer Einführung sprach Nina Schönfelder (UB Bielefeld) über die Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal. Sie beschrieb die notwendigen komplexen Arbeitsschritte, um aus verstreuten Quellen ein konsistentes und aktuelles Informationssystem zu formen. Von der automatisierten Datenübernahme bis zur manuellen Prüfung durch das Redaktionsteam wird die Datenqualität an verschiedenen Stellen des Prozesses sichergestellt. „Der Anspruch ist, zuverlässige und nachvollziehbare Informationen zu bieten, weil der oa.finder/journal eine Grundlage für Beratungen und Publikationsentscheidungen bieten will“, betonte Schönfelder. Die Herausforderung der Datenpflege läge nicht nur in der technischen Integration, sondern auch im Umgang mit der Dynamik des Open-Access-Marktes: Zeitschriftenmodelle ändern sich, neue Transformationsverträge kommen hinzu, Verlage wechseln ihre Richtlinien.

Open Access an der Universitätsmedizin Augsburg
Im ersten Impulsreferat präsentierten Evamaria Krause und Sonja Härkönen von der Universitätsbibliothek Augsburg, wie die Literaturversorgung und Organisation der Transformationsverträge in ihrem Haus für die Medizinische Fakultät, das Uniklinikum sowie verschiedene klinische Kooperationspartner umgesetzt werden. Klinik-Mitarbeitende, die wissenschaftliche Dienstleistungen erbringen, sind laut Grundordnung der Universität Augsburg den Universitätsmitgliedern rechtlich gleichgestellt, was auch für den Versorgungsauftrag durch die Universitätsbibliothek gilt. Aus dieser Konstellation entstehen komplexe Einzelanforderungen, die im Alltagsgeschäft kommunikative Herausforderungen darstellen: Beispielsweise, wenn bei mehrjährig laufenden Transformationsverträgen während der Vertragslaufzeit neue Personen als publikationsberechtigt aufgenommen werden sollen. Oder die entstehenden Zusatzkosten, wenn Mitarbeitende der Kooperationskliniken im Rahmen von Verträgen publizieren wollen, an denen die Medizinische Fakultät nicht beteiligt ist. 
Die Dienste der UB Augsburg zum Open-Access-Publizieren sind vielfältig: Information und Beratung zu Open Access, finanzielle Förderung von Open-Access-Artikeln und Beteiligung an Transformationsverträgen. In der Publikationspraxis geht es oft um Fragen wie: Welche Zeitschrift erlaubt mir, meinen Artikel im Open Access zu veröffentlichen? Welche Kosten entstehen, und wer übernimmt sie? Hier bietet der oa.finder/journal eine erste Orientierung, indem er Informationen zu APCs, Lizenzen und Fördermöglichkeiten bündelt. Evamaria Krause und Sonja Härkönen betonten, dass vor allem die Kombination der zentral gepflegten Daten mit lokaler Beratung zielführend sei. 
In der Universitätsmedizin treffen unterschiedliche Förderlogiken aufeinander – nicht nur bei den erwähnten Transformationsverträgen, sondern auch bei der universitätsinternen Förderung von Open-Access-Artikeln. Für diese Fälle wünschen sich die Referentinnen eine differenzierte Darstellung der Transformationsverträge und Fördermöglichkeiten im oa.finder/journal sowie schnelle Änderungen in den eigenen Daten.

Beratung mit dem oa.finder an der Universität Greifswald
An der Universität Greifswald ist die Situation anders: Die Uniklinik ist Teil der Universität und fungiert als medizinischen Fakultät. Entsprechend sind alle Angehörigen der Unikli-nik auch Hochschulangehörige. Ariane Retzar berichtete aus der Beratungspraxis des Open-Access-Teams der Universitätsbibliothek Greifswald, das den oa.finder aktiv nutzt, um Forschenden passgenaue Informationen zu bieten. In der täglichen Arbeit diene er als Nachschlagewerk, mit dem Publikationsoptionen schnell auffindbar sind. Da die UB den oa.finder zentral auf ihrer Website eingebunden hat, wird er auch von Wissenschaft-ler*innen genutzt, was durch Erwähnungen in E-Mails und bei telefonischen Anfragen belegt ist. Für die Weiterentwicklung wünscht sich das Greifswalder Open-Access-Team eine verlässliche und durchgängige Kennzeichnung förderfähiger Zeitschriften und eine Übereinstimmung der einrichtungsspezifischen Förderbedingungen mit den Hinweisen zur Kostenübernahme.
Retzar hob hervor, dass der Nutzen des Tools vor allem darin besteht, dass es Entscheidungen erleichtert. Zugleich betonte sie, dass es keine Beratung ersetzt, sondern stützt und professionalisiert. Mit der passenden Suchanfrage erhalte man im oa.finder objektive und vergleichbare Informationen, die die lokale Publikationsberatung ergänzen, was grade für kleinere Einrichtungen eine erhebliche Entlastung bringt.

Open-Access-Informationen an der SUB Hamburg
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) informiert Forschende der Universität Hamburg sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) über vielfältige Kanäle zu Open-Access-Publikationsmöglichkeiten – von Webseiten über Schulungen bis hin zu persönlichen Beratungen. Die Literaturversorgung (inkl. OA-Vereinbarungen) des UKE erfolgt kooperativ-arbeitsteilig mit der Ärztlichen Zentralbibliothek (ÄZB). Sarah Ehmke von der SUB Hamburg stellte die Frage, wo und wie sich der oa.finder in dieses Informationsangebot einbinden ließe und schlussfolgerte, dass der Mehrwert in der zentralen Sichtbarkeit, Aktualität und Verlässlichkeit der Daten läge: „Wenn wir in der Beratung auf eine verlässliche Datenquelle verweisen können, schafft das Vertrauen – und spart Zeit auf beiden Seiten.“ Deshalb plädierte sie dafür, im oa.finder mehr lokale Informationen einzubinden, etwa institutionsspezifische Kategorie-Labels, das Platzieren institutionsspezifischer Hinweise und das Hinterlegen von Rabatt-, Rahmen- und Deposit-Verträgen. Erst dann könne er zu einem festen Bestandteil der Publikationsberatung in Bibliotheken mit echtem Mehrwert für die Wissenschaftler*innen vor Ort werden. Darauf eingehend gab Nicola Bieg von der Konsortialstelle der TIB Hannover den Hinweis, dass Bibliotheken bei der Anbahnung von Transformationsverträgen die zugehörigen Universitätskliniken explizit als publikationsberechtigte Einrichtungen angeben sollten. Das schaffe Transparenz in der Frage wer berechtigt ist zu publizieren und fließe außerdem in die Erstellung des Gebührenmodells ein, da so Publikationszahlen und Lizenzen eingerechnet werden könnten. Auch im Publikationsprozess seien diese Informationen bedeutsam, damit Verlage eingereichte Artikel dem passenden Transformationsvertrag zuordnen können.
In den Beiträgen aus den verschiedenen Bibliotheken wurde deutlich, dass die Informationen über die verschiedenen und komplexen Publikationsverträge sich nur schwer passgenau aufbereiten lassen und immer erklärungsbedürftig bleiben. Bei der Frage wo und mit welcher finanziellen Unterstützung Forschende publizieren können, ist der oa.finder ein hilfreiches Tool zur ersten Orientierung für Wissenschaftler*innen und für Personen in der Publikationsberatung. Eine verbindliche Klärung ist nur mit individueller Beratung der Bibliotheken möglich.

Konsortiale Perspektive: Datenweitergabe und Synergien
Nicola Bieg von der Technischen Informationsbibliothek (TIB) erweiterte den Austausch um die Perspektive einer Konsortialstelle, die Vertragsverhandlungen mit Verlagen vorbereitet, durchführt und Abschlüsse erzielt. Als Vorbereitung für die Vertragsverhandlungen sowie ihr Monitoring seien konsistente und interoperable Daten essenziell. Bei Titellisten für die Read-Komponente von Transformationsverträgen gäbe es einen etablierten und guten Standard zum Austausch mit den Verlagen; dies sei bei Titellisten für die Publish-Komponente noch nicht der Fall. Nach Vertragsschluss verteilt die TIB einige der vertragsbezogenen Daten (Titellisten, Einrichtungslisten) an mehrere Dienste routinemäßig mit teils unterschiedlichem Zuschnitt – darunter auch an den oa.finder. Ein Zeitverzug sei unvermeidbar, da die Verträge oft erst im Laufe des Januars rückwirkend zu Jahresbeginn unterzeichnet werden, was sich auch im oa.finder niederschlägt. In jeder neuen Vertragsphase kommen PIDs (Persistente Identifier wie DOI, ORCID, ISSN und ROR-ID zum Tragen. Für das Monitoring der Verträge hinsichtlich der zu erwartenden Publikationszahlen, greift die TIB auf das Schema des OA-Switchboards zurück. Für das Management von Lizenzen wurde an vielen deutschen Konsortialstellen in der Vergangenheit standardmäßig die WIB-ID zur eindeutigen Identifizierung von Einrichtungen verwendet, die Konsortialstellen mittlerweile aus LAS:eR ziehen können. LAS:eR ermöglicht die zentrale Verwaltung von elektronischen Ressourcen in einem System inklusive Konsortial- und Nationallizenzen. Bibliotheken können neben ihrer WIB-ID auch die ROR IDs der Einrichtungen hinterlegen, für deren Literaturversorgung sie zuständig sind. Dies ist für Transformationsverträge essenziell, damit die Publish-Komponente alle berechtigten, aber rechtlich selbstständigen Einrichtungen umfasst (Unikliniken, Universitäten mit Versorgungsauftrag durch eine Landes-/Staats- oder zentrale Fachbibliothek usw.). Bieg betonte, dass diese Informationen bereits zu Verhandlungsbeginn vorliegen sollten; ein Nachmelden sei selten möglich. 

Verknüpfte Datenstrukturen – Ein Blick in die Zukunft
Abschließend präsentierte Silke Weisheit von der Universitätsbibliothek Regensburg die geplante Erweiterung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) um eine Registry für Open-Access-Vereinbarungen, die im Rahmen des DFG-Projekts openCost entstehen soll. Damit wird eine neue Ebene der Datenintegration geschaffen: Informationen über Open-Access-Vereinbarungen werden strukturiert, maschinenlesbar und nachnutzbar erfasst, was ein entscheidender Schritt für mehr Transparenz in der Kosten- und Vertragslandschaft ist.
Diese Erweiterung steht exemplarisch für die Richtung, in die sich die Open-Access-Infrastruktur bewegt: mehr vernetzte, offene und interoperable Datenräume. Der oa.finder profitiert von diesen Entwicklungen durch mögliche Schnittstellen und die Nachnutzung von Daten. Außerdem trägt er selbst dazu bei, dass Open-Access-Informationen nicht in einzelnen Projekten verbleiben, sondern als gemeinsames Wissen zugänglich sind.

Fazit: Transparenz braucht Zusammenarbeit
Der Workshop zeigte eindrucksvoll, dass die Qualität des oa.finders als Informationstool, das verschiedene Quellen verbindet, vor allem auf Kooperation beruht – zwischen Projekten, Bibliotheken, Konsortien und Beratenden. Datenpflege ist kein Selbstzweck, sondern Grundlage für eine verlässliche, nachhaltige Informationsinfrastruktur. Offene Publikationswege brauchen offene Informationsflüsse – und diese entstehen nur, wenn viele Akteur*innen ihr Wissen teilen. Der oa.finder steht beispielhaft für ein Gemeinschaftswerk, das den Open-Access-Gedanken nicht nur abbildet, sondern praktisch umsetzbar macht.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden auf Zenodo im Open Access veröffentlicht: 
Bieg, Nicola (2025). Übermittlung von OA-Publikationskonditionen in TIB Konsortien. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199072
Ehmke, Sarah (2025). Publizieren im Open Access Informationswege der Staats und Universitätsbibliothek Hamburg und wie der oa.finder uns dabei unterstützen könnte. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199331
Härkönen, Sonja &amp; Krause, Evamaria (2025). Open Access an der Universitätsmedizin Augsburg. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199443
Retzar, Ariane (2025). Der oa.finder in der Beratungspraxis an der Universität Greifswald. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199504
Schönfelder, Nina (2025). Ein Blick hinter die Kulissen: Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199644
Weisheit, Silke (2025). Erweiterung der EZB um eine Registry für OA-Vereinbarungen im Rahmen des DFG-Projekts openCost. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121862
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<item><title>Der Weg der Neuen Politischen Literatur zu Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:42:49 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Volker Köhler</dc:creator><dc:creator>Andrea Perthen</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</guid><description>Die Neue Politische Literatur (NPL), eine Fachzeitschrift für geschichts- und politikwissenschaftliche Rezensionen, ist nach sieben Jahrzehnten ihres Bestehens zum Diamond-Open-Access-Modell (DOA) gewechselt. Was sind unsere Beweggründe hierfür? Wie ging der „Flip“ vonstatten? Wie blicken wir in die Zukunft?

Eine Zeitschrift mit langer Geschichte

Die Wurzeln der „Neuen Politischen Literatur“ (NPL) liegen in den 1950er Jahren. Bereits 1952 wurde die Zeitschrift „Politische Literatur. Berichte über das internationale Schrifttum zur Politik“ (PL) gegründet, die jedoch nach zweijährigem Bestehen wieder einging. Im Jahr 1956 wurde die NPL als deren Nachfolgerin aus der Taufe gehoben. Die NPL richtete sich dezidiert gegen das restaurative Klima in der noch jungen Demokratie und widmete sich Buchbesprechungen aus den Bereichen der Geschichts- und Politikwissenschaft sowie Sozialwissenschaften und Recht. 
In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich die NPL immer stärker auf die Geschichts- und Politikwissenschaft, bis sich in den 1980er Jahren dieses Profil gefestigt hatte. Seither werden in der NPL besonders Titel zur Geschichte der Moderne sowie aus der theoriegeleiteten und historisch orientierten Politikwissenschaft besprochen. Dies geschieht zum einen im Format der rund zwei Seiten umfassenden Einzelrezension, zum anderen aber auch in den längeren Beitragsformen Essay – in dem ein oder auch zwei bis drei Titel pointiert besprochen und in den Forschungskontext eingebettet werden – und Rezensionsaufsatz, in dem bis zu 20 aktuelle Titel zu eine Thema ausführlich besprochen werden. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Demokratie, von Macht und Herrschaft, Formen der Ungleichheit sowie zu autoritären und diktatorischen Regimen. In den 2020er Jahren ist diese Ausrichtung aktueller denn je (vgl. Dipper, 2025).
Die Qualität der NPL wird zum einen durch das Herausgebendengremium sichergestellt, das aus anerkannten Forschenden aus Politik- und Geschichtswissenschaft besteht. Zum anderen kümmert sich ein dreiköpfiges Redaktionsteam um die Qualitätssicherung und den reibungslosen Ablauf der Publikation.

Segen und Fluch von DEAL

Im Lauf ihrer Geschichte erschien die NPL in unterschiedlichen Verlagen. Im Jahr 2019 wechselte sie zu Springer VS. Von diesem Zeitpunkt an erschien sie nicht nur gedruckt, sondern auch digital im sogenannten publish-online-first-Verfahren. Ein zentraler Beweggrund für den Verlagswechsel zu Springer war die Aussicht, die Zeitschrift zu großen Teilen Open Access[KS1.1] (OA) publizieren zu können. Insbesondere durch die kurze Zeit später erfolgreich abgeschlossenen DEAL[KS2.1]-Verhandlungen bekamen erschienen große Teile der NPL nun im Open Access. Die Publikationsgebühr übernahmen in der Regel die Universitätsbibliotheken. Gleichzeitig konnten die teilnehmenden Institutionen auf alle Artikel der NPL zugreifen. So erreichten die OA veröffentlichten Artikel einen größeren Personenkreis und das Versprechen eines demokratischen Zugangs zu wissenschaftlicher Forschung wurde eingelöst. Alternativ konnten die Autor*innen ihre Texte weiterhin subskriptionsbasiert [KS4.1]veröffentlichen.
Spätestens durch die geänderten Spielregeln, welche der zweite DEAL-Abschluss im November 2023 brachte, entstanden jedoch Risse in dieser heilen OA-Welt. Die OA-Kosten wurden zunehmend nicht mehr vollumfänglich von institutioneller Seite übernommen, sondern komplett oder teilweise auf Fachgebiete, Lehrstühle oder Einzelpersonen umgelegt. Das machte das Publizieren von Rezensionen zunehmend unattraktiv. Im Jahr 2025 haben mehrere Autor*innen ihre Beiträge bei der NPL zurückgezogen, weil sie bzw. ihre Institution die Publish and Read [KS5.1](PAR)-Gebühr nicht tragen konnten oder wollten. Zudem legte der neue DEAL-Vertrag fest, dass Einzelrezensionen kein research content mehr seien. Entsprechend war der Verlag angehalten, diese gebührenfrei zu publizieren, ohne dafür im DEAL-System vergütet zu werden. Dies wurde jedoch in dem immer schwerfälliger und komplizierter werdenden Freigabeprozess des Verlags nicht abgebildet, was zu einem großen Mehraufwand sowohl bei der Redaktion als auch den Autor*innen führte: Für die Autor*innen war bei der Freigabe Ihres Textes für den Verlag nirgends ersichtlich, dass für Einzelrezensionen eben keine Gebühren mehr anfielen. So kam es vermehrt zu verärgerten Anfragen der Autor*innen, die wir klären mussten – zuweilen vergebens. Gleichzeitig hatte der Verlag nun kaum noch Anreiz, uns bei diesem Prozess zu unterstützen, da Einzelrezensionen – und damit ein wichtiger Teil der NPL – für ihn quasi über Nacht zu einem Verlustgeschäft geworden waren.
Wir standen als Zeitschrift also vor multiplen Herausforderungen. Wenn immer mehr Autor*innen gar nicht mehr oder nur subskriptionsbasiert publizieren wollen, sinkt die Reichweite. Dazu kam die grundsätzliche Einstellung des Herausgebendengremiums für eine wahrhaft scholar-ly led, scholar-ly owned-Zeitschrift und gegen die oligopolistischen Strukturen mit schwindelerregenden Gewinnmargen einiger weniger Wissenschaftsverlage (vgl. Fischer, et al. 2024; Jörke, et al. 2025; Knoche, 2023 ).

Der Weg zum Flip

Aus der beschriebenen Situation heraus gab es einen Weg: Die Umstellung der NPL auf DOA. Dass die NPL-Redaktion an der TU Darmstadt angesiedelt ist, erwies sich dabei als Glücksfall. Denn die dortige Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) engagiert sich unter ihrem Direktor Thomas Stäcker schon länger besonders für diesen diamantenen Weg der Veröffentlichung. Die ULB bietet mit TUjournals einen kostenfreien Service an, der das Herausgeben einer digitalen DOA-Zeitschrift über die Open-Source-Publikationsplattform Janeway ermöglicht. Ab jetzt wird die NPL also dort und rein digital erscheinen.
In weiser Voraussicht hatte die NPL schon vor vielen Jahren ein eigenes Content Management System (CMS) für die besonderen Bedürfnisse einer Rezensionszeitschrift erworben, das auch nach dem Wechsel zum letzten Verlag beibehalten wurde, um in möglichst vielen Arbeitsprozessen autonom zu bleiben. Diese Unabhängigkeit erleichterte das Flipping entscheidend, denn unsere eingespielten Workflows können wir weitgehend beibehalten.
Gleichzeitig bedeutete dies eine Herausforderung an anderer Stelle. Wir mussten gemeinsam mit dem Team der ULB einen sehr spezifischen Arbeitsprozess aufsetzen, der unser CMS als Vorfeld-System beibehielt, dann aber die Publikation über Janeway sicherstellen konnte. Die Herausforderung wurde vom Team der ULB sportlich genommen. Wir sind sehr dankbar, dass das Team „Digitales Publizieren“ uns auf diesem Weg begleitet hat. Im Kern nutzen wir nun unser CMS für die Einreichung von Artikeln und Gutachten und für die Pflege unserer Datenbanken. Anschließend exportieren wir Artikel und Metadaten über den XML-Editor Oxygen in Janeway, wo diese dann publiziert werden.
Die Publikation der Beiträge läuft über eine von Janeway generierte, an der TU Darmstadt gehostete Seite (https://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/). Dazu existiert weiterhin die Domain unseres Redaktionssystems (www.neue-politische-literatur.de).
Wir publizieren unter CC-BY-Lizenz, so dass die Bereitstellung der Artikel sowie deren Archivierung sowohl von der ULB Darmstadt gewährleistet wird als auch über die Autor*innen selbst (etwa über Repositorien) erfolgen kann.
Was die älteren Artikel angeht, so behielten wir die Rechte an den Back Issues von Springer. Sie wurden bereits an die ULB übermittelt und werden künftig von unserer TUjournals-Website aus abrufbar sein. Darüber hinaus nehmen wir unsere Zusammenarbeit mit der Meta-Rezensionsplattform recensio.net wieder auf, so dass ein Großteil unserer Artikel der letzten ca. 15 Jahre online abrufbar bleibt und wir ein digitales (Kurzzeit-)Gedächtnis der Zeitschrift entwickeln können.
Eine Herausforderung in diesem Zusammenhang wird die Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung unserer Inhalte bleiben, da dies zuvor der Verlag übernommen hatte. Künftig sollen zunächst ein Newsletter-System und Beiträge in sozialen Medien auf uns aufmerksam machen. In den kommenden Monaten werden wir aber viel Zeit in die Entwicklung ausgefeilter Ideen investieren.

Fazit

Wir freuen uns sehr, dass die NPL nun für Schreibende wie Lesende kostenfrei ist. Zwar ist es uns nicht leichtgefallen, auf unsere Printausgabe zu verzichten. Doch die Lesegewohnheiten haben sich geändert – und nicht zuletzt können so auch Kosten eingespart werden.
Doch es entstehen selbstverständlich weiterhin Kosten. Nach der Auflösung des Verlagsvertrags müssen wir mit dem Wegfall von Zahlungen leben, mit denen der Verlag einen Teil unserer Arbeit honoriert hat. Und hier wären wir bei zwei der größten Herausforderung für die NPL in der Zukunft: Erstens steckt hinter jedem Artikel viel redaktionelle Arbeitszeit, die geleistet und vergütet werden muss. Zweitens wird die Entwicklung von KI den Redaktionsprozess in den nächsten Jahren massiv verändern: durch Einsatz beim Korrektorat etwa, aber auch als Hilfsmittel für unsere Autor*innen im Schreibprozess. Es gilt, die Grenzen zwischen legitimem und illegitimem Einsatz von KI zu ziehen; vor allem aber auch, die Frage nach der Bedeutung menschlicher Autor*innenschaft immer wieder aufs Neue zu stellen. Der menschliche Kern wissenschaftlichen Arbeitens kann nicht aufgegeben werden. Hier schließt sich der Kreis: Denn dafür braucht man Personal und eine Finanzierung.
Mit Interesse verfolgen wir daher aktuelle Debatten über Vorschläge zu neuen Finanzierungsmodellen wie etwa von Tautz et al. (2025) und Mittermaier (2025). Denn DOA kann nur funktionieren, wenn die Redaktionen eine nachhaltige Finanzierung erhalten. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wir hoffen, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit des diamantenen Wegs und die Befreiung von der Marktmacht einiger weniger Großverlage in der wissenschaftlichen Community weiterwächst und wir mit unserem Beispiel einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Literatur

Dipper, C. (2025). Die vielen Häutungen der NPL. Neue Politische Literatur 70(2/3). https://doi.org/10.1007/s42520-025-00663-w.
Fischer, G./Neufend, M./Kindling, M. (2024). DEAL ≠ Diamond. Ein Diskussionsbeitrag zur Souveränität des wissenschaftlichen Publikationswesens. Open Access Blog Berlin (blog), 27.11.2024. https://doi.org/10.59350/ab01a-dj116;
Jörke, D./Czolkoß-Hettwer, M. (2025, 25. Juni): Diamond-Open-Access gehört die Zukunft. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 
Knoche, M. (2023). DEAL ist ein Problem – Gespräch mit Thomas Stäcker über die Folgen der Digitalisierung für Bibliotheken (3). Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn, 06.03.2023. https://doi.org/10.58079/lyv3  
Mittermaier, B. (2025). Proposal for a German Diamond Open Access Fund (DeFDOA). CRAFT-OA Conference October 6-8 2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121108 
Tautz, D./Holzer, A./Schmidt, K. M./Buchner, J./Grötschel, M./Jurburg, S. (2025). Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften. Diskussion Nr. 38, Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01261.
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<item><title>Diamond Funding Navigator: Ein neues TIB-Angebot stärkt Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Tue, 24 Jun 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 16.6.25 auf dem TIB Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 erschienen.

Ein neuer Dienst der TIB erleichtert die Finanzierung von Diamond Open Access: Der Diamond Funding Navigator, der als Betaversion bereitsteht, bündelt Informationen zu Konsortialangeboten für Diamond-Open-Access-Publikationen weltweit. Dies verhilft den Konsortialangeboten zu besserer Sichtbarkeit, und wissenschaftliche Einrichtungen gelangen leichter zu einer Entscheidung, welche Angebote sie unterstützen möchten.
Diamond Open Access gemeinsam finanzieren

Für die Finanzierung von Publikationen, die im Diamond Open Access erscheinen, erweist sich der Rückgriff auf das im Bibliotheksbereich langjährig erprobte Konsortialmodell als erfolgreich. Bei diesem Modell schließen sich wissenschaftliche Einrichtungen zusammen, um mit vergleichsweise kleinen, individuellen Beiträgen gemeinsam die Betriebskosten einer Publikation, beispielsweise einer Zeitschrift, über einen bestimmten Zeitraum zu finanzieren. Die Beiträge der Zeitschrift können somit erscheinen, ohne dass finanzielle Hürden wie Artikelbearbeitungsgebühren (APC) oder Subskriptionsgebühren entstehen. Über KOALA-Konsortien der TIB wurden beispielsweise nach diesem Modell seit 2021 bereits 13 Zeitschriften und zwei Buchreihen über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert.
Der Diamond Funding Navigator – eine kurze Vorstellung

Zur Unterstützung dieser Initiativen hat die TIB den Diamond Funding Navigator entwickelt, der ab sofort in der Betaversion der Fachöffentlichkeit zur Verfügung steht. Der Diamond Funding Navigator ist ein Webdienst, der zu jedem Konsortialangebot eine Reihe von Informationen bereitstellt: Basisinformationen (wie Name, Kontaktinformationen), enthaltene Publikationen (Name, ISSN, Website), Angaben zur Finanzierungsteilnahme, dem sogenannten Pledging (Fristen, Vertragslaufzeit, teilnahmeberechtigte Institutionen) und erläuternde Informationen (zum Beispiel zur fachlichen Ausrichtung des Angebots). Daraus entsteht ein umfassendes Verzeichnis von laufenden und zurückliegenden Angeboten, das durchsucht, gefiltert und sortiert werden kann. Die Oberfläche steht in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Institutionenbezogene Anpassung: Publikationsoutput via OpenAlex

Institutionen, die sich über Angebote informieren möchten, können den Diamond Funding Navigator individualisieren: Nach Eingabe einer ROR ID werden institutionenspezifische Publikationsmetriken ausgegeben. So wird auf einen Blick ersichtlich, wie viele Publikationen aus einer bestimmten Institution in den letzten fünf Jahren in den Zeitschriften eines Bündels erschienen sind. Diese Zahlen werden grafisch so dargestellt, dass das Verhältnis zur Gesamtzahl der in den Zeitschriften in diesem Zeitraum erschienen Beiträge erkennbar ist. Die Publikationsmetriken werden von OpenAlex abgerufen. Sie sind für alle Zeitschriften verfügbar, für die in OpenAlex aktuelle Publikationsdaten verfügbar sind.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Woher kommen die Daten zu den Konsortialangeboten?

Die im Diamond Funding Navigator enthaltenen Daten zu Konsortialangeboten müssen erfasst und im Falle von Änderungen aktuell gehalten werden. Dies können die Verantwortlichen der Angebote selbst übernehmen. Dazu erhalten sie von der TIB einen Zugang zum Backend des Diamond Funding Navigator und können dann über eine einfache Eingabemaske alle Informationen zu ihrem Angebot eintragen und speichern. Nach einer formalen Prüfung der übermittelten Daten durch die TIB wird der Eintrag freigeschaltet. Änderungen können, falls nötig, ebenfalls nach Login im Backend vorgenommen werden, beispielsweise, wenn die Pledgingphase verlängert wird.
Vielfältige Angebote, eine Anlaufstelle

Die Finanzierungsfrage ist eine der größten Hürden, vor der Diamond-Open-Access-Publikationen stehen (vgl. OA Diamond Journals Study, Part 1). Von einem breitenwirksamen Finanzierungsmechanismus für Diamond-Open-Access-Publikationen sind wir im Moment noch weit entfernt. Es ist aber davon auszugehen, dass konsortiale Modelle sich weiter etablieren. Bereits jetzt gibt es Einrichtungen, die das KOALA-Modell aufgreifen (KOALA-SLUB). Auch Drittmittelprojekte wie edu_consort_oa und OLEconsort beschreiten diesen Weg. Ein internationales Beispiel ist das OACIP-Programm des nordamerikanischen Konsortiums LYRASIS. Allerdings sind diese Angebote dezentral und verstreut; eine einfache Übersicht fehlte bisher – eine Lücke, die der Diamond Funding Navigator nun schließt.

Wir laden Sie ein, den Diamond Funding Navigator zu nutzen: Informieren Sie sich über Konsortialangebote für Diamond-Open-Access-Publikationen. Übermitteln Sie uns Informationen zu von Ihnen koordinierten Konsortialangeboten. Geben Sie uns Feedback oder melden sich mit Fragen unter: diafund@tib.eu.</description><enclosure
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<item><title>ORKG Ask – KI auf der Suche nach Antworten in Open Access Artikeln</title><link>https://open-access.network/blog/orkg-ask-ki-auf-der-suche-nach-antworten-in-open-access-artikeln</link><comments>https://open-access.network/blog/orkg-ask-ki-auf-der-suche-nach-antworten-in-open-access-artikeln#comments</comments><pubDate>Tue, 06 May 2025 09:50:55 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><dc:creator>Anna-Lena Lorenz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/orkg-ask-ki-auf-der-suche-nach-antworten-in-open-access-artikeln</guid><description>Die Suche nach Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen gleicht oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. KI-basierte Systeme können hier Abhilfe schaffen. Das Wissen, auf das sie dabei zurückgreifen, sollte frei verfügbar sein.

Jedes Jahr erscheinen mehrere Millionen neue Forschungsbeiträge. In dieser Flut an Publikationen fällt es Forschenden zunehmend schwer, den Überblick zu behalten. Gesucht werden Antworten auf Forschungsfragen, doch traditionelle Suchsysteme liefern nur eine Auflistung möglicherweise relevanter Dokumente. Immer mehr Forschende und Studierende setzten daher bei der Beantwortung von Forschungsfragen auf KI-Systeme, spezifisch solche, die auf großen Sprachmodellen basieren.

Doch eine naive Anwendung von beispielsweise ChatGPT führt oft nicht zum gewünschten Ergebnis. Quellen fehlen häufig, werden falsch verwendet oder sind sogar vollständig erfunden. Auch das von Meta spezifisch für die Wissenschaft entwickelte Modell „Galactica“ überstand gerade mal drei Tage, ehe es aufgrund von Falschaussagen deaktiviert wurde.1 Das liegt daran, dass Sprachmodelle kein echtes Verständnis für das Wissen, das zur Beantwortung einer Forschungsfrage benötigt wird, entwickeln, sondern lediglich auf Basis von wahrscheinlichen Wortabfolgen antworten. Dieser Ansatz funktioniert gut für Fragen des Allgemeinwissens, da diese inklusive der zugehörigen Antworten vielfach in den Trainingsdaten dieser Sprachmodelle vorkommen. Wissenschaftliche Themen, die hingegen deutlich seltener diskutiert werden und zudem höheren Anforderungen an Präzision und Detailgrad gerecht werden müssen, können jedoch nicht vollumfassend abgedeckt werden, wenn man sich lediglich auf die Antwort eines Modells ohne weitere Informationsquellen verlässt.

Der nächste Schritt ist also, zur Generierung der Antworten zusätzliche Informationsquellen anzuzapfen. Für die Wissenschaft sind dies Publikationen. Dieses Verfahren heißt Retrieval-Augmented-Generation. Dabei wird zunächst gezielt Wissen aus konkreten Quellen abgerufen (retrieval), bevor ein Sprachmodell aus diesen Informationen eine Antwort formuliert (generation). Das unterscheidet sich fundamental von der reinen Textgenerierung großer Sprachmodelle, bei denen nicht klar ist, woher die Informationen stammen.

Der von der TIB entwickelte KI-Assistent ORKG Ask ermittelt seine Antwort auf Basis veröffentlichter Artikel. Nachdem Forschende ihre Frage eingegeben haben, werden zunächst über eine semantische Suche die relevantesten fünf der knapp 80 Millionen enthaltenen Publikationen bestimmt. So ist sichergestellt, dass nur tatsächlich existierende Quellen herangezogen werden. Erst dann wird ein Sprachmodell herangezogen, um Antworten aus diesen fünf Artikeln dieser Auswahl zu extrahieren. Daraus werden eine Kurzantwort in etwa 3-5 Sätzen sowie eine detaillierte tabellarische Übersicht über die Inhalte und Antworten der einzelnen Veröffentlichungen erstellt. Bei Bedarf können mehr Publikationen geladen sowie weitere Details zur Tabelle hinzugefügt werden.

Während die Bewertung der Relevanz zunächst nur nach inhaltlicher Übereinstimmung erfolgt, können Nutzende anschließend nach weiteren Eigenschaften wie beispielsweise der Anzahl der Zitierungen, bestimmten Autor*innen oder dem Erscheinungsjahr filtern.
Screenshot der Antwortseite von ORKG ask
Die Antwortseite von ORKG Ask

Als Datengrundlage für ORKG Ask dient das CORE-Dataset, die weltweit größte Sammlung an Open-Access-Artikeln. Der Datensatz enthält die Abstracts von knapp 80 Millionen Artikeln, bei knapp 20 Millionen davon liegen ebenfalls Volltexte vor. Durch die Verwendung von Open Access entstehen keine rechtlichen Probleme. Hingegen ist die Rechtslage bei Closed-Access-Artikeln nicht abschließend geklärt. Zwar werden die Artikel in ORKG Ask nicht dazu genutzt, das Modell weiter zu trainieren, doch befindet sich auch das Extrahieren von Informationen in einer Grauzone. Lizenzen und Vorgaben der Verlage müssten im Einzelnen geprüft werden. Durch die Beschränkung auf Open Access fallen diese Hindernisse weg.

Im Zuge der rasanten Entwicklungen im Bereich generativer KI werden in sämtlichen Bereichen Fragen des Copyrights, des Datenschutzes und der Datenethik neu diskutiert. Besonders in der Wissenschaft spielen auch Transparenz und Reproduzierbarkeit von KI-generierten Ergebnissen eine große Rolle. Ein Frage-Antwort-System sollte kein verstärkender Faktor der Reproduzierbarkeitskrise2 werden. Deswegen setzt die TIB bei der Entwicklung des ORKG Ask auf Openness. Nicht nur Ask‘s Quellcode ist Open Source, sondern auch sämtliche verwendeten Dritttechnologien. Als Sprachmodell kommt das in der EU entwickelte offene Modell Mistral zum Einsatz. Sämtliche Prompts, die das System zur Abfrage von Informationen durch das Sprachmodell nutzt, können von Nutzenden eingesehen werden. Auch ist deutlich gekennzeichnet, welcher Kontext (Abstract oder Volltext) herangezogen wird, um die präsentierte Information zu gewinnen. Ebenso können sämtliche verwendete technische Parameter, die dem Modell übergeben werden, wie beispielsweise der Seed, der den Zufallsprozess reproduzierbar macht, ausgelesen werden.

Wie bei jedem Einsatz von großen Sprachmodellen besteht zwar die Gefahr von Halluzinationen in den einzelnen Spalten der Antworttabelle oder in der Kurzzusammenfassung, jedoch existieren alle angezeigten Artikel wirklich. Nutzende werden dazu aufgefordert, gegebene Antworten zu verifizieren, indem sie den Originalartikel lesen. Auch hier ist von Vorteil, dass es sich im Datensatz um Open-Access-Veröffentlichungen handelt.

Als Service der TIB ist ORKG Ask nicht-kommerziell und steht kostenfrei und ohne Anmeldung zur Verfügung. Derzeit wird an einer mehrsprachigen Ausgabe und an einer Anpassung an das individuelle Vorwissen der Nutzenden gearbeitet. So kann Ask in Zukunft nicht nur Fragen von Forschenden, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit beantworten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass KI-Systeme für die Wissenschaft nicht nur maßgeblich von der Open-Access-Bewegung profitieren, sondern auch selbst so offen wie möglich sein sollten, um durch Transparenz und Reproduzierbarkeit das Vertrauen in die KI-generierten Antworten zu stärken. Open Access schafft dabei nicht nur rechtliche Gewissheit, sondern erleichtert auch die kollaborative Bewertung und Einordnung der generierten Antworten durch Forschende. Nur wenn die verwendeten Daten offen einsehbar sind, können Aussagen von KI-Systemen geprüft, Fehler gefunden und Antworten verbessert werden. So tragen Open-Access-Artikel wesentlich dazu bei, KI-Systeme vertrauenswürdiger zu gestalten und Falschinformationen zu beheben.

1 https://www.technologyreview.com/2022/11/18/1063487/meta-large-language-model-ai-only-survived-three-days-gpt-3-science/
2 Die Reproduzierbarkeitskrise bezeichnet das Problem, dass viele wissenschaftliche Studien nicht zuverlässig durch andere Forschende wiederholt bzw. Ergebnisse nicht bestätigt werden können. Gründe hierfür sind unter Anderem methodische Schwächen, eine unzureichende Dokumentation der Arbeit und fehlende Transparenz.</description><enclosure
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<item><title>Publikationsberatung mit dem oa.finder</title><link>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder</link><comments>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder#comments</comments><pubDate>Mon, 17 Mar 2025 09:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Beratung</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder</guid><description>Publikationsberatung mit dem oa.finder
Der oa.finder ist die zentrale Informations- und Rechercheplattform für akademisches Publizieren in allen Fachbereichen. Hier finden Forscher*innen schnell Zeitschriften und Wissenschaftsverlage für ihre Publikationsvorhaben, indem sie ihre Suche auf die unterschiedlichen Publikationstypen ausrichten: Journal-Artikel, Monografie, Sammel- oder Konferenzband.

Akademisches Publizieren wird durch verschiedene Anforderungen immer komplexer, vor allem wenn eine Publikation im Open Access erscheinen soll. Bei der Auswahl des passenden Publikationsorgans müssen sich Wissenschaftler*innen nicht mehr nur mit fachlichen Fragen befassen, sondern zunehmend auch mit administrativen Aspekten des Publizierens: Welche Zeitschrift, welcher Verlag kommt überhaupt in Frage? Wie sehen die Förderbedingungen für Publikationskosten an der eigenen Einrichtung aus? Unter welcher Lizenz sollte die Arbeit veröffentlicht werden? Wer bekommt die Rechnung und wer muss am Ende die Publikationskosten zahlen? Nachdem Ariane Retzar vom Open-Access-Team der UB Greifswald die lange Liste der zu klärenden Fragen aufgezählt hat, berichtet sie aus ihrem Beratungsalltag und stellt fest, dass den Wissenschaftler*innen häufig die Zeit fehlt, sich in die Details des Open-Access-Publizierens einzuarbeiten. Weil die organisatorischen, verwaltungs- und finanzierungstechnischen Aspekte rund um eine Publikation keine originären Aufgaben von Forschung und Lehre sind, unterstützen die Bibliotheken die Wissenschaftler*innen an ihren Einrichtungen. 
Bibliothek unterstützt bei Organisation und Verwaltung
An der Universitätsbibliothek Greifswald berät Ariane Retzar Forschende u.a. bei der Suche nach dem passenden Publikationsorgan. Dafür greift sie immer wieder auch auf den oa.finder zurück. Sie schätzt besonders, dass sich die Wissenschaftler*innen zunächst selbst einfach einen Überblick verschaffen können, welche Publikationsmöglichkeiten sie in ihrem Fachbereich haben, welche Zeitschriften thematisch passen. Die Ergebnisse dieser ersten Recherche sind immer „eine gute Gesprächsgrundlage für eine Publikationsberatung und die folgenden Entscheidungen, “ sagt sie.

Eine Publikationsberatung durch die eigene Institution ist fast unumgänglich, denn wegen der diversen Geschäftsmodelle und sich häufig ändernden Rahmenbedingungen, ist die Publikation im Open-Access eine komplexe Angelegenheit.

Für einen schnellen und direkten Zugang zu den wichtigsten Informationen über Open-Access-Publikationsmöglichkeiten hat die Universitätsbibliothek Greifswald den Suchschlitz auf ihrer Infoseite zu Open-Access-Finanzierungsmöglichkeiten direkt mit dem oa.finder verlinkt. Das ist praktisch, weil die Zeitschriftensuche schon auf der Seite der UB beginnen kann. Mit Absenden der Suchanfrage öffnet sich in einem neuen Fenster der oa.finder und führt direkt zu den Informationen über die gesuchte Zeitschrift inklusive möglicher Förderungen der Publikationskosten durch die Universität Greifswald. 

 		Suchschlitz UB Greifswald.JPG
Link zum oa.finder mit vorbelegter ROR-ID als Service für die Wissenschaftler*innen
„Wissenschaftler*innen wünschen sich ein einfaches Suchsystem,“ weiß Ariane Retzar, und deshalb haben „wir den oa.finder auf unserer Seite eingebunden“. Für die Veröffentlichung sind verschiedene Aspekte relevant: Bei welche Zeitschrift sollte ein Artikel eingereicht werden? Gibt es finanzielle Förderung? Wie hoch ist die APC (Article Processing Charge)? Gibt es vergleichbare Zeitschriften mit günstigeren Konditionen?

Die direkte Verbindung vom Suchschlitz der Bibliothek zum oa.finder erleichtert die Recherche, weil im Feld „Meine Organisation“ die ROR-ID voreingestellt ist und damit die einrichtungsspezifischen Förderbedingungen bezogen auf die jeweilige Zeitschrift sichtbar werden.

Andere Einrichtungen haben den oa.finder ebenfalls auf ihren Webseiten eingebunden. Beispielsweise hat auch die Universitätsbibliothek Bern einen Suchschlitz mit direkter Verbindung zum oa.finder, der zu Treffern mit einrichtungsspezifischen Fördermöglichkeiten führt. 

 		Suchschlitz UB Bern.JPG

Eine etwas andere Variante stellt die Universitätsbibliothek Bayreuth für die Suchenden bereit: Auf den Informationsseiten über Open Access wird der oa.finder vorgestellt und neben dem Informationstext führt ein Link zum oa.finder mit dem für die Universität Bayreuth voreingestellten Feld „Meine Organisation“.
Recherche im oa.finder für alle Personen und alle Publikationsformen
Die Rechercheplattform oa.finder kann natürlich auch ohne Affiliationsangabe genutzt werden, allerdings werden dabei keine Fördermöglichkeiten mehr angezeigt. 

Der oa.finder ist eine Entwicklung der Universitätsbibliothek Bielefeld im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts open-access.network. In der ersten Projektphase wurde der oa.finder für den Suchbereich Journals mit publikationsrelevanten Informationen zu rund 57.000 Zeitschriften aufgebaut. Im Februar 2025 wurde der oa.finder erweitert. Neben der Recherche nach Zeitschriften, die unmittelbar digital erscheinen, können Forschende nun auch nach Wissenschaftsverlagen suchen, die Open-Access-Bücher (Monografien, Sammelbände, Konferenzschriften etc.) publizieren.

Informations- und Schulungsangebote über den oa.finder für Wissenschaftler*innen, Beschäftigte in der Publikationsberatung und Interessierte finden regelmäßig statt. Konkrete Termine werden sowohl im Veranstaltungskalender von open-access.network als auch auf der Startseite des oa.finders angekündigt.
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<item><title>Diamond OA: BMBF-Projekte bringen faires und freies Open Access auf den Punkt</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt#comments</comments><pubDate>Wed, 12 Feb 2025 15:26:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Evin Dalkilic</dc:creator><dc:creator>Mamta Dwivedi </dc:creator><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Lena Marie Henkes</dc:creator><dc:creator>Simona Noreik</dc:creator><dc:creator>Jonas Scherr</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</guid><description>Diamond Open Access (DOA), also Publikationen ohne Gebühren für Leser*innen und Autor*innen (siehe Definition des DIAMAS-Konsortiums), sind entscheidend für den nachhaltigen und fairen Zugang zu wissenschaftlicher Forschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) trägt diesem Umstand mit der „Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis“ Rechnung.

Am 24. Oktober 2024 haben sechs Projekte dieser Förderlinie anlässlich der Internationalen Open Access Week 2024 ein „Blitzlicht“ organisiert, um ihre Zwischenergebnisse vorzustellen und für die wichtigen Anliegen von Diamond Open Access weiter zu sensibilisieren. Mit dabei waren KOALA-AV, Diamond Thinking, OLEKonsort, edu_consort_oa, DiamOnd@HsH und ELADOAH, die mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen einen guten Einblick in die Vielfalt der Diamond-Open-Access-Landschaft in Deutschland bieten konnten.

Die Veranstaltung richtete sich an alle, die sich für freien Zugang zum wissenschaftlichen Diskurs und Diamond Open Access interessieren, unabhängig von deren Kenntnisstand. Bewusst hatten sich die Projekte dem Anliegen der Internationalen Open Access Week 2024 angeschlossen: Unter dem Motto „Community over Commercialization“ haben die beteiligten Einrichtungen ein Zeichen für faires und freies Open Access gesetzt. Die jeweiligen Projektergebnisse stützen dieses Engagement inhaltlich.


KOALA-AV

Das Projekt KOALA-AV (Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz, Technische Informationsbibliothek (TIB)) widmet sich der Etablierung qualitätsgesicherter APC-freier konsortialer Open-Access-Lösungen. Dafür wurden bisher 13 Zeitschriften und zwei Schriftenreihen fachlich gebündelt und von nationalen und internationalen Einrichtungen für jeweils drei Jahre gemeinschaftlich finanziert.

Das Projekt untersucht Motivation und Mehrwerte des KOALA-Modells sowie Herausforderungen bestehender Konsortien und Modelle. Erhebungsergebnisse unter Erwerbungsbibliothekar*innen ergeben, dass ein relevanter Beweggrund für eine Beteiligung die Umwidmung von Erwerbungsmitteln ist. Die strategische Motivation bei der Unterstützung von DOA wird als wichtigster Mehrwert gesehen. Als größter Hinderungsgrund für eine Teilnahme werden fehlende Publikationen von Forschenden der eigenen Einrichtung eingeschätzt. Hierfür entwickelt das Projekt Lösungsvorschläge und vernetzt die Community, etwa in Workshops. Derzeit optimiert das Projektteam die Workflows und baut das Modell mit nationalen und internationalen Partnern weiter aus. So gibt es beispielsweise seit 2024 eine KOALA-Konsortialstelle als Pilotprojekt an der SLUB Dresden.
ELADOAH

Im Verbundprojekt ELADOAH („Erwerbungslogik als Diamond-Open-Access-Hindernis: Aus-, Um- und Nebenwege“) werden bestehende und mögliche Modelle zur Finanzierung von DOA erhoben und diskutiert. Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft kann im Rahmen einer Interview- und Literaturstudie vorläufig bilanzieren, dass wissenschaftliches Publizieren stark im Wandel begriffen ist, wobei insbesondere Kooperation (statt Wettbewerb) und Gemeinwohlorientierung (statt Gewinnorientierung) an Bedeutung gewinnen. Wissenschaftliches Publizieren wird, so haben die Interviews gezeigt, stärker als ein ganzheitliches Modell verstanden, bei dem Risiken im Publizieren durch eine gemeinschaftliche Organisation und Finanzierung besser aufzufangen sind.

Der Verfassungsblog untersucht, ob und inwieweit das öffentliche Haushaltsrecht der Finanzierung von DOA-Publikationen insbesondere durch Hochschulen und ihre Bibliotheken entgegensteht. Vorab lässt sich hierzu sagen, dass bei Erwerbungsfragen meist aus dem Blick zu geraten scheint, welche Spielräume das Agieren im Kontext der Wissenschaftsfreiheit schaffen kann. Dass die Rechtsstellung wissenschaftlicher Bibliotheken rechtswissenschaftlich kaum Aufmerksamkeit erfährt, dürfte zu möglicherweise verengten Rollenverständnissen beitragen.
OLEKonsort

Das Projekt OLEKonsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für Diamond-Open-Access-Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften auf. Das Projekt ist ein Teil der Open Library Economics (OLEcon), einer Initiative der ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Nach einer erfolgreichen ersten Finanzierungsphase läuft noch bis Mitte Dezember 2024 die Abfrage zur Mit-Finanzierung von vier DOA-Zeitschriften für 2025.

Der Austausch mit anderen Projekten im Bereich Diamond Open Access ebenso wie mit der Community der wissenschaftlichen Bibliotheken hat sich im Projekt als sehr fruchtbar erwiesen. Beim Aufbau einer Community von Mit-Finanzierenden (meist wissenschaftliche Bibliotheken) zeigt sich, dass neben Informationen zu Publikationszahlen der Zeitschriften für die Mit-Finanzierenden vor allem ein Austausch zum „Wie“ des Finanzierens von Open Access interessant ist. Die engagierten Herausgeber*innen der wissenschaftsgeführten DOA-Zeitschriften haben hingegen Bedarf am Austausch zu praktischen Fragen der Zeitschriftenpublikation. Im weiteren Projektverlauf liegt der Fokus auf dem Ausbau des Konsortiums über den DACH-Raum hinaus sowie auf der Stabilisierung der Konsortialteilnahme.
edu_consort_oa

Das Verbundprojekt Open Access-Konsortium Bildung für E-Books und Zeitschriften (edu_consort_oa) des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik. Das zentrale Ziel ist es, eine tragfähige Infrastruktur zur verteilten Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften- und Open-Access-E-Book-Paketen durch die Beteiligung von Hochschulbibliotheken zu bilden und bedarfsgerecht im fachlichen Publikationsgefüge zu etablieren.

Dabei werden für diese beiden Publikationsformen konsortiale Subskriptionsverfahren entwickelt und in jährlichen Verfahren jeweils:
1) Ausschreibungen durchgeführt,
2) die Einreichungen formal durch die Projektbeteiligten und inhaltlich über ein fachliches Auswahlgremium geprüft und ausgewertet,
3) über Pledgings Hochschulbibliotheken finanziell beteiligt und abschließend
4) die Publikationen mit ihren Metadaten über das fachliche Repositorium peDOCS sowie der FIS Bildung Literaturdatenbank verbreitet und langzeitarchiviert.

Mit edu_consort_oa und dem FID konnten bisher drei Pakete mit insgesamt 59 OA-E-Books durch die jeweilige Beteiligung von über 50 Hochschulbibliotheken finanziert werden. Die Deadline zur Einreichung für eine weitere Runde an 20 OA-E-Books sowie erstmals auch für fünf DOA-Zeitschriften ist Ende Februar.
DiamOnd@HsH

Im Fokus des Projekts DiamOnd@HsH steht die Etablierung eines wissenschaftsgeleiteten, institutionell verankerten Diamond-Open-Access-Verlags, mit dem die bestehenden Publikationsinfrastrukturen an der Hochschule Hannover um ein professionalisiertes Angebot ergänzt werden sollen. Durch ein niedrigschwelliges Vor-Ort-Angebot sollen Forschende und Lehrende zum Publizieren motiviert und durch qualitätssichernde Maßnahmen unterstützt werden. Bei fakultätsübergreifenden Gesprächen hat sich bestätigt, dass es nicht nur Fachkultur-, sondern auch HAW-spezifische Bedürfnisse und Anforderungen gibt, die bei der Konzeption des Dienstleistungsportfolios berücksichtigt werden müssen. Entsprechend ist eine früh im Prozess ansetzende Beratung und konstante Begleitung für die Wahrnehmung des hauseigenen Angebots essenziell. Nach sechs Monaten Laufzeit, in denen z. B. an der benötigten technischen Infrastruktur und Bewerbung des Vorhabens gearbeitet worden ist, stehen nun die ersten vier Publikationen im Verlag HsH Applied Academics an.
Diamond Thinking

Das Verbundprojekt Diamond Thinking (Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Universitätsbibliothek Stuttgart) ist darauf ausgerichtet, an beiden Partneruniversitäten Infrastrukturen für DOA-Veröffentlichungen auf- und auszubauen: in Karlsruhe im Bereich wissenschaftlicher Zeitschriften, in Stuttgart für Buchpublikationen. Dies wird durch Maßnahmen der PR und der Nutzendenforschung begleitet. Denn Information, Kommunikation und das Erzeugen von Renommee sind zentral für den Erfolg von DOA-Strukturen. Nur wenn Wissenschaftler*innen von den neuen Angeboten wissen und diese ernst nehmen, kann ‚wissenschaftsgeleitetes Publizieren‘ gelingen. Gemeinsame Projekte der Bibliothek mit Wissenschaftler*innen können dabei helfen, dies zu leisten.

Die für das Projekt angedachte Teilfokussierung auf wissenschaftliche Fachgesellschaften hat sich indes fallweise als problematisch erwiesen, weil diese meist überregional, oft international ausgerichtet sind, sodass ein Standortbezug nur unzureichend gegeben ist. Auch deshalb erscheinen überregionale DOA-Strukturen, wie sie aus dem Projekt heraus im TU9-Zusammenhang ebenfalls verfolgt werden, als äußerst wünschenswert.
Abschluss und Ausblick

Der Workshop hat gezeigt, dass der Austausch zwischen den Projekten, trotz teils unterschiedlicher Ausrichtung, sehr hilfreich für die erfolgreiche Projektarbeit ist. Die BMBF-geförderten Projekte können von den jeweiligen Erkenntnissen profitieren und die Zusammenarbeit kann Synergien schaffen.

Als aktuelle Schwerpunkte im Bereich DOA haben sich v. a. die folgenden drei Aspekte herauskristallisiert:

    Konsortiallösung
    Beratung
    und institutionelle Publikationsinfrastrukturen

– also Kontexte, die dezidiert von der Zusammenführung unterschiedlicher Perspektiven und Schwerpunkte sowie (interdisziplinärer) Zusammenarbeit leben. Zusammenarbeit und Austausch zwischen Community-geleiteten Initiativen stellen angesichts begrenzter Kapazitäten zwar eine Herausforderung dar, sind gleichzeitig aber entscheidend, um DOA nachhaltig zu gestalten und drängende Fragen wie zum Beispiel die langfristige Finanzierung anzugehen. Das „Blitzlicht“ war Teil der Bemühungen, den Austausch in der Community und die gegenseitige Unterstützung zu stärken.

Zudem ist deutlich geworden, dass DOA mehr ist als ein wissenschaftspolitisches „Modethema“: In den Projektvorstellungen sowie in den Rückmeldungen der Teilnehmer*innen der Veranstaltung zeigt sich ein Bekenntnis für faires und freies Open Access sowie der Wunsch nach einem grundlegenden Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems. Förderpolitisch lässt sich dies unterstreichen mit nationalen Initiativen wie der geplanten Einrichtung einer Servicestelle für Diamond Open Access durch die DFG, auf europäischer Ebene mit den Arbeiten zur Effizienzsteigerung von Diamond Open Access des DIAMAS-Konsortiums; sowie auf globaler Ebene durch Diskussionen im Rahmen des Global Summit Diamond Open Access (2023 in Mexiko und 2024 in Südafrika).</description><enclosure
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<item><title>Eine Politik für Open Access Bücher beginnt in der Einrichtung</title><link>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</link><comments>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Feb 2025 14:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Malte Dreyer</dc:creator><dc:creator>Jan-Philip Tummes</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</guid><description>Eine smarte Förderpolitik für OA-Bücher soll zu mehr Open Access in den SSH führen. Wir haben gefragt: wer darf dabei nicht fehlen und wo brennt es am meisten?
Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern
Logo Palomera

Vergleicht man Umsetzungsstand der Open-Access-Transformation im Zeitschriftensektor mit der Lage auf dem Buchmarkt, drängt sich einem der Eindruck auf, dass Bücher in der Open-Access-Transformation bisher eher am Rande behandelt wurden (Shaw &amp; Phillips et al., 2021). Hierfür gibt es viele Gründe. Der in Deutschland sehr kleinteilige Verlagsmarkt macht eine Transformation durch Konsortialverträge kompliziert und auf der Ebene der EU existieren verschiedene Umsetzungsstände und Rahmenbedingungen. Die Diskussion und Durchsetzung von Maßnahmen sowohl auf der nationalen als auch auf der europäischen Ebene gilt deswegen als sehr herausfordernd (Laakso &amp; Bandura-Morgan et al., 2024). Das Projekt PALOMERA (Policy Alignment of Open Access Monographs in the European Research Area) hat sich der Aufgabe angenommen, diese Rahmenbedingungen zu beschreiben und darauf aufbauend Empfehlungen für Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern zu erarbeiten. Dies geschieht – wie in anderen Policy-Forschungsprojekten auch – auf der Basis von Daten, die typischerweise durch Desktopresearch, in Workshops oder in Umfragen erhoben werden.
Die PALOMERA Umfrage zu Open-Access-Büchern

Vor diesem Hintergrund führten die Mitarbeitenden von PALOMERA eine europaweite Online-Umfrage zur Open-Access-Politik für Bücher durch. Sie zielte darauf ab, Einstellungen zur Politik für Open-Access-Bücher, zu anderen Stakeholdern sowie Bedarfe und Herausforderungen der Transformation zu ermitteln. Auch der Wissensstand über Open-Access-Politiken im Allgemeinen und die Beurteilung einzelner Politikmaßnahmen im Besonderen wurde erfragt. Die Einladung zur Umfrage wurde über Mailinglisten, Social-Media und Direktkontakte in 39 Ländern verbreitet.  420 Personen aus 30 Ländern haben teilgenommen. Für die Auswertung im Ländervergleich wurden nur Länder berücksichtigt, aus denen mindestens 30 vollständige Rückläufe vorlagen. Die Respondenten konnten sich außerdem den Stakeholdergruppen Forschungsförderungsorganisationen (RFOs), Universitäten (und andere Forschungsorganisationen, kurz. RPOs), Verlage, Bibliotheken, Infrastrukturanbieter, politische Entscheidungsträger oder Fachgesellschaften zuordnen, was zusätzlich eine stakeholderspezifische Analyse ermöglichte. In Hinblick auf die Gestaltung der Förderpolitik hierzulande und darüber hinaus sind besonders die Ergebnisse zu den Themen politisches Engagement und Stakeholderkooperation interessant.
Unsere nationale Open-Access-Politik: es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie…

Aufgrund der föderalen Struktur gibt es in Deutschland eine große Anzahl von politischen Dokumenten: Richtlinien auf der Ebene der Bundesländer, Stellungnahmen von Forschungsförderungsorganisationen, Papiere von Ministerien und vieles mehr (vgl. Bärwolff &amp; Benz, 2023). 27 % der Befragten scheinen eine dieser vorhandenen Strategien als nationale Politik zu betrachten, während 47 % der Befragten davon überzeugt sind, dass es in Deutschland keine nationale Open-Access-Politik gibt (Abbildung 1). Mit 26 % gibt sogar ein gutes Viertel der Befragten an, nicht zu wissen, ob eine nationale politische Strategie existiert oder nicht. Angesichts der unklaren Situation in Deutschland ist diese Aussage vermutlich nicht nur auf die Unkenntnis der Befragten zurückzuführen: Das Antwortverhalten der größtenteils professionell mit Open Access befassten Respondenten spiegelt vielleicht einfach die faktisch uneindeutige politische Situation in Deutschland korrekt wider.
Abb. 1: Existenz einer nationalen Politik. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.15

Dementsprechend besteht auch eine größere Unentschlossenheit hinsichtlich der Existenz einer Strategie für Open-Access-Bücher als in anderen Ländern. In Deutschland gaben die meisten Befragten an, sie wüssten nicht, ob eine solche Strategie existiert (67 %). In zentralistisch regierten Ländern sind sich die Befragten der Existenz und Verbreitung ihrer Open-Access-Politik dagegen weitaus stärker bewusst, wie ein Blick auf die Zahlen aus Frankreich beweist. Der Föderalismus birgt also besondere Herausforderungen für die Kommunikation der Wissenschaftspolitik.           

Doch warum ist das wichtig? Nun, das Wissen um die Existenz einer nationalen Politik ist die Voraussetzung für ein entsprechendes Engagement. Tatsächlich ist das Interesse an der Gestaltung einer nationalen Open-Access-Politik in Deutschland bemerkenswert gering (s. Abb. 2). Hier weisen die Daten übrigens eine weitere interessante Korrelation auf: das Interesse am nationalen Engagement scheint in einem Zusammenhang mit dem Interesse an der Open-Access-Politik auf der institutionellen Ebene zu stehen. In Ländern mit einem hohen Maß an Wissen über nationale Strategieprozesse ist auch ein höheres Beteiligungsinteresse auf der institutionellen Ebene messbar.
Abb. 2: Partizipationsinteresse und -wissen. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.30

Politikgestaltung darf demnach nicht nur als nationalstaatlicher Prozess gedacht werden. Hinzu kommt, dass alle Befragten ein höheres Beteiligungsinteresse an Prozessen in ihrer Institution hatten – vielleicht auch, weil sich die Befragten meistens besser auf der institutionellen Ebene auskennen. So geben, wie oben zu sehen, 49% aller Befragten an, die relevanten Stakeholder auf nationaler Ebene benennen zu können, 67% dagegen geben an, die relevanten Stakeholder auf der institutionellen Ebene zu kennen. Wer zum Zwecke der Open-Access-Politikgestaltung besonders engagierte Mitstreiter*innen braucht, sollte sich also auf die Ebene der Institution oder Einrichtung begeben.
Stakeholder und die Sonderrolle der Verlage

Politische Prozesse sind partizipative Prozesse. Konkrete inhaltliche Weichenstellungen können bereits dadurch vorgenommen werden, dass bestimmte Interessengruppen ausgeschlossen und andere zugelassen werden. Daher haben wir gefragt, wer an einem politischen Prozess für Open Access Bücher in Zukunft beteiligt werden sollte und welche Interessengruppen bereits gut vertreten sind.

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie sich für die Zukunft einen geringeren politischen Einfluss der internationalen Verlage wünscht. Dieser Befund korrespondiert mit dem häufig geäußerten Wunsch, wissenschaftsgeleiteten Initiativen mehr politischen Einfluss zu geben (Abb.3).
Abb.3: Relevanz von Stakeholdern. Ländervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.27.

Zusätzlich zum Vergleich der Länder haben wir auch nach Stakeholdern aufgeschlüsselt. Im Allgemeinen sind sie nicht nur der Meinung, dass ihre eigene Gruppe stärker vertreten sein sollte, sondern geben auch an, dass sie sich eine stärkere Präsenz fast aller anderen Gruppen wünschen würden. Die Verlage weisen hierbei allerdings den schwächsten Zuwachs zwischen der geschätzten gegenwärtigen und der erwünschten zukünftigen Bedeutung auf. In Bezug auf die internationalen Verleger wird sogar gewünscht, dass sie in Zukunft eine weniger bedeutsame Rolle in der Open-Access-Politik spielen sollten (Abb.4 und 5). Scholar led Initiativen weisen dagegen die stärkste positive Differenz zwischen der Einschätzung der gegenwärtigen und der erhofften zukünftigen Relevanz auf.
Abb.4: Relevanz von Stakeholdern, Stakeholdervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.28.

Auch in Bezug auf die Bewertung des Impacts einer Open-Access-Politik spielen die Verlage eine besondere Rolle. Zwar waren Respondenten aus den Verlagen am wenigsten davon überzeugt, dass eine nationale Open Access Politik die Dinge zum Besseren verändern würde, bezeugten aber das größte Interesse, an einer solchen mitzuwirken.
Abb.5: Erwartungen an eine Open Access Politik und Partizipationsinteresse. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S. 32.
Die Moral von der Geschicht

Im Projekt PALOMERA haben wir durch die Umfrage gelernt, dass viele Stakeholder sich eher auf der institutionellen als auf der nationalen Ebene an der Gestaltung einer Open-Access-Politik für Bücher beteiligen würden. Eine starke Einbindung der Institutionen durch geschickte Partizipationsmechanismen bei gleichzeitiger Verzahnung der institutionellen mit der nationalen Ebene könnte daher ein vielversprechender Ansatz für eine Politikgestaltung sein, die Stakeholder auf allen Ebenen von Anfang an mit miteinbezieht. In einem solchen Bottom-up-Prozess würden die RPOs als Vermittlungsorgan zwischen der Ebene der Wissenschaftler und der nationalen bzw. europäischen Ebene fungieren. Dabei steht besonders der Föderalismus vor schwierigen Herausforderungen, weil sich dort mit den Bundesländern ein weiterer Intermediär zwischen den Stakeholdern und ihren nationalen Interessenvertretern schiebt. Das führt zu einer unübersichtlichen Situation, in der eine klar strukturierte Governance und bündige Kommunikationskonzepte umso wichtiger werden, wie der Vergleich mit den zentralistisch regierten Ländern zeigt. Bibliotheken könnten hier eine tragende Rolle übernehmen. Wenn es irgendetwas in Bezug auf Informationsinfrastrukturen zu entscheiden oder zu diskutieren gibt, könnten sie zu wichtigen Ansprechpartnerinnen werden.

In Bezug auf die Stakeholder unterstreichen unsere Daten den vielerorts vernehmbaren Eindruck, dass eine wachsende Skepsis gegenüber kommerziellen Geschäftsmodellen das Bedürfnis nach wissenschaftsgeleiteten Kommunikationsinfrastrukturen nährt. Die Bereitschaft zur politischen Gestaltung ist aber bei allen Stakeholdern hoch. Hier wünschen sich die Befragten auch eine Beteiligung der national agierenden Verlage, womit vermutlich vor allem die kleineren und mittelständischen Verlage gemeint sein dürften. Dass wir jede helfende Hand gebrauchen können, zeigt ein abschließender Blick auf die Problemzonen der Open Access Transformation für Bücher. Obwohl Open-Access-Bücher mittlerweile eine gute Reputation genießen, geben fast alle Befragten an, dass sie in Puncto Informationspolitik, finanzielle Förderung und technische Infrastrukturen noch viel Verbesserungsbedarf sehen (Abb. 6.) Insofern hat die PALOMERA-Umfrage auch einen appelativen Charakter. Die Aufforderung, eine progressive Politik für Open-Access-Bücher zu machen, geht aber nicht nur an die politischen Entscheidungsträger der EU und des Bundes. Sie sollte – das legen unsere Ergebnisse nahe – besonders in den Einrichtungen ernst genommen werden: an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, in den Seminaren, Fachverbänden und in den Bibliotheken. An der Basis.
Abb.6: Handlungsfelder für die Open-Access-Politikgestaltung für Bücher. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.39.
Literaturliste

Bärwolff, Theresa; Benz, Martina; Dreyer, Malte u. a.: Open4DE Landscape Report, 2023. Online: , Stand: 05.11.2024.

Dreyer, Malte; Stone, Graham; Tummes, Jan-Philip u. a.: Report on the PALOMERA survey on open access policies for books in the European research area, 30.08.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13607260, Stand: 03.12.2024.

Laakso, Mikael; Bandura-Morgan, Laura; Bazeliuk, Nataliia u. a.: PALOMERA Deliverable 3.1 – Report on Analysis Findings, in zenodo, 01.10.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13827250, Stand: 26.11.2024.

Shaw, Philip; Phillips, Angus; Gutiérrez, Maria Bajo: Arts, Humanities and Social Sciences Monographs. A Report on Publishing Trends, Oxford International Centre for Publishing, Oxford 2021.</description><enclosure
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<item><title>Openness in der Rechtswissenschaft – drei Projekte zur Beförderung der Transformation</title><link>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</link><comments>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation#comments</comments><pubDate>Tue, 03 Dec 2024 21:48:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Nikolas Eisentraut</dc:creator><dc:creator>Jonas Hantow</dc:creator><dc:creator>Maximilian Petras</dc:creator><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><dc:creator>Salo Tober-Lau</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</guid><description>Ende 2023 bzw. Anfang 2024 starteten drei neue Projekte, die verschiedene Aspekte von Openness in der Rechtswissenschaft behandeln und die Transformation zu Open Access und offenen Lehr- und Lernmaterialien voranbringen sollen: „KidRewi (Kulturwandel in der Rechtswissenschaft)“ und „OZUG (Offener Zugang zum Grundgesetz)“ liefen im September 2023 an und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Förderlinie zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur gefördert. Anfang 2024 begann das Projekt „VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi)“, welches in der Förderlinie zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER Communities (OE_COM) ebenfalls vom BMBF gefördert wird. In diesem Blogartikel stellen wir die drei Projekte vor.

Der offensichtlichste gemeinsame Nenner der drei Projekte neben der Verortung in der Rechtswissenschaft ist die Förderung durch das BMBF. Allerdings sind zwei verschiedene Förderlinien vertreten, was die unterschiedliche thematische Ausrichtung widerspiegelt: Während KidRewi und OZUG im Rahmen der Open-Access-Förderung des BMBF Mittel beziehen, ist VEStOR eines von diversen Projekten, die als Umsetzungsmaßnahme der OER-Strategie des Ministeriums gefördert werden. Durch personelle Überschneidungen und die Anbindung sowohl an die Leibniz Universität Hannover (LUH) als auch an die Fachhochschule Potsdam (FHP) und die Verbindungen zur Community of Practice OpenRewi entsteht ein enger Austausch zwischen den Projekten, von dem alle Beteiligten profitieren, der aber so nicht selbstverständlich ist. So bemerkte auch eine Vertreterin des BMBF beim gemeinsamen Kick-off von KidRewi und VEStOR, dass sie es bisher nicht erlebt habe, dass sich Projekte aus unterschiedlichen Förderlinien so eng untereinander austauschen. Nach dem Kick-off wurde ein gemeinsamer Jour fixe von KidRewi und VEStOR im monatlichen Rhythmus eingerichtet.

Während KidRewi und OZUG also vor allem auf wissenschaftliche Publikationen abzielen, stehen bei VEStOR Lehr- und Lernmaterialien im Mittelpunkt. Tatsächlich sind die Übergänge zwischen Open-Access-Publikationen und Open Educational Resources  allerdings fließend: Entscheidende Grundsätze wie der freie Zugang und die möglichst uneingeschränkte Nachnutzbarkeit sind Grundprinzipien beider Kategorien und der Gebrauch von CC-Lizenzen  ist der einfachste Weg, um die Nachnutzung sicher und weitestgehend simpel zu gestalten. Zwar finden sich unter OER nahezu alle möglichen Publikationsformate, jedoch sind Text- bzw. PDF-Publikationen auch hier zahlreich vertreten. Aus unterschiedlichen Gründen sind die OA- und OER-Communitys jedoch wenig vernetzt – ein erhofftes Ergebnis der drei Projekte ist also auch ein verstärkter Austausch auf dieser Ebene.
Kulturwandel in der Rechtswissenschaft – KidRewi

Selbstständige Literatur – darunter versteht man eigenständig veröffentlichte Werke wie Monografien – in Printform besitzt in der Rechtswissenschaft nach wie vor zentrale Bedeutung. Sie ist nicht nur ein integraler Bestandteil der juristischen Ausbildung, sondern nimmt auch in der wissenschaftlichen Praxis sowie der praktischen Rechtsanwendung eine unverzichtbare Rolle ein. Zudem kommt der Veröffentlichung der eigenen Qualifikationsschriften in renommierten Verlagen eine herausragende Bedeutung für den akademischen Werdegang zu. Diese disziplinspezifische Pfadgebundenheit ist nur ein Grund, weshalb sich der offene sowie digitale Zugang zu selbstständigen juristischen Publikationen bisher nicht weitgehend etablieren konnte. Hier setzt das Projekt KidRewi an und konzipiert Infrastrukturen sowie Materialien, die den Kulturwandel in der Rechtswissenschaft unterstützen sollen.

Das Projekt KidRewi
Das Akronym KidRewi steht für „Kulturwandel in der Rechtswissenschaft“, wobei im Rahmen des Projekts selbstständige juristische Publikationen im Fokus stehen. Ziel ist es, am Ende der Projektlaufzeit ein Konzept für eine agile Publikationsinfrastruktur zu entwickeln, das in einem nächsten Schritt umgesetzt werden kann. Hintergrund der Projektarbeit ist die Überzeugung, dass die Transformation zu mehr Openness maßgeblich in den Händen der Rechtswissenschaftler*innen selbst liegt. Aus diesem Grund nehmen sowohl die Bedarfserhebung für die technische Infrastruktur als auch die zu erstellenden OER-Materialien zentrale Rollen des Projekts ein. Es soll nicht eine weitere Infrastruktur oder weitere Materialien für eine Community an der Community vorbei entwickelt werden.

Das interdisziplinäre Projektteam ist an der Fachhochschule Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler angesiedelt und arbeitet eng mit Akteuren im rechtswissenschaftlichen und informationswissenschaftlichen Bereich zusammen. Dazu zählen die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg, OpenRewi sowie das Kompetenznetzwerk Bibliometrie.

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt fördert die Reflexion über die Publikationskultur in der Rechtswissenschaft, indem Wissenschaftler*innen aus allen Karrierestufen angesprochen werden, die bereits Erfahrung im Publizieren von selbstständiger juristischer Literatur haben. Im Kern möchte KidRewi dadurch den Zugang zu rechtswissenschaftlicher Fachliteratur verbessern und inklusiver gestalten, um so eine nachhaltige Verbesserung insbesondere in der juristischen Ausbildung zu bewirken.
Offener Zugang zum Grundgesetz – OZUG

Das Grundgesetz stellt den populärsten und bedeutsamsten Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland dar. Als deutsche Verfassung erfährt es in der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung und ist Gegenstand nicht nur rechtswissenschaftlicher Reflexion. Es ist normative Grundlage der großen politischen Konflikte der Bundesrepublik seit 1949 und regelmäßig Gegenstand bundesweiten Interesses im Rahmen der vom Bundesverfassungsgericht entschiedenen Verfahren. Das Bundesverfassungsgericht als Verfassungsorgan und Hüterin der Auslegung der Verfassung genießt in breiten Bevölkerungsschichten ein hohes Ansehen. Dennoch existiert auch über 75 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes keine für jedermann frei im Internet zugängliche Erläuterung der deutschen Verfassung und der sie prägenden Verfassungsrechtsprechung. Ein offener Zugang zu den vorhandenen Kommentierungen des die Bundesrepublik konstituierenden Textbestands fehlt. Im vom BMBF geförderten Projekt „OZUG: Offener Zugang zum Grundgesetz“ wird der Wissensbestand zum Grundgesetz als bedeutsamster Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland in den Open Access überführt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut (LUH und Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)) wird ein Grundgesetzkommentar projektiert, geschrieben und veröffentlicht, dessen Inhalte für jede*n frei verfügbar und offen lizenziert über das Internet zugänglich gemacht werden sollen. Neben Prof. Eisentraut wirken als Herausgeber*innen Prof. Dr. Friederike Gebhard, Prof. Dr. Hannah Ruschemeier und Dr. Jonas Botta mit. Einschließlich der Herausgeber*innen wird der Kommentar von 73 Autor*innen verfasst und soll 2026 sowohl als Open-Access-Kommentar online als auch in einer Printausgabe veröffentlicht werden.

Ausgehend von der Realisierung des Kommentars untersucht ein von Prof. Dr. Bernd Kleimann (DHZW) geleitetes sozialwissenschaftliches Begleitforschungsprojekt aus professionssoziologischer und governancetheoretischer Perspektive, welche Faktoren in der Rechtswissenschaft (bislang) dem Open-Access-Gedanken entgegenstehen und welche Bedingungen für eine Mitarbeit an der Kommentierung als adäquat angesehen werden.
Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi – VEStOR

In der modernen Bildungslandschaft gewinnen offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) zunehmend an Bedeutung. Sie fördern den freien Zugang zu Wissen und unterstützen innovative Lehr- und Lernmethoden. Besonders in der Rechtswissenschaft sind OER bislang jedoch noch eine Ausnahme. Hier setzt das Projekt VEStOR an, das sich der Förderung und Verbreitung offener juristischer Lehr- und Lernmaterialien widmet.

Was ist VEStOR?
Das Projekt VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi) zielt darauf ab, die bislang einzige Community für offene juristische Bildungsmaterialien, OpenRewi e.V., zu erweitern und zu stärken. OpenRewi wurde im Jahr 2020 gegründet, um unter einem Dach dezentral, autonom und kooperativ arbeitende Communities of Practice (CoP) bei der Erstellung qualitativ hochwertiger und offen lizenzierter juristischer Lehr- und Lernmaterialien zu unterstützen. VEStOR fördert die Vernetzung mit weiteren OER-Communities und trägt dazu bei, der offenen Rechtswissenschaft in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen.

Das Projekt VEStOR wird als Verbundprojekt an der Fachhochschule Potsdam (FHP) und der Leibniz Universität Hannover (LUH) umgesetzt und im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER-Communities des BMBF gefördert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler konzentriert sich die FHP auf die praktischen Aspekte der Community-Erweiterung und -Stärkung, einschließlich der Professionalisierung der Organisation, des Ausbaus von Infrastruktur- und Serviceangeboten sowie der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle. Das Projektteam an der LUH, unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut, fokussiert sich auf rechtsdidaktische Forschung und die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Erstellung und Nutzung juristischer OER, unterstützt durch zwei Promotionsstellen.

Projektziele und Schwerpunkte
Das Hauptziel von VEStOR ist es, OpenRewi als zentrales, hochschulübergreifendes Netzwerk für die Publikation offener, qualitätsgesicherter Lehr- und Lernmaterialien in der Rechtswissenschaft zu etablieren. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Projekt auf folgende Schwerpunkte:

    Erweiterung und Stärkung der Community: Aufbau und Professionalisierung der Organisationsstruktur von OpenRewi, um die Community besser bei der Erstellung und Verbreitung von OER zu unterstützen.
    Vernetzung mit weiteren OER-Communitys: Förderung der Zusammenarbeit mit anderen OER-Initiativen, um Synergien zu nutzen und die Reichweite von OpenRewi zu erhöhen.
    Rechtsdidaktische Forschung: Untersuchung von didaktischen Aspekten juristischer OER und der Bedeutung von künstlicher Intelligenz für OER in der Rechtswissenschaft.
    Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle: Schaffung von Finanzierungsmodellen, die eine langfristige Bereitstellung und Weiterentwicklung von OER ermöglichen.
    Wissenschaftskommunikation: Entwicklung einer visuellen Identität und Kommunikationsstrategie, um OER in der Rechtswissenschaft breiter bekannt zu machen und deren Akzeptanz zu erhöhen. 

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt VEStOR adressiert die gesamte rechtswissenschaftliche Fachgemeinschaft in Deutschland und zielt darauf ab, ein inklusives Forum für Open Educational Practices (OEP) zu schaffen. Durch die Förderung und Verbreitung von OER in der Rechtswissenschaft wird ein breitenwirksamer Beitrag zur Realisierung eines nachhaltigen, OER-förderlichen Ökosystems in der digitalen Bildung geleistet.

VEStOR trägt somit nicht nur zur Verbesserung der Lehr- und Lernmaterialien bei, sondern auch zur Vernetzung und Professionalisierung der Community. Es fördert den Austausch und die Kooperation zwischen verschiedenen OER-Initiativen und stärkt die Rolle von OER in der juristischen Ausbildung.
Ausblick

Die Chancen und Synergieeffekte der verschiedenen oben genannten Projekte sind vielfältig (Ebert et al., 2022)1. Sowohl juristische Lehrmaterialien als auch Handbücher oder Kommentare sind immer auf einen sich fortlaufend ändernden Normenbestand bezogen. Gesetze werden geschrieben, Gerichtsurteile präzisieren oder verwerfen sie. Das Format des gedruckten Buches wirkt hier hoffnungslos aus der Zeit gefallen. Seine Herstellung ist aufwendig und dauert. Informationen in gedruckten Büchern sind nicht maschinenlesbar, können also weder leicht verknüpft noch unproblematisch aufgefunden werden. Zudem kosten (Fach-)Bücher viel Geld: Gewinnmargen, an die sich kommerzielle Verlage gewöhnt haben und die sie in ihren Online-Datenbanken (abgeschirmt durch das Urheberrecht) fortsetzen. Und das bei einer Materie, die für alle Teile der Gesellschaft so relevant ist. Aus diesem System auszubrechen, ist sehr voraussetzungsvoll – schon weil die Rechtswissenschaft eine eher konservative Disziplin ist und ihre lieb gewonnenen Publikationsgewohnheiten nur schwerfällig aufgibt. (Fischer, 2022)2. Deshalb ist es umso wichtiger, dass KidRewi, OZUG und VEStOR an verschiedenen Stellen zugleich ansetzen. Während KidRewi eine gründliche Bestandsaufnahme des Status quo vornimmt und dabei mögliche Alternativen bereits mitdenkt, schaffen OZUG im Bereich der Kommentarliteratur und VEStOR im Bereich juristischer Lehrmaterialien positive Beispiele und wertvolle Erfahrungen. Beide Projekte ringen dabei mit der (nie perfekten) aktuellen Publikationsinfrastruktur im weiteren Sinne. Gemeint sind damit nicht nur die konkret verwendeten (Hard- und) Software-Pakete (Nextcloud, PubPub), sondern gerade auch die konkreten Praktiken ihrer Anwendung. Kooperativ, online, mit Peer-Review (intern und extern) zu schreiben ist etwas ganz anderes als alleine in einer lokal gespeicherten Text-Datei mit ein paar nachträglichen Kommentaren der Herausgeber*innen (oder – teilweise Jahre später – der Rezensent*innen) zu schreiben. Wenn es gelingt, andere Publikationsinfrastrukturen für die Rechtswissenschaft zu schaffen, wären die Vorteile vielfältig: Bessere, aktuellere Literatur für die Leser*innen und reichhaltigere Erfahrungen (z. B. direkteres Feedback) für die Autor*innen. So wie es heute ganz selbstverständlich ist, dass Gesetze (und teilweise Urteile) im Internet frei abrufbar sind, sollte es bald auch selbstverständlich sein, dass diese öffentlich zugänglich erklärt und diskutiert werden.

1 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-50/offene-rechtswissenschaft-chancen-einer-open-science-transformation-volume-3-2022-issue-1?page=1
2 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-19/im-ringen-um-erkenntnis-und-anerkennung-wie-rechtswissenschaftler-innen-das-eigene-akademische-publizieren-im-zuge-von-open-access-sehen-volume-3-2022-issue-1?page=1</description><enclosure
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<item><title>Publikationsberatung in der Praxis: Vernetzung, Austausch, Weiterbildung</title><link>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-in-der-praxis-vernetzung-austausch-weiterbildung</link><comments>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-in-der-praxis-vernetzung-austausch-weiterbildung#comments</comments><pubDate>Tue, 26 Nov 2024 12:00:00 +0100</pubDate><dc:creator>Valérie Andres </dc:creator><dc:creator>Christian Kaier</dc:creator><dc:creator>Lisa Schilhan</dc:creator><dc:creator>Jasmin Schmitz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-in-der-praxis-vernetzung-austausch-weiterbildung</guid><description>“Ich habe ein Paper verfasst und möchte dieses nun publizieren. Wie finde ich ein geeignetes Journal, worauf sollte ich im Publikationsprozess achten, wer finanziert mir eine Open-Access-Publikation und was kann ich tun, damit mein Beitrag gefunden und wahrgenommen wird?”

Diese und ähnliche weitere Fragen stellen sich besonders junge Forschende am Anfang ihrer wissenschaftlichen Karriere. Klar ist, nach wie vor spielt das Publizieren beim Reputationsaufbau eine große Rolle. Jedoch fühlen Autor*innen sich oft unsicher und haben weder Zeit noch Gelegenheit, sich über alle Details und Aspekte des Publizierens zu informieren, und wünschen sich Unterstützung auch von außerhalb ihrer Community zu Fragen wie: Die Forschungsergebnisse sind aufbereitet, doch was sind nun die nächsten Schritte? Wie kann ich Open Access publizieren? Was muss ich dabei beachten? Wie erreiche ich größtmögliche Sichtbarkeit für mein Werk, und worauf sollte ich achten, um meine Karriere in der Forschung voranzubringen? Gibt es einen Ort, an dem ich alle Antworten finde oder muss ich unterschiedliche Expert*innen aufsuchen?

Darauf möchten wir antworten, dass eigentlich nur ein weiterer Schritt nötig ist: Die Kontaktaufnahme mit uns, den Publikationsberater*innen.

Das trinationale Kernteam setzt sich derzeit zusammen aus: Lisa Schilhan und Christian Kaier von den Publikationsservices Uni Graz, Jasmin Schmitz PUBLISSO Publikationsberatung ZB Med Köln und Valérie Andres, Fachstelle Open Access an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

In der Fokusgruppe Publikationsberatung, die aus einem Workshop bei den Open-Access-Tagen 2024 in Köln entstanden ist, wollen wir gemeinsam anhand unserer vielfältigen Erfahrungen in der Open-Access-Beratung den Austausch fördern, neue Themenfelder erschließen und diese in Richtung einer allgemeinen Publikationsberatung erweitern. Ziel ist es, neue relevante Themen für Beratungsangebote in wissenschaftlichen Bibliotheken zu erkennen, diese attraktiv aufzubereiten und damit die Qualität der Forschungsunterstützung weiter zu verbessern.

Dieser Anspruch stellt uns aber auch vor die Frage, wo wir unsere Expertise und unsere Grenzen im Spannungsfeld zwischen technischen, finanziellen, rechtlichen und auch sozialen Aspekten des Publizierens sehen.

Welche Kompetenzen müssen wir als Publikationsberater*innen mitbringen, um Forschende tatsächlich unterstützen zu können?

Braucht es einen juristischen Hintergrund zur Vermittlung von Grundlagen des Urheberrechts? Wie tief muss man in einen Verlagsvertrag eintauchen, damit Autor*innen gut beraten sind?

Sollen wir bei der Beurteilung von Qualität für oder gegen bestimmte Verlage Stellung beziehen und inwiefern stellt die KI noch einmal alles auf den Kopf, was wir bisher zu wissen glaubten?

Bei der Entwicklung zukunftsweisender und attraktiver Angebote wollen wir kollaborativ erarbeiten, welche Rolle die Publikationsberatung als Element der Forschungsunterstützung spielen kann und welche und wo es noch Wissen aufzubauen gilt. Bei den Open-Access-Tagen haben wir exemplarisch anhand der Themen “Forschungsbewertung” sowie “künstliche Intelligenz” diskutiert, worauf in der Publikationsberatung zu achten ist. In der neuen Fokusgruppe wollen wir weitere Themen zur Diskussion anbieten, wie zum Beispiel:

    Was verstehen wir unter dem Berufsbild Publikationsberater*in?
    Zu welchen Themen kann beraten werden?
    Welche Kenntnisse und Fähigkeiten müssen wir als Berater*innen noch erwerben?
    Auf welche Materialien kann zurückgegriffen werden, welche sind noch zu entwickeln? 
    Macht es Sinn, gemeinsam Best Practice Beispiele zu entwickeln und auszutauschen?
    Welche Weiterbildungsmöglichkeiten sind für uns hilfreich?
    Wollen wir als Fokusgruppe gemeinsame Veranstaltungen für “unsere” Forschenden anbieten?  

In virtuellen Treffen sind praxisbezogene Vorträge zu Themen in der Publikationsberatung und zu Best-Practice-Beispielen von Einrichtungen geplant. Des Weiteren wird ein Erfahrungsaustausch ermöglicht. Angedacht sind vorerst 3-4 Online-Treffen pro Jahr.

Das erste Online-Treffen der Fokusgruppe findet am Donnerstag, 16.01.2025 von 14:00 bis 15:00 in diesem Raum statt. Neben einem ersten Austausch und dem Sammeln und Priorisieren von Themen soll bei diesem Treffen bereits ein konkretes Thema besprochen werden:

    Wie überzeugt man Forschende und Studierende, unsere Beratungsangebote zu nutzen? Welche Incentives, wie zum Beispiel ECTS-Punkte oder Zertifikate, können angeboten werden?

Wir freuen uns über Kontaktaufnahme vorab sowie über Vorschläge für konkrete Themen oder Formate. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite: https://open-access.network/vernetzen/digitale-fokusgruppen/fokusgruppe-publikationsberatung

Die Folien zum Workshop “Austausch fördern: Initialer Workshop zur Gründung einer Vernetzungsplattform für Publikationsberater*innen” bei den Open-Access-Tagen 2024 sind auf Zenodo zu finden: https://doi.org/10.5281/zenodo.13833193.</description><enclosure
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<item><title>Beratung auf Augenhöhe: Open Access an HAW strategisch ausbauen</title><link>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen</link><comments>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen#comments</comments><pubDate>Mon, 06 May 2024 09:41:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Beratung</category><dc:creator>Jasper Beyermann</dc:creator><dc:creator>Emilia Mikautsch</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen</guid><description>Das Projekt P2P.OA.HAW startet mit zwei HAW den ersten Erprobungsdurchlauf der Peer-to-Peer-Strategieberatung zu Open Access.

Im November letzten Jahres startete das Projekt &quot;Peer-to-Peer-Strategieberatung für Hochschulleitungen als Werkzeug zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur an Hochschulen für angewandte Wissenschaften&quot; (P2P.OA.HAW) der Hochschule Bielefeld (HSBI) und der Universität Konstanz (UKon). Dabei soll das bewährte Konzept der Peer-to-Peer-Strategieberatung des Hochschulforums Digitalisierung (HFD) aus dem Feld Digitalisierung in Studium und Lehre nachgenutzt und für den Bereich Open Access an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) weiterentwickelt werden.

Die Gestaltung der Strukturen, Prozesse und Strategien für Open Access ist für viele Wissenschaftseinrichtungen herausfordernd. Umso mehr gilt dies für HAW, die ihre Open-Access-Aktivitäten vielfach erst seit den letzten Jahren auf- und ausbauen und dadurch strategisch, strukturell und finanziell in eigener Weise herausgefordert sind. Zugleich erfordern strategische Rahmensetzungen und organisationsbezogene Strukturanpassungen für eine Open-Access-freundliche Zukunft ein Steuerungshandeln auf Hochschulleitungsebene.

Im Strategieberatungsprozess von P2P.OA.HAW werden über einen Zeitraum von etwa acht Monaten zwei HAW dabei unterstützt, eigene Entwicklungsziele im Bereich Open Access zu identifizieren, entsprechende Entwicklungswege zu planen und umzusetzen. Die Erkenntnisse aus den Beratungsrunden in den Jahren 2024 und 2025 sollen in ein Konzept zur langfristigen Etablierung der Peer-to-Peer-Strategieberatung für Open Access einfließen.
Gemeinsam geht’s leichter

Nun ist der erste große Meilenstein im Projekt erreicht! Auf den im vergangenen Dezember veröffentlichten Aufruf zur Interessenbekundung wurden die beiden teilnehmenden Hochschulen für den Erprobungsdurchlauf 2024 ausgewählt:

      Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena)
      Hochschule Rhein-Waal (HSRW)

Bild: Teilnahme an der Peer-to-Peer-Strategieberatung 2024, P2P.OA.HAW, CC BY 4.0.

Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena ist die forschungsstärkste Hochschule für angewandte Wissenschaft in Thüringen und verfügt über ein sehr breites Fächerspektrum von Betriebswirtschaftslehre über Ingenieurwissenschaften, Medizintechnik sowie Biotechnologie, Gesundheit und Pflege bis hin zu Sozialwesen. Durch ihr eigenes vom BMBF gefördertes Open-Access-Projekt „Open Access an HAWs – Acceptance and Communication“ (siehe Open Access Kultur an der EAH Jena) verfügt die EAH Jena nicht nur über die Ressourcen, den Beratungsprozess optimal zu nutzen, sondern auch, um darüber hinaus in Zukunft ein Kompetenzzentrum für die Region zu werden:

    Open Access hat sich zu einem zentralen Thema an der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) Jena entwickelt, um unseren Forschungsschwerpunkt weiter zu stärken und zu fördern. Als forschungs- und publikationsstärkste Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Thüringen befinden wir uns mit unserer eigenen Open-Access-Strategie noch in den Anfängen und sehen großes Potenzial, dieses wichtige Thema weiter voranzutreiben. Deswegen nehmen wir aktiv an der Open Access Peer-to-Peer-Strategieberatung teil. Durch den Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen HAWs, die Open Access bereits erfolgreich implementiert haben, möchten wir wertvolle Einblicke und Erfahrungen gewinnen.

–     Henrieke Walter, Projektmitarbeiterin OA-HAW(C), EAH Jena

Die außerordentlich international ausgerichtete Hochschule Rhein-Waal mit Studierenden aus über 120 Nationen und rund 75% englischsprachigen Studiengängen verfügt über ein starkes und interdisziplinäres Forschungsprofil in den Bereichen Technologie und Bionik, Life Sciences, Gesellschaft und Ökonomie sowie Kommunikation und Umwelt. Im Zusammenhang mit dem Hochschulentwicklungsplan 2030 sollen die bereits beachtlichen Startleistungen zu Open Access in Service, Finanzierung und Infrastruktur gestärkt und mit den Ergebnissen angrenzender Projekte wie TransRegINT und FDMScouts.nrw verknüpft werden.

    Nachhaltigkeit und Transformation sind die Leitthemen der Hochschule Rhein-Waal  in Forschung, Lehre und Wissenstransfer. Wir sind überzeugt: Der offene Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen befeuert ihre Nachnutzung in Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft und bereitet der Umsetzung innovativer Lösungen für gemeinsame Herausforderungen unserer Zeit den Weg. Im Bereich Open Access unterstützt die HSRW ihre Angehörigen daher mit einem breiten Portfolio an Informationsangeboten und Förderstrukturen. Mit der Teilnahme an P2P.OA.HAW verfolgen wir das Ziel, dieses Portfolio für die Zukunft aufzustellen, indem strategische und operative Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Lichte der Best Practices erfahrener Peers ausgelotet werden. Dabei gilt: Open Access eröffnet als Brückenthema viele Verbindungen in andere Bereiche von Open Science und kann somit selbst impulsgebend wirken – auch als Teil der Strategie der HSRW in Forschung, Lehre und Wissenstransfer.

– Martin Reiter, Leitung Abteilung Publikationsmanagement, HSRW
Interaktives Kennenlernen und Bedarfsanalyse

P2P.OA.HAW legt Wert darauf, dass die teilnehmenden Hochschulen ihren Zielen nicht allein nachgehen, sondern vom gemeinsamen Austausch untereinander profitieren. In der ersten gemeinsamen Begleitveranstaltung lernten die Hochschulen somit nicht nur das Projektteam von P2P.OA.HAW kennen, sondern hatten die Möglichkeit, mit der jeweils anderen teilnehmenden HAW zu diskutieren und gemeinsame Hürden ausfindig zu machen: Wie überwindet die andere HAW jene Herausforderung, vor welcher wir momentan stehen? Wo kann meine Einrichtung ein Beispiel für eine erfolgreiche Problemlösung sein?
Nächster Schritt: Auswahl der Peers für individuelle Entwicklungsbedarfe

Um dem individuellen Veränderungsprozess im Open-Access-Bereich jeder HAW passgenau begegnen zu können, bedarf es Open-Access-Expert*innen, die neben ihrer fachlichen Expertise auch die Sichtweise von HAW kennen. Die sogenannten Peers fungieren als „Critical Friends“: Hochschulleitungen von HAW werden durch Leitungen anderer Hochschulen oder Wissenschaftseinrichtungen auf Augenhöhe in einem strukturierten Prozess begleitet und beraten. P2P.OA.HAW bringt beide Seiten zusammen und koordiniert das Beratungsverfahren. Die Peers werden in enger Absprache mit den teilnehmenden Hochschulen aus der erfahrenen Community von open-access.network und darüber hinaus ausgewählt.

Wir gratulieren den ausgewählten Hochschulen und freuen uns auf die Zusammenarbeit in den kommenden Monaten!
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<item><title>Eine PID-Strategie für Deutschland</title><link>https://open-access.network/blog/eine-pid-strategie-fuer-deutschland</link><comments>https://open-access.network/blog/eine-pid-strategie-fuer-deutschland#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Apr 2024 22:42:00 +0200</pubDate><category>Metadaten</category><dc:creator>Steffi Genderjahn</dc:creator><dc:creator>Frauke Ziedorn</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/eine-pid-strategie-fuer-deutschland</guid><description>Mehrwert von PIDs

Mit der Digitalisierung der Wissenschaft und der Globalisierung nimmt die Zahl der Publikationen, auch im Preprint-Bereich, stetig zu. Die Menge an Forschungsdaten und anderen Forschungsergebnissen, wie z.B. Forschungssoftware, wächst.

In Forschungs-, Kultur- und Fördereinrichtungen ist das Management forschungsrelevanter Informationen, wie das Auffinden von Publikationen zur späteren Erfolgsmessung oder Berichterstattung, anspruchsvoller geworden. Für Forschende ist ein klarer Bezug zu den eigenen wissenschaftlichen Publikationen von großer Bedeutung, da sich das Reputationssystem der Wissenschaft nach wie vor an der Anzahl der Zitationen orientiert.

Das kann jedoch eine Herausforderung darstellen, wenn beispielsweise URLs zu Datensätzen ungültig werden. Die eindeutige Zuordnung der Autorschaft kann erschwert sein, insbesondere bei häufig vorkommenden Namen wie Müller, Smith, Garcia oder Wang. Ebenso kann die Identifizierung einer Organisation unter verschiedenen Namen eine Herausforderung darstellen. Dies führt zu Unsicherheiten beim Auffinden, Zugreifen und Zitieren von Forschungsdaten und den dazugehörigen Textpublikationen, Autor*innen und Zugehörigkeiten.

PIDs (Persistent Identifiers) stellen sicher, dass alle Elemente der Forschung eindeutig identifizierbar und zugänglich sind, und zwar sowohl für Menschen als auch für Maschinen. Sie sind dauerhafte Verweise auf potenziell jede Art von digitaler oder nicht-digitaler Entität und ermöglichen die Verknüpfung zwischen diesen Einheiten. PIDs tragen zur Integrität der wissenschaftlichen Kommunikation und zu ihrer Reproduzierbarkeit bei.

Hierfür gibt es eine große Vielfalt verschiedener PIDs für unterschiedliche Anwendungsfälle – oder auch verschiedene PIDs für denselben Anwendungsfall.
Ziel von PID Network Deutschland

Das DFG-geförderte Projekt PID Network Deutschland hat zum Ziel, ein Netzwerk relevanter Akteur*innen der PID-Landschaft zu schaffen und gemeinsam eine PID-Strategie für Deutschland zu entwickeln. Die Verbreitung und Verknüpfung von PID-Systemen, sowie ihre Integration in Infrastrukturen wie Wissensgraphen soll unterstützt werden.

Ein wichtiger Teil der Projektarbeit ist die Organisation von Workshops zu verschiedenen PID-Anwendungsgebieten, um die Bedarfe der Wissenschaftsgemeinschaft festzustellen. Auch Beratung und Schulung, Verbreitung relevanter Neuigkeiten und die Vernetzung mit internationalen PID-Akteur*innen gehören dazu.

Das Projekt bietet aktuelle Informationen rund um PIDs auf der Mailingliste PID-Dialog und auf Mastodon und LinkedIn.
Workshops

PID Network Deutschland führt im Rahmen der Projektlaufzeit verschiedene Veranstaltungen durch, die 10 Anwendungsgebiete von PIDs thematisieren. Hierzu zählen Forschungsdaten, Instrumente, kulturelle Objekte, Organisationen und Projekte, Personen, physische Objekte, Publikationsdienste und Forschungsinformationssysteme, Software, Textpublikationen und wissenschaftliche Veranstaltungen. Diese Seminare bieten eine sehr gute Gelegenheit, mehr über die Anwendung von PIDs im Forschungskontext zu erfahren und Erfahrungen auszutauschen. Die nächste Online-Veranstaltung findet zum Thema “PIDs für Instrumente” am 07. Mai 2024 statt. Die Anmeldung hierfür ist ab sofort geöffnet, wir freuen uns auf Sie!

Sie wollen mit uns in Kontakt treten? Sie erreichen das PID Netzwerk per E-Mail info.pidnetworklistserv.dfnde und auf Social Media:

    LinkedIn
    Mastodon

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