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<item><title>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 08 Jul 2026 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Wenxin Shangguan</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</guid><description>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access
Ein Bericht über zwei Veranstaltungen von open-access.network am 10. und 11. Juni 2026
Karin Stork, Martina Benz, Wenxin Shangguan
Wie bereits in der vorangegangenen Förderphase, bleibt die Umsetzung von Diamond Open Access (DOA) ein wichtiger Themenschwerpunkt für open-access.network. Mitte Juni fanden zwei Veranstaltungen zur Frage der Organisierung und Finanzierung von DOA statt. Sie zeigen, dass das Community-basierter Diamond Open Access inzwischen von unterschiedlichen Initiativen in verschiedenen fachlichen Kontexten ermöglicht wird – eine dynamische Entwicklung, die Hoffnung auf eine nachhaltige und wissenschaftsgeleitete Open-Access-Transformation weckt.
Die erste Veranstaltung in dieser Reihe fand am 10. Juni statt. Dort stellten sich mehrere konsortiale Finanzierungsangebote sowie der Diamond Funding Navigator vor. Im Anschluss daran gab es an virtuellen Messeständen die Möglichkeit, mit den Vertreter*innen der Initiativen ins Gespräch zu kommen. Am 11. Juni stellten im Rahmen der oa.talks das Open Journals Collective, das Open Book Collective und Thoth ihre Angebote vor. 
Vielfältige Angebote konsortialer Finanzierung
Zu Beginn der ersten Veranstaltung am 10. Juni ging Juliane Finger, Open-Access-Beauftragte der ZBW und dort mit für das Projekt SeDOA verantwortlich, in einem Einführungsvortrag auf die Ergebnisse der SeDOA-Bedarfserhebung und die Relevanz des Themas Finanzierung ein. Während aktuell verschiedene Modelle zur Finanzierung von DOA diskutiert werden (vgl. Mittermaier 2026, Tautz et al. 2025), kämpfen viele Journals, die zu einem DOA-Modell wechseln wollen, mit knappen Ressourcen. Die Lösung der Finanzierungsfrage ist deshalb eine zentrale Komponente für das Ermöglichen eines Flippings zu Diamond Open Access. Konsortiale Finanzierungsmodelle setzen dort an, indem sie eine Möglichkeit bieten, Zeitschriften durch die Organisation von Finanzierungskonsortien, meist getragen von wissenschaftlichen Bibliotheken, zu unterstützen. Vier solcher Initiativen wurden im Anschluss an den einführenden Vortrag vorgestellt.
Neben OLEcon und KOALA TIB waren dies mit edu_constort_oa und dem FID Media zwei von Fachinformationsdiensten (FID) getragene Angebote. OLEcon, angesiedelt am Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, ZBW, und über ein BMFTR-Projekt finanziert, ermöglicht Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften eine konsortiale Finanzierung. KOALA TIB organisiert Finanzierungskonsortien für wissenschaftliche Journals aus den technischen Fächern und führt damit für diese Disziplinen den Dienst fort, der in den Projekten KOALA und KOALA-AV entwickelt und erweitert wurde. Damit entstanden auf dem KOALA -Modell basierende konsortiale Finanzierungsinitiativen, wie die des FID Media, der seinen Fokus auf medienwissenschaftliche Zeitschriften setzt. 
Das Projekt edu_consort_oa, angesiedelt am FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, organisiert entsprechend Finanzierungen für die Bildungs- und Erziehungswissenschaft und hat damit bereits erfolgreich OA-Bücher und Zeitschriften auf ein DOA-Modell umstellen können. 
Einen Überblick über diese und weitere Initiativen bietet der an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) entwickelte Diamond Funding Navigator (DFN). Der DFN ermöglicht die Suche nach Möglichkeiten kollektiver Finanzierung und erlaubt Bibliotheken die Recherche von Publikationen der eigenen Einrichtung in den Zeitschriften, für die die Konsortialinitiative Unterstützung sammelt. Damit bietet der DFN eine wichtige Infrastruktur zur Verknüpfung von Initiativen und zur Verbreitung von Informationen über Diamond Open Access. 
Nach Abschluss der Projektvorstellungen hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, in den einzelnen Breakouträumen Nachfragen zu den Initiativen und Angeboten zu stellen. 
Die große Zahl an Veranstaltungsteilnehmer*innen bewies einmal mehr das große Interesse am Thema Diamond Open Access und an den vielfältigen konkreten Möglichkeiten, Zeitschriften bei der Umstellung auf DOA finanziell zu unterstützen. 
Britische Community-Initiativen für nachhaltiges DOA
Der Open-Access-Talk (oa.talk) am 11. Juni ging noch einen Schritt weiter und befasste sich mit dem Engagement und der Zusammenarbeit von drei wissenschaftsgeleiteten Initiativen aus Großbritannien, die auf globaler Ebene aktiv sind. Die Referent*innen Caroline Ball (Open Book Collective, Tom Shaw (Open Journals Collective) und Toby Steiner (Thoth Open Metadata) teilten ihre Erfahrungen und Perspektiven hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit für nachhaltiges und community-geleitetes Diamond Open Access. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Engagement der Community und der Bedeutung organisationsübergreifender Kooperation zur Förderung von DOA.
Caroline Ball, Community Engagement Lead beim Open Book Collective, eröffnete den Vortrag mit einem Hinweis auf die strukturellen Schwierigkeiten für wissenschaftsgeleitete Open-Access-Verlage, die in den derzeitigen Förderstrukturen der Bibliotheken kaum berücksichtigt werden. Das Open Book Collective (OBC) stellt eine Antwort auf dieses Problem dar. Es versucht nicht nur, ein Fördermodell zwischen Konsortien und Verlagen anzubieten, sondern will auch eine Gemeinschaft aufbauen, die die Bibliodiversität fördert.
Die Praxis des Open Book Collective, Diamond Open Access langfristig zu unterstützen, wird durch den Austausch von Ressourcen und Wissen mit dem Open Journals Collective ergänzt. Tom Shaw, Library Engagement Lead beim Open Journals Collective (OJC), stellte daraufhin das im Aufbau befindliche OJC/OBC-Impact-Dashboard vor, über das eine Übersicht über die Veröffentlichungen der beteiligten Journals bzw. Verlage gewonnen werden kann (Ball et al. 2026).
Anschließend verlagerte sich der Fokus auf die offene Infrastruktur. Vor allem kleinere Verlage profitieren von den Dienstleistungen von Thoth Open Metadata, da diese ihnen helfen, Metadaten so aufzubereiten, dass ihre Produkte in Nachweissystemen sichtbar gemacht werden können. Toby Steiner, COO von Thoth Metadata, zeigte darauf, dass gemeinnützig betriebene, offene Infrastrukturen, die auf Interoperabilität ausgelegt sind, ebenfalls kollektive Unterstützung benötigen, da sie die Grundlage für Diamond Open Access bilden. Der Vortrag endete mit einem Aufruf zu Zusammenarbeit und Austausch mit deutschen Fachleuten aus dem Bibliotheks- und Verlagswesen.
Beide Veranstaltungen zeigen, wie weit entwickelt  Services für Diamond Open Access mittlerweile sind. Wünschenswert ist jetzt die Förderung von Austausch und Kooperation der verschiedenen Initiativen, um nachhaltiges, faires und wissenschaftsgeleitetes Open Access weiter zu verankern.


Literatur
Ball, C., Shaw, T., &amp; Steiner, T. (2026). Open Book Collective, Open Journals Collective, and Thoth: Collaborating for a sustainable Diamond OA future. oa.talk, online. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20639612 
Butz, A., Hennig, F., Matuszkiewicz, K., Finger, J., Eppelin, A., &amp; Kuhlwilm, R. (2026). Neue Angebote für die Konsortiale Finanzierung von Diamond Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20627711
Mittermaier, Bernhard. “Der Deutschland-Fonds Diamond Open Access DeFDOA.” 114. BiblioCon, with Bernhard Mittermaier, Berlin, 2026, p. 19 May 202622 May 2026; doi:10.34734/FZJ. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.34734/FZJ-2026-02505. 
Tautz, Diethard, et al. Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung wissenschaftlicher Publikationen. With MyCoRe Community, MyCoRe Community, 2025, vol. vol. 38. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.26164/LEOPOLDINA_03_01261.
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<item><title>Zwischen Karrieredruck und politischem Anspruch: Wie gestalten wir gerechte Publikationsstrukturen?</title><link>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen</link><comments>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen#comments</comments><pubDate>Tue, 23 Jun 2026 10:12:56 +0200</pubDate><category>Beratung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Lorenz Weinberg</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen</guid><description>Am 5. Mai 2026 bot das BMFTR-geförderte Projekt open-access.network im Rahmen des Promovierendenforums der Heinrich-Böll-Stiftung einen Grundlagenworkshop zu Open Access an, der auf großes Interesse stieß. 

Mit dem Workshop kooperierte das Projekt open-access.network zum ersten Mal mit einem Begabtenförderwerk einer politischen Stiftung, um Nachwuchswissenschaftler*innen für die Themen Open Access und Offene Wissenschaft zu sensibilisieren. Auf dem jährlich stattfindenden Promovierendenforum stellen die Promotionsstipendiat*innen der Stiftung ihre Forschungsprojekte vor und tauschen sich zu wissenschaftspolitischen Themen aus. Die dreitägige Veranstaltung in den Berliner Räumen der Heinrich-Böll-Stiftung stand in diesem Jahr unter dem Motto &quot;Wissenschaftler*innen zwischen Neutralität und Aktivismus - Darf oder muss Wissenschaft politisch sein?&quot;. Der Workshop mit dem Titel „Zwischen Karrieredruck und politischem Anspruch: Wie gestalten wir gerechte Publikationsstrukturen?“ widmete sich den strukturellen und gesellschaftspolitischen Aspekten von Open Access, wissenschaftlichem Publizieren sowie Forschungsbewertungspraktiken und spiegelt das Spannungsfeld wider, in dem sich viele Promovierende bewegen.

Bereits im Vorfeld zeigte sich, dass der Ansatz, die gesellschaftspolitische Dimension von Open Access in den Mittelpunkt zu stellen, auf fruchtbaren Boden fiel: Deutlich mehr als die Hälfte der Teilnehmenden des Forums entschied sich für das Angebot von open-access.network gegenüber anderen parallel stattfindenden Sessions. Als Workshopleiter habe ich mich sehr über das große Interesse gefreut. Wissenschaftler*innen gehören generell zu jenen Zielgruppen, die von der OA-Community oft schwerer zu erreichen sind. Das große Interesse und die aktive Teilnahme der Promovierenden könnten als Anregung gewertet werden, öfter auch die politische Wirkkraft von Open Access und Debatten rund um Reputation und dem wissenschaftlichen Publikationswesen stärker in die Einführungsworkshops zu Open Access miteinzubeziehen.

Eine interdisziplinäre Gruppe mit politischem Bewusstsein

Abbildung 1 Wortwolke zur Frage &quot;Was verbindest du mit den Begriffen &#039;Open Access&#039; und/oder &#039;Offene Wissenschaft&#039;? Erstellt mit edkimo.
Die 27 Teilnehmenden des Workshops kamen aus verschiedenen Fachdisziplinen und waren aus unterschiedlichen Städten des deutschsprachigen Raums angereist. 

Der Wissenstand zu Open Access innerhalb der Gruppe war recht heterogen. Ein kurzes Stimmungsbild per Handzeichen verdeutlichte, dass ein Großteil der Gruppe bereits Berührungspunkte mit Open Access hatte. Doch es gab auch einige, für die das Thema neu war. Allerdings zeigte bereits die erste interaktive Übung, dass die Teilnehmenden hochmotiviert und politisch sensibilisiert waren und ihre engagierten Perspektiven auch auf die Thematik Open Access übertrugen. Mittels einer Umfrage zu der Frage „Was verbindest du mit den Begriffen ‚Open Access/Offene Wissenschaft‘?“ wurden Themen wie „Bildungsgerechtigkeit“, „Wissensgerechtigkeit“, „Fairness“, „Zugänglichkeit“ oder „ausbeuterische Wissenschaftsverlage“ genannt, noch bevor sie im Workshop vertieft wurden.


Teil 1: Grundlagen zu Open Access und die gesellschaftspolitische Dimension
Da nicht alle Teilnehmenden mit Open Access vertraut waren, begann der Workshop mit einem kompakten Input zu den Grundlagen. Im Anschluss folgte die erste Kleingruppenphase, in der die Teilnehmenden fiktive Szenarien zur Relevanz von Open Access entlang verschiedener Personas diskutierten. Hier kam das Material &quot;Und Du? Warum ist Open Access für Dich wichtig?&quot; zum Einsatz. In den Diskussionen entwickelten die Teilnehmenden Anwendungsbeispiele und sprachen über eigene Erfahrungen. 

Die 15-minütige Kleingruppendiskussion hätte problemlos doppelt so lange dauern können, so intensiv waren die Gespräche. In der anschließenden Plenumsrunde brachten die Teilnehmenden die Kapitalinteressen der Großverlage als zentrales Hindernis für Open Access zur Sprache. Einer der ersten Wortbeiträge kam von einer Person, die sich bisher noch nicht mit Open Access beschäftigt hatte und fragte, warum sich Open Access noch nicht als Regelfall durchgesetzt habe, wenn die Vorteile doch so offensichtlich seien. Direkt darauf verwiesen andere auf die Macht der Großverlage. Die gesellschaftliche Relevanz von Open Access wurde in der Gruppe als offensichtlich angesehen. Gleichzeitig betonten die Teilnehmenden, dass Open Access noch breiter gedacht werden müsse. So wäre es wünschenswert, Forschungsergebnisse und Fachtexte so zu verfassen, dass sie für mehr Menschen verständlich und damit zugänglich sind. Als Beispiel wurde die Praxis aus der Psychologie genannt, bei der den Studien eine Lay Summary vorangestellt wird, in der Ergebnisse in einem kurzen Text ohne Fachjargon präsentiert werden. 

Ein weiteres zentrales Thema war die Monopolstellung der großen Verlage, die als Problem identifiziert und als weiterer Grund für die Notwendigkeit insbesondere von Diamond Open Access angeführt wurde. Zudem wurde über Möglichkeiten gesprochen, an Literatur zu kommen, ohne an einer Universität eingeschrieben zu sein. Hier wurde deutlich, wie sehr sich Menschen ohne institutionelle Zugänge abgeschnitten und benachteiligt fühlen. In diesem Zusammenhang sprach eine Teilnehmerin über die Zeit des Jura-Referendariats, in der sie nach dem Studium ohne Uni-Mitgliedschaft kaum noch Zugang zu Fachliteratur hatte. Auch die globale Ungleichheit durch unterschiedlichen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen wurde von den Teilnehmenden angesprochen. Als Vorteil von Open Access wurde zudem die Mehrsprachigkeit genannt, da Open Access den Zugang zu wissenschaftlichen Fachpublikationen in verschiedenen Sprachen ermöglicht. Die weltweit freie und vor allem digitale Zugänglichkeit macht diese Texte leichter erreichbar.

Insgesamt zeigte sich, dass die gesellschaftspolitische Relevanz von Open Access im Speziellen und offener Wissenschaft im Allgemeinen in der Gruppe sehr klar erkannt wurde. Neben den in den Personas skizzierten Szenarien brachten die Teilnehmenden viele weitere Felder ein und arbeiteten die gesellschaftspolitische Bedeutung von freiem Zugang zu wissenschaftlicher Literatur heraus. Da sich die Gruppe in dieser Einschätzung einig war, konnte der Workshop etwas früher zum zweiten Teil übergehen, der sich in der Vorstellungsrunde noch einmal explizit gewünscht wurde.

konnte der Workshop etwas früher zum zweiten Teil übergehen, der in der Vorstellungsrunde noch einmal explizit gewünscht wurde.


Teil 2: Karrieredruck, Publikationsentscheidungen und Forschungsbewertung – aus dem Alltag als Promovierende*r
Im zweiten Teil ging es nun explizit um eigene Publikationsentscheidungen und damit verbundene politische Implikationen und karrieretechnische Auswirkungen. Als Workshop-Leiter stellte ich folgende These in den Raum, die die Teilnehmenden in Kleingruppen erneut engagiert diskutierten: 

„Aufgrund von Karrieredruck, dem Druck, möglichst viel publizieren zu müssen oder in möglichst renommierten Zeitschriften zu publizieren, habe ich keine Zeit, mir über übergeordnete Fragestellungen zu Wissenschaftspolitik und Publikationskultur Gedanken zu machen.“

In der anschließenden Diskussion in der großen Runde wurde deutlich, dass insbesondere kumulativ promovierende Nachwuchswissenschaftler*innen einem deutlichen Karrieredruck unterliegen. Ein Teilnehmer führte in Bezug auf die Eingangsthese aus, dass er eigentlich genug Zeit habe, um sich über das Publizieren Gedanken zu machen und gerne alles im Open Access veröffentlichen würde. Gleichzeitig sei er nur ein „kleines Rädchen“, das allein sowieso nichts verändern könne. In diesem Zusammenhang wurden auch der Impact-Faktor und die Rankings von Journals generell angesprochen. Einige Teilnehmende wiesen darauf hin, dass sie in ganz bestimmten Zeitschriften mit hohem Renommee veröffentlichen müssten, um promoviert zu werden oder um später einen guten Job zu bekommen. Die starren Strukturen des Wissenschaftsbetriebs wurden als einengend beschrieben und der angesprochene Karrieredruck von mehreren Personen bestätigt. Die Teilnehmenden beschrieben die Promotionszeit als sehr herausfordernd und anspruchsvoll. 

„Man ist eh schon hart überfordert mit allem beim Promovieren und es braucht viel Kraft und Zeit, um sich Wissen, einen kritischen Blick auf Strukturen und eine Haltung zum Publizieren anzueignen.“
- Einschätzung einer Teilnehmerin -

Es entwickelte sich eine Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Individualkritik und Systemkritik. Nicht alle Teilnehmenden stimmten der Aussage zu, dass man als Einzelperson nichts machen könne. Dennoch kristallisierte sich bald die Position heraus, dass politische Lobbyarbeit für Open Access wichtig ist. Hier wurde auf die Unterstützung von unabhängigen, kleinen, möglicherweise genossenschaftlich organisierten OA-Verlagen verwiesen und schlussendlich über Universitäten als die besten Anker für solche Verlage gesprochen. 


Fazit: Ein Workshop mit Nachhall
Der Workshop zeigte, dass Open Access die Kernfragen wissenschaftlicher Praxis berührt und eine klare politische Dimension und gesellschaftliche Relevanz mit sich bringt. Dass diese Debatte gerade mit politisch engagierten Nachwuchswissenschaftler*innen geführt wurde, ist ein wichtiger Schritt, um Open Access-Themen aus der „Bubble“ der Bibliotheks- und Infrastruktur-Community herauszuholen. Die Heinrich-Böll-Stiftung bekundete bereits ihr Interesse, die Zusammenarbeit ausbauen zu wollen.

Als Learnings aus dem Workshop lassen sich drei zentrale Erkenntnisse formulieren:

Politisches Bewusstsein ist bei den Nachwuchswissenschaftler*innen vorhanden: Die Teilnehmenden brachten eigene Perspektiven ein und zeigten, dass Open Access für sie kein abstraktes Konzept, sondern eine konkrete Forderung nach gesellschaftlicher Teilhabe und Zugänglichkeit von Wissen ist.
Karrieredruck vs. Idealismus: Die Spannung zwischen individuellen Zwängen und kollektivem Wandel wurde deutlich. Die Gruppe sah hier Handlungsspielräume durch gemeinsame Forderungen oder die Unterstützung alternativer Publikationsmodelle.
Raus aus der OA-Bubble: open-access.network hat mit diesem Workshop erstmals ein Angebot zum Thema Open Access für Promotionsstipendiat*innen einer politischen Stiftung geschaffen. Dass es so gut angenommen wurde, unterstreicht die Notwendigkeit, OA-Debatten in politische Kontexte zu tragen.

Literatur und weiterführende Links:
Materialien der TIB Hannover zu OA-Workshops: Schicketanz, K. (2026, February 16). &quot;Und Du? Warum ist Open Access für Dich wichtig?&quot; - Material für einen Präsenz-Workshop zum Thema Open Access. Technische Informationsbibliothek Hannover. https://doi.org/10.5281/zenodo.18655342 

Heinrich-Böll-Stiftung – Begabtenförderungswerk, Promotionsförderung: https://www.boell.de/de/promotionsfoerderung </description><enclosure
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<item><title>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies#comments</comments><pubDate>Tue, 02 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</guid><description>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies

Am 29. und 30. April 2026 fand das Open Access Barcamp am Bibliotheks- und Informationssystem (BIS) der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg statt. Sebastian Flaig berichtet aus der Perspektive eines OA-Newbies.

Mini-Konferenz in Norddeutschland
„Für das Catering könnten wir Grünkohltee anbieten.“ Spätestens bei diesem Satz während eines der ersten Vorbereitungstreffen wurde klar: Mit Oldenburg haben wir das Open Access Barcamp ins tiefste Norddeutschland gelegt. In die Kohltourhauptstadt. Zum Glück – oder vielleicht auch leider – blieb es am Ende bei Kaffee und gewöhnlichem Grüntee (ohne -kohl-). Und auch sonst ging es schließlich mehr um die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Publikationswesens als um das grüne Superfood.
Für mich persönlich war das Barcamp in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Nach gerade einmal zwei Monaten Berufserfahrung im Open-Access-Bereich nahm ich nicht nur erstmals an einem OA-Event in Präsenz teil, sondern erlebte auch mein erstes Barcamp überhaupt – zugleich als Teilnehmer und als organisatorische Unterstützung meiner Kollegin Karin Stork, die gemeinsam mit dem sympathischen Team des BIS die Vorbereitung und Durchführung verantwortete. Zwar war ich bereits im vergangenen Jahr als studentische Hilfskraft an der Organisation der Open-Access-Tage in Konstanz beteiligt, doch damals war ich eher damit beschäftigt, Namensschilder auszugeben und die Wege zu den Räumlichkeiten auszuschildern, als mich inhaltlich an aktuellen OA-Debatten zu beteiligen.
Im Vergleich zur „klassischen“ Konferenz mit minutiös geplantem Programm wirkte das Barcamp-Format auf mich zunächst ungewohnt. Eine feste Agenda gibt es hier nicht: Alle Teilnehmenden können eigene Themen einbringen, die sie aktuell beschäftigen. Nach kurzen Vorstellungen der Vorschläge wird gemeinsam abgestimmt, welche Sessions ins Programm aufgenommen werden. Im Vorfeld war ich noch skeptisch, ob dieses Konzept tatsächlich funktionieren würde und ob genügend Themen zusammenkämen. Diese Sorge erwies sich allerdings schnell als unbegründet. Die OA-Community brachte so viele Ideen ein, dass Karin und ich während der Sessionplanung in der Mittagspause alle Hände voll zu tun hatten. Am Ende mussten einige Vorschläge sogar zusammengelegt werden, damit möglichst viele Themen ihren Platz im Programm fanden.

Wertvolle Praxiseinblicke
Erstmals stand das Barcamp unter einem thematischen Schwerpunkt: Diamond Open Access. Dennoch waren auch andere OA-Themen willkommen. So umfasste das Programm unter anderem einen Workshop zu Kommunikationsstrategien sowie eine Diskussionsrunde zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht in Baden-Württemberg, das erst am Vortag bekanntgeworden war.
Von den DOA-Themen waren für mich insbesondere die praxisorientierten Sessions spannend. Vorgestellt wurden unter anderem die Diamond-Zeitschrift „Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung“ sowie die Open-Access-Angebote des FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, zu denen beispielsweise die Publikationsplattform OpenJournals@Fachportal-Pädagogik gehört. Gerade diese Einblicke halfen mir dabei, Konzepte und Modelle, die mir in meiner täglichen Arbeit häufig eher theoretisch begegnen (etwa Flipping oder konsortiale Finanzierung), einmal in ihrer konkreten Umsetzung kennenzulernen.
Die kleine Gruppengröße machte es zudem leicht, viele – insbesondere die vermeintlich „dummen“ – Fragen zu stellen. Schnell habe ich verstanden, dass genau hierin die Stärke des Formats steckt: Der offene Austausch steht im Mittelpunkt, unabhängig von Vorerfahrung oder Wissensstand. Eine weitere Session, in der dieser Leitgedanke im Mittelpunkt stand, nämlich die Vorstellung von SeDOA inklusive Fragerunde, konnte ich leider nicht besuchen. Den vielen Klebepunkten bei der Abstimmung nach zu urteilen, stieß sie jedoch auf großes Interesse.

Eigene Sessions: Karlsruhe und Lampenfieber
Dass ich die SeDOA-Fragerunde und viele andere spannende Sessions (darunter eine zu Qualitätssicherung vor dem Hintergrund von KI) verpasste, hatte allerdings einen guten Grund: Neben den beiden praxisnahen Sessions hatte ich selbst zwei Programmpunkte vorbereitet. Damit waren alle vier Session-Slots bereits vollständig verplant und ich lernte schnell eine wichtige Barcamp-Erkenntnis: Auf solchen Veranstaltungen hat man immer mehr Interessen als Zeit…
Eine meiner Sessions widmete sich dem bereits erwähnten brandaktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht. Die Idee dazu entstand spontan auf der Zugfahrt nach Oldenburg, nachdem die Pressemitteilung veröffentlicht worden war. Entsprechend kurzfristig fiel die Vorbereitung aus und ebenso offen blieb die Diskussion. Dennoch war es spannend, gemeinsam zu überlegen, welche Folgen das Urteil für die OA-Community haben könnte und ob sich daraus langfristig Impulse für eine bundesweite Regelung ergeben könnten. Schließlich stellten die obersten Verfassungshüter in Karlsruhe fest, dass Baden-Württemberg mit seiner bisherigen Regelung unzulässigerweise in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes eingegriffen hat.
Meine zweite Session beschäftigte sich mit einer weiteren hochaktuellen Entwicklung: der europäischen Publikationsplattform Open Research Europe (ORE). Ab Herbst 2026 soll ORE für Forschende aus elf europäischen Ländern geöffnet werden. Damit erweitert sich der Kreis der Publikationsberechtigten deutlich: Künftig können nicht mehr nur Forschende aus EU-geförderten Projekten veröffentlichen, sondern alle Wissenschaftler*innen aus Ländern, die die Plattform finanziell und organisatorisch tragen – darunter auch Deutschland.
Da es bislang nur wenige Informationen zu dieser Neuerung gab, war das Interesse an der Session entsprechend groß. Nach einem kurzen Inputvortrag diskutierten wir unter anderem die Frage, ob ORE als Diamond-OA-Angebot verstanden werden kann. Konkret ging es darum, ob die Finanzierung und organisatorische Trägerschaft durch Wissenschafts(förder)organisationen wie die DFG oder den FWF bereits dem Kriterium „scholar-led“ genügt. Ebenso wurde diskutiert, ob ORE mit seinem offenen Peer-Review-Verfahren überhaupt eine attraktive Alternative zu etablierten Publikationsorten darstellen könnte, die bislang vor allem durch Renommee, Impact Factor und Sichtbarkeit in der Fachcommunity überzeugen.
Die angenehme Atmosphäre, in der sich diese Diskussionen entwickelten, hat sich mir dabei sehr positiv eingeprägt. Trotz eines gewissen Lampenfiebers und meiner vergleichsweise kurzen Erfahrung im OA-Bereich hatte ich nicht das Gefühl, „nicht genug“ zu wissen. Genau das macht den besonderen Charakter eines Barcamps aus: Man muss keine Expertin oder kein Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung sein, um auf Augenhöhe mitdiskutieren zu können. Unterschiedliche Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht, auch die solcher Grünschnäbel wie mir.

Networking, Bibliotheksführung und Pizzasuppe
Dieser offene Charakter zeigte sich nicht nur in den Sessions selbst, sondern auch im Rahmenprogramm. Das sogenannte Impromptu-Networking am ersten Tag bot eine hervorragende Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden gezielt Teilnehmende mit unterschiedlicher Berufserfahrung zusammengebracht, um sich über Herausforderungen im OA-Alltag oder den eigenen Weg in den Open-Access-Bereich auszutauschen.
Auch die Kaffeepausen und das freiwillige gemeinsame Abendessen nutzte ich intensiv für Gespräche – insbesondere mit anderen Berufseinsteiger*innen, die ähnliche Fragen und Unsicherheiten wie ich mitbrachten. Dabei wurde mir schnell klar, dass das Barcamp vor allem eines ist: ein Ort der Vernetzung innerhalb der OA-Community. Es ist erstaunlich, wie viele Kontakte, Ideen und mögliche Kooperationen sich innerhalb von nur zwei halben Tagen ergeben können.
Zum rundum positiven Eindruck trug nicht zuletzt die hervorragende Betreuung durch die Kolleg*innen des BIS bei. Egal ob Teilnehmende ihre Jacke suchten oder kurzfristig zusätzliche Pinnwandnadeln benötigt wurden – das Team der Geschäftsstelle war jederzeit ansprechbar und hilfsbereit. Besonders bemerkenswert fand ich zudem das Interesse vieler Bibliotheksmitarbeitender aus dem Haus, die selbst nicht unmittelbar im Open-Access-Bereich tätig sind, sich aber dennoch aktiv für die Veranstaltung interessierten und an einzelnen Sessions teilnahmen. Die Rahmenprogrammpunkte mit Führungen durch die Bibliothek, die Carl von Ossietzky-Ausstellung und das interaktive Learning Lab waren ein Highlight für sich.
Zum Abschluss des Barcamps gab es mit einer Mentimeter-Umfrage noch einmal die Gelegenheit, Revue passieren zu lassen: wozu man am meisten Neues gelernt hat – häufigste Antwort: ORE – wozu man noch am meisten Fragen hat – Antwort: ebenfalls ORE – und welche kulinarische Spezialität des Caterings am besten geschmeckt hat – Antwort: Pizzasuppe. Da musste ich mir allerdings unweigerlich die Frage stellen, ob das Ergebnis wohl anders ausgefallen wäre, wenn tatsächlich Grünkohltee angeboten worden wäre.
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<item><title>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung</title><link>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</link><comments>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller#comments</comments><pubDate>Wed, 21 Jan 2026 13:21:02 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Daniel Beucke</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</guid><description>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung
von Daniel Beucke und Julian Schima
Open Access ist weit mehr als ein Publikationsmodell - das zeigte die Veranstaltung „Open Access in Bewegung: Perspektiven, Praxis, Positionen“ an der UB Göttingen. Beiträge zu Leitlinien, gelebter Praxis und Infrastruktur machten deutlich, wie die Wissenschaft Openness, Verantwortung und Autonomie gemeinsam neu aushandeln muss.
Zu einer vielseitigen Mischung aus Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und offenen Diskussionen lud das BMFTR-Projekt open-access.network gemeinsam mit der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) am 13. November 2025 ein. Etwa 40 Forschende, Studierende, Bibliotheksmitarbeitende und Vertreter*innen aus der Verlagswelt gingen der Frage nach, wie sich das wissenschaftliche Publizieren verändert – und welche Rolle Offenheit künftig spielen sollte. Das Programm startete mit drei Vorträgen: Linda Martin, BIS Oldenburg, führte mit „Zum Wohle aller: Wissenschaftliches Publizieren und Open Access“ in die Grundlagen der Thematik bis hin zu Fördermöglichkeiten ein. In „To Polish a Diamond“ zeigten Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements den Umstieg ihrer Zeitschrift zu Diamond Open Access. Den letzten Vortrag hielt Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, und gab praxisnahe Einblicke in die Möglichkeiten für Forschende, Open Access umzusetzen. Es folgte eine Freeflow-Phase mit Postersession und informellen Gesprächen und die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Studierende sich über die Verantwortung der Wissenschaft austauschten.
Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Open Access
Linda Martin, BIS Oldenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die Bedeutung von Open Access im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis. Sie stellte zentrale Leitdokumente vor, darunter das Bethesda Statement (2003), die Berliner Erklärung (2003), die UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021) und den Kodex der DFG (2024), und machte deutlich: Open Access ist längst ein essenzieller Bestandteil wissenschaftlicher Integrität.
Martin erläuterte die verschiedenen Publikationswege: Gold Open Access bedeutet eine Erstveröffentlichung, die sofort frei verfügbar ist, meist über Verlage oder Repositorien, und als Version of Record vorliegt. Diamond Open Access funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ist jedoch sowohl für Autor*innen als auch Leser*innen kostenfrei. Green Open Access bezeichnet die Zweitveröffentlichung eines Artikels in einem Repositorium, meist nach Ablauf einer Embargofrist, in der Regel als akzeptierte Manuskriptversion.
Besonders hervorzuheben ist Diamond Open Access, der die digitale Souveränität der Wissenschaft stärkt. Veröffentlichungen bleiben unabhängig von kommerziellen Verlagen, können kostenfrei publiziert und genutzt werden, und Rechte sowie Lizenzen verbleiben bei den Herausgeber*innen. Gleichzeitig wird durch Qualitätssicherung, Langzeitarchivierung und persistente offene Lizenzen die wissenschaftliche Integrität langfristig gewährleistet.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen stellte Martin die Stockholm Declaration on Reforming Science Publishing (2025) vor, die unter anderem fordert, akademische Kontrolle über Publikationen zurückzugewinnen, Anreizsysteme stärker auf Qualität auszurichten, unabhängige Mechanismen zur Betrugsprävention zu etablieren und gesetzliche sowie strukturelle Maßnahmen zum Schutz der Wissenschaft zu stärken. 
Als konkretes Beispiel für eine regionale Infrastruktur zeigte Martin Ideen für das geplante Projekt NiedersachsenPUBLISHING, das den Aufbau einer offenen, kooperativen digitalen Infrastruktur für Diamond Open Access in Niedersachsen unterstützen soll. Es umfasst Angebote für Zeitschriften, Monografien und digitale Editionen und stellt Beratungsdienste für Autor*innen, Herausgeber*innen und Projektpartner*innen bereit. Das Projekt wird in die Dachinitiative Hochschule.digital Niedersachsen eingebettet und soll zeigen, wie strukturelle Unterstützung Open Access nachhaltig stärken kann.
Der beispielhafte Weg einer Zeitschrift zu Diamond Open Access
Der Vortrag „To Polish a Diamond“ von Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements machte deutlich, wie ein unabhängiges, wissenschaftlich-aktivistisches Projekt den Weg zu Diamond Open Access gestaltet. Unter dem Leitmotiv „movements als Rohdiamant“ präsentierten sie Organisation, Technik, Finanzen und Konsequenzen ihres Transformationsprozesses.
Die Zeitschrift movements versteht sich traditionell als eng mit aktivistischen, sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken verbunden. Diese Nähe prägt sowohl die redaktionelle Ausrichtung als auch den Publikationsprozess. Die Redaktion arbeitet selbstorganisiert und in enger Vernetzung mit anderen Projekten. Ownership bleibt bei den Herausgeber*innen, wodurch die Zeitschrift unabhängig von kommerziellen Verlagen agieren kann. Gleichzeitig steht die inhaltliche Arbeit stets im Vordergrund.
Technisch hatte die Redaktion zu Beginn des Journals einen eigenen Produktions- und Publikationsworkflow entwickelt, der hohe Expertise bündelte. Diese Spezialisierung ermöglichte zwar maßgeschneiderte Qualität, brachte jedoch auch eine hohe Arbeitsbelastung mit sich, da viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt wurden. Die Finanzierung ist minimal, Einnahmen und Ausgaben halten sich in Grenzen, und Fördermöglichkeiten sind ebenfalls begrenzt. Die Redaktion arbeitete daher häufig an der Belastungsgrenze. Hess und Heyer betonten, dass für die langfristige Stabilität solcher Diamond-OA-Projekte eine strukturelle Stärkung nötig ist, sei es durch Förderprogramme, Servicezentren oder überregionale Infrastruktur. Diese erhalten sie nun mit dem Journal-Hosting-Angebot der SUB Göttingen, die ihnen eine standardisierte OJS-Installation zur Verfügung stellt. Durch die Verwendung eines eigenen DOI-Präfix und der standardisierten Infrastruktur wäre ein Wechsel der Service-Anbieter*in jederzeit denkbar, was den Herausgebenden ihren Scholar-led-Ansatz bewahrt.
Aus der Praxis: Open-Access-Services am Göttingen Campus
Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, stellte die umfassenden Services der SUB Göttingen vor. Forschende am Göttingen Campus erhalten dort Publikationsberatung, Unterstützung bei Finanzierungsfragen für Open-Access-Publikationen sowie Zugriff auf Repositorien für Artikel, Daten und multimediale Inhalte. Die Bibliothek stellt außerdem Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement und die Organisation von Publikationsprozessen bereit. DOI-Vergabe, Langzeitarchivierung und Beratung zu Lizenzen und rechtssicherer Nachnutzung gehören ebenfalls zum Angebot. Böhlke machte deutlich, dass Forschende den Weg zu Open Access nicht allein gehen müssen, da zahlreiche Ressourcen und Fachkenntnisse zur Verfügung stehen.
Freeflow, Postersessions und Gespräche
In der Freeflow-Phase im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich bei Limo und informellen Gesprächen mit Göttinger Verlagen sowie mit Tool- und Serviceangeboten auszutauschen. open-access.network stellte die verschiedenen eigenen Services wie zum Beispiel den oa.hub und den oa.atlas sowie die Informationsseiten in direkten Gesprächen mit Interessierten vor. Während der Postersession präsentierte sich unter anderem die Göttinger Open Access Lounge (GOAL): ein Netzwerk aus Verlagen und universitären Publikationsdienstleister*innen aus Göttingen und Umgebung, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access publizieren. Die GOAL fördert den Austausch zwischen Verlagsmitarbeitenden und schafft einen offenen Raum, um Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zu Open Access zu teilen. Dabei werden Best Practices vorgestellt, Bedarfe ermittelt und ein Netzwerk aufgebaut, das langfristig den Wandel in der Verlagswelt unterstützt. Ziel ist es zudem, das gemeinsame Verständnis für aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im wissenschaftlichen Publizieren zu vertiefen.
Offene Diskussionsrunde: Open Access als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Forschung in einer offenen Runde über die gesellschaftliche Bedeutung von Open Access. Die Diskussion wurde von Margo Bargheer, SUB Göttingen, mit einer einleitenden Reflexion eröffnet: Auch wenn Open Access Herausforderungen wie kommerzielle Dominanz, Preissteigerungen oder Dysbalancen mit sich bringt, hat es den weltweiten Zugang zu wissenschaftlicher Information erheblich verbessert. Gleichzeitig ermöglicht OA erstmals einen transparenten Blick auf Produktionsbedingungen, Machtverhältnisse und Kosten – und wirft damit wichtige Fragen für die Gestaltung offener Wissenschaft auf. Im Verlauf wurde von den Anwesenden unter anderem konkret überlegt, wie das im Universitätsverlag herausgegebene Diamond Open Access Journal New American Studies Journal um weitere Ausgabeformate erweitert werden kann. So könnten z.B. Videos und Podcasts neue Zielgruppen erreichen. Die Anwesenden kamen überein, dass die Wissenschaft sich stärker auf Social-Media-Plattformen präsentieren sollte, da viele diese als Informationsmedium nutzen. Hier dürfe die Wissenschaft Falschinformationen nicht das Feld der schnellen und niedrigschwelligen Verbreitung überlassen. In dem Zusammenhang gab es Vorschläge, Forschende im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren, um es als weiteren Kanal für die Wissenschaftskommunikation zu nutzen. 
Fazit
Die Veranstaltung machte klar: Open Access ist ein zentraler Baustein guter wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Von grundlegenden Leitlinien über transformative Projekte wie movements bis hin zu Infrastrukturangeboten wie NiedersachsenPUBLISHING zeigte sich, dass Open Access möglich und wertvoll, aber auch auf Engagement, Strukturen und Förderung angewiesen ist. Es wurde deutlich, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden müssen, um ein transparentes, nachhaltiges und integritätsorientiertes Publikationssystem zu sichern.
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<item><title>Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch#comments</comments><pubDate>Tue, 20 Jan 2026 10:37:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><dc:creator>Katja Wermbter</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch</guid><description>Wie steht es um Diamond Open Access in den Bundesländern?
In der ersten SeDOA-Online-Veranstaltung berichteten vier Landesinitiativen über ihre Aktivitäten, Herausforderungen und ihre Wünsche an SeDOA. Die Veranstaltung eröffnete Möglichkeiten für länderübergreifende Vernetzung, Austausch und Synergien.

Am 25. November 2025 lud die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) zu ihrer ersten Online-Veranstaltung „Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch“ ein. Als deutsches Diamond Capacity Centre möchte SeDOA den Status quo zum Thema Diamond Open Access sichtbar machen und zentral Informationen bereitstellen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Aktivitäten, Herausforderungen und Wünsche der Landesinitiativen. Ziel war es, gemeinsame Anknüpfungspunkte zu identifizieren und Synergien für eine länderübergreifende Transformation hin zu Diamond Open Access zu schaffen. Die Veranstaltung bildete damit einen wichtigen Auftakt für eine stärkere Vernetzung von Diamond-Open-Access-Aktivitäten.
Ablauf der Veranstaltung

Die Veranstaltung begann mit einer Kurzvorstellung der geplanten Angebote der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) und ihrer veröffentlichten Minimaldefinition von Diamond Open Access, die veröffentlicht wurde, um einen Konsens zur Begrifflichkeit herzustellen und Anfragen konsistent beantworten zu können. Daraufhin hielten die vier eingeladenen Referent*innen Vorträge über die jeweiligen Ansätze, Maßnahmen und Herausforderungen der vier Landesinitiativen im Bereich (Diamond) Open Access. Dabei wurden u. a. der aktuelle Status Quo, bestehende Rahmenbedingungen, bereits umgesetzte und geplante Maßnahmen sowie die Rolle der Landesstrategien beleuchtet:

●	Dorothee Graf (Universitätsbibliothek Duisburg-Essen) stellte die Landesinitiative openaccess.nrw vor. Mit dem Ziel, eine abgestimmte Serviceinfrastruktur für die digitale Transformation zu etablieren, setzt oa.nrw als Multiplikator und wichtige Informationsdrehscheibe unter anderem mit der Veröffentlichung der Open-Access-Strategie 2023 zukunftsweisende Impulse für Open Access in NRW.

●	Der Vortrag von Maike Neufend (Open-Research-Office Berlin) zur Landeskoordinierungsstelle für offene Wissenschaft Berlin klärte über die Aktivitäten und Entwicklungen in der Hauptstadt auf: Die Berliner Einrichtungen werden seit 2016 bei der Umsetzung der Berliner Open-Access-Strategie (2015) unterstützt. Letztere wird aktuell zu einer Open-Research-Strategie weiterentwickelt und die Gründung von BerlinUP stellt einen Meilenstein in der Entwicklung von Publikationsinfrastrukturen dar.

●	Ben Kaden (FH Potsdam) berichtete über die Vernetzungs- und Kompetenzstelle (VuK) Open Access Brandenburg, die seit 2021 als Anlaufpunkt und Sprachrohr für die Hochschulen und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur fungiert. Die VuK übernimmt dabei transformationsbegleitende und publikationsunterstützende Aufgaben. Die Open Access Strategie des Landes Brandenburg wurde 2019 verabschiedet.
●	Anastasiia Afanaseva (Universität des Saarlandes) präsentierte die neu gegründete Servicestelle Open-Access-Saar, die Vernetzung, Kompetenzaufbau und -entwicklung sowie Informationen und Beratungen im Bereich Open Access anbieten will. Auch Analysen und die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Implementierung eines Landesfonds und zur Einwerbung von Drittmitteln sind in der Planung.

Die Foliensätze aller Vorträge sind auf Zenodo hinterlegt. Die Länderdossiers von open-access.network beschreiben die Strategien und Maßnahmen der einzelnen Bundesländer ausführlich.

Gemeinsame Wünsche der Landesinitiativen
Nach den Vorträgen formulierten die Landesinitiativen mehrere gemeinsame Anliegen an die Servicestelle Diamond Open Access:
1.	Rechtliche Interessenvertretung wissenschaftlichen Einrichtungen auf nationaler Ebene, um wettbewerbliche Logiken zu adressieren.
2.	Ein Rechtsgutachten zur Einordnung von Diamond-OA-Infrastrukturen als verlagstechnische Konstrukte.
3.	Erarbeitung von Szenarien und deren Machbarkeit für Diamond-OA-Publikationsinfrastrukturen auf nationaler und Landesebene- sowie in Kooperationen.
4.	Verstärkte Lobbyarbeit sowie die Entwicklung von Best Practices.
5.	Interessenvertretung in der Debatte um Forschungsbewertung. 

Diskussion und Erkenntnisse
Im Anschluss wurde der Raum für Fragen und Diskussionen eröffnet.  Es Hier zeigte sichgabvor allem reges Interesse an der Definition von Diamond Open Access und viele Teilnehmende äußerten ihre Fragen und Kommentare dazu. Da die Diskussion der Begrifflichkeiten insbesondere für die Bibliotheks-Community interessant und relevant ist, soll plant SeDOA dafür bei weiteren Gelegenheiten Raum gezu schaffen werden.
Ein weiteres zentrales Thema in der Diskussion war die Frage, warum Diamond Open Access trotz seiner aktuell hohen wissenschaftspolitischen Relevanz in den Ländern bislang wenig umgesetzt wird. Woran das liegt, ist natürlich nicht einfach festzustellen, doch teilten mehrere Personen den Eindruck, dass derzeit Themen wie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Vordergrund stehen, wobei Open Access teilweise in den Hintergrund gerät.
Gemeinsam für Diamond Open Access

Die abschließende Nachricht an alle Teilnehmenden lautete: Vernetzt euch! Zusammen ist es einfacher, Diamond Open Access ins Bewusstsein zu rücken und Projekte umzusetzen. Die Referent*innen betonten ihre Bereitschaft, für Rückfragen zur Verfügung zu stehen, und verwiesen auf die Möglichkeiten zum weiteren Austausch per E-Mail sowie im Rahmen künftiger Vernetzungstreffen gemeinsame Mailingliste der Landesinitiativen hin. Weitere Informationen zu den Landesinitiativen und die deren Kontaktdaten sind auf open-access.network zu finden.
Diese Auftaktveranstaltung war ein wichtiger Schritt in Richtung einer stärkeren Vernetzung von Diamond-Open-Access-Aktivitäten. Folgeworkshops zur Vertiefung der Diskussion und zur Erarbeitung praxisrelevanter Inhalte sind bereits in Planung. Wir hoffen, dass durch diese und folgende Veranstaltungen ein breiteres Bewusstsein und eine effektivere Umsetzung von Diamond Open Access geschaffen wird. Unsere nächsten Veranstaltungen werden auf der SeDOA-Webseite angekündigt. 
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<item><title>Informationsbudget als Leitungsaufgabe</title><link>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</link><comments>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe#comments</comments><pubDate>Tue, 25 Nov 2025 08:40:00 +0100</pubDate><category>Informationsbudget</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</guid><description>Informationsbudget als Leitungsaufgabe

Ein Workshop von Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network zur strategischen Steuerung der Open-Access-Transformation

Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates, Informationsbudgets an Wissenschaftseinrichtungen zu etablieren, luden Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network Leitungspersonen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Erfahrungsaustausch ein. Der Workshop zeigte, dass Informationsbudgets im Prozess der Open-Access-Transformation ein wesentliches Instrument der Kostenkontrolle sind und ihre Einführung eine strategische Leitungsaufgabe darstellt.

Unter dem Titel „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ fand am 22. September 2025 ein Online-Workshop für Leitungspersonen aus Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen statt. Die geschlossene Veranstaltung wurde gemeinsam von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem BMFTR-geförderten Verbundprojekt open-access.network organisiert. Dies war der Abschluss der Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, die von den Projektpartnern Universitätsbibliothek Bielefeld und Helmholtz Open Science Office von 2023 bis 2025 durchgeführt wurde. Ziel war es, drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie ist der Stand der Entwicklung? Welche Erfahrungen wurden bereits gemacht? Und wie können Hochschulleitungen Informationsbudgets als strategisches Instrument in der Open-Access-Transformation einsetzen?
Informationsbudgets – Steuerung, Transparenz, Verantwortung

Das Konzept des Informationsbudgets wurde 2022 vom Wissenschaftsrat als zukunftsweisendes Steuerungsinstrument ausgearbeitet und empfohlen. Es soll sämtliche Ausgaben für wissenschaftliche Publikationskosten wie Beschaffung, Förderung, Subskriptionen, Open-Access-Gebühren oder Lizenzkosten in einem transparenten Gesamtbudget zusammenführen. Am Ende soll eine institutionenweite Übersicht entstehen, in der Aufwände für die Publikations- und Informationsversorgung transparent aufgestellt werden, um eine fundierte Grundlage für strategische Entscheidungen zu erhalten. Informationsbudgets ermöglichen mehr Transparenz, bessere Steuerung und eine verantwortungsvolle Ressourcennutzung. Zugleich verändert sich der Blick auf wissenschaftliche Publikationen: Sie werden nicht länger als isolierter Kostenfaktor betrachtet, sondern als strategischer Bestandteil der Hochschulentwicklung und Wissenschaftspolitik.
Leitungsaufgabe mit strategischer Dimension

Der Workshop machte deutlich, dass die Etablierung eines Informationsbudgets nicht nur eine Frage technischer und organisatorischer Umsetzbarkeit ist, sondern vor allem auf Leitungsebene entschieden werden muss, damit die gesamte Institution in die Prozesse eingebunden wird. Informationsbudgets sind eng mit strategischen Entscheidungen verknüpft, wie beispielsweise die Open-Access-Finanzierung, das Publikationskostenmanagement und die langfristige Ausrichtung digitaler Infrastruktur. Das erfordert ein gemeinsames Verständnis zwischen Präsidium, Verwaltung, Bibliothek und Wissenschaft über zentrale Fragen:

    Welche Ziele verfolgt die Einrichtung mit ihrer Publikationsstrategie?
    Wie sollen Ressourcen verteilt werden?
    Welche Governance-Strukturen sind notwendig, um Entscheidungen datenbasiert zu treffen?

Gerade weil durch die Einführung von Informationsbudgets diese Aspekte sichtbar werden, sind sie mehr als ein Controlling-Instrument: Sie fördern den Dialog über wissenschaftliche Werte und Prioritäten.
Impuls aus der Forschung: Informationsbudgets als kulturprägendes Instrument

Den fachlichen Impuls zu Beginn des Workshops gab Prof. Dr. Gerard J. M. Meijer, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und Sprecher der Arbeitsgruppe „Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrats. Er ordnete das Konzept des Informationsbudgets in den größeren Kontext der Open-Access-Transformation und der wissenschaftlichen Informationsversorgung ein. Für Meijer sind Informationsbudgets nicht nur ein Werkzeug zur Kostensteuerung, sondern ein Instrument institutioneller Kulturentwicklung: „Ein Informationsbudget zwingt uns, uns mit der Frage zu befassen, wofür wir Geld in der Wissenschaft ausgeben – und welche Werte dahinterstehen“, so Meijer.

Er betonte, dass die Einführung solcher Budgets nur gelingen kann, wenn sie von der Leitung aktiv getragen und abteilungsübergreifend umgesetzt wird. Bibliothek, Forschungsmanagement und Finanzverwaltung müssen dazu enger zusammenarbeiten als bisher. Nur dann könne das Informationsbudget sein Potenzial entfalten: Transparenz zu schaffen, Prioritäten zu klären und die Open-Access-Transformation strategisch zu steuern.
Praxisbericht aus Leipzig: Strukturen, Prozesse, Lernkurven

Anschließend berichtete Dr. Henriette Rösch, stellvertretende Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig, von den Erfahrungen an ihrer Hochschule. Hier hat man in den vergangenen Jahren begonnen, ein Informationsbudget als internes Steuerungsinstrument aufzubauen, um sämtliche Kosten der Informationsversorgung zu erfassen und systematisch auszuwerten. Sie berichtete von folgenden Herausforderungen:

    Heterogene Finanzierungsstrukturen: Fakultätsmittel, Drittmittel und zentrale Mittel mussten zusammengeführt werden.
    Datentransparenz: Die Erfassung und Auswertung der Kosten erforderte neue Formen der Datenerhebung und -integration.
    Kommunikation und Verantwortung: Die Einführung eines Informationsbudgets bedeutete auch, Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen in einen kontinuierlichen Austausch zu bringen.

Henriette Rösch betonte, ein Informationsbudget sei nicht nur ein Controlling-Werkzeug, sondern auch ein Kommunikationsanlass – es schaffe Bewusstsein und eröffne Gespräche über Prioritäten und Verantwortung. Der Aufbau solcher Strukturen brauche zwar Zeit, sei aber ein wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen, datenbasierten Steuerung von Publikationskosten und Open-Access-Ausgaben.
Praxisbericht aus Bielefeld: Datenbasiert steuern – digital und integriert

Im zweiten Praxisbeitrag sprachen Prof. Dr. Ulrich Rückert, Prorektor für Digitalisierung und Dateninfrastruktur der Universität Bielefeld, und Dirk Pieper, ständiger Vertreter der Leitenden Bibliotheksdirektorin, über die Bielefelder Ansätze und Erfahrungen. Hier wurde früh damit begonnen, Kosten für Subskriptionen, Publikationsgebühren und Open-Access-Fonds zusammenzuführen und digitale Systeme zur Erfassung und Analyse von Informationskosten zu entwickeln. Die beiden Projekte OpenAPC und openCost haben hilfreiche Vorarbeiten und nachnutzbare Ergebnisse gebracht. An der Universität Bielefeld ist das Informationsbudget in die Gesamtstrategie der Digitalisierung eingebettet und diene nicht nur der Kostentransparenz, sondern auch der Integration von Datenflüssen zwischen Bibliothek, Finanzverwaltung und Forschungsdatenmanagement. Ulrich Rückert stellte fest: „Ein Informationsbudget ist ein Teil der digitalen Infrastruktur einer Hochschule und verbindet Datenmanagement, Finanzen und wissenschaftliche Verantwortung.“ So wird es zu einem Instrument der Governance, das hilft, Entscheidungen faktenbasiert und wertorientiert zu treffen.
Moderation und Austausch auf Leitungsebene

Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, moderierte den Workshop und führte durch die Diskussion. Unter seiner Moderation entstand ein intensiver Austausch zwischen den teilnehmenden Führungskräften über Erfahrungen, Hürden und Erfolgsfaktoren. Wichtig war, das Informationsbudget als strategisches Instrument zu nutzen, ohne operative Strukturen zu überfrachten. Dabei gehe es weniger um Detailsteuerung, sondern um Rahmensetzung, Prioritätensetzung und Kulturentwicklung.

Die Diskussion zeigte:

    Ein Informationsbudget stärkt das strategische Handeln von Hochschulleitungen, indem es Transparenz und Grundlagen für Entscheidungsprozesse schafft.
    Es unterstützt den Kulturwandel von der Kostenverteilung zur aktiven Ressourcensteuerung.
    Es erfordert institutionelle Zusammenarbeit und politisches Commitment in den Institutionen.

Die Etablierung eines Informationsbudgets ist ein Schlüssel zur nachhaltigen Gestaltung der wissenschaftlichen Informationsversorgung und ihr Erfolg ist eng mit der institutionellen Führungsverantwortung verbunden.
Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates – eine Zwischenbilanz

Nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates von 2022 haben zahlreiche Hochschulen begonnen, Informationsbudgets einzuführen oder erste Pilotprojekte umzusetzen.

Die Erfahrungen zeigen:

    Technische und organisatorische Hürden sind lösbar, wenn Leitung, Hochschulgremien, Bibliothek und Verwaltung gemeinsam vorgehen.
    Klar definierte Ziele und eine verbindliche Steuerungslogik, um diese zu erreichen, sind entscheidend.
    Informationsbudgets sind erfolgreich, wenn sie in die Gesamtstrategie der Hochschule eingebettet sind.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Weg zu einem institutionell verankerten Informationsbudget ein schrittweiser Lernprozess ist – aber einer, der die wissenschaftliche Informationsversorgung auf eine neue, zukunftsfähige Grundlage stellen kann.
Abschluss der Workshopreihe – Auftakt für neue Diskurse

Mit der Veranstaltung „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ endete die Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, in der verschiedene Aspekte des Informationsbudgets beleuchtet wurden. Das Ende der Workshopreihe markiert zugleich den Beginn eines Austauschs auf Leitungsebene über institutionelle Zusammenarbeit, Wissenstransfer und strategisches Vorgehen. open-access.network und HRK planen, diese Diskussion fortzuführen und die Ergebnisse und Erfahrungen aus den Workshops zu dokumentieren und zu teilen. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, um das Konzept Informationsbudget weiter zu schärfen und bundesweit praktikable Modelle zu fördern.
Fazit

Informationsbudgets sind kein Selbstzweck – sie sind ein Schlüssel, um das Ziel der offenen Wissenschaft finanziell, organisatorisch und politisch zu verankern.
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<item><title>Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Fokus beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025</title><link>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Nov 2025 10:00:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Ronja Kuhlwilm</dc:creator><dc:creator>Sebastian Schaarschmidt</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Simon Schmiederer</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</guid><description>Gemeinsam offen finanzieren - unter diesem Leitgedanken trafen sich Vertreter*innen aus Bibliotheken, Konsortialstellen und Open-Access-Projekten beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025 in Bremen. Im Mittelpunkt standen praktische Erfahrungen, Bedarfe und Ideen für die Zukunft konsortialer Open-Access-Modelle.
Einleitung

Auf dem 9. Bibliothekskongress 2025, der 113. Bibliocon in Bremen, veranstalteten vier Open-Access-Konsortialstellen ein Hands-on-Lab mit dem Titel „Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Dialog mit der bibliothekarischen Erwerbung zukunftsfähig gestalten“. Ziel des Workshops war es, die Bedarfe und Herausforderungen von Bibliotheken bei der Finanzierung von Open-Access-Publikationen zu analysieren und vertiefend zu diskutieren. Aus den Thementischen gingen folgende Kernbefunde hervor: Es besteht ein dringender Bedarf an transparenter Kosteninformation und Nachvollziehbarkeit der Pledging-Summen; strukturelle und dauerhafte Finanzierungswege (statt rein fallweiser Einzelförderung) werden als notwendig erachtet; konsortiale Modelle werden als zentrales Instrument zur Förderung bibliodiverser, solidarisch finanzierter Diamond-Open-Access-Publikationen geschätzt, sind jedoch angesichts der heterogenen Publikationslandschaft herausfordernd umzusetzen; darüber hinaus wurden Entscheidungshilfen, gezielte Ansprache budgetverantwortlicher Stellen und mehr Awareness- und Informationsarbeit als Voraussetzung für eine breitere Beteiligung identifiziert.

Diamond Open Access

Open Access bezeichnet die Möglichkeit, wissenschaftliche Ergebnisse ohne Zugangsbeschränkungen im Internet frei verfügbar und nachnutzbar zu machen. Dafür existieren verschiedene Modelle. Eines davon ist Diamond Open Access – ein Begriff, der seit Jahren intensiv diskutiert und unterschiedlich interpretiert wird. Manche verstehen Diamond Open Access lediglich als Unterform des Gold Open Access, andere sehen darin eine eigenständige Publikationskategorie mit klaren Abgrenzungskriterien (vgl. Dellmann et al., 2022).

Die Uneinigkeit entsteht vor allem dadurch, dass die zugrunde liegenden Kriterien variieren. Ein gemeinsamer Nenner aller Definitionen ist jedoch: Für Autor*innen und auch für Einrichtungen, an denen diese affiliiert sind, fallen keine Publikationsgebühren an - weder in Form von Article Processing Charges (APCs) für Zeitschriftenartikel noch in Form von Book Processing Charges (BPCs) für Bücher. Ebenso können Leser*innen ohne Kosten oder Abonnements auf die Inhalte zugreifen.

Darüber hinaus beinhalten manche Definitionen weitere Aspekte. Häufig wird gefordert, dass die Publikationsorgane wissenschaftsgeleitet (scholar-led) sind, also von Wissenschaftler*innen oder wissenschaftlichen Fachgesellschaften verantwortet werden und die Titelrechte dort verbleiben. Teilweise wird auch der Ausschluss kommerzieller Interessen als zentrales Kriterium angesehen. Die Finanzierung von Diamond Open Access erfolgt dabei über unterschiedliche Modelle, etwa durch Institutionen, Förderprogramme oder kooperative Gemeinschaftsstrukturen. In diesem Beitrag fokussieren wir uns auf die konsortiale Finanzierung.
Konsortiale Finanzierung statt Transformationsverträge

Um die Kosten für die Publikation einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder Buches zu tragen, kann ein Konsortium organisiert werden. Das bedeutet, dass sich mehrere Einrichtungen zusammenschließen und die Produktionskosten der herausgebenden Redaktion gemeinsam tragen.

Ein Vorreiter für dieses Finanzierungsmodell ist seit vielen Jahren die Open Library of Humanities (OLH). In den letzten Jahren sind auch in Deutschland mehrere Initiativen und Projekte entstanden, die konsortiale Open-Access-Finanzierung für verschiedene Fächer organisieren. Dabei fungiert meistens eine Einrichtung als Konsortialstelle und kümmert sich sowohl um die Gewinnung von Konsorten als auch um die Gewinnung von Zeitschriften oder Büchern für die Diamond-Open-Access-Finanzierung.

Transformationsverträge ermöglichen weder kurz- noch langfristig eine Umwandlung der Publikationslandschaft hin zu vollem Diamond Open Access (Mittermaier, 2025). In einzelnen Fachdisziplinen, wie der Bildungsforschung, ist dies bereits empirisch bestätigt (Rettelbach, 2025).

Alternative Wege wie z. B. Diamond-Open-Access-Finanzierungskonsortien werden also dringend gebraucht. Die Teilnahme an einem Konsortium ist für die teilnehmende Einrichtung mit geringem administrativen Aufwand verbunden. Zudem wird die Bibliodiversität gefördert und ein fairer Zugang zu Forschungsliteratur und -daten ermöglicht. Die Beiträge, die zu zahlen sind, sind in der Regel niedriger als eine einzelne APC/BPC und bei den meisten konsortialen Angeboten werden mehrere Zeitschriften und/oder Bücher gefördert.
Bedürfnisse, Erfahrungen und Perspektiven der Bibliotheken

Im Mittelpunkt des Workshops stand der offene Austausch mit der Open-Access-Community, insbesondere der bibliothekarischen Erwerbung. Um die vielfältigen Perspektiven und Erfahrungen sichtbar zu machen, wurde das Format des Worldcafés gewählt - eine partizipative Diskussionsmethode, bei der Teilnehmende in wechselnden Kleingruppen an verschiedenen Thementischen miteinander ins Gespräch kommen. So konnten zentrale Fragen und Ideen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden.

Alle Thementische bezogen sich auf die konsortiale Open-Access-Finanzierung. Im Fokus standen dabei vier Schwerpunkte: „Preis(-transparenz)“, „Finanzierungsmöglichkeiten“, „Mehrwerte und Entscheidungshilfen“ sowie „bestehende Angebote“. An jedem Tisch wurden Erfahrungen geteilt, Herausforderungen benannt und konkrete Ansätze für zukünftige Entwicklungen formuliert.
Preis(-transparenz)

Bei der Preistransparenz wurde die Rolle der Konsortialstellen als Instanz hervorgehoben, die die Kostenstrukturen der Zeitschriften und Buchprojekte prüft, wenngleich offen bleibt, ob dies den Konsortien vollumfänglich möglich ist. Den Konsortien wird großes Vertrauen entgegengebracht, was die Preisgestaltung von Open-Access-Konsortialangeboten anbelangt. Es wurde einerseits die Meinung geäußert, dass Diamond Open Access grundsätzlich ein Non-Profit-Angebot sei und daher die Preistransparenz an dieser Stelle nicht so wichtig. Demgegenüber wurde andererseits formuliert, dass es wünschenswert sei, wenn es eine größere Transparenz hinsichtlich des Zustandekommens von Pledgingsummen gäbe, um besser nachvollziehen zu können, was Bibliotheks- und Informationseinrichtungen genau finanzieren. Auf einer grundsätzlichen Ebene wurde diskutiert, ob es nicht sinnvoller sei, von der Diamond-Open-Access-Einzelförderung von Zeitschriften weg zu kommen zugunsten einer infrastrukturellen Förderung von Diamond Open Access. Dieser Punkt wurde im Zuge der Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten von Diamond Open Access vertieft diskutiert.
Finanzierungsmöglichkeiten

In den Diskussionsrunden wurde festgestellt, dass umfassende Kenntnisse von Finanzierungsmöglichkeiten von (Diamond) Open Access ein zentrales Desiderat darstellen und es übergreifender struktureller Lösungen bedarf. In den Einrichtungen der Workshopteilnehmenden wird gegenwärtig zum Großteil das Budget zur Erwerbung verwendet, wobei nur vereinzelt auch Open-Access-Budgets vorhanden oder gar ausdifferenzierte Informationsbudgets etabliert sind. Ergänzt werden diese Haushaltsmittel zum Teil durch zentrale Förderpauschalen von DFG und BMFTR). Der Finanzierungsspielraum wird jedoch durch Transformations- und DEAL-Verträge grundlegend beschränkt und zunehmend Mittelflüsse aus dem Forschungsbereichen notwendig. Dabei wurde jedoch angemerkt, dass bei den Fachhochschulen nahezu keine Aktivitäten stattfinden und keine Finanzierungsspielräume vorliegen, wie dies beispielhaft für die Schweiz dargelegt wurde.

Darüber hinaus wurde diskutiert, Diamond Open Access als grundlegende Infrastrukturförderung zu betrachten und nachhaltige Lösungen gefordert. Beispielhaft wurde dabei der Vorschlag aus dem Leopoldina-Papier grundsätzlich als eine dauerhafte Lösung begrüßt, deren konkrete Umsetzung jedoch von den Teilnehmenden eher kritisch diskutiert wurde.

Als wichtige und zentrale Lösungen wurden Finanzierungskonsortie diskutiert. Als Herausforderung wurde dabei die heterogene Situation in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft dargelegt. Die vertretenen fachlichen Konsortien wurden als beispielhaft beschrieben und der weitere Ausbau hin zu Best-Practices mit der Etablierung weiterer fachlicher Konsortien gewünscht.
Mehrwerte und Entscheidungshilfen

Kriterien für eine finanzielle Beteiligung an Diamond-Open-Access-Angeboten

Als grundlegende Aspekte für eine finanzielle Beteiligung seitens Bibliotheken an konsortialen Modellen wurden insbesondere die fachliche Passung eines Angebots und die Affiliationen der Autor*innen mit der eigenen Institution genannt. Dabei handelt es sich um Faktoren, die bereits aus einer Umfrage des Projekts KOALA-AV bekannt sind und somit im Austausch mit der Zielgruppe diskursiv vertieft wurden (vgl. Schenke et al., 2025). Darüber hinaus wurde hervorgehoben, dass Diamond Open Access auch unter einem solidarischen Gesichtspunkt betrachtet werden sollte: Die gemeinsame Finanzierung gilt als Beitrag zur notwendigen Transformation des Publikationssystems, um ein Gegengewicht in der aktuellen APC/BPC-Krise zu schaffen.

Ideen für konkrete Mehrwerte

Als mögliche Beteiligungsanreize wurden u. a. Rabatte für Tagungen oder Mitgliedschaften bei Fachgesellschaften ins Spiel gebracht, wenn deren Zeitschriften durch Diamond Open Access finanziert werden. Auch der exklusive Zugang zu Backlist-Titeln wurde als denkbarer Zusatznutzen genannt. Backlist-Titel sind lieferbare Bücher eines Verlags, die bereits vor einiger Zeit erschienen sind und nicht zu den Neuerscheinungen (Frontlist) gehören. Als Mehrwert werden konsortiale Finanzierungsangebote darüber hinaus dann wahrgenommen, wenn sie ein Flipping von Publikationsmedien bewirken, die zuvor direkte Gebühren für den Lesezugriff (Subskription) oder das Publizieren erhoben haben.

Entscheidungshilfen für Einrichtungen

Um an konsortialer Finanzierung interessierte Einrichtungen bei der Entscheidung für eine Teilnahme zu unterstützen, sei es wichtig, dass Diamond-Open-Access-Anbieter Entscheidungsträger*innen gezielter ansprechen und Teilnahmeumfragen zweckgerichteter versenden, d.h. direkt an die Abteilung einer Einrichtung, von der aus das Budget für eine Konsortialteilnahme verwendet werden kann. Um effizienter herauszufinden, aus welchen Mitteln einer Institution eine Finanzierung potenziell erfolgen könnte und wer die entsprechende Ansprechperson ist, sei eine engere Zusammenarbeit mit den Einrichtungen erforderlich.

Darüber hinaus brauche es mehr Bewusstsein und Aufklärung über die Funktionsweise und den Nutzen von Diamond Open Access in den einzelnen Abteilungen und Fachbereichen von Einrichtungen. Eine Workshop-Teilnehmerin stellte die sogenannten „Sektionstouren“ ihrer Einrichtung vor, bei denen Fachbereiche direkt durch die Open-Access-Mitarbeitenden informiert werden – teilweise kombiniert mit kurzen Erklärvideos („Library Shorts“). Diese Maßnahmen seien zwar aufwendig, hätten sich aber als sehr wirksam erwiesen. Diskutiert wurde, ob Konsortialstellen hier ansetzen und beispielsweise einen Werkzeugkoffer mit Infos zu Diamond Open Access und ihren Konsortialmodellen für Sektionstouren entwickeln könnten.

Framing und Wahrnehmung

Die Diskussion zeigte auch, dass es eine Frage der Rahmung (“Framing”) ist, wie Dringlichkeit erzeugt wird. Während Subscribe-to-Open-Modelle durch ihre Benennung eine unmittelbare Notwendigkeit der Unterstützung signalisieren („ohne Subskription kein Open Access“), wirkt Diamond Open Access auf den ersten Blick als ohnehin frei verfügbares Angebot. Dieser Eindruck ist jedoch trügerisch, da auch Diamond Open Access nur bei ausreichender Mitfinanzierung langfristig bestehen kann.

Übergeordnete Perspektiven

Eine Arbeitsgruppe wählte einen eher grundsätzlichen Blickwinkel. Sie stellte infrage, ob fiktive Mehrwerte überhaupt sinnvoll seien, und plädierte dafür, die Erwerbungslogik von Bibliotheken stärker an Prinzipien der Openness statt an kapitalistischen oder reputationsbasierten Kriterien auszurichten. Falls Mehrwerte formuliert würden, müsse außerdem zwischen Vorteilen für Einrichtungen und Vorteilen für Autor*innen unterschieden werden. Besonders wurde betont, dass DEAL-Verträge nicht unter dem Label Diamond Open Access subsumiert werden dürften. Zudem wurde vorgeschlagen, dass eine stärkere Professionalisierung und Zentralisierung (z. B. durch SeDOA) zur Sichtbarkeit und besseren Vermittlung der spezifischen Mehrwerte von DOA beitragen könnte.
Bestehende Angebote

Die bestehenden (Diamond) Open-Access-Konsortialangebote richten sich stets an eine spezifische Fachdisziplin und somit an eine bestimmte Community. Im Workshop wurde deutlich, dass (Diamond) Open-Access-Angebote nur fachspezifisch gefördert werden können. Wichtige Punkte für Einrichtungen sind zudem Kostenstabilität, Relevanz für die eigene Einrichtung/den Fachbereich und Nutzungszahlen. Außerdem wurde von den Teilnehmenden hervorgehoben, dass es wichtig sei, auch bestehende Open-Access-Zeitschriften und nicht nur geflippte Zeitschriften zu fördern.

Als ein Problem für Neugründungen wird die fehlende Reputation gesehen. Zudem wurde betont, dass gerade bei Neugründungen Förderzusagen für einen festen Zeitraum (z. B. 3 Jahre oder mehr) den Zeitschriften eine bessere Planungssicherheit gibt.

Für einige Bibliotheken sei eine Opt-Out-Regel wichtig, sobald es um mehrjährige Förderung von Diamond Open Access geht. Dies steht dem Wunsch nach Planungssicherheit auf Seiten der Finanzierten gegenüber. Meist werden konsortiale Open-Access-Finanzierungen noch lediglich als eine zusätzliche Etatbelastung wahrgenommen und eine Integration in reguläre Bibliotheksetats steht noch aus. Viel Geld ist aktuell bereits in Transformationsverträgen gebunden. Diese Herausforderungen verstärken sich noch einmal in Zeiten knapper Finanzlagen. Ein eigenes Budget zur Förderung von konsortialer Open-Access-Finanzierung an den Einrichtungen könne hier ein Lösungsweg sein.
Die Konsortialstellen, die das Worldcafé angeboten haben:

OLE-Konsort
OLE-Konsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für wirtschaftswissenschaftliche DOA-Zeitschriften auf. Das Zeitschriftenpaket wächst jährlich an, wobei die Zeitschriften eine Förderzusage von drei Jahren erhalten. Die Teilnahme ist auf ein Jahr ausgelegt vom 01.01. bis zum 31.12. Die Pledgingrunden finden jedes Jahr von Juli bis November statt, währenddessen Einrichtungen ihre Unterstützung für das folgende Jahr zusagen können. OLEKonsort wird von 2023-2026 durch Projektförderung des BMFTR unterstützt. Konsortialführende Einrichtung ist die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

KOALA - Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen
KOALA ermöglicht eine nachhaltige Finanzierung für Diamond-Open-Access-Publikationen. Dafür schnürt KOALA thematisch fokussierte Zeitschriften zu Bündeln, die wissenschaftlichen Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Finanzierung angeboten werden. Sobald das Finanzierungsziel für ein Zeitschriftenbündel erreicht ist, werden die enthaltenen Titel für drei Jahre gesichert finanziert und vollständig frei zugänglich gemacht. Die TIB fungiert als zentraler Dienstleister und Koordinator für das KOALA-Modell und betreibt das Angebot im Regelbetrieb für Zeitschriften in ihrem Fächerspektrum. 

Laufende Pledging-Runde: Noch bis zum 31.10.2025. kann für die KOALA-Bündel KOALA Mathematik 2026 – 2028 (4 internationale Fachzeitschriften, 140 Artikel jährlich) und KOALA TIB Sensor Systems 2026 – 2028 (Journal of Sensor and Sensor Systems, JSSS) am Pledging teilgenommen werden. 

KOALA-SLUB
Die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) betreibt seit 2024 ein Pilotprojekt zur Organisation konsortialer Open-Access-Finanzierungslösungen unter dem Titel KOALA-SLUB. In einer ersten Finanzierungsrunde konnten hier bereits 11 Zeitschriften in drei fachlichen Bündeln im Rahmen des KOALA-Modells finanziert werden. Die SLUB Dresden wird sich in Zukunft weiter in dieser Richtung engagieren.

OPEN-ACCESS-KONSORTIUM BILDUNG (EDU_CONSORT_OA)
Das BMFTR-geförderte Verbundprojekt des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft. Das Verbundprojekt zielt sowohl auf ein Crowdfunding für DOA-Fachzeitschriften als auch auf ein Crowdfunding für E-Books, da diese Publikationsformen weiterhin als zentral in den Fachcommunitys angesehen werden. Dabei konnten bereits in vier erfolgreichen Runden knapp 80 Monografien und Sammelwerke unter Beteiligungen von jeweils über 50 Einrichtungen finanziert werden. Die Erfahrungen mit den beiden Verfahren werden als Best-Practices für einen Transfer in andere Fachcommunitys und Fachinformationsdienste aufbereitet

eilnahme an Konsortialangeboten und weitere Infos

Im Diamond Funding Navigator finden Sie weitere Informationen zu den Angeboten dieser Konsortialstellen.
Literaturverzeichnis

    Dellmann, S., van Edig, X., Rücknagel, J., &amp; Schmeja, S. (2022). Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 9(3), 1-12. https://doi.org/10.5282/o-bib/5849)
    Mittermaier, B. (2025). Transformationsverträge sind eine Sackgasse: In Erinnerung an Irene Barbers (1966–2025). O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(1), 1-22. https://doi.org/10.5282/o-bib/6117)
    Rettelbach, S., &amp; Schindler, C. (2025). Zum Status quo der Open-Access-Transformation in der Bildungsforschung: Eine Analyse einschlägiger Zeitschriften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-23. https://doi.org/10.5282/o-bib/6119)
    Schenke, J., Stork, K. S., &amp; Tullney, M. (2025). Das Diamond-Open-Access-Modell KOALA aus erwerbungsbibliothekarischer Sicht: Ein Auswertungsbericht. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-16. https://doi.org/10.5282/o-bib/6162</description><enclosure
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<item><title>Workshop: Personalressourcen und Infrastrukturkosten im Fokus des Informationsbudgets</title><link>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets</link><comments>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets#comments</comments><pubDate>Mon, 13 Oct 2025 09:47:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets</guid><description>Ein Blick hinter die Kulissen

Mehr als 130 Teilnehmer*innen kamen am 25.02.2025 zum Online-Workshop „Personalressourcen und Infrastrukturkosten als Teil des Informationsbudgets“. Der fünfte Workshop der Reihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ wurde wieder als gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMFTR-Projekts open-access.network organisiert.

Schwerpunkt des Workshops war ein Thema, das bislang oft im Schatten stand: die Personal- und Infrastrukturkosten im Informationsbudget. Ziel war es, diese bislang wenig beachteten Aspekte für den Betrieb von Repositorien, Open-Access-Instanzen und Publikationsdienstleistungen sichtbar zu machen.
Einführung: Das Schalenmodell des Informationsbudgets
Mittermaier, B. (2025). Personalkosten im Schalenmodell des Informationsbudgets. https://doi.org/10.5281/zenodo.14938885 (CC BY)

Der Workshop begann mit einem Vortrag von Bernhard Mittermaier von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich. Er stellte zunächst sein „Schalenmodell“ vor, das die verschiedenen Kostenarten im Informationsbudget strukturiert. 

Im Fokus stand die Frage: Wie viele Personenstunden sollten in das Informationsbudget eingerechnet werden? Mittermaier erläuterte, dass Personalkosten eigentlich jedem Baustein zugeordnet werden müssten, was in der Praxis jedoch schwierig sei. Im Jülich werden sie stattdessen nur den wichtigsten Teilbereichen – etwa Sprachendienst, Forschungsdatenmanagement oder Green Open Access – direkt zugeordnet. Für andere Bereiche erfolge eine pauschale Verteilung, etwa durch prozentuale Aufschläge auf Sachkosten. Für das Forschungszentrum Jülich wurden 2024 Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass etwa ein Drittel des Budgets aus Personalkosten besteht.
Der Blick aus der Verlagswelt

Im zweiten Vortrag gab Barbara Budrich vom gleichnamigen Verlag Einblicke in die unsichtbare Arbeit hinter Open-Access-Publikationen. Sie betonte, dass Personalkosten den größten Anteil an den Gesamtkosten eines Verlags ausmachen. Die Herstellung eines Buches umfasse vielfältige Tätigkeiten: Lektorat, Layout, Rechtliches, Vertrieb, Marketing und Sichtbarkeit. All diese Schritte erforderten engagiertes Personal, das im Hintergrund arbeite.  Die Kosten für eine einzelne Publikation lägen im Schnitt bei etwa 5.000 Euro (zzgl. MWSt.), wobei jeder Titel die Gemeinkosten anteilig mitfinanzieren müsse. Besonders deutlich wurde, dass die Verlagsarbeit sehr kleinteilig und kommunikationsintensiv ist.
Kostet Diamond Open Access wirklich nichts?

Tina Osteneck vom Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) berichtete in ihrem Vortrag, dass auch bei sogenanntem Diamond Open Access, also Publikationen, die für Leser*innen und Autor*innen kostenfrei sind, erhebliche Kosten entstünden. Diese umfassten Personal für Redaktion, technische Infrastruktur, Marketing und Sichtbarkeit. Die Zeitschrift des VHB, das Schmalenbach Journal of Business Research, werde seit der Umstellung auf Open Access 2008 durch eine Mischung aus öffentlicher Förderung sowie gemeinschaftlichen Modellen und Sponsoring finanziert. Osteneck machte deutlich, dass Diamond Open Access Ressourcen braucht und dadurch Personal- und Infrastrukturkosten verursacht.
Betrieb und Kosten von Open-Access-Zeitschriften an wissenschaftlichen Einrichtungen

Gernot Deinzer von der Universitätsbibliothek Regensburg präsentierte seine Einschätzungen und Überlegungen zum Personalaufwand sowie zentralen und dezentralen Kosten beim Betrieb von Diamond-Open-Access-Zeitschriften an wissenschaftlichen Einrichtungen. Insbesondere der Aufwand für Redaktion, Technik und Administration sei erheblich. Um eine hauseigene Diamond-Open-Access-Zeitschrift mit einer Verlagszeitschrift vergleichen zu können, betonte er die Notwendigkeit, den Arbeitsaufwand der Wissenschaftler*innen als Teil des Informationsbudgets klar zu beziffern. Vor allem Diamond-Open-Access-Zeitschriften entstünden mit viel unentgeltlichem Engagement. Neben der ökonomischen Betrachtung sei die Anerkennung ein wichtiger Aspekt, denn viele Wissenschaftler*innen erhielten für die Herausgabe einer Zeitschrift in einem Verlag oft mehr Ansehen innerhalb der eigenen Einrichtung und in der Community als für die Herausgabe einer Diamond-Open-Access-Zeitschrift, die gern als „Herzensangelegenheit“ abgetan werde. Es sei also nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine Frage von Renommee und Forschungsevaluierung.

Als Fazit aus dem Workshop lässt sich die Erkenntnis ziehen: Es ist kompliziert, Personalkosten im Informationsbudget zu erfassen. Der Aufwand ist jedoch gerechtfertigt, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.</description><enclosure
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<item><title>KOALA &amp; KOALA-AV: Advancing Consortial Open Access Models</title><link>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</link><comments>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Sep 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</guid><description>KOALA (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen&quot;) was initially the name of a BMBF-funded project (2021–2023) that developed a consortial funding model for Diamond Open Access publishing. During this phase, the foundational KOALA model was conceptualized, and two pilot consortia were launched. Since 2023, the TIB Hannover has continued the initiative as a regular service under the KOALA name. More broadly, &quot;KOALA&quot; now refers to the underlying funding approach and serves as the umbrella term for various DOA consortia coordinated by institutions such as SLUB Dresden and the Specialized Information Service (FID) Media.

KOALA-AV (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen, ausbauen und verankern&quot;) is the current follow-up project (2023–2025), which aims to expand and solidify the KOALA model. It focuses on improving participation conditions for journals, libraries, and other potential consortium leads, strengthening the KOALA community, and supporting the internationalization of the model.
Highlights from the KOALA Journal Meet-Ups

In May 2025, two journal meet-ups brought together editorial teams from Open Access journals supported by KOALA. These events provided a valuable opportunity for participants to network, share experiences, and collaboratively reflect on their partnerships with KOALA. With KOALA-AV entering its final project phase, the meet-ups served as timely forums for evaluating current workflows, addressing ongoing challenges, and charting paths toward sustainable, cooperative publishing models.
Purpose and Structure of the Meet-Ups

The meet-ups’ primary aim was to encourage exchange among journals funded through KOALA and to strengthen the network of editorial teams working under a shared funding framework. Participants had the chance to voice their perspectives on collaborating with KOALA. Along these lines, they had the opportunity to discuss operational concerns, and to identify opportunities for improvement. At the same time, KOALA provided strategic feedback on how journals could optimize their approaches to institutional pledging and to improving communication processes.
Topics and Discussions

A wide range of topics emerged over the course of the two sessions, covering both everyday management and larger strategic considerations: A central point of discussion was how journals can better support the pledging process through engagement with authors. Specifically, they explored how authors can serve as important multipliers within their academic environments regarding funding requests. This could include raising awareness of the KOALA initiative at their home institutions, initiating conversations with relevant departments or decision-makers, and advocating for institutional support. Their disciplinary credibility and personal affiliations can thus significantly strengthen outreach efforts and contribute to building a sustainable funding base.

This tied in with the topic of affiliation lists: Journals were encouraged to record in a detailed fashion which authors had published with them and which institutions these authors had been affiliated with. These lists serve as a valuable tool to identify potential funding institutions, allowing for more a targeted outreach by KOALA and by the journals themselves. Moreover KOALA elaborated on what kind of documentation the journals are expected to provide to show that they have made appropriate use of KOALA funding. Along these lines, questions about financial reporting and acceptable forms of evidence were addressed, emphasising clarity and consistency in documenting how the journals have used the funding.

Another major theme was the importance of clear internal structures within journal teams. Participants highlighted the need to establish clear responsibilities with regards to invoicing, communication, and reporting, and to ensure that KOALA always has current contact information. This tied in with many journals observing that in the past delays and miscommunication had often been traced back to unclear responsibilities, making this a recurring issue. Moreover, invoicing and financial management were identified as areas of both progress and challenge. Some journals reported having had difficulties with issuing invoices or dealing with VAT (Value Added Tax) due to limited financial expertise, while others appreciated KOALA’s flexibility and support in these matters. Some participants noted that having a functioning workflow for invoicing and reporting has been beneficial for both sides but also pointed to the need for more guidance in complex or unclear financial scenarios. Beyond that, timely decision-making and communication processes were emphasized as crucial for the funding process to run smoothly. Both KOALA and the journals acknowledged that delays in information-sharing could hinder institutional pledging cycles, which follow annual timelines in most libraries. Furthermore, there was a discussion about how to handle unspent funds. One journal expressed interest in being allowed to transfer unused funds into subsequent years. Here, KOALA clarified that while minor transfers are acceptable, funds should ideally be spent within the designated year to support consistent planning and accountability.

The sustainability of the KOALA model featured prominently in the meet-ups’ strategic discussions. Many participants reflected positively on KOALA’s role in supporting their journals, describing it as a “wonderful surprise,” “a godsend,” and even as the reason their journal could continue operating in the first place. The simplicity of the funding process, the efficiency of communication with KOALA-AV, and the clarity of cooperation agreements were frequently praised. Apart from that, KOALA’s minimum standards were seen as helpful to increase transparency and to improve editorial quality. At the same time, journals voiced concerns about the long-term availability of funding, particularly in light of limited institutional budgets and the growing number of initiatives seeking support under the KOALA umbrella. As pain points, the complexity of internal communication processes within editorial teams, frequent staff changes at KOALA, and a lack of timely updates on contact persons or new project phases were all mentioned. Furthermore, some considered the process for extending funding into a new financing period unclear, stating that this had created uncertainty for future-related planning steps. At the same time, the opportunity to connect with peers, exchanging best practices and learning from each other’s challenges, was highly valued.
KOALA-AV’s Feedback and Recommendations

KOALA-AV offered a series of recommendations aimed at improving collaboration and ensuring a more efficient workflow for all involved. The importance of aligning communication and planning with library acquisition cycles was emphasized: Since libraries often follow a set sequence—information acquisition, consultation, pledging, and accounting—journals need to respond in a timely and structured manner to ensure success. Along these lines, KOALA urged journals to play a more proactive role in supporting pledging by motivating their authors to contact their institutional libraries and by sharing up-to-date affiliation lists. These efforts can significantly improve the likelihood of acquiring funding successfully. Another key topic was transparency: Journals were advised to publish simple, publicly accessible statements on their use of KOALA funds—ideally on their websites—including the total amount of funding they had received, and a basic breakdown of how the funds are spent. This not only builds trust but also demonstrates accountability to institutions, authors and the wider Open Access community. Finally, KOALA emphasized the importance of managing annual funding effectively: While some transfer-related flexibility is allowed, KOALA’s general expectation is that funds are used within the allocated year, maintaining budgetary discipline and supporting clearer financial cycles.
Outlook: What Comes Next?

Although KOALA-AV did formally conclude by the end of August 2025, the underlying KOALA service and model will continue to operate. KOALA now encompasses both the initial project phase (2021–2023) and the ongoing consortium approach to Open Access support. Looking ahead, the KOALA service hosted at TIB will remain active, particularly in the STEM disciplines, and is exploring ways to extend current funding bundles beyond the standard three-year cycle. At the same time, SLUB Dresden will continue its pilot efforts and provide support for participating journals. For subject areas not yet covered, solutions are being developed, including the transfer of funding responsibilities to two Specialized Information Services (Fachinformationsdienste). Currently, new pledging phases are in preparation to ensure a smooth transition into the next funding round. Besides that, KOALA plans to expand its coordination infrastructure to support more journals. It also pursues international partnerships to broaden its reach and impact.
Conclusion

The KOALA journal meet-ups highlighted the importance of dialogue, transparency, and mutual support in sustaining a community-driven Open Access infrastructure. While some challenges remain, the participants’ overall feedback was one of appreciation, collaboration, and determination. Through shared learning and collective problem-solving, KOALA and its partner journals continue to pave the way for a more equitable and sustainable publishing landscape.

Perspectives of the journals that participated in the meet-up:

SMAI-Journal of Computational Mathematics was founded in 2014 by the French Society of Applied and Industrial Mathematics (SMAI). It publishes high quality research articles on the design and analysis of algorithms for computing the numerical solution of mathematical problems arising in applications. It is published via the Centre Mersenne, which is a diamond open access scientific publishing infrastructure developed by Mathdoc, a support and research unit of the CNRS and the Université Grenoble Alpes in France. As Deputy Secretaries in charge of the SMAI publications, our role is to oversee the scientific development of the journal and ensure that we can guarantee open access publication under the best conditions for the articles submitted now and in the future. This combination of efforts from the SMAI and the Centre Mersenne offers a society-based venue for excellent work from a very active international field. (Amandine Véber &amp; Nicolas Forcadel)

The Journal de l&#039;École polytechnique — Mathématiques (JEP), started in 2014, publishes, in English or French, original research articles in all domains of applied and fundamental mathematics. It continues, in the domain of mathematics, the Journal de l&#039;École polytechnique, one of the oldest French scientific journals (1795–1939), which published articles in mathematics as well as in mechanics and in physics. As journal manager, I oversee relations between the editorial assistant, the three chief editors, and the forty or so section editors on the OJS editorial platform. I also supervise production by the Centre Mersenne. Finally, in collaboration with the three chief editors, I take care of the regular renewal (every five years) of the editorial board. The journal has gained a solid reputation within the mathematical community, as it now receives around 120 submissions annually with an acceptance rate of around 25%. (Claude Sabbah)

Logical Method in Computer Science is a fully refereed, diamond open-access, electronic journal. It welcomes papers on theoretical and practical areas in computer science involving logical methods, taken in a broad sense. Since its foundation in 2004 the journal has developed into a leading venue for papers in the field, as witnessed e.g. by many published special issues of competitive conferences. Currently, the journal publishes around 110 articles per year. The journal is run as an overlay of arXiv.org, a well-known open document archive which currently hosts more than 2 million scholarly articles in the natural sciences, mathematics, computer science, and engineering. The peer review process of the journal relies on the French Episciences platform. I have been involved in the journal in various roles since the beginning, and I have been its Editor-in-Chief since 2020. (Stefan Milius)

TheoretiCS attempts to be one of the three leading journals in the field of Theoretical Computer Science and the only one to follow the diamond open-access model. The journal is strongly based in its research community: all major conferences in in the field of Theoretical Computer Science have representatives on the advisory board of TheoretiCS and in the TheoretiCS Foundation, the publisher of the journal. These strong roots in the research community have enabled us to convince many leading researchers to join the editorial board of TheoretiCS. It also helped to find additional volunteers to help with the editorial and publishing process. We are grateful for the support provided by the KOALA project, which enables us to reimburse part of the efforts for some of these volunteers. (Thomas Schwentick)

The Journal of Universal Computer Science (J.UCS) is a veteran in the field of high-quality open access publications in computer science. Founded in 1993, the J.UCS team has guided the journal through decades of challenges associated with a free-of-charge policy for authors and readers. Our thoroughly peer-reviewed monthly regular issues, as well as several special issues on current topics, serve as one of the major knowledge databases for the international research community, documenting the history of computer science over decades and continuing with today&#039;s latest trends - thanks to KOALA. Our team is dedicated to communicating with our reviewers from around 50 different countries to help our authors get the most out of their research and ensure the high quality and relevance of our publications. The expected 200,000+ views this year show that the effort is worth it, every day. (Johanna Zeisberg and Christian Gütl)</description><enclosure
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<item><title>Ziele von (Diamond) Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 08 Sep 2025 09:01:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Simone Franz</dc:creator><dc:creator>Achim Oßwald</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</guid><description>Veranstaltungsbericht zur Diskussion der o-bib-Themenschwerpunkte
Überblick

Am 15. Juli 2025 kamen rund 85 Personen und die geschäftsführenden Herausgeber*innen der Zeitschrift „o-bib. Das offene Bibliotheksjournal“ sowie die Initiator*innen eines Themenschwerpunkts in einem oa.talk miteinander ins Gespräch. Anlass war der jüngst zum 10-jährigen Jubiläum der Zeitschrift publizierte Themenschwerpunkt „Diamond Open Access – Konzepte, Rahmenbedingungen, Erfahrungen“ sowie der von den Initiator*innen eingebrachte Themenschwerpunkt „Ziele von Open Access“, die sich dem aktuellen Stand der Open-Access-Transformation widmeten.

Vor dem Hintergrund der zu diesen Calls eingegangenen Beiträge diskutierte der oa.talk grundsätzliche Fragen: Warum wollen wir Open Access? Was wollen wir mit Open Access erreichen und verändern? Und was genau meinen wir damit? Dabei drängten sich den Organisator*innen ausgehend von informellen Gesprächen auch diese Fragen auf: Was hält engagierte Personen davon ab, sich klar(er) zu positionieren? Welche Voraussetzungen müssen wir schaffen, damit sich Interessierte in die Diskussion einbringen?
Nach einer kurzen Einführung zur Genese der beiden Calls stellten die o-bib-Herausgeber*innen und Initiator*innen Aspekte der Publikationen vor, die sie für besonders erwähnenswert halten.

Heidrun Wiesenmüller (o-bib) beeindruckte, wie offen die Beiträge beschreiben, wie beispielsweise der Umstieg von Fachzeitschriften, mit den angegliederten nationalen und internationalen Fachgesellschaften, gelingt – bei gleichzeitigem Wettbewerb um Sichtbarkeit. Datenschutz und -souveränität, aber auch Abhängigkeitspfade und lokale Bedingungen in Forschung und Lehre würden adressiert. Herauszulesen sei das starke Bestreben der Fachwissenschaften um Zusammenarbeit mit der Library and Information Science Community. Für die Weiterentwicklung von o-bib fand sie insbesondere den Beitrag von Sona Arasteh et al. über das europäische DIAMAS-Projekt hilfreich, um Praktiken, Qualität und Nachhaltigkeit von Diamond Open Access auf der Grundlage des Diamond Open Access Standards (DOAS) zu verbessern.

Michaela Voigt (TU Berlin) wies darauf hin, dass es dringend nötig sei, die sogenannten Transformationsverträge zu evaluieren – vor allem hinsichtlich der Frage, ob und was transformiert werde. Es sei eine genuine Aufgabe von Bibliotheken, sich mit der Finanzierung von Diamond Open Access zu beschäftigen. Bibliotheken sollten sich zudem an der finanziellen Absicherung von wissenschaftsgeleiteten, nicht-gewinnorientierten Open-Access-Initiativen beteiligen – und zwar nicht nur im Sinne des Verursacherprinzips. Die Diamond-Open-Access-Finanzierung sollte genauso selbstverständlich ein Handlungsfeld in Bibliotheken sein und bei der Budgetplanung berücksichtigt werden wie andere Aufgaben. Hierbei verwies sie auf die Texte unter anderem von Mittermaier, Wiese et al. sowie Drößler et al.

Jana Rumler (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei [IGB] im Forschungsverbund Berlin e. V.) hob die reflektierten Beiträge von Heft et al. sowie Riedl et al. hervor, die das Problembewusstsein und die Sensibilisierung für Open-Access-Aktivitäten aus der Perspektive einzelner Fach- und Publikationskulturen deutlich beschreiben. Open Access in den ethnologischen Fächern, der Germanistik, der Gesundheitsforschung, der Medienwissenschaft, den Neurowissenschaften und der Psychologie zeige eindrücklich das Engagement, die Hoffnungen und den Kampf, Reputationsstrukturen und Infrastruktur-Support in einen neuen „Styleguide“ (Heft et al., S. 9) zu überführen. Beide Beiträge lassen viel Raum, um beispielsweise über Synergien nachzudenken.

Philip Zumstein (UB Mannheim) forderte, dass nach über 20 Jahren Open-Access-Arbeit eine grundsätzliche und kritische Diskussion zum verfolgten Weg und den Zielen von Open Access eingefordert werden müsse. Statt einer „Berliner Erklärung 2.0“ sprächen die Texte vielmehr von einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele und Werte sowie einer Schärfung des damit verbundenen Handelns (Dellmann et al.; Dellmann; Dreyer). Open Access selbst sei nicht das Ziel. Verschiedene Stakeholder verfolgen mit Open Access vielmehr verschiedene Ziele: Open Access als Geschäftsmodell bei kommerziellen Verlagen vs. Wertevorstellungen wie Zugang und Teilhabe, Gerechtigkeit, Gemeinwohlorientierung in den ursprünglichen Open-Access-Erklärungen.

Achim Oßwald (o-bib) verwies auf den Beitrag von Becker und Paulsen, die die Fragwürdigkeit von Nutzungsstatistiken von Open-Access-Publikationen beeindruckend verdeutlicht hätten. Offensichtlich könne nicht eindeutig zwischen Zugriffen durch Nutzende und Bots differenziert werden. Wünschenswert sei es, hierfür eine Lösung zu finden. Unter diesem Vorbehalt zeigte er ausgewählte Statistikdaten zu den hohen Zugriffen auf die in den o-bib-Heften 1/25 und 2/25 veröffentlichten Beiträge zu den beiden Calls. Insbesondere die Diskussionsbeiträge hätten großes Interesse gefunden.
Diskussion in 6 Breakout Rooms

Im zweiten Teil des oa.talks diskutierten die Teilnehmenden in sechs Breakout Rooms verschiedene Aspekte beider Themenschwerpunkte.

So wurde in einem Breakout Room darauf hingewiesen, dass Open Access kein neutraler Begriff sei, sondern eine politische Einstellung, die sich demokratischen Strukturen verschreibt. Es gehe dabei unter anderem um Gleichheit, die Förderung von Mehrsprachigkeit und das Aufrechterhalten möglichst diverser Publikationsstrukturen. Darüber hinaus seien mit dem Thema Open Access Fragen der Datensouveränität und -unabhängigkeit verbunden (vgl. Dreyer). Zugleich wurde kritisch angemerkt, dass Open Access durch Begriffe wie Offenheit und Souveränität ‚überfrachtet‘ werde. Dabei bleibe der ‚Globale Süden‘ durch Transformationsverträge und Article Processing Charges (APCs) weiterhin vom Wissenschaftsdiskurs ausgeschlossen. Mit Ausnahme der ethnologischen Fächer (vgl. Heft et al.) werde dieses Missverhältnis bisher eher selten thematisiert. Hier könnten die DOAS ansetzen, die ethische Fragen adressieren und die Teilhabe global verbessern (vgl. Arasteh et al.).

Dass Transformationsverträge und (steigende) APCs die Etats von Bibliotheken und Hochschulen zunehmend belasten, wurde in einigen Breakout Rooms kritisch beleuchtet. So forderten Teilnehmende eine Evaluierung durch die Einrichtungsleitungen, denn bezüglich ihres Transformationspotenzials seien diese Verträge bisher hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben (vgl. Mittermaier). Einige Teilnehmende plädierten deshalb dafür, sie aus der Forschungsförderung herauszunehmen. Nicht zuletzt würden Transformationsverträge das Publizieren in teuren Zeitschriften weiter fördern.

Ein Grund seien bestehende Reputationsmechanismen sowie metrikbasierte Anreizsysteme in der Wissenschaft, die in mehreren Breakout Rooms kritisch diskutiert wurden. Um die Vielfalt von Forschungs- und Publikationskulturen zu bewahren und zu fördern, sei ein von Bibliotheken, Universitäten und der Gesellschaft getragener Systemwechsel notwendig. Dieser müsse sich von bestehenden, fest etablierten (quantitativen) Kriterien der Forschungsbewertung lösen und sich auf die (qualitativen) Inhalte konzentrieren. Hier könnten die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA), das Agreement on Reforming Research Assessment der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) und die Barcelona Declaration on Open Research Information die Forschungsbewertung nachhaltig verändern.

Eine wichtige Rolle könnten dabei Personen spielen, die an der Schnittstelle von Infrastruktur und Wissenschaft tätig sind. So wurde in einem Breakout Room für eine stärkere Zusammenarbeit von Bibliothekspersonal mit Forschenden und Fachgesellschaften plädiert, die das bestehende Publikationssystem nicht mehr unentgeltlich unterstützen wollen. Dazu gehören monopolistische Reviewsysteme und die unbezahlte Redaktions- und Lektoratstätigkeit, die häufig durch den wissenschaftlichen Nachwuchs geleistet werde. Die bisherige Open-Access-Debatte müsse sich noch stärker für die Fachwissenschaften öffnen (vgl. Riedl et al.). Hier beobachtete ein Teilnehmer einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dass die Akzeptanz von (Diamond) Open Access in den einzelnen Fachdisziplinen stark differiert. Bibliotheken müssten im Verbund mit anderen Einrichtungen der Hochschule und auf strategischer Entscheidungsebene aktiver werden. Dabei müsse auch Open Access noch stärker in den Erwerbungsabteilungen der Bibliotheken verankert werden.

Einige Teilnehmende verbanden mit Diamond Open Access die Hoffnung, die kritisierten Reputationsmechanismen in der Forschungsbewertung aufzubrechen. Diskutiert wurden unter anderem Projekte und Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access (beispielsweise Diamond Thinking, KOALA und die Übersicht Diamond OA Publikationsvorhaben finanziell realisieren der Landesinitiative openaccess.nrw) sowie die Notwendigkeit, disziplinspezifische Diamond-Open-Access-Budgets einzurichten. Kritisch angemerkt wurde, dass Diamond-Open-Access-Angebote – anders als Open-Access-Angebote mit APCs/Book Processing Charges (BPCs) – häufig mit der Frage ihrer Nachhaltigkeit konfrontiert werden.

In einem Breakout Room fragten Teilnehmende, ob Diamond Open Access lediglich ein neuer ‚Trend‘ sei, obwohl es gemessen am gesamten Publikationsoutput nach wie vor einen geringen Anteil hat. Die Erfahrungen einer Landesinitiative zeigten auch, dass Neugründungen von Diamond-Open-Access-Publikationsorganen einfacher seien als das Flippen von Zeitschriften. Dabei wurde deutlich, dass die Ermittlung der Kosten für den Umstieg auf Diamond eine Herausforderung sei. Universitätsverlage bieten eine Alternative zu kommerziellen Verlagen. Diese könnten bei der Etablierung fachspezifischer Diamond-Open-Access-Publikationen eine wichtige Rolle spielen. Auch Zweitveröffentlichungen (Green Open Access) und die Verpflichtung dazu wurden mit Blick über Ländergrenzen (Niederlande, Schweiz) diskutiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) in diesem Bereich künftig – auch im internationalen Kontext – agieren wird.
Fazit und Ausblick

Die beiden o-bib-Themenschwerpunkte und der oa.talk haben gezeigt, wie breit Open Access über 20 Jahre nach der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) inzwischen rezipiert wird. Dennoch waren sich alle einig, dass noch immer Aufklärungsarbeit und Beratung notwendig sind, um bestehende Reputationsmechanismen im Wissenschaftssystem aufzubrechen. Hierbei spielen Bibliotheken eine zentrale Rolle.

Die Gespräche werden sicher bei den anstehenden Open-Access-Tagen in Konstanz vom 17. bis 19. September 2025 unter dem Motto „Mission Accomplished? Open Access und die Re/pro/duktion von Ungleichheit im wissenschaftlichen Publikationswesen“ fortgesetzt werden.

Der Beitrag „Resümee aus Sicht der Initiator*innen des Calls zu den Zielen von Open Access“ gibt einen Überblick über die Artikel dieses Themenschwerpunkts. Die Beiträge zu beiden Themenschwerpunkten sind in den o-bib-Heften 01/2025 und 02/2025 publiziert.
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<item><title>Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren#comments</comments><pubDate>Mon, 25 Aug 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Michael Geuenich</dc:creator><dc:creator>Jonas Höfting</dc:creator><dc:creator>Bernhard Mittermeier</dc:creator><dc:creator>Heinz Pampel</dc:creator><dc:creator>Beate Rusch</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Silke Weisheit</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren</guid><description>Bericht über ein Hands-on Lab auf der 113. BiblioCon

Die Entwicklung und der Erfolg von Open Access beruhen maßgeblich auf digitalen Informationsinfrastrukturen, die weltweit von Forschenden, Bibliotheken und anderen Einrichtungen genutzt werden. Diese Infrastrukturen stehen zunehmend unter Druck, da ihre Finanzierung oftmals projektbasiert erfolgt und der Übergang zu einer nachhaltigen, institutionellen oder konsortialen Finanzierung bisher nur in Teilen gelingt. Vor diesem Hintergrund widmete sich das Hands-on Lab dem Thema „Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren“ auf der 113. BiblioCon am 26. Juni 2025 (Pampel et al., 2025) speziell diesem Thema und versuchte, hier Lösungen aufzuzeigen. Ziel war es, gemeinsam mit Expert*innen und Teilnehmenden Herausforderungen, bestehende Modelle und zukünftige Perspektiven für tragfähige Finanzierungslösungen zu reflektieren und konkrete Entwicklungslinien für die deutsche Informationslandschaft zu skizzieren.
Einführung

Die Veranstaltung wurde von Heinz Pampel (Humboldt-Universität zu Berlin) moderiert. In seiner Einführung verwies Pampel auf den einflussreichen Aufsatz “The Ethnography of Infrastructure“ von Susan Leigh Star (1999). Darin definiert Star Infrastrukturen als sozio-technische Systeme, die sich durch ihre Einbettung in alltägliche Nutzungen auszeichnen, eine Einbettung, die sie für Nutzer*innen oftmals unsichtbar macht. Eine Infrastruktur “[b]ecomes visible upon breakdown“, so Star. Ihre Relevanz wird oft erst sichtbar, wenn sie ausfallen. Dieses Charakteristikum von Infrastrukturen erschwert nicht nur das öffentliche Verständnis für ihre systemerhaltende Rolle, sondern stellt auch eine politische Herausforderung dar. Denn gerade ihre Unsichtbarkeit im Alltagsbetrieb macht es schwierig, ihre Finanzierung langfristig zu sichern oder ihre Relevanz auf der politischen Agenda zu verankern. Im Kontext der offenen Wissenschaft bedeutet das: Die nachhaltige Finanzierung etablierter Open-Access-Infrastrukturen ist besonders anspruchsvoll – nicht, weil ihre Funktionalität infrage stünde, sondern weil ihre Stabilität gerade Ausdruck einer erfolgreichen, unsichtbaren Integration in den Forschungsalltag ist.

Im Anschluss an die Begrüßung folgten fünfminütige Statements aus der Praxis:

Kartierung von Open-Access-Diensten in Deutschland
Michael Geuenich (Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG) präsentierte die Ergebnisse einer umfassenden Kartierung von Open-Access-Diensten in Deutschland (Biela et al., 2023). Zentrale Erkenntnis: Nicht-kommerziell getragene Open-Access-Infrastrukturen sind ein dezentral entwickeltes Rückgrat der wissenschaftlichen Publikationskultur und sehen sich oftmals einer unsicheren langfristigen Finanzierung gegenüber. Während Innovation häufig durch Drittmittel gefördert wird, fehlt es an Mitteln für den Betrieb (Maintenance). Er hob hervor, dass Investitionen in diese Infrastrukturen strategische Bedeutung für die digitale Souveränität haben.

Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS)
Olaf Siegert (ZBW) stellte die internationale Initiative SCOSS (Global Sustainability Coalition for Open Science Services)) vor. SCOSS vermittelt konsortiale Finanzierungsmodelle für Open-Science-Dienste auf Basis eines Auswahlverfahrens im Rahmen definierter Qualitätsverfahren. Seit 2018 werden ausgewählte und qualitätsgeprüfte internationale Open-Science-Infrastrukturen unterstützt (u.a. DOAJ, DOAB, arXiv). Insgesamt konnten auf diesem Wege für 19 Infrastrukturen rund 7,3 Millionen Euro eingeworben werden. SCOSS selbst agiert dabei v. a. als Qualitätsprüfungs-Entität und als Vermittler, nicht aber als Förderer. Zudem organisiert die Initiative einen aktiven Austausch unter den Infrastrukturen mit den Zielen, Good Governance und Best Practices zu fördern.

Open Access Monitor Deutschland
Bernhard Mittermaier (FZ Jülich) berichtete über den Open Access Monitor Deutschland, der zunächst projektfinanziert war und seit 2023 durch Eigenmittel der Bibliothek betrieben wird. Besonders hervorgehoben wurde das Zusammenspiel von institutioneller Unterstützung und pragmatischer Mittelverwendung.

DeepGreen
Beate Rusch (ZIB, KOBV-Verbundzentrale) gab Einblick in das Projekt DeepGreen, einen Lieferdienst für Open-Access-Artikel. Nach einer DFG-Förderung tragen derzeit die drei betreibenden Einrichtungen die Finanzierung. Ab 2026 ist eine zusätzliche Umlagefinanzierung geplant, gestaffelt nach Einrichtungstyp und -größe.

Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB)
Silke Weisheit (UB Regensburg) stellte die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) vor, die Informationen zu Open-Access-Zeitschriften sowie zum wissenschaftlichen Publizieren bereitstellt. Die Finanzierung erfolgt über ein gestaffeltes Umlagemodell sowie ergänzend über Drittmittelprojekte (z. B. OpenCost). Die organisatorische Ausgestaltung wird durch einen Beirat begleitet.

Anhand von drei Themenbereichen wurden anschließend drei zentrale Themen zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierung mit den Teilnehmenden diskutiert.
Finanzierung

Im Themenbereich Finanzierung wurden unterschiedliche Modelle zur nachhaltigen Unterstützung von Open-Access-Infrastrukturen diskutiert. Zu den häufig genannten Ansätzen gehörten pauschale Finanzierungsmodelle (Flat-Rates), nutzungsbasierte Modelle sowie gestaffelte Beiträge, etwa in Abhängigkeit von der Größe der Einrichtung oder der Zahl ihrer wissenschaftlichen Mitarbeitenden (FTE). 

Dabei wurde deutlich, dass jede Variante spezifische Herausforderungen mit sich bringt: So bieten pauschale Modelle zwar eine administrative Vereinfachung, erfassen aber möglicherweise nicht die tatsächliche Nutzung oder die institutionelle Leistungsfähigkeit. Nutzungsbasierte Modelle hingegen setzen eine präzise Erhebung und Auswertung von Zugriffszahlen voraus, was zusätzlichen Aufwand bedeutet und zu komplexen Abrechnungen führen kann. Staffelungen nach Größe erscheinen fair, könnten aber kleinere Einrichtungen überproportional belasten.

Ein zentrales Diskussionsthema war der „Mehrwert“ für Einrichtungen, also die Frage, warum diese überhaupt bereit sein sollten, dauerhaft in eine Infrastruktur zu investieren. Neben klassischen Nutzenargumenten wie Stabilität, Qualität und Zugang wurde besonders der Aspekt der Mitgestaltungsmöglichkeit hervorgehoben: Einrichtungen, die sich finanziell beteiligen, sollten auch strukturell eingebunden sein – etwa über Gremien oder Abstimmungsprozesse. Deutlich wurde auch, dass die Sichtbarmachung des möglichen Verlusts einer Infrastruktur ein starkes Argument für die Zahlung sein kann: Der potenzielle Ausfall oder Abbau etablierter Dienste, die bislang selbstverständlich genutzt wurden, kann die Bereitschaft zur Finanzierung erhöhen.

Zur Vermeidung einer kleinteiligen, administrativ aufwändigen Finanzierung wurde mehrfach die Idee konsortialer Lösungen eingebracht. Durch den Zusammenschluss von Bibliotheken, Landesinitiativen oder Hochschulverbünden ließen sich Beiträge bündeln und administrative Lasten verteilen. Auch wurde diskutiert, ob Bibliotheksverbünde verstärkt als koordinierende oder abrechnende Instanzen eingebunden werden könnten.
Governance

Der Themenkomplex Governance drehte sich um die Frage, wie Organisations- und Entscheidungsstrukturen für Open-Access-Infrastrukturen gestaltet werden sollten, um legitim, transparent und gleichzeitig handhabbar zu sein. Diskutiert wurden verschiedene Mitgliedschaftsmodelle, etwa in Form von aktiver oder passiver Beteiligung mit unterschiedlichem Stimmrecht. Betont wurde, dass finanzierende Einrichtungen, unabhängig vom Beitrag, eingebunden werden müssen.

Empfohlen wurde der Aufbau klarer Entscheidungsstrukturen, beispielsweise über einen Vorstand als operatives Entscheidungsgremium sowie einen Beirat, der die Interessen der beteiligten Institutionen und der Community repräsentiert. Steuerungsgremien sollten in ihren Rollen transparent, regelmäßig gewählt und gegenüber der Nutzer*innenschaft rechenschaftspflichtig sein. Gleichzeitig wurde betont, dass Governance-Strukturen schlank und effizient bleiben sollten,  insbesondere um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Auch müsse Governance sichtbar nach außen wirken, um Vertrauen zu schaffen und Legitimität zu sichern.

Ein wiederkehrendes Thema war der rechtliche Rahmen: Gemeinnützigkeit wurde als zentral erachtet, auch um die Unabhängigkeit der Dienste zu sichern. Es bestand Einigkeit darüber, dass ein späterer Verkauf oder eine Kommerzialisierung ausgeschlossen sein sollte, auch vertraglich. Schließlich wurden zwei Spannungsfelder benannt, die Governance-Fragestellungen durchziehen: Zum einen der Gegensatz von Idealismus und Pragmatismus, etwa beim Abwägen zwischen partizipativer Breite und Entscheidungseffizienz bei der Zusammensetzung eingesetzten Gremien. Zum anderen der Zielkonflikt zwischen Innovation und Erhalt: Während viele Projektfinanzierungen auf Neues abzielen, fehlt es gleichzeitig häufig an Strukturen zur dauerhaften Sicherung bestehender Dienste. Daher erscheint ein Mitgliedschaftsmodell trotz der damit einhergehenden Frage der Einbindung von finanzierenden Einrichtungen als sinnvoll.
Kommunikation

Die Diskussion zum Thema Kommunikation zeigte, dass viele nachhaltige Finanzierungsstrategien an klarer und strategisch geplanter Kommunikation scheitern können. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer zielgruppenspezifischen Ansprache: Je nach Typ der Einrichtung (z. B. Universitätsbibliothek, Fachhochschule, Forschungseinrichtung) müssen Argumente unterschiedlich gewichtet und formuliert werden. Das Beispiel DeepGreen zeigte, dass eine zweigleisige Kommunikation, also die parallele Ansprache von Repositorienbetreiber*innen und politischen Entscheider*innen, erfolgreich sein kann.

Auch der Zeitpunkt der Kommunikation wurde als entscheidend angesehen. Statt erst kurz vor Finanzierungsende um Unterstützung zu werben, sollten Infrastrukturen kontinuierlich über Nutzung, Wirkung und Bedarf berichten. Transparenz war ein zentrales Stichwort: Nicht nur Kosten, sondern auch Nutzungsdaten, Downloadzahlen und konkrete Anwendungsbeispiele sollten offen kommuniziert werden. Solche Indikatoren helfen dabei, die Relevanz von Diensten nachvollziehbar zu machen – besonders für Entscheider*innen, die den Dienst selbst nicht regelmäßig nutzen.

Einige Teilnehmende empfahlen, sich in der Außendarstellung an professionellem Wissenschaftsmarketing zu orientieren, etwa durch Testimonials zufriedener Nutzer*innen oder durch die namentliche Nennung prominenter Partnerinstitutionen. Auch eine visuell ansprechende Darstellung auf Webseiten und in Reports könne Vertrauen schaffen. Schließlich wurde angeregt, Kommunikationsstrategien regelmäßig zu evaluieren und gemeinsam mit Unterstützer*innen weiterzuentwickeln.
Fazit

Das Hands-on Lab zeigte eindrücklich, dass eine nachhaltige Finanzierung von Open-Access-Infrastrukturen sowohl institutionelle als auch kulturelle Herausforderungen umfasst. Unterschiedliche Finanzierungs-, Governance- und Kommunikationsmodelle sind erprobt und teils erfolgreich etabliert, stehen aber vor der Aufgabe, sich im verteilten System der Informationsversorgung dauerhaft zu behaupten.

Die Diskussionen bestätigten: Damit Infrastrukturen langfristig bestehen können, braucht es nicht nur tragfähige Finanzierungsmodelle, sondern auch eine Anerkennung ihres Werts. Nachhaltige Finanzierung ist mehr als eine administrative Frage, sie ist Ausdruck strategischer Entscheidungen für eine gemeinwohlorientierte digitale Wissenschaftslandschaft.
Literatur

    Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2023). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland: Studie der Technopolis Group im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Allianz der Wissenschaftsorganisationen. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
    Pampel, H., Siegert, O., Mittermaier, B., Geuenich, M., Rusch, B. &amp; Weisheit, S.(2025, June 26). Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren. 113. BiblioCon in Bremen 2025; 9. Bibliothekskongress, Bremen. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-194917
    Star, S. L. (1999). The Ethnography of Infrastructure. American Behavioral Scientist, 43(3), 377–391. doi.org/10.1177/00027649921955326

Weitere Informationen über die Forschungsgruppe Information Management an der Humboldt-Universität zu Berlin finden Sie auf unserer offiziellen Website).</description><enclosure
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<item><title>Open Access Barcamp 2025: Von Best-Practices und Visionen bis zur Triage im Publikationsfonds</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds#comments</comments><pubDate>Wed, 11 Jun 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 5.6.25 auf dem ZBW Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 DE erschienen.

Manche hätten sogar gerne noch einen Tag drangehängt: Das oa.barcamp 2025 lies Open-Access-Professionals aus dem gesamten deutschsprachigen Raum einmal mehr konzentriert zusammenarbeiten. Diamond Open Access sowie die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern gehörten zu den großen Themen des Barcamps.

Das Open Access Barcamp 2025 wurde am 26. und 27. März an der Universität Duisburg-Essen im Rahmen des Projekts open-access.network in Zusammenarbeit mit der Landesinitiative openaccess.nrw organisiert und bot eine Plattform für intensiven Austausch zu aktuellen Open-Access-Themen.

Wie im Barcamp-Format üblich, waren die Teilnehmenden aufgerufen, das Programm aktiv mitzugestalten. In mehreren parallelen Sessions wurden konkrete Problemstellungen diskutiert, Best Practices ausgetauscht und Visionen für eine offene Wissenschaft entwickelt. Die Themen reichten von Infrastrukturen für Diamond Open Access über Publikationsfondsmanagement bis hin zur Herausforderung, projektbasierte Services, Informationsportale und aufgebaute Expertise im Open-Access-Kontext nachhaltig zu verstetigen.
Diamond Open Access: Potenziale und Herausforderungen

Eine zentrale Session widmete sich dem Modell des Diamond Open Access, bei dem weder von den Autor*innen noch von den Leser*innen Gebühren erhoben werden. Es wurde intensiv diskutiert, wie Forschende für dieses Modell gewonnen werden können. Besonders betont wurde, dass politische Argumente oder technische Infrastrukturen nicht ausreichen, wenn überkommene Reputationslogiken (zum Beispiel der Impact Factor) Wissenschaftler:innen davon abhalten, möglichst offen zu publizieren. Als mögliche Lösungsansätze für dieses Problem wurde Peer-to-Peer-Beratung durch erfolgreich publizierende Forschende sowie der Aufbau von Unterstützungsstrukturen (zum Beispiel Publikationsfonds, personelle Ressourcen) genannt. Auch wurde der Aufbau einer evidenzbasierten Argumentation anhand von Zitationsvorteilen und den Vorteilen der Nutzung freier Lizenzen vorgeschlagen.
Triage in Publication Funds?

Challenges in administering open access publication funds were discussed in several sessions. Participants spoke of rising costs, tight budgets, and high administrative burden at their institutions. Strategies such as the staggered allocation of funds, the integration of third-party funds, and the introduction of transparent funding criteria (e.g. for monographs or edited volumes) were presented. The question of triage in cases where publication funds are overburdened was controversially discussed. If there are not enough funds to support all eligible publications, it will inevitably be necessary to prioritise. One suggestion was that this selection be based on science policy criteria such as the FAIR data principles.
oa.finder und Open-Access-Bücher

Ein weiteres Thema war die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern. Da zentrale Datenquellen wie die Deutsche Nationalbibliothek keine vollständige Übersicht bieten, schilderte Katja Dammann (UB Bielefeld) den aufwändigen Aufbau der oa.finder-Datenbank. Im Zusammenhang mit Open-Access-Büchern wurde die Schwierigkeit diskutiert, die Publikationspraxis im Buchbereich systematisch zu erfassen. Als Gründe hierfür wurden Transparenzprobleme bei Verlagsmodellen und das Fehlen verlässlicher, standardisierter Schnittstellen genannt.
Open Access an kleineren Einrichtungen

In einer besonders praxisnahen Session aus dem Projekt P2P.OA.HAW erarbeitete Emilia Mikautsch (Universität Konstanz) gemeinsam mit den Session-Teilnehmenden anhand von Personas die besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit Open Access, vor denen sich kleinere Einrichtungen wie Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) gestellt sehen. Hier wurde deutlich, dass neben begrenzten Ressourcen vor allem unklare Zuständigkeiten und mangelndes institutionelles Commitment die Open-Access-Implementierung erschweren. Peer-to-Peer-Beratung, gezielte Fördermaßnahmen und eine stärkere Vernetzung unter den Einrichtungen wurden als zentrale Lösungswege genannt.
Institutionelle Repositorien und Publikationsdienstleistungen

Ein wiederkehrendes Thema waren auch der Aufbau und die Verstetigung von Services zur Zweitveröffentlichung. Herausforderungen liegen unter anderem in der Rechtsunsicherheit vor Ort, fehlenden Workflows, dem Mehraufwand für Bibliothekspersonal und einer geringen Sensibilisierung der Forschenden für dieses Thema. Es wurde deutlich, dass hier frühzeitige Beratung, technische Unterstützung und institutionelle Rückendeckung unerlässlich sind. Als praktisches Handwerkszeug zum Ausbau institutioneller Publikationsservices stellte Doreen Rocholl (Universität Duisburg-Essen, Landesinitiative openaccess.nrw ) einen Musterentwurf für eine Autor:innen- und Herausgeber:innenvereinbarung zum Publizieren im OJS https://openjournalsystems.com/ vor und lies die Teilnehmenden der Session bei der kritischen Betrachtung jeweils die Perspektive von Autor:innen einerseits und (institutionellen) Herausgeber:innen andererseits einnehmen.
Verstetigung von open-access.network

Zum Ende des Barcamps wurde auch das nahende Ende der zweiten Förderphase des Projekts open-access.network thematisiert. Martina Benz (Universität Konstanz, open-access.network) gab einen Ausblick auf Pläne zur künftigen Trägerschaft und Finanzierung unter dem Dach des in Gründung befindlichen Vereins open-access.network e. V. Einrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen sollen Mitglied werden können und das Informations- und Beratungsangebot gemeinschaftlich in die Zukunft tragen. Während der Session wurde die Bedeutung des Informations- und Vernetzungsportals open-access.network als zentraler Orientierungspunkt für die wachsende Community von Open-Access-Professionals hervorgehoben – insbesondere für neue Open-Access-Beauftragte und kleinere Einrichtungen, die noch dabei sind, vollumfänglich in das Thema einzusteigen.
Fazit

Das Open Access Barcamp 2025 hat wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen im Bereich der offenen Wissenschaft sind – und wie wichtig kollegialer Austausch, Vernetzung und strategischer Aufbau institutioneller Strukturen und Expertise sind, wenn man diesen Herausforderungen adäquat begegnen will. Besonders die Sessions zu Diamond Open Access und zu den strukturellen Bedingungen an kleineren Einrichtungen machten deutlich: Open Access braucht mehr als nur Appelle und Überzeugung – es braucht politische Unterstützung, Ressourcen und praxisnahe Werkzeuge.</description><enclosure
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<item><title>International Insights into Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 26 Mar 2025 15:12:04 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access</guid><description>Wie kann Diamond Open Access weltweit gestärkt werden? Drei Expert*innen aus Argentinien, Großbritannien und Frankreich beleuchteten Herausforderungen, Strategien und Infrastrukturen für eine nachhaltigere Publikationslandschaft ohne Publikations- oder Subskriptionskosten.

Wie kann Diamond Open Access weltweit gestärkt werden? Drei Expert*innen aus Argentinien, Großbritannien und Frankreich beleuchteten Herausforderungen, Strategien und Infrastrukturen für eine nachhaltigere Publikationslandschaft ohne Publikations- oder Subskriptionskosten.
Diamond Open Access in Lateinamerika: Herausforderungen und Perspektiven

Als erstes präsentierte Fernanda Beigel ihre Aktivitäten und Erfahrungen in der lateinamerikanischen Open Science Community. Sie forscht am Nationalen Rat für Wissenschaftliche und Technische Forschung CONICET, Argentinien, und ist Direktorin des Forschungszentrums für die Zirkulation von Wissen (CECIC, mit Sitz an der Nationalen Universität Cuyo, Argentinien). Sie beteiligt sich zudem an internationalen Projekten und Initiativen, beispielsweise an der Ausarbeitung der Empfehlung für Open Science der UNESCO, die laut Fernanda Beigel ein besonderes Augenmerk auf die Werte „Openness“ und „Inclusiveness“ legt.

Fernanda Beigel betonte die Stellung von Open Access als am weitesten fortgeschrittenen Aspekt des Open-Science-Gedankens. Allerdings müsse als strukturelles Problem festgestellt werden, dass sich Open Access von Beginn an in einem bereits kommerziell ausgerichteten und organisierten Publikationssystem bewege und deshalb der Open-Science-Gedanke nur schwer vollständig umgesetzt werden könne. So seien ganz konkret in Argentinien vermehrt unerfreuliche Tendenzen zurück zu Closed Access zu beobachten. Der Grund hierfür liegt in den teuren Publikationsgebühren (APCs), die für die Veröffentlichung in kommerziellen Zeitschriften anfallen. Viele Angehörige finanzschwächerer Institutionen können sich diese nicht leisten, weshalb sie sich gezwungen sehen, im Closed Access in Zeitschriften mit Subskriptionsgebühren zu publizieren. Auch weitere bekannte Faktoren wie das Renommee von Zeitschriften würden bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen. Daher seien Closed- Access-Publikationsorgane inzwischen wieder eine zunehmend attraktive Option.

Aus diesem Grund ist eine vermehrte Anstrengung für Open-Access-Publikationsmodelle ohne Publikationsgebühren (Diamond Open Access, DOA) erstrebenswert. Für einen Überblick über weltweit bestehende DOA-Strukturen, hat Fernanda Beigel die Anzahl von DOA-Zeitschriften je Land erfasst und kartographiert. Hierfür nutzte sie die Daten sowohl globaler (z. B. DOAJ) als auch lokaler Verzeichnisse (z. B. OLIVA). Auffällig ist das Vorhandensein einzelner ‚DOA-Inseln‘, beispielsweise in Indonesien, Polen oder im gesamten lateinamerikanischen Raum. Insbesondere Lateinamerika, wo es historisch viele DOA-Initiativen gibt, verfügt außerdem über eine große Anzahl an Verzeichnissen und Indizes zur Erfassung von DOA-Strukturen. Beispielhaft stellte Fernanda Beigel den „latindex“ vor, der bereits seit 1994 Publikationen verzeichnet und heute das größte DOA-Verzeichnis der Region darstellt.

Diese lokale Konzentration der DOA-Infrastrukturen ist aus Fernanda Beigels Sicht problematisch. Sie diagnostiziert eine zu starke Fragmentierung und - damit verbunden - fehlende Koordinierung für ein offenes und inklusives Publikationssystem, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene. Gefragt nach ihrer Vision für die DOA-Bewegung fordert sie ein grundlegendes Umdenken im wissenschaftlichen Publikationswesen, das eine Neuausrichtung der Bewertung von Forschung ermöglicht. Zudem sieht Frau Beigel eine sich zunehmend entwickelnde Krise des veralteten, auf Closed Access und der Hegemonie großer Verlage basierenden Publikationssystems. Steigende finanzielle Probleme im Wissenschaftsbetrieb würden durch die kommerziellen Verlagsstrukturen verschärft und sorgten für eine angespannte Situation. Speziell im Fall von Argentinien bestehe in Hinblick auf die finanzielle Situation eine große Unsicherheit (um nicht gar von einer bestehenden Dystopie zu sprechen), da den bisher autonom agierenden Universitäten aufgrund politischer Entwicklungen jegliche staatliche Förderung gestrichen wurde. Dennoch, so Fernanda Beigels Hoffnung, könnte die sich abzeichnende Krisensituation als Chance genutzt werden, um ein neues, besser funktionierendes System aufzubauen und zu etablieren.
Die Open Library of Humanities: Ein Modell für nachhaltiges Publizieren

Im Anschluss sprach Caroline Edwards, Executive Director der Open Library of Humanities (OLH) und Senior Lecturer für zeitgenössische Literatur und Kultur an der Birkbeck University of London über ihre Erfahrungen mit internationalem DOA. Die OLH ist eine DOA-Publikationsplattform mit Fokus auf die Geisteswissenschaften und wurde 2013 gegründet. Insgesamt gibt die OLH aktuell 33 DOA-Zeitschriften heraus, wofür eine eigens entwickelte Software (Janeway) genutzt wird. Viele der stetig neu hinzukommenden Zeitschriften, die sich dazu entschließen, zukünftig non-for-profit und community-led zu agieren, lösen sich von großen kommerziellen Verlagen (insbesondere Wiley). Finanziert wird die OLH über ein Mitgliedschaftsmodell, wobei die Beitragenden überwiegend nordamerikanische und europäische Einrichtungen sind. Die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen  decken die Ausgaben des Herausgabebetriebs ab, von denen der weitaus größte Teil (ca. 75%) auf Personalkosten (aktuell 10 Mitarbeitende) entfällt. Außerdem erzielt die OLH einen geringen Betrag an Einnahmen durch die kostenpflichtige Bereitstellung der Janeway-Software an andere Publisher.

In ihrer Bemühung, Zeitschriften bei der Transformation auf ein Diamond-Open-Access-Modell zu unterstützen, stößt die OLH auf einige Herausforderungen. Die erfreulich hohe Nachfrage an umstiegswilligen Zeitschriften stößt seitens der OLH auf begrenzte Kapazitäten. Außerdem kommt es im Zuge der Umstellungen oft zu Problemen und Herausforderungen in Bezug auf die Migration der alten, kommerziell herausgegebenen Ausgaben. Zudem muss oft Überzeugungsarbeit bei der bisherigen Redaktion geleistet werden, um diese zu bewegen, ihre Arbeit auch unter der neuen Erscheinungsform der Zeitschrift fortzusetzen. Die Umstellung einer Zeitschrift auf ein Non-Profit-Modell geht des Weiteren oft mit einer Umbenennung einher, da die Namensrechte oft bei den kommerziellen Verlagen liegen. Trotz dieser Hindernisse gelang es in den vergangenen zwölf Monaten, zehn Zeitschriften auf ein Diamond-Open-Access-Modell umzustellen.

Bezüglich der Entwicklung von DOA in Großbritannien im Allgemeinen sieht Caroline Edwards ein großes Engagement innerhalb der wissenschaftlichen Community, deren Energie genutzt werden kann, um einen Wandel im Publikationssystem anzuregen. Vor dem Hintergrund der wachsenden finanziellen Krise des gesamten Wissenschaftssystems mit sinkenden staatlichen Fördersummen ist sie optimistisch, dass immer mehr Akteure des Publikationssystems die Vorteile von Diamond-Open-Access- Modellen sehen.
Europäische Infrastruktur für Diamond OA: Die Rolle von DIAMAS und EDCH

Zum Abschluss der Veranstaltung gab Pierre Mounier von der École des Hautes Études en Sciences Sociales (Paris) Einblicke in seine Arbeit im Bereich wissenschaftlicher Infrastrukturen. Als stellvertretender Direktor von OpenEdition, Co-Koordinator von OPERAS, Co-Direktor des DOAB und Mit-Hauptverantwortlicher (Co-PI) des DIAMAS-Projekts stellte er zwei zentrale Initiativen vor, an denen er maßgeblich beteiligt ist: DIAMAS und den European Diamond Capacity Hub (EDCH).

Das DIAMAS-Projekt, gestartet im Jahr 2022, untersucht die institutionellen und politischen Rahmenbedingungen für Diamond Open Access in Europa. Ziel ist die Diagnose und Analyse bestehender Diamond-Infrastrukturen, die Weiterentwicklung entsprechender Services sowie die Formulierung von Standards, Richtlinien und Empfehlungen für (politische) Entscheidungsträger*innen zur Förderung von Diamond Open Access. Ein internationales Konsortium aus 23 wissenschaftlichen Einrichtungen und Infrastrukturanbietern führt diese Untersuchung durch.

Ein zentraler Begriff in diesem Kontext sind die „Institutional Publication Service Providers“ (IPSP), unter denen Publikationsinfrastrukturen für Diamond Open Access zusammengefasst werden. Dabei handelt es sich um insgesamt 685 institutionelle Publikationsdienste, die im Rahmen von DIAMAS analysiert wurden. IPSPs umfassen zwei Kategorien: Institutional Publishers (IPs), die eine rechtliche, ethische oder wissenschaftliche Verantwortung für das akademische Publizieren tragen, und Service Providers (SPs), die spezifische Teilaufgaben im Publikationsprozess übernehmen. Diese beiden Typen können in einer einzigen IPSP-Einrichtung zusammengeführt sein. Während sich andere Projekte, wie etwa CRAFT-OA, primär auf technische Lösungen konzentrieren, betrachtet DIAMAS Infrastrukturen in einem umfassenderen Sinne. Dazu zählen neben technischen Services auch die organisatorischen Rahmenbedingungen der IPSPs, etwa ihre Vernetzung oder die Bereitstellung von Best Practices.

Auf der Arbeit des DIAMAS-Projekts aufbauend ist der European Diamond Capacity Hub (EDCH) entstanden. Dieser legt den Fokus vorrangig auf die Vernetzung der IPSPs. Der Hub soll eine Infrastruktur bieten, damit IPSPs ihre Erfahrungen und Anstrengungen im Bereich des DOA miteinander teilen und koordinieren können. Ziel ist es, die Community zu stärken, Synergien zu erkennen und bestehende Kapazitäten besser zu nutzen. Operativ wurden dafür sechs Taskforces gegründet, die sich auf Unterthemen wie technische Lösungen, Staff-Trainingsprogramme oder Finanzierung spezialisieren. Außerdem werden verschiedene Sevices entwickelt, die die (Zusammen-)Arbeit im DOA-Bereich erleichtern sollen. Hierzu zählt beispielsweise die Entwicklung eines DOA-Standards, der bei der Evaluation einzelner Journals helfen soll, oder ein Diamond Discovery Hub, d. h. eine Liste von DOA-Organisationen und Journals.

Pierre Mounier gab anschließend einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der politischen Entwicklung im Bereich Open Access in Frankreich. Aufgrund einer bislang für Open Science aufgeschlossenen Politik gibt es gute Voraussetzungen, umfangreiche Strukturen und hohe Qualitätsstandards bei französischen DOA-Journals (z. B. DOIs). Allerdings scheint sich ein politischer Umschwung anzudeuten, was insbesondere deshalb für eine prekäre Lage sorgte, weil die französischen IPSPs besonders stark in den öffentlichen Sektor integriert und in Sachen finanzieller Förderung stark von diesem abhängig sind. Auch in Frankreich besteht also eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Zukunft von DOA-Projekten und -Initiativen.
Politische Unsicherheiten und die Zukunft von Diamond OA

Schließlich weitete Pierre Mounier den Blick auf die globale Perspektive. Als eine der größten Herausforderungen identifizierte er die starke Fragmentierung der Anstrengungen für DOA. Nur wenn die globale DOA-Gemeinschaft koordiniert und strategisch agiere, habe sie eine Chance, sich gegen die kommerziell ausgerichteten Giganten wie Springer und Elsevier zu behaupten. Um der globalen und lokalen Fragmentierung entgegenzuwirken, spielen Projekte wie das EDCH, die die Vernetzung in den Mittelpunkt stellen, eine wichtige Rolle. Des Weiteren stellen bestimmte Wertvorstellungen oder fruchtlose Streitigkeiten um Begrifflichkeiten (wie die Diskussion um die ‚richtige‘ Definition von DOA) einer Zusammenarbeit oft unnötig im Weg. Anstatt sich in solchen nahezu irrelevanten Detailfragen zu verlieren, sollten das vorhandene Engagement und die Energie gebündelt werden, um die Zusammenarbeit in der Praxis zu stärken und auf diese Weise den großen und übergeordneten Zielen näherzukommen.

In der anschließenden Diskussion wurde der auffallende Umstand, dass die Arbeit aller drei Vortragenden durch die jeweils unsicheren politischen Umstände erheblich gefährdet ist, aufgegriffen. Die Abhängigkeit von politischen Entwicklungen stellte sich dabei als unvermeidlicher Unsicherheitsfaktor heraus, da auch die vermeintliche Alternative zur öffentlichen Trägerschaft – nämlich kommerzielle Finanzierungsquellen – letztlich nicht gänzlich losgelöst von politischen Entscheidungen agieren kann.</description><enclosure
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<item><title>Neue Wege für Open Access: Wie Bibliotheken faires Publizieren unterstützen</title><link>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen</link><comments>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen#comments</comments><pubDate>Mon, 03 Mar 2025 08:57:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen</guid><description>Neue Wege für Open Access: Wie Bibliotheken faires Publizieren unterstützen

Wie können Bibliotheken Diamond Open Access fördern? Expert*innen der KU Leuven und TU Berlin berichteten bei unserer Informationsveranstaltung, wie sie Fair Open Access Fonds aufgebaut haben, um nicht-kommerzielle Publikationsmodelle zu unterstützen. Ihr Engagement zeigt: Ein gerechteres Publikationssystem ist möglich!

Als Teil der Informationsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond OA als Alternative“ stellten Demmy Verbeke von der KU Leuven und Michaela Voigt von der TU Berlin am 6. November 2024 ihre Erfahrungen mit dem Aufbau von Fair Open Access Fonds vor.
Fair Open Access: Prinzipien und Bedeutung für die Wissenschaft

Bei Fair Open Access geht es in erster Linie um die Unterstützung von Publikationsinfrastrukturen und akademischen Initiativen zur Stärkung des wissenschaftlichen Publizierens, wobei die Möglichkeit zur Erhebung von Publikationsgebühren erhalten bleibt, solange diese fair und transparent gestaltet werden. Die Fair Open Access Alliance (FOAA) hat fünf Grundprinzipien festgelegt, die Zeitschriften einhalten müssen, um als Fair Open Access eingestuft zu werden. Dazu gehören: 

    Führung durch die akademische Gemeinschaft,
    Sicherstellung, dass die Autor*innen das Urheberrecht an ihrer Arbeit behalten,
    sofortiger und uneingeschränkter Open-Access-Zugriff auf alle Inhalte mit einer entsprechenden Creative-Commons-Lizenz (CC-Lizenz),
    Einreichung und Veröffentlichung ist in keiner Weise von der Zahlung einer Gebühr durch Autor*innen oder die beschäftigende Institution oder von der Mitgliedschaft in einer Institution oder Gesellschaft abhängig und
    Beibehaltung niedriger, transparenter und verhältnismäßiger Kosten für alle notwendigen Gebühren.

Zur Unterstützung von Fair-Open-Access-Initiativen stellen einige Universitätsbibliotheken spezielle finanzielle Mittel in Form von Fair-Open-Access-Fonds zur Verfügung. Demmy Verbeke von der KU Leuven und Michaela Voigt von der TU Berlin stellten vor, welche Maßnahmen sie in den vergangenen Jahren ergriffen haben, um an ihren Institutionen einen solchen Fonds aufzubauen und auf welche Herausforderungen sie dabei gestoßen sind.
Erfolgreiche Umsetzung: Der Fair OA Fonds an der KU Leuven

An der KU Leuven entstand schon früh ein Bewusstsein dafür, dass für die nachhaltige und gerechte Gestaltung des akademischen Publizierens spezielle Maßnahmen notwendig sind. Zwar konnten durch die Transformation des Publikationssystems von Closed Access hin zu Open Access bereits einige Missstände adressiert werden, so z. B. der teure und damit ungerecht verteilte Zugang zu Literatur. Allerdings führte die vermehrte Erhebung von Publikationsgebühren (APCs) und die damit einhergehende Kommerzialisierung des Open Access lediglich zu einer Verschiebung der finanziellen Ungleichheiten weg vom Zugriff hin zum Publizieren selbst, sodass weiterhin immense Kosten für Universitäten und andere Forschungseinrichtungen entstehen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, so der Gedankengang der Akteure der KU Leuven, ist eine Orientierung an den akademischen Werten und eine Anstrengung für Open Publishing, also institutionelle Publikationsservices, notwendig. Daher errichtete die Universität 2018 einen speziellen Fonds, der ausschließlich für die Förderung von gemeinschaftlich organisierten und nicht-kommerziellen Initiativen bestimmt ist, die sich für die Prinzipien des Fair Open Access stark machen. Dieser KU Leuven Fund for Fair Open Access ist vollständig vom Erwerbungsetat der Universität getrennt. Finanziert wurde er anfänglich u. a. durch die Umwidmung von Open-Access-Publikationskosten, die sonst an kommerzielle Verlage gegangen wären. Durch die Trennung der beiden Fonds wird nicht nur die Unterstützung von nicht-kommerziellen und gemeinschaftlich organisierten Initiativen gesichert, sondern auch deren Sichtbarkeit erhöht.

Anfangs musste jedoch viel Überzeugungsarbeit gegenüber den Entscheidungsträger*innen der KU Leuven geleistet werden, um die Unterstützung für die Errichtung des Fair Open Access Fonds zu erhalten. Ausschlaggebend waren letztlich drei Argumente: Erstens sieht die KU Leuven die Notwendigkeit, etwas am aktuell dysfunktionalen Publikationssystem zu verändern. Zweitens handelt es sich - im Vergleich zum sonstigen Erwerbungsbudget - um verschwindend kleine Geldsummen, die für einen solchen experimentellen Ansatz benötigt werden. Drittens möchte die KU Leuven als positives Beispiel für faires Publizieren auftreten.

2018 flossen zunächst rund 86.000€ in den Fonds, die mit der Zeit auf ca. 160.000€ im Jahr 2023 angestiegen sind. Diese Summen waren konkret bestimmt für die finanzielle Unterstützung von fairen Open-Access-Initiativen und -Infrastrukturen. Anfangs floss ein Anteil der Mittel zudem in APCs für Zeitschriften, die nach den Kriterien für Fair Open Access arbeiten. Dieser Kostenpunkt wurde allerdings 2021 eingestellt, da sich Missverständnisse unter den Autor*innen über eine kollektive Finanzierung von APCs (auch von kommerziellen Zeitschriften) einschlichen und sich die Hintergrundrecherche bezüglich der Fairness potenzieller Zeitschriften als sehr aufwändig erwies.
Neue Wege an der TU Berlin: Ein Fonds für faires Publizieren

Die Problematiken des Gold-Open-Access-Modells mit seinen oft unverhältnismäßig hohen Publikationsgebühren gaben auch der Bibliothek der TU Berlin den Anstoß zur Errichtung eines eigenen Fair-Open-Access-Fonds, wie Michaela Voigt im Anschluss berichtete. Insbesondere der im Herbst 2023 abgeschlossene DEAL-Transformationsvertrag mit Elsevier löste kontroverse Diskussionen darüber aus, ob die konsortialen Publish-And-Read-Vereinbarungen mit den großen Wissenschaftsverlagen mit den Werten und strategischen Zielen des wissenschaftlichen Bibliothekswesens übereinstimmen. So entstanden Überlegungen und Pläne, die Förderung von nicht-kommerziellen Open-Access-Initiativen und Infrastrukturen weiter auszubauen und dafür gesonderte Mittel bereitzustellen. Zwar wurden schon seit 2018 vereinzelte als „fair“ eingestufte Akteure wie die Open Library of Humanities unterstützt, allerdings sollten diese Bemühungen nun durch die Errichtung eines eigenen Fonds strategisch und koordiniert gebündelt werden.

Somit wurde 2024 der Fair Open Access Fonds als dritte Finanzierungssäule des Bibliotheksetats für Open Access etabliert: neben dem Universitätsverlag der TU Berlin in Kombination mit dem eigenen Repositorium sowie den Mitteln für Gold-Open-Access und Publish &amp; Read-Vereinbarungen. Die Bereitstellung von finanziellen Mitteln erfolgt dabei über ein virtuelles Budget, das zu Teilen aus Erwerbungsmitteln und zu Teilen aus dem Budget für Administration gespeist wird. Im ersten Jahr, das vorrangig dem Aufbau von Workflows und anderen administrativen Prozessen gewidmet ist, stehen 25.000€ zur Verfügung. Diese Summe soll in den kommenden beiden Jahren auf mindestens 50.000€ ausgebaut werden. Die Auskopplung der Mittel für Fair Open Access in einen eigens dafür designierten Fonds soll dabei ähnlich wie an der KU Leuven nicht nur der erhöhten Sichtbarkeit von fairem Open Access dienen, sondern auch der Sicherung und Garantie der Finanzierung dieses Anliegens. Dazu trägt auch die Festschreibung in ein bereits verabschiedetes (aber Stand Februar 2025 noch nicht veröffentlichtes) Strategiepapier der Universitätsleitung bei, das Fair Open Access auch institutionell absichert und festigt.

Wenn es an die konkrete Investition der Mittel geht, bemüht sich die TU Berlin darum, auf bereits vorhandene Strukturen aufzubauen. Sodass primär diejenigen Publikationsorte gefördert werden sollen, in denen sich Mitglieder der Universität ohnehin schon engagieren, beispielsweise als Herausgebende oder Reviewer*innen. Wie in der KU Leuven orientiert sich die Förderentscheidung zudem an bestimmten Mindeststandards für Fairness sowie am fächerspezifischen Bedarf der Universität.

Michaela Voigt schloss ihren Vortrag mit den ermutigenden Worten „We could do it. And we should do it“, denen Demmy Verbeke zustimmend beipflichtete. Wie aus den Präsentationen deutlich geworden ist, werden an den beiden Institutionen große Anstrengungen unternommen, um das wissenschaftliche Publikationssystem nicht nur kostengünstiger, sondern auch fairer zu gestalten. Ihr Engagement und ihre Erfahrungen können als Vorbild und Muster für andere Bibliotheken dienen, die in Erwägung ziehen, ähnliche Schritte zu ergreifen.</description><enclosure
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<item><title>Open Access Staff Week an der UB Regensburg</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg#comments</comments><pubDate>Wed, 22 Jan 2025 11:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg</guid><description>Vom 26. bis 28. November fand die sechste Open Access Staff Week an der Universitätsbibliothek Regensburg statt. Sie war geprägt von spannenden Einblicken und kollegialem Austausch.

Die nördlichste Stadt Italiens - wie wir bei der Stadtführung lernen durften - hieß die Teilnehmenden der 6. Open Access Staff Week unter dickem Nebel willkommen. Kolleg*innen aus mehreren bayerischen Universitätsbibliotheken und denen weiterer Bundes- und Nachbarländer waren angereist, um vor Ort einen Einblick in die Arbeits- und Expertisenbereiche der Regensburger Bibliothekskolleg*innen zu gewinnen.

Die Open Access Staff Weeks, organisiert vom BMBF-geförderten Verbundprojekt open-access.network, geben Bibliotheksmitarbeitenden die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen anderer Einrichtungen zu werfen. Dabei haben die Teilnehmenden die Gelegenheit, sowohl Best Practices als auch aktuelle Herausforderungen in der Umsetzung von Open Access kennenzulernen.

An der UB Regensburg stand eine informative Reihe an Themen auf dem Programm: Vom Publikationsserver über den Publikationsservice der UB und dem Data Hub für Services rund um das Thema Forschungsdatenmanagement bis hin zu Projekten wie openCost und Infrastrukturangeboten wie der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) bezeugt das vielseitige  Programm die breit aufgestellte Expertise der Gastgeber*innen der UB Regensburg um Dr. Gernot Deinzer (Leiter der Abteilung IT- und Publikationsdienste und Open-Access-Beauftragter der UB Regensburg) und Cornelia Lang vom Sachgebiet Elektronisches Publizieren und Open Access. Sie wurden von weiteren Kolleg*innen mit Input und Best-Practice-Beispielen für einzelne inhaltliche Sessions unterstützt. Auch Referendar*innen und Praktikant*innen der UB Regensburg nahmen aktiv an der Veranstaltung teil, was die Perspektivenvielfalt weiter bereicherte.

Das Programm umfasste eine Vielzahl informativer und praxisorientierter Sessions. Einige zentrale Punkte:

    Repositorium und Kostenerfassung: Cornelia Lang stellte das umfassende Repositorium vor, das um viele zusätzliche Daten etwa zu Publikationskosten und Verlags- und Transformationsverträgen angereichert wurde und damit gleichzeitig der Kostenerfassung dient.
    Zentrale Rechnungsbearbeitung: Gernot Deinzer stellte vor, wie an der UB Regensburg Rechnungen zentral bearbeitet werden. Dies ist u.a. für die Erstellung des Informationsbudgets von Bedeutung und eine Antwort auf die Herausforderung von immer komplexeren Daten rund um Publikationskosten .
    Projekt openCost: Koordinatorin Bianca Schweighofer gab Einblicke in das Projekt, das sich in der finalen Phase der aktuellen Laufzeit befindet und eine standardisierte Infrastruktur für das Management von Publikationskosten bietet. Diskutiert wurde u.a., wie die damit mögliche Aufschlüsselung von bisweilen unklaren Preisstrukturen zur informierten Budgetplanung und Verhandlungsstärke befähigen kann.
    EZB: Silke Weisheit (Leitung EZB/DBIS) und Colin Sippl zeigten anschaulich an Beispielen, die an den Institutionen der Teilnehmer*innen orientiert waren, wie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) um zentrale Informationen zum Open-Access-Publizieren erweitert wurde. Damit möchte die EZB eine um Publizierende ausgeweitete Zielgruppe ansprechen, die dort beim jeweiligen Journal direkt Kosten- und Finanzierungsdetails einsehen können.
    UR Data Hub: Der UR Data Hub ist eine eigene zentrale Einrichtung an der Universität Regensburg. Sophie Stolzenberger und Constantin Lehenmeier (Forschungsdatenmanagement) gaben Einblick in ihre Serviceangebote. Besonders praxisnahe Erfahrungen konnten die Teilnehmenden mit eigens angelegten Testzugängen zu den angebotenen Tools sammeln.
    Publikationsservice der UR: Schließlich stellte Nadia Gianfrancesco die Angebote und Abläufe der hauseigenen Publikationsdienstleistungen vor, für die sie zuständig ist. Hier können Dissertationen im Open Access mit Print-on-Demand-Option veröffentlicht werden.

Als eines der wertvollsten Elemente der Veranstaltung, neben den Einsichten vor Ort, wurde von den Teilnehmenden der Austausch untereinander hervorgehoben. Die „Bring your own problem“-Sessions boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, aktiv eigene Themen einzubringen und zu diskutieren, beispielsweise die Frage nach zielgruppengerechter Kommunikation mit den Forschenden der eigenen Einrichtung oder rechtliche Rahmenbedingungen von Publikationsversionen im institutionellen Repositorium. Dabei konnten in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre Fragen wie „Wie macht ihr das?“ oder „Welche Workflows verwendet ihr?“ unkompliziert diskutiert werden. Dieser kollegiale Austausch trug erheblich zum Erfolg der Veranstaltung bei. Die Gastgebenden sorgten für ein unterhaltsames Rahmenprogramm: Eine Campus- und eine Stadtführung sowie ein gemeinsames Abendessen schufen Raum für persönliche Gespräche und ermöglichten so die weitere Vernetzung.

Fazit: Trotz des eher unitalienischen nasskalten Novemberwetters hinterließ die Veranstaltung viele bleibende positive Eindrücke. Ein herzlicher Dank geht an die Gastgeber*innen in Regensburg und die engagierten Teilnehmenden.

Die nächste Staff Week wird voraussichtlich im Juni an der UB Gießen stattfinden. Informationen dazu auf open-access.network.</description><enclosure
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<item><title>In Kooperation gemeinsam Ziele erreichen</title><link>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen</link><comments>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Nov 2024 10:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen</guid><description>Unter dem Titel „Gemeinsam geht es besser – Kooperationen auf dem Weg zum Informationsbudget“ kamen am 24. September 2024 rund 90 Teilnehmende zusammen. Es war der vierte Online-Workshop der Reihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ – ein gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network.

Bei aller Diversität der Rahmenbedingungen und Ansprüche in den Wissenschaftseinrichtungen, stellen sich bezüglich des Informationsbudgets  doch immer wieder ähnliche Fragen. In diesem Workshop wurden verschiedene Formen und Aspekte der Zusammenarbeit vorgestellt.

Die beiden Berichte aus dem „Kooperationsverbund Thüringer Hochschulbibliotheken“ von Lea Satzinger und Henrieke Walter zeigten beeindruckend deutlich, dass auch sehr verschiedene Häuser Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Arbeit finden können. So arbeiten in dem thüringischen Verbund insgesamt fünf AGs zu den Themen Erwerbung und Bestandsmanagement, Open Access, Informationskompetenz, Benutzung sowie IT-Infrastruktur. Außerdem werden gemeinsame Workshops zum Informationsbudget veranstaltet und der Verbund stellt hochschulübergreifende Services bereit: das Repositorium „Digitale Bibliothek Thüringen“ und ein gemeinsames Open Access Monitoring. Die besonderen Bedingungen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind Thema einer aktuellen Befragung durch das Projekt „Open Access an HAWs“.

Auch hausintern können mit Kooperationen erfolgreiche Wege beschritten werden. Peter Blume von der TU Ilmenau berichtete über die enge Zusammenarbeit zwischen Präsidium, Fakultäten und Bibliothek, die gemeinsam eine eigenständige und nachhaltige Finanzierungsstrategie für Open Access aufbauen. Grundlage ist die Einordnung von Publikationskosten als Teil der Forschungskosten, an denen sich die Fakultäten beteiligen. So entstand ein gemeinsamer zweckgebundener Finanzfonds von Bibliothek und Fakultäten. Aus der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena wurden von Lea Satzinger verschiedene Tools zum Monitoring und Reporting vorgestellt.

Schwerpunkt des Vortrags über den Zusammenschluss „Digitale Hochschule NRW“ (DH-NRW) war das gemeinsame Kostenmonitoring für die beteiligten 42 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Jan-Philip Tummes und Nina Schönfelder stellten den Aufbau der Kostenreports vor und zeigten beispielhaft, wie sich die Kosten für Open-Access-Publikationen an einzelnen Hochschulen verteilen. Eine derart detaillierte Übersicht für alle Hochschulen zu erstellen, ist nur durch die landesweite Kooperation möglich.

Im letzten Beitrag sprachen Margit Schön und Irene Barbers über Motivation, Arbeitsweise und konkrete Ergebnisse der „Fokusgruppe Informationsbudget“. Auslöser waren Anfang 2022 die „Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrates an die  wissenschaftlichen Einrichtungen, „ihr Informationsbudget in allen seinen Komponenten zu erfassen und mögliche Einsparungen auf der Erwerbsseite sowie mögliche Einnahmequellen gegen steigende Ausgaben für Publikationsdienstleistungen zu bilanzieren.“ (Wissenschaftsrat 2022)1 Eine echte Mammutaufgabe, die nur in Kooperation zu bewältigen ist. Deshalb gründete sich auf den Open-Access-Tagen 2022 in Bern die „Fokusgruppe Informationsbudget“. Ihr Hauptziel ist es, gemeinschaftlich und im Austausch zu arbeiten: „Bedarfe und Voraussetzungen identifizieren, notwendige Handlungsfelder definieren und dann mögliche Maßnahmen formulieren und diskutieren.“ (s. Blogbeitrag von Margit Schön und Heike Stadler). Eines von mehreren hilfreichen Ergebnissen der Fokusgruppe ist ein Power-Point-Foliensatz mit Argumentationshilfen, den wissenschaftliche Einrichtungen für ihre internen Gespräche nutzen und anpassen können.

In der abschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Erfassung von Publikationsmitteln aus Drittmittelprojekten und Strategien zum Umgang mit noch nicht erfassten Zahlungen. Die Präsentationsfolien der Workshop-Beiträge wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.

1 Quelle: Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access (2022, S. 10). Wissenschaftsrat. https://doi.org/10.57674/FYRC-VB61</description><enclosure
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<item><title>Open-Access-Tage 2024 an der TH Köln: Von dunklen Wolken, vermisstem Kaffee und ganz viel guter Laune</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune#comments</comments><pubDate>Thu, 14 Nov 2024 09:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Ursula Arning </dc:creator><dc:creator>Sarah Dudek </dc:creator><dc:creator>Agathe Gebert</dc:creator><dc:creator>Katja Halassy </dc:creator><dc:creator>Jasmin Schmitz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune</guid><description>Die Open-Access-Community war vom 10. – 12. September 2024 zu Gast in Köln, bei nicht ganz so schönem Wetter wie erhofft, aber die Regenschauer hielten sich in Grenzen, so dass niemand nass wurde … soweit bekannt.

Das Wetter sowie die gute Laune der Teilnehmer*innen an den Open-Access-Tagen (OAT) ist allerdings etwas, was man gar nicht (1. Fall) oder manchmal nur kaum (2. Fall) beeinflussen kann, sind wir doch weder in der Lage, die meteorologischen Einflüsse über Köln zu bestimmen, noch die individuellen Wünsche Einzelner zu erahnen.

Anders sieht es mit dem Tagungsprogramm, dem Tagungsort sowie dem Catering aus, so dass wir als Organisator*innen schon anderthalb Jahre vorher die Ärmel hochgekrempelt haben. Zunächst war da die Frage: Wer macht mit? Die war zum Glück schnell beantwortet. Zu den früheren Kooperationspartnern (die OAT fanden vor genau 10 Jahren schon einmal in Köln statt), dem Institut für Informationswissenschaft der TH Köln, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften sowie Gesis – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, gesellten sich die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) und die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen ebenfalls dazu. Unterstützt wurden wir als regionaler Partner von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Der Bewerbungsprozess

Als nächstes mussten wir uns bewerben, ein Prozess, den wir sehr ernst nahmen! Gewissenhaft haben wir die “Informationen für interessierte Ausrichter“ gelesen und zusammengestellt sowie ein kleines Filmchen über unsere Stadt und ihre Möglichkeiten gedreht. Die geforderte Raumkapazität für 300 Teilnehmende konnten wir mit dem Zubuchen der Aula an der TH Köln erreichen, also mussten frühzeitig die Daten der OAT 2024 in Köln festgelegt, als auch möglichst schnell die zum Veranstaltungszeitpunkt sehr begehrten Räume reserviert werden. Dass die 300 Teilnehmenden wohl zu knapp bemessen waren, zeigte sich bereits in Berlin, mit 450 Teilnehmenden bei den Open-Access-Tagen 2023. Da konnten wir aber schon nicht mehr nachjustieren, da die Universität zu Köln aufgrund von geplanten Baumaßnahmen keine größeren Räumlichkeiten verbindlich zur Verfügung stellen konnte und andere Räume an der TH Köln schon gebucht waren. Dennoch waren wir zunächst noch frohen Mutes… Berlin ist Berlin, aber würden sich auch alle nach Köln aufmachen wollen? Dass die Veranstaltung dann nach nur ein paar Tagen, quasi über das Wochenende, ausgebucht war, hat wohl alle überrascht und zeigt nur, wie hoch angesehen die Open-Access-Tage sind! Da galt es für uns nun dringend zu handeln und nach Streaming-Lösungen zu suchen.

Im Nachhinein sind viele mit dem aus der Not geborenen zusätzlichen Angebot überaus zufrieden, da die Vorträge aus zwei Veranstaltungsräumen im Live-Stream sowohl während der Tagung aus der Ferne miterlebt werden konnten, als auch jetzt im Nachgang über den YouTube Kanal von ZB MED sowie im AV Portal der TIB angesehen werden können.

Dann war da die Frage nach den Hotels. Noch während der Bewerbung wurde von den Heinzelmännchen unter uns abgefragt, ob es zu dem anvisierten Zeitraum eine Messe in Köln gab, die es unmöglich machen würde, dass alle Teilnehmenden ein Hotelzimmer zur Verfügung hätten. Die gleichzeitig stattfindende Personalermesse, von der wir erst erfuhren, als unsere Bewerbung bereits abgeschickt war und wir die Zusage zur Ausrichtung erhalten hatten, schien zunächst ein Problem, aber wir konnten durch die Reservierung von über 100 Hotelzimmern zumindest sicherstellen, dass ein großer Teil der Kolleg*innen eine Herberge finden konnte. Letztlich haben aber wohl nur Wenige von diesem Kontingent Gebrauch gemacht und sind auch so fündig geworden.
Das gewisse Etwas

Was aber tun, wenn es Anfang September heiß ist und alle lieber draußen sind, als in vollen Räumen den Sessions zu folgen? Das Lernzentrum der TH hatte mit der TransferBar die Lösung an der Hand: Ein ausklappbarer Anhänger, der im Außenbereich das Streaming aus den Sälen ermöglichte und bei schönem Wetter dazu einladen konnte, auch die Vernetzung untereinander nach draußen zu verlagern. So konnte gleichzeitig auch das Laufpublikum angesprochen und das Interesse bei den Kolleg*innen und Studierenden der TH Köln für Open Access gefördert werden. Als weiteres Angebot bot sich die Möglichkeit, dass Studierende im Rahmen eines Seminars im Vorfeld ihr Wissen zu Open Access durch die Gestaltung eines Spieles selber austesten und festigen konnten. Die „Open Access Challenge“ bot auch für diejenigen, die sich noch nicht so gut kannten, die Möglichkeit bei einem Kölschen Wasser (nein, nicht das Parfum, sondern eine Limo), spielerisch in den Pausen neue Kontakte zu knüpfen.

Dies war auch beim ersten Mittagessen durch die Reservierung von Tischen in der Mensa für die Newbies möglich, was dankbar angenommen wurde. Manch eine Person fragte nach, ob sie sich dazusetzen dürfe, auch wenn sie schon zwei oder drei Mal bei den OAT gewesen sei – das war natürlich möglich!

Auch die beiden Abendveranstaltungen, das Social Event an der Uni Köln und das traditionelle Dinner im Restaurant „Wagenhalle“ boten viel Raum für Austausch und zum Netzwerken. Für diejenigen, die sich kurzfristig gegen eine Teilnahme an den Events entschlossen hatten, gab es eine Tauschbörse, so dass umgekehrt niemand trotz des begrenzten Angebots enttäuscht und alleine im Hotel bleiben musste.
An Alle und Alles denken - Wohlfühlmomente

Die Tauschbörse erwies sich auch für die Workshops als unverzichtbar, die trotz der sehr reichen Auswahl auch diesmal nur allzu bald ausgebucht waren. Werbung mussten wir für die Open-Access-Tage definitiv nicht mehr machen. Aber alle Zuhause-Gebliebenen sollten auch neben dem Streaming bestmöglich über das Geschehen während der OAT 24 informiert werden. So waren alle wichtigen Informationen jeweils auf der Webseite zu finden und während der Konferenz wurde fleißig über Mastodon getrötet.

Das A und O einer Konferenz ist natürlich das Catering  - wenn hier alles stimmt, sind alle schon mal von Natur aus froh gestimmt. Das war uns bewusst. Bei der Frage, ob Fleisch oder nicht, ließen wir aus pragmatischen Gründen erst gar keine Grabenkämpfe zwischen uns aufkommen. Da wir verhindern wollten, dass die Fleischessenden unter uns den Vegetarier*innen die leckeren Happen wegessen, haben wir uns gleich unisono bei den Social Events für die Varianten „vegan“ und „vegetarisch“ entschieden. Ansonsten waren wir aus Brandschutzgründen an die Mensa und die von ihr angebotenen Kaffeetheken gebunden. Auch wenn Mensa-Essen oft verrufen ist: Unsere hat schon oft die Präsidiumsfeiern ausgerichtet, da waren wir schon mal auf der sicheren Seite. Warum der für alle so notwendige Kaffee aber vor der letzten Keynote abgeräumt wurde, obwohl dies definitiv anders abgemacht und zugesagt worden war, wird auch für uns ein nicht mehr zu lösendes Rätsel bleiben.
Fazit - Wo treffen wir uns 2026?

So lässt sich die oft wiederkehrende Frage, die wir während der Tagung hörten: „Läuft wirklich alles so perfekt, oder gibt es im Hintergrund Störungen?“, dann doch noch mit „Ja, es gab Störungen“ beantworten. Aber bis auf diesen Fauxpas des Caterings bleibt unser Fazit: Bei dieser Tagung hat sich gezeigt, dass alle Orga-Partner*innen super zusammengearbeitet haben. Allen war es gleichsam wichtig, dass alles funktioniert und sich alle bei uns in Kölle wohlfühlen. Ja, es ist viel Arbeit so eine Tagung zu organisieren, aber es macht auch einfach sehr viel Spaß und Freude am Ende in so viele gut gelaunte und dankbare Gesichter zu blicken! Wo treffen wir uns 2026? Vielleicht bei Ihnen?</description><enclosure
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<item><title>Gamification in der Open-Access-Beratung: Ein open-access.network Workshop auf den Open-Access-Tagen 2024</title><link>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung</link><comments>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung#comments</comments><pubDate>Tue, 29 Oct 2024 09:00:00 +0100</pubDate><category>Beratung</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Jesko Rücknagel</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 23.10.24 auf dem TIB Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 international erschienen.

Im Rahmen der Open-Access-Tage 2024 in Köln hatten wir am 12. September die Gelegenheit, einen spannenden Workshop zum Thema „Gamification in der Open-Access-Beratung“ anzubieten. Mit 25 engagierten Teilnehmenden erkundeten wir, wie spielerische Elemente in die Beratung integriert werden können, um das Lernen und die Interaktion zu fördern.
Einblick in Gamification

Der Workshop begann mit einem informativen Inputvortrag, der Grundlagenkenntnisse rund um Gamification, deren Potenzial und Grenzen vermittelte. Gamification ist mittlerweile im Alltag vieler Menschen fest etabliert: Wir sammeln Punkte im Supermarkt, tracken unsere Kilometerzahl mit der Smartwatch oder bekommen virtuelle Auszeichnungen für unseren Lernfortschritt. Die Überführung von Spielelementen und -designs in spielferne Kontexte macht sich das Spielen als uralte Kulturtechnik zunutze, um komplexe Sachverhalte verständlich und spielerisch zu vermitteln, zu motivieren, Verhaltensänderungen herbeizuführen und den Spaß am Lernen zu fördern. Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigten wir, wie spielerische Ansätze nicht nur die Motivation steigern, sondern auch das Verständnis komplexer Themen wie Open Access erleichtern können. Unsere Präsentation ist auf Zenodo verfügbar: https://zenodo.org/records/13950584
Spielerisches Lernen

Nach der theoretischen Einführung folgte eine Spielesession, in der die Teilnehmenden bereits entwickelte Spiele testen konnten. Diese Spiele waren speziell darauf ausgelegt, Aspekte des Open Access und der damit verbundenen Herausforderungen spielerisch zu vermitteln. Die Teilnehmenden fanden sich zu Kleingruppen zusammen, spielten gemeinsam und tauschten sich zu ihren Spielerfahrungen aus.

Folgende Spiele konnten „angespielt“ werden:

    Puzzle von open-access.network
    Kreuzworträtsel von open-access.network
    Brettspiel Open-Access-Challenge, entwickelt von Studierenden der ZB MED, aktuell als Online-Quiz im Rahmen der Open Access Week verfügbar
    Open Science Cafe
    Zwei Rätsel von der Universität der Künste

Nach dieser interaktiven Session hieß es Gamestorming: Wir spielten das Train-The-Trainer Card Game von Gwen Franck. Die Teilnehmenden zogen Karten, auf denen Eckdaten für ein fiktives Training zu finden sind (zum Beispiel Zielgruppe, Wissensstand, Gruppengröße etc.). Anhand des gezogenen Formats entwickelten sie dann kreative Gamification-Ideen, die nicht nur den Austausch untereinander förderten, sondern auch dazu anregten, spielerische und interaktive Ansätze für zukünftige Trainings- und Beratungssituationen zu entwickeln.
Spiele ausprobieren und nachnutzen

Weitere Open-Access- bzw. Open-Science-Spiele, die wir in unserem Workshop erwähnt haben, sind:

    The Publishing Trap
    Coopac
    Open Access Escape Room
    Open Science Rallye
    Research Data Scary Tales

Fazit und Ausblick

Unser Workshop zum Thema „Gamification in der Open-Access-Beratung“ war geprägt von lebhaftem Austausch und kreativen Ideen. Von komplexen Planspielen bis hin zu interaktiven Quizformaten – die Teilnehmenden entwickelten eine Vielzahl an spannenden Ansätzen, um das oft komplexe Thema Open Access spielerisch zu vermitteln.

Die Resonanz der Teilnehmenden war durchweg positiv. Viele äußerten den Wunsch, solche gamifizierten Formate auch in zukünftigen Schulungen oder Beratungen einzusetzen, um die Vermittlung von Open Access Inhalten zugänglicher und ansprechender zu gestalten. Es besteht deshalb Bedarf an weiterem Wissensaustausch und gamifizierten Ressourcen, die die Bandbreite an OA-relevanten Themen und Beratungsszenarien abdecken. Ein weiteres Thema, war der Wunsch nach einem zentralen Ort, an dem Spiele mit Open-Access-Bezug zu finden sind.</description><enclosure
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<item><title>«When Green Open Access Meets Diamond Open Access»</title><link>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</link><comments>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing#comments</comments><pubDate>Tue, 08 Oct 2024 11:13:26 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access international</category><dc:creator>Daniela Hahn</dc:creator><dc:creator>Enrique Corredera Nilsson</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</guid><description>Opportunities and Synergies for Non-Commercial Open Access Publishing (Webinar)

Im Juni 2024 organisierten die durch swissuniversities co-finanzierten Projekte «GOAL – Unlocking the Green Open Access Potential» und «PLATO – Platinum Open Access Funding» gemeinsam das Webinar «When Green Open Access Meets Diamond Open Access». Ziel war es, mögliche Synergien zu erkunden, die entstehen, wenn Green Open Access und Diamond Open Access als komplementäre statt konkurrierende Modelle betrachtet werden. In diesem Blogpost fassen wir die Diskussionen des Webinars zusammen und stellen erste Überlegungen vor, wie diese die weitere Debatte über nachhaltiges und erschwingliches Open-Access-Publizieren in der Schweiz befördern können.
Das Streben nach Nachhaltigkeit I: Green- und Diamond Open-Access-Kulturen

In den letzten Jahren ist die Suche nach fairen, nachhaltigen und günstigen Formen des wissenschaftlichen Open-Access-Publizierens ins Zentrum des Interesses gerückt. Unterstrichen wird dies durch die «Schlussfolgerungen des Rates zu Wegen des hochwertigen, transparenten, offenen, vertrauenswürdigen und fairen wissenschaftlichen Publizierens», die vom Rat der Europäischen Union im Mai 2023 veröffentlicht wurden. Sowohl die Selbstarchivierung von Publikationen in institutionellen Repositorien (Green Open Access) als auch wissenschaftsgeleitetes Open-Access-Publizieren ohne Gebühren für Autor*innen und Leser*innen (Diamond Open Access) können zu einer Transformation in diese Richtung beitragen. Die Frage, wie diese beiden Open-Access-Modelle konkret Synergien in Bezug auf Bibliodiversität, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Kosteneffizienz schaffen können, stand bisher jedoch noch nicht im Mittelpunkt der Diskussion.

Ziel des Webinars, das von swissuniversities ausgerichtet und von Thomas Leibundgut (Co-Koordinator Open Science, swissuniversities) moderiert wurde, war es, solche Synergien aufzuzeigen. Green und Diamond Open Access können sich – so die Ausgangsthese – auf der Suche nach einem nachhaltigen und kosteneffizienten Open Access ergänzen. Die Veranstaltung wurde von rund 90 Teilnehmer*innen besucht (die meisten davon Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken) und fiel zeitlich mit der Veröffentlichung der revidierten Schweizerischen Nationalen Open-Access-Strategie zusammen, welche Nachhaltigkeit und Bibliodiversität ins Zentrum stellt. Das Webinar traf auch deshalb auf ein reges Interesse der Community.

Der erste Teil des Webinars fokussierte auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Assoziationen, die mit dem grünen und diamantenen Open-Access-Modell verbunden sind. Damit sollten diejenigen Bereiche identifiziert werden, in denen sich Synergien aus der Kombination ihrer Stärken ergeben können. Um eine Verknüpfung der Erfahrungen beider Projekte mit den Interessen und Ansichten der Teilnehmenden zu erleichtern, verwendeten wir Mentimeter-Fragen zur Erhebung der verschiedenen Wahrnehmungen von Green und Diamond Open Access. Beide Modelle wurden als Dienstleistungen betrachtet, welche von Institutionen angeboten und/oder unterstützt werden. Diese Gemeinsamkeit überschattetet jedoch nicht die Unterschiede: Für die Teilnehmenden wurde Green Open Access vor allem mit Fragen zu Embargo-Fristen, Zugänglichkeit, Autor*innen- und Nachnutzungsrechten verbunden, während die Stichworte «frei», «unterfinanziert», «wissenschaftsgeleitet» und «unabhängig» mit Diamond Open Access assoziiert wurden.

Breitere Zugänglichkeit

Beide Modelle sind auf wissenschaftliche Institutionen und akademische Einrichtungen angewiesen, da sie im Kern als Services für die wissenschaftlichen Communities angelegt sind. Als bedeutsamer erweist sich jedoch die andere Parallele: die Notwendigkeit der Beteiligung von Forschenden. In beiden Modellen bilden sie die Eckpfeiler des Publikationssystems, und jeder Versuch, Green und Diamond Open Access über den aktuellen Stand hinaus wirklich erfolgreich zu machen, muss insbesondere auf die Forschenden ausgerichtet sein: hinsichtlich der Wahrnehmung ihres Zweitveröffentlichungsrecht oder ihres Engagements in und für wissenschaftsgeleitete Zeitschriften.

Zudem teilen beide Modelle die Anliegen der Zugänglichkeit, der Wahrung von Autor*innen- und Nachnutzungsrechten sowie der Beseitigung finanzieller Hürden im Open-Access-Publizieren. Durch eine parallele, institutionelle Förderung und strategische infrastrukturelle Vernetzung von Green und Diamond Open Access, können Autor*innen somit die Open-Access-Vorgaben von Forschungsförderern erfüllen und zugleich Publikationsgebühren vermeiden.

Darüber hinaus können gemeinsame Bemühungen der Befürworter*innen von Green und Diamond Open Access Vorstöße stärken, die einen fairen und erschwinglichen Zugang zu Forschungsergebnissen unterstützen. In Bezug auf Zugänglichkeit offerieren Green und Diamond Open Access mehrere Zugangspunkte für Forschende, Fachleute und die Öffentlichkeit, wodurch die Verbreitung und Reichweite wissenschaftlicher Publikationen insgesamt erhöht wird. Diamond-Open-Access-Zeitschriften können institutionelle Repositorien zudem in mehrfacher Hinsicht nutzen: für Zwecke der Langzeitarchivierung, aber auch zur Maximierung der Sichtbarkeit und Verbreitung der veröffentlichten Forschungsergebnisse. Die Verknüpfung von Forschungsergebnissen – sowohl Pre-Print als auch Post-Print – und ihre Verfügbarmachung in einem interoperablen Netzwerk von Infrastrukturen und Diensten (z. B. Open Peer Review, Overlay-Zeitschriften) können folglich die Open-Access-Transformation insgesamt beschleunigen, indem sie Zugangsbarrieren abbauen und die Vernetzung von Forschung über verschiedene Disziplinen hinweg ermöglichen.
Das Streben nach Nachhaltigkeit II: Infrastrukturen

Im zweiten Teil des Webinars wurden die Teilnehmenden dazu befragt, welche Infrastrukturen für eine gemeinsame Förderung von Green Open Access und Diamond Open Access nötig seien. Wie sich diese Modelle aus infrastruktureller Perspektive gegenseitig ergänzen können, ist dabei eine Frage, die besonders für Hochschulen und andere forschungsintensive Einrichtungen relevant ist. Denn diese Einrichtungen betreiben institutionelle Repositorien und/oder unterstützen Diamond-Open-Access-Zeitschriften, indem sie Wissenschaftler*innen beschäftigen, die Zeitschriften herausgeben, und Hosting-Lösungen und/oder Zuschüsse für Zeitschriften bereitstellen. Wissenschaftliche Bibliotheken bieten bereits Publikationsinfrastrukturen, Veröffentlichungsmöglichkeiten und Langzeitarchivierungsdienste an, die ausgebaut und vernetzt werden sollten, um die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen durch die Integration von Green- und Diamond Open-Access-Kapazitäten zu maximieren.

Die Antworten zeigten, dass eine Mehrheit für nationale Infrastrukturen plädiert, sowohl in Form einer nationalen Diamond-Open-Access-Plattform für Zeitschriften und Bücher als auch in Form eines nationalen Repositoriums. Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass nationale Infrastrukturen als Möglichkeit gesehen werden, die Sichtbarkeit und die Kosteneffizienz zu erhöhen, insbesondere für kleinere Einrichtungen. Synergien zwischen Green Open Access und Diamond Open Access zu schaffen, kann auch dazu beitragen, den Einfluss kommerzieller Verlage zu reduzieren – ein Ziel, über das bei den meisten Teilnehmenden Einigkeit bestand.

Zusammenarbeit und geteilte/gemeinschaftliche Ressourcen

Im Rahmen der Diskussion zu Infrastrukturen verlagerte sich der Fokus im zweiten Teil des Webinars von den Forschenden hin zu den Bibliotheken und ihren Ressourcen. Im Interesse der Teilnehmenden an gemeinschaftlichen Lösungsansätzen ließ sich zugleich die geteilte Einsicht in die Notwendigkeit einer Skalierbarkeit erkennen. Viele Komponenten einer robusten Infrastruktur sind bereits etabliert, dank der Entwicklung von Repositorien in zahlreichen Institutionen, die jeweils auf deren spezifische Bedürfnisse und Kapazitäten zugeschnitten sind. Dies umfasst nicht nur technische Aspekte wie Server und Software, sondern auch die Ebene der Praktiken und immaterielle Aspekte wie bspw. Fachwissen und Erfahrungen, welche in der Verwaltung und Entwicklung dieser Repositorien sowie in Projekten zu Diamond Open Access gesammelt werden konnten. Überlegungen, wie Elemente, die bereits teilweise oder vollständig verfügbar sind, auf koordinierte Weise integriert werden können und aus der Verbindung vereinzelter Bemühungen ein «Mehr» geschaffen werden kann, bilden einen entscheidenden ersten Schritt, um nicht-kommerzielles Open-Access-Publizieren weiter zu fördern.
Perspektiven für die (nahe) Zukunft

Wie hier skizziert, bot das einstündige Webinar in zweierlei Hinsicht Anlass zum Nachdenken: Zum einen hob es das Potenzial hervor, Green und Diamond Open Access als komplementäre Modelle zu betrachten, mit der Möglichkeit, Synergien zu schaffen. Zum anderen identifizierte es, wenn auch nur vorläufig, Bereiche und Elemente, die diese Synergien begünstigen können. Zusammengefasst bietet dieser Bereich trotz mehr als zwei Jahrzehnten der Open-Access-Entwicklung noch immer das Potenzial für bedeutende Transformationen – wenn wir nur bereit sind, sie als möglich und realisierbar zu betrachten.</description><enclosure
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<item><title>Neuer bundesweiter Open-Access-Preis „Enter-Award 2024“ erstmals bei einer Veranstaltung in Berlin verliehen</title><link>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen</link><comments>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen#comments</comments><pubDate>Mon, 30 Sep 2024 10:56:05 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Dr. Anne Lammers</dc:creator><dc:creator>Henry Steinhau</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen</guid><description>Anfang Juli erhielten fünf Projekte den „Enter-Award“ bei einer feierlichen Verleihung im Berliner Holzmarkt für ihre Leistungen im Bereich Open Access. Hier wollen wir die Preisträger*innen noch einmal vorstellen und von den Highlights der Veranstaltung berichten.

Der Enter-Award – gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – würdigt herausragende Vorhaben im Bereich Open Access und wurde in diesem Jahr erstmals durchgeführt und vergeben. Die Preise gingen in fünf Kategorien an folgende Projekte:

Infrastruktur: „DeepGreen“

    DeepGreen ist ein automatisierter Lieferdienst für Zeitschriftenartikel, der Verlagsinhalte basierend auf Affiliationen und Lizenzinformationen an institutionelle und fachliche Repositorien verteilt, einschließlich Open Access-Publikationen, die auf grünem, goldenem und hybridem Weg veröffentlicht werden.

Kooperation: „Open Library Badge“

    Open Library Badge bietet Zertifikate für Bibliotheken, die sich für Offenheit in Wissenschaft und Gesellschaft einsetzen, und damit ein Anreizsystem für Bibliotheken. Zu den Zertifikaten gehört ein regelmäßig aktualisierter Kriterienkatalog, der Open-Access-Aktivitäten betont.

Kompetenzvermittlung: „LMU Open Science Center“

    Das LMU Open Science Center ist eine universitätsweite, von Forschenden geleitete Initiative an der LMU München, die Peer-to-Peer-Schulungen zu Open-Science-Praktiken anbietet und Communitys zur Etablierung offener Forschungsnormen unterstützt, während sie mit Stakeholdern zusammenarbeitet, um politische Reformen voranzutreiben.

Pionierleistung: „Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS)“

    Das Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS) wurde 1999 von Katja Mruck als internationales Open-Access-Journal für qualitative Forschung initiiert. Bisher erschienen 25 Bände und zirka 2.300 Peer-Review-Beiträge auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

Nachwuchshoffnung: „JuWissBlog“

    Der JuWissBlog startete 2013 als Diskursplattform der Nachwuchswissenschaft im Öffentlichen Recht und veröffentlicht jährlich 70 bis 140 Blogbeiträge im Double-Blind-Peer-Review-Verfahren. Die Redaktion besteht aus Nachwuchswissenschaftler*innen des deutschsprachigen Raums, sie organisiert auch jährliche Tagungen und Blog-Workshops.

Die Preisverleihung des Enter-Awards am 03.07.2024 im Salöön / Holzmarkt, CC-BY-SA 4.0, Foto: Daniel Buss.

Ziel und Mission des bundesweit ausgerichteten Preises sei es, jene zu ehren, die Forschung frei zugänglich machen und somit zur Demokratisierung von Wissen beitragen, erklärte Moderatorin Yolanda Rother zu Beginn der Veranstaltung. Für Alexander Heußner, stellvertretender Referatsleiter im BMBF, werbe der Enter-Award für Offenheit und Freiheit in der Wissenschaft. In seiner Grußrede wies er auf die Vielfalt und das breite Spektrum an Open-Access-Projekten hin, die von der Jury in die engere Auswahl der Nominierten (Shortlist) aufgenommen wurden.

Zur siebenköpfigen Jury gehörten Prof. Dr. jur. Ellen Euler, Lambert Heller, Dr. Christina Riesenweber, Dr. Anne-Sophie Waag, Dr. Karin Werner, Prof. Dr. Leonhard Dobusch und Dr. Anja Oberländer. Fünf von ihnen waren bei der Preisverleihung dabei. Sie sprachen sich bei der Veranstaltung dafür aus, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Open Access zu vergrößern. Dafür sei die Wissenschaft weiter zu öffnen, sodass sich immer mehr Menschen beteiligten. Zudem gelte es, sich auch mit jenen auseinanderzusetzen, die Open Access kritisieren.

Zum Programm der stimmungsvollen Preisverleihung in der Berliner Veranstaltungs-Location Holzmarkt gehörte ein Bühnengespräch der Moderatorin Yolanda Rother mit Professor Heinz Pampel, der am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Informationsmanagement lehrt und forscht. Seiner Auffassung nach würden zwar Fortschritte zu noch mehr Open-Access-Publikationen erzielt, eine Umstellung von Closed zu Open habe vielerorts aber noch nicht stattgefunden, etwa bei zahlreichen Zeitschriften der großen Verlagskonzerne. Pampel erwähnte vielversprechende Open-Access-Entwicklungen im Ausland, wie die neue Open-Access-Strategie der Schweiz, die erheblichen Investitionen Japans in Open-Access-förderliche Infrastrukturen und die Verpflichtung aller Bundesbehörden in den USA, steuerfinanzierte Publikationen als Open Access zu veröffentlichen.

Weitere Fotos von den Preisträger*innen und der Veranstaltung gibt es im Pressebereich der Projektwebseite. Das Team vom Enter-Award fasst derzeit alle Learnings aus dieser ersten Preisverleihung zusammen und arbeitet an einer Verstetigung des Wettbewerbs. Über aktuelle Entwicklungen wird auf der Webseite des Enter-Awards sowie im Newsletter informiert.
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<item><title>Diamond Open Access und Zweitveröffentlichungen im Fokus beim oa.barcamp 2024 an der SUB Göttingen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen#comments</comments><pubDate>Mon, 19 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zweitveröffentlichung</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</guid><description>Am 14. und 15. Mai trafen sich mehr als siebzig Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zur vierten Auflage des oa.barcamps an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen), um sich über den Status Quo, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft von Open Access (OA)  auszutauschen. Organisatorinnen waren die Universität Konstanz und die SUB im Rahmen des BMBF-geförderten Projekt open-access.network.
Innovatives Format mit aktiver Mitgestaltung durch die Teilnehmenden

Ein Barcamp ist verglichen mit gewöhnlichen Konferenzen ein offenes Veranstaltungsformat: Im Gegensatz zu einem im Vorfeld fixierten Programm mit festgelegten Vorträgen, Workshops und Sprecher*innen bestimmen die Teilnehmenden erst vor Ort, worüber sie wann in welchem Rahmen sprechen möchten.

&quot;I enjoyed being a part of the Barcamp a lot because of its open and flexible format. Every participant had a say in deciding the topics of discussion, and instead of fixed sessions and lecture-type presentations, the floor was open to different group sizes as well as discussion methods. Whether the participant was new to the topic or experienced, everyone had the opportunity to learn and discuss thanks to the format. I think the Barcamp created a very open platform for healthy interactions. It was a learning experience, not only on the theme at hand, but also on how to make group interactions more engaging and productive.&quot;  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

Die Zentralbibliothek bot dafür optimale Bedingungen: Im Digital Creative Space (DCS), das mit seiner Atmosphäre dem offenen und eher lockeren Konferenzcharakter zu Gute kam, bekamen die Angereisten zu Beginn der Veranstaltung die Gelegenheit, vor den anderen Gästen ihre zahlreichen Ideen und Themenvorschläge für Sessions – sei es als Workshop, Diskussionsrunde, Vortrag – vorzustellen, welchevon Fördermöglichkeiten von Fair Open Access über Herausforderungen von Zweitveröffentlichungsservices und Monitoring von Open-Access-Publikationen bis hin zur Vernetzung von Open-Access-Projekten reichten.

Im Anschluss an dieses sogenannte Session Pitching, waren alle Teilnehmer*innen aufgefordert, ihre bevorzugten Themen zu wählen, aus denen die Organisator*innen das Programm festzurrten, während die Teilnehmenden an einem Speed Dating zum Kennenlernen auf dem sonnenbeschienenen Campus teilnehmen konnten.
Diskussionen und Austausch über aktuelle Themen

Nach der Mittagspause standgleich eine erste Session zur Finanzierung von diamantenem Open Access an. Ausgehend von einer kurzen Vorstellung des am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelten Projektes Diamond Thinking durch Projektmanagerin Mamta Dwivedi tauschten sich rund fünfzig Teilnehmende über Möglichkeiten aus, Open-Access-Publikationen jenseits einer Finanzierung durch APC und BPC zu finanzieren. Dabei wurde die Notwendigkeit alternativer und fairer Finanzierungsmodelle betont, schon allein wegen der hohen und tendenziell weiter steigenden Kosten im Zusammenhang mit APC-finanzierten Medien und den DEAL-Verträgen. Zwar ermöglichen Projektförderungen es immer wieder, neue Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu gründen oder von Closed auf Open Access umzustellen, jedoch fehlt es an einer nachhaltigen Finanzierung nach Ablauf der jeweiligen Projektlaufzeit. Eine Lösungsmöglichkeit bieten hier alternative Finanzierungsmodelle. Beispiele wie die Open Library of Humanities und das KOALA-Projekt zeigten, dass Crowdfunding-Modelle funktionieren können, aber auch hier gibt es keine Garantie für Folgefinanzierungen. Haushaltsrechtliche Fragen erschweren außerdem die Beteiligung wissenschaftlicher Bibliotheken an solchen Modellen.

Mit der Frage, was Bibliotheken unternehmen können, um nicht-kommerzielle Formen des Open Access gezielt zu unterstützen, wurde sich im Anschluss auch in Session zwei auseinandergesetzt. Ein umfassender Bericht zu diesem Workshop kann hier nachgelesen werden.
Auf dem Weg zu neuen Open Access Policies?

Am zweiten Tag beschäftigte sich ein Workshop intensiv mit der Gestaltung und Implementierung von Open Access Policies bzw. damit, wie diese vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung der Open-Access-Transformation in Richtung einer umfassenden Publication Policy überarbeitet werden müssten.

Untergruppen bearbeiteten die Aspekte “Prozess und Implementation”, “Inhalte” und “Scholarly Publishing”. Dabei wurde die Bedeutung eines partizipativen Prozesses bei der Erstellung von OA Policies betont, bei dem Wissenschaftler*innen und Leitungsebene von Beginn an eingebunden sein sollten. Die Implementierung müsse zudem an quantifizierten Zielen überprüft und durch konkrete Maßnahmen unterstützt werden, die regelmäßig auf ihre Zielgruppen und Inhalte hin kontrolliert und angepasst werden. Schulungen sollten kontinuierlich wiederholt und Multiplikator*innen eingebunden werden, um sicherzustellen, dass die Inhalte den Bedarfen entsprechen. Als Basisinhalte einer OA Policy wurden die Themen Erst- und Zweitveröffentlichung, Empfehlungen zu Open Access und die Bereitstellung von Beratung und Unterstützungsangeboten genannt, neben zusätzlichen Punkten wie freie Lizenzen, Nutzung bestehender OA-Verträge und der Thematisierung von Research Assessment und Publikationsvielfalt. Statt einer reinen OA Policy wäre auch eine umfassendere Richtlinie zum wissenschaftlichen Publizieren denkbar.

Eine weitere Untergruppe besprach die Publikationsrichtlinie der TU Dresden als Beispiel und sammelte Feedback von verschiedenen Institutionen. Es stellte sich heraus, dass viele Einrichtungen bereits OA Policies oder Publikationsrichtlinien haben, jedoch oft eine übergreifende Publikationsrichtlinie bevorzugen würden, die alle Aspekte des wissenschaftlichen Publizierens abdeckt. Vorteile einer solchen umfassenden Richtlinie wären die Bündelung aller relevanten Informationen für Autor*innen und Institutionen sowie die Stärkung der Bibliotheken als zentrale Anlaufstellen.
Großes Interesse an Zweitveröffentlichungsservices

Die hohe Teilnehmendenzahl beim Workshop zu Zweitveröffentlichungsservices, den Franziska Deuter von der UB Bamberg anbot, zeigt die große Relevanz auch dieses Themas - für wissenschaftliche Bibliotheken ebenso wie für Verlage, beide Gruppen waren im Plenum vertreten. Deuter gab detaillierte Einblicke in die Workflows und Serviceangebote, die die UB Bamberg für ihre Forschenden und deren Zweitveröffentlichungen im dortigen Repositorium etabliert hat. Die folgende lebhafte Diskussion beleuchtete das Thema Green Open Access von verschiedenen Seiten, wie etwa in Hinsicht auf Haftungsfragen, Lizenzvergaben und Verlagspolicies. Als weitere relevante Themen erwiesen sich die Promovierendenberatung und der Umgang mit konkreten Alltagstätigkeiten wie die Erstellung von Deckblättern. Wer gerne weitere Informationen zu zentralen Aspekten des Themas hätte, kann einen Blick in den bereitgestellten Leitfaden zu Zweitveröffentlichungsservices werfen.
Blick in die Open-Access-Projektlandschaft

Mehrere im Open-Access-Bereich wirkende Projekte haben die Gelegenheit genutzt, der Community Einblicke in ihre Tätigkeiten zu geben.

In einer der ersten Sessions stellte Victoria Jahrmarkt das im vergangenen Herbst gestartete Projekt PANTER vor. Ziel des Projekts ist ein zuverlässiger Preismonitor, der es Publizierenden erlaubt, einen Überblick über die aktuelle Preislandschaft auf dem Open-Access-Zeitschriftenmarkt zu erlangen sowie Preisentwicklungen für Publikationsdienstleistungen sichtbar und vergleichbar zu machen. In der gemeinsamen Diskussion waren die Teilnehmenden eingeladen, eine fiktive Persona zu gestalten und so eine konkrete Nutzerin des Monitors zu imaginieren. Dieser spielerische Ansatz brachte anschaulich die zielgruppenspezifischen Herausforderungen an das Tool ans Licht.

Einer ganz anderen Aufgabe verpflichtet sich das Projekt OS-APS STEMO, über das Markus Putnings In einer der abschließenden Sessions informierte. Putnings zeigte, wie die im Projekt erstellte Open Source Software institutionelle Verleger*innen (etwa Repositorien, OJS-Instanzen oder Hochschulverlage) bei der Sicherstellung digitaler Barrierefreiheit unterstützen kann - hierfür stellte er auch eine Cloud-Software zum Selber-Ausprobieren bereit.

Diese beiden vorgestellten Projekte gaben einen Einblick in die Bandbreite von Themen, die in der aktuellen Open-Access-Projektlandschaft behandelt werden. Wie ein Überblick über diese Landschaft aussehen kann und wie mögliche Synergien identifiziert werden können, war Gegenstand einer weiteren Session zu Open-Access-Projekten, nämlich zum Angebot des oa.hub von open-access.network, den Sie hier finden.
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
Rahmenprogramm

Die thematischen Sessions wurden ergänzt durch spannende Rahmenprogrammpunkte. Zum Abschluss des ersten Barcamp-Tages öffnete die SUB die Tore zu ihrem Historischen Gebäude und die sonst verschlossene Tür des Heyne-Lesesaal. Der zweite Tag startete mit einem Refinement – also einer Verfeinerung – der Ergebnisse des ersten Tages mit Lilja Sautter, Product Owner an der SUB und Projektmitarbeiterin bei open-access.network, und Agile Coach Kay Liewald, SUB Göttingen.Hierbei wurden insbesondere der Austausch und die Möglichkeit des Perspektivwechsels am ersten Veranstaltungstag hervorgehoben. Gleichzeitig gaben Sautter und Liewald mit der hier demonstrierten One-Two-Four-All-Methode einen Einblick in die agile Projektarbeit an der SUB und den Teilnehmenden ein Tool zur Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse an die Hand.

„Im Projekt P2P.OA.HAW interessieren uns zum einen die individuellen   Herausforderungen von HAW im Bereich Open Access. Das Barcamp ist hierfür ideal, denn das Format gibt den Einrichtungen den Raum, eben diese spezifischen Themen zu adressieren. Die Größe der einzelnen Sessions bietet die Möglichkeit, in einen persönlicheren Austausch in Kleingruppen zu gehen, was bei Tagungen mit größeren Dimensionen oft zu kurz kommt. Zum anderen sind wir fortlaufend daran interessiert, weitere potentielle Peers kennenzulernen. Da auf dem Barcamp OA-Neulinge bis -Expert*innen vertreten waren, haben wir die Veranstaltung als Netzwerkgelegenheit genutzt.

Unsere Highlights waren: Einblicke in die Erstellung einer Open Access Policy und der persönliche Austausch mit der Ansprechperson unserer zu beratenden Hochschule.“ (Jasper Beyermann und Emilia Mikautsch, Projekt P2P.OA.HAW)

Das Barcamp in Göttingen hat einmal mehr gezeigt, dass dieses Format für den Austausch in der Open Access Community hervorragend geeignet ist. Die SUB Göttingen glänzte mit sehr gut geeigneten Räumlichkeiten, in denen sich die rund 75 Teilnehmenden an den zwei Tagen rundum wohlfühlen konnten. Sowohl Organisator*innen wie auch Teilnehmende zeigten sich in der Abschlusssession rundum zufrieden und sparten nicht mit Lob von der Organisation über das Catering bis hin zumRahmenprogramm, das es ermöglichte, außerhalb der Sessions Gespräche fortzuführen und sich zu vernetzen.

&quot;The theme of Open Access publishing is quite extensive and ever-changing. Therefore discussions and cooperation with specialists are the best way to learn and stay up-to-date on the topic. The community involved with OA publishing is also inclusive and easy to talk to. As I experienced it, this Barcamp had the format designed for easy interactions with specialists in various topics as well as building one-to-one relationship. I think, it&#039;s the best place and format for anyone interested in learning more about the topic as well as connecting with experts.”  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

„Beim Barcamp konnte ich viele Bekannte und frühere Kollegys wiedersehen und mich weiter mit der Community vernetzen. Trotz der vielen Online- Angebote sind solche Präsenztreffen daher sehr schön und wichtig. Ich konnte außerdem die Themen, die mich aktuell beschäftigen, in verschiedenen Sessions einbringen und neue Ideen mitnehmen. Daraus ist auch eine ganz konkrete Idee für einen Austausch zu Finanzierungsmodellen jenseits von APC und BPC entstanden.&quot; (Katharina Schulz, Projekt VEStOR ).

Das nächste oa.barcamp wird im Frühjahr 2025 stattfinden. Details zu Ort, Datum und Anmeldemöglichkeiten werden auf open-access.network bekannt gebeben.
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<item><title>Ein Ziel, zwei Abteilungen: Bibliotheken und Finanzverwaltung im Austausch über Rechnungserfassung von Publikationskosten</title><link>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten</link><comments>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Jul 2024 00:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten</guid><description>Wie lassen sich „Rechnungen für Publikationskosten abteilungsübergreifend kennzeichnen und erfassen“? Diese Frage wurde Ende Mai 2024 im dritten Online-Workshop der Reihe  „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ diskutiert. Die mit über 180 Teilnehmer*innen sehr gut besuchte Veranstaltung ist ein gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network.

Der Workshop richtete sich speziell an Kolleg*innen-Tandems aus Bibliothek und Finanzabteilung derselben Institution. In den Impulsvorträgen ging es um die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit mit dem Ziel, Rechnungen über Publikationskosten für die gesamte Einrichtung zu erfassen und damit die Open-Access-Transformation voranzubringen.

Empfehlungen zur Erfassung und Bearbeitung von Publikationskosten aus dem österreichischen Projekt AT2OA²  waren Thema der ersten Präsentation. Im Projekt wurden unter anderem Informationsmaterialien entwickelt, mit deren Hilfe Mitarbeitende in Finanzabteilungen geschult werden, Rechnungen über Publikationskosten zu erkennen - beispielsweise anhand von Buzzwords.

Die folgenden beiden Vorträge aus dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ gliederten sich in ein Praxisbeispiel über einen Bibliotheks-Workflow zur zentralen Bearbeitung von Open-Access-Publikationskosten. Anschließend berichtete die GFZ-Finanzabteilung, wie SAP-Reports für das Controlling von Publikationskosten eingesetzt werden können.

Den Abschluss bildete eine Präsentation der von der TU Braunschweig entwickelten Open-Source-Software CODA (Customizable Open Access Database Application), die eine detaillierte Erfassung, Bearbeitung und Verwaltung publikationsbezogener Kostendaten ermöglicht.

Die mehr als 180 Teilnehmer*innen aus Finanzabteilungen und Bibliotheken konnten sich über eigene Erfahrungen ihrer Zusammenarbeit bei der Erfassung und Zuordnung von Publikationskosten austauschen. Ein wichtiger Punkt war die Kommunikation und Vernetzung zwischen Bibliothek und Finanzabteilung, denn eine gemeinsame Sprache ist gerade mit Blick auf die abteilungsübergreifende Bearbeitung von Rechnungen für Publikationskosten eine wichtige Grundlage für die Einführung eines transparenten Informationsbudgets. In der Abschlussdiskussion berichteten einige Kolleg*innen-Tandems  von ihren Erfahrungen bei der Etablierung gemeinsamer Workflows. Der Austausch über die verschiedenen Perspektiven auf die Rechnungserfassung in den Abteilungen und die Beispiele aus der Praxis wurden von den Teilnehmer*innen besonders positiv bewertet.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
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<item><title>Open Access Monitoring auf Landesebene</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene#comments</comments><pubDate>Mon, 15 Jul 2024 12:49:00 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maxi Kindling</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Dr. Nina Schönfelder</dc:creator><dc:creator>Heike Stadler</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 27.05.24 auf dem Open Access Blog Berlin unter der Lizenz CC BY 4.0 international erschienen.

Am 14. März 2024 tauschten sich die drei Landesinitiativen openaccess.nrw, Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg (VuK) und das Open-Access-Büro Berlin (OABB) über Open Access Monitoring auf Landesebene aus. Organisiert wurde der Austausch durch das Open-Access-Büro Berlin für das Projekt open-access.network. Der vorliegende Bericht fasst die Eckpunkte und wesentlichen Erkenntnisse dieser Veranstaltung zusammen.
Ziel eines Open Access Monitoring

Das Thema Monitoring hat einen hohen Stellenwert in der Beurteilung des Fortschritts bei der Open-Access-Transformation erlangt. Über den Abgleich von Daten im Zeitverlauf lässt sich teilweise ablesen, wie wirksam sich dieser Wandel in den Publikationskulturen auf der Ebene bestimmter Domänen (national, regional, lokal, fachspezifisch usw.) vollzieht.

Monitoring bezeichnet im vorliegenden Kontext die fortlaufende systematische Erfassung und Beschreibung der Entwicklung der Öffnung wissenschaftlicher Praktiken anhand bestimmter Parameter. Neben zahlenmäßigen Nachweisen werden auch qualitativ beschreibbare Maßnahmen erfasst.

Das Ziel des Monitorings besteht bei allen Landesinitiativen darin, Transparenz und Sichtbarkeit für diese Entwicklungen innerhalb eines Bundeslands herzustellen und eine informationsbasierte Entscheidungsfindung bei der Formulierung oder Aktualisierung strategischer Ziele und Maßnahmen zu unterstützen. Während ein Monitoring alle Prozesse dieser Art auf Landesebene erfassen könnte, beschränken sich bisherige Ansätze häufig auf das Publikationsaufkommen an Hochschulen.

Beim Monitoring offener Wissenschaft können verschiedene Indikatoren berücksichtigt werden, darunter das Volumen an Open-Access-Veröffentlichungen (z.B. Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften, Bücher, Forschungsdaten), Publikationskosten (z.B. APCs/BPCs), die Zugänglichkeit verschiedener Publikationsformate (z.B. Lizenzierung von Publikationen) oder die Entwicklung und Auswirkungen von Transformationsverträgen. Das Monitoring kann von wissenschaftlichen Einrichtungen, Forschungsförderung oder auch auf nationaler oder Landesebene durchgeführt werden, wobei verschiedene Datengrundlagen und Methoden zum Einsatz kommen können (siehe bspw. Bobrov et al. 2024).

Auf nationaler Ebene ist der Open Access Monitor ein wichtiges Instrument zur Erfassung u.a. des Open-Access-Publikationsaufkommens deutscher akademischer Einrichtungen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Der Monitor erfasst und visualisiert das Publikationsaufkommen kategorisiert nach Diamond/Gold/Green/Hybrid Open Access und Closed Access sowie Analysen der Subskriptions- und Publikationsausgaben sowie Zitationen. Er basiert auf mehreren Datenquellen und ist das gängige Instrument, mit dem Einrichtungen die förderfähigen Publikationen für Anträge im DFG-Förderprogramm “Open-Access-Publikationskosten” erheben. Zukünftig sollen weitere Publikationstypen wie Open-Access-Bücher in den Monitor aufgenommen werden.

Die Vernetzungsstellen setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte bei ihren Monitoring-Ansätzen mit Bezug auf die Hochschulen des Landes. Im Folgenden werden die Parameter beschrieben, welche die drei Landesinitiativen beim Monitoring der Open-Access-Aktivitäten in ihrem Bundesland aktuell setzen.
Land Brandenburg

Die Open-Access-Strategie des Landes Brandenburg aus dem Jahr 2019 formuliert, dass Hochschulbibliotheken in der Lage sein sollen, ihr Publikationsaufkommen darzustellen und die damit zusammenhängenden Kosten transparent abzubilden (Euler 2019, 16). Dazu wurde in Brandenburg eine Arbeitsgruppe mit mandatierten Vertreter*innen aus allen acht Hochschulbibliotheken von der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Brandenburg (VuK) initiiert, die gemeinsam ein Monitoring-Konzept erarbeitet und einen Monitoring Bericht über die Berichtsjahre 2021 und 2022 erstellt hat.

Im Brandenburger Monitoring wurden verschiedene Datenquellen genutzt:

    Für die Ermittlung der Zahl der Hochschulangehörigen Daten: des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg
    Für das Publikationsaufkommen: Daten aus dem Open Access Monitor
    Für die Ermittlung von Publikationskosten: Daten aus OpenAPC und der Deutschen Bibliotheksstatistik
    Für verschiedene Parameter wie Publikationszahlen und Publikationstypen auf den Repositorien der acht Einrichtungen: u.a. Daten von OPUS
    Daten zum Publikationsfonds für Open-Access-Monografien des Landes und
    Informationen zu Strategien und Services der Hochschulen: oa.atlas.

    Der oa.atlas umfasst zwei Komponenten: Informationen zu den Strategien und Services der wissenschaftlichen Institutionen können im oa.atlas über das Portal von open-access.network abgerufen werden. Informationen zu den Strategien und Maßnahmen in den Bundesländern und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bieten die Länderdossiers.

Die bei der VuK für das Monitoring federführend Verantwortliche Heike Stadler betonte im Austausch, dass es für das Monitoring-Konzept in Brandenburg wichtig sei, die Heterogenität der Einrichtungen und ihrer jeweiligen Voraussetzungen abzubilden. So kann das zahlenmäßige Publikationsaufkommen nicht unkommentiert nebeneinander gestellt werden. Dies ist insbesondere wichtig, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

In Brandenburg haben sich die beteiligten Einrichtungen auf gemeinsame Prinzipien für das Monitoring geeinigt:

    Kompetenzstärkung
    Bibliodiversität
    Nachhaltigkeit des Verfahrens
    Vergleichbarkeit der Hochschulen
    Partizipation im Prozess
    Aggregation und Nachnutzung vorhandener Daten

Heike Stadler berichtete, wie dieses Verfahren zu einer noch besseren Vernetzung der Hochschulbibliotheken im Land Brandenburg geführt hat. Der Monitoring-Prozess wird weiter fortgeführt, weitere Datenquellen können ergänzt werden und, wo sinnvoll, die quantitativen Darstellungen auch um ergänzende qualitative Beschreibungen erweitert werden. Die AG Open Access Monitoring Brandenburg wird zukünftig mit der AG für den Publikationsfonds zusammengelegt, sodass sich themenübergreifend ausgetauscht werden kann bzw. neue Themen ihren Raum erhalten.
Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen umfasst das Monitoring 42 DH.NRW-Hochschulen einschließlich ihrer angeschlossenen Universitätskliniken, deren Publikationstätigkeit und -kosten durch die Landesinitiative openaccess.nrw ermittelt und beschrieben werden.

Die Landesinitiative wird im Rahmen der Digitalen Hochschule NRW (DH.NRW) gefördert. In den Reports werden die Daten für die Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Fachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie Universitätskliniken des Landes zusammengefasst. Das Monitoring liegt im Programmbereich 3 der Landesinitiative und wird an der Universität Bielefeld durchgeführt. Sie erstellt drei Arten von Berichten mit den Schwerpunkten Publikationsaufkommen und Zugangswege, Publikationskosten sowie Vorschläge zu Finanzierungs- und Ausgleichsmodellen. Für das Reporting werden vorhandene Datenquellen wie der Open Access Monitor, OpenAPC und das Directory of Open Access Journals (DOAJ) genutzt. Eine Herausforderung stellt die hohe Anzahl der Hochschulen und Universitätskliniken mit einer über dies heterogenen Ausgangslage in Bezug auf Repositorien und Hochschulbibliographien im Land dar, sodass ein standardisierter und zentralisierter Ansatz zur Erstellung der Publikations- und Kostenreports gewählt wurde. Daher wird in den Reports auch explizit keine Interpretation der Daten auf Einrichtungsebene durchgeführt.

    Die OpenAPC-Initiative sammelt und verbreitet Datensätze zu Gebühren, die für Open-Access-Publikationen gezahlt werden, auf GitHub unter einer offenen Datenbanklizenz. Dazu gehören Daten zu Open-Access-Zeitschriftenartikeln (APCs), Open-Access-Büchern (BPCs) und Daten zu Artikeln, die im Rahmen von Transformationsvereinbarungen (wie Springer Compact oder Wiley DEAL) veröffentlicht werden.

Sichtbar wurde durch den letzten Publikationsreport 2023 ein hohes Artikel-Wachstum an allen Einrichtungen und dies besonders im Bereich des kostenpflichtigen Gold Open Access. Zudem betonte Nina Schönfelder (UB Bielefeld), dass etablierte, subskriptionsbasierte Verlage Anteile am Publikationsmarkt verloren hätten, wenngleich die absoluten Publikationszahlen stabil geblieben sind
Regelmäßige Reports mit dem Schwerpunkt Publikationskosten sollten daher mit einem besonderen Fokus auf Gold Open Access erstellt werden, auch um Empfehlungen in Hinblick auf die Finanzierungs- und Ausgleichsmodelle unter den Hochschulen abzuleiten. Diese Empfehlungen werden mit dem Projektkonsortium der Landesinitative openaccess.nrw bestehend aus 15 Hochschulen sowie der ZB Med und dem hbz erarbeitet und können sich sowohl an das Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Nordrhein-Westfalen wie auch an die Hochschulen selbst richten.
Berlin

In Berlin wurde in der Open-Access-Strategie von 2015 die Zielquote von 60% für Open-Access-Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durch Autor*innen Berliner Wissenschaftseinrichtungen festgelegt, die 2020 wie geplant erreicht wurde (Kindling et al. 2022). Mit der Erhebung für das Publikationsjahr 2020 endete das Monitoring, das auf einer eigens entwickelten Methodik basierte.

Durch die Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) im Jahr 2021 wurde bereits eine strategische Verschiebung von Open Access zu Open Research auf Landesebene initiiert. Derzeit wird die Entwicklung einer Open-Research-Strategie für das Land Berlin vorangetrieben. Während also bislang die Monitoring-Aktivitäten auf Landesebene stark am Publikationsaufkommen in wissenschaftlichen Zeitschriften orientiert war, wird sich der Fokus auf viele weitere Aspekte offener Wissenschaftspraktiken erweitern müssen. Damit einher geht auch die Notwendigkeit, geeignete Indikatoren zu entwickeln und zu kontextualisieren. Es ist absehbar, dass die qualitative Darstellung der erreichten Ergebnisse bedeutsamer wird und weniger auf rein quantitative Aspekte geschaut wird.

An den Einrichtungen soll Open Research sogar „bei der Bewertung von Forschungsleistungen im Rahmen ihrer internen Forschungsevaluation und bei Einstellungsverfahren“ berücksichtigt werden (BerlHG §41 Abs. 5). Daraus ergeben sich Herausforderungen in der Entwicklung, Einordnung und Kontextualisierung von je nach Wissenschaftsdisziplin passenden Open-Research-Indikatoren.

Das Open-Access-Büro Berlin erarbeitet gegenwärtig den “Open Access Bericht Berlin”, der die Entwicklung im Bundesland seit der Open-Access-Strategie 2015 beschreibt. Neben der Ausgangslage und den Rahmenbedingungen im Land Berlin beschreibt der Bericht den Stand der Umsetzung von bestimmten Maßnahmen an den Berliner Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen, darunter Policies und Leitlinien, Informations- und Infrastrukturangebote, Digitalisierung und Langzeitarchivierung, Finanzierung und Kostenentwicklung, Kompetenz- und Organisationsentwicklung, Forschungsevaluation und Monitoring.

Maxi Kindling (OABB) betonte, dass die leitenden Prinzipien für das zukünftige Monitoring der Open-Research-Entwicklung in Berlin auf einer Aufmerksamkeitsverschiebung basieren: Es werden neben den Ergebnissen in Form von Open-Access-Publikationszahlen zukünftig im Sinne von Open Research die Entwicklungen bei der Öffnung des gesamten Forschungsprozesses beobachtet und systematisch beschrieben.

Ähnlich wie im Land Brandenburg soll eine partizipative Prozessgestaltung bei der Umsetzung des Monitorings eine stärkere Sensibilisierung unter den Einrichtungen erreichen. Durch den Einsatz multimethodischer Evaluierungsinstrumente und einer jeweils kontextualisierten Darstellung von Indikatoren soll eine vereinfachende Sichtweise auf die Open-Research-Transformation vermindert werden.

Auch in Berlin dient das Monitoring weiterhin dem strategischen Austausch über einrichtungsspezifische Maßnahmen und der Diskussion übergeordneter, landesweiter Maßnahmen.
Ausblick

Die drei Landesinitiativen stehen bei der Entwicklung des Monitorings je nach Ausgangslage im jeweiligen Bundesland an unterschiedlichen Punkten. Für die Ermittlung des Publikationsaufkommens können die Landesinitiativen dankenswerterweise auf die Daten bzw. Berichte des Open Access Monitors zurückgreifen. Dessen dauerhafter Betrieb und die Weiterentwicklung und Diversifizierung in Bezug auf die erfassten Publikationstypen ist für alle Landesinitiativen von großem Interesse. Darüber hinaus werden durch die Landesinitiativen je nach Ausrichtung des Monitorings weitere offene Datenquellen herangezogen.

Das Monitoring von Publikationszahlen und -kosten dient auch als Gestaltungsgrundlage für wissenschaftspolitische Entscheidungen. Schon deshalb ist ein verantwortliches und abgestimmtes Vorgehen durch die Landesinitiativen wichtig. Dieser Workshop diente als erster Austausch über das jeweilige Vorgehen, die Weiterentwicklung und die intern ausgearbeiteten Prinzipien. In Anbetracht internationaler Entwicklungen und dem Anspruch, Open Research perspektivisch in die Beobachtung einzubeziehen, planen die Landesinitiativen, sich weiterhin auch zu diesem Thema auszutauschen und darüber zu berichten.

Diese Veröffentlichung ist im Rahmen des Workshops „Monitoring auf Landesebene: Gemeinsame Prinzipien und Perspektiven“ unter Organisation des Projekts open-access.network entstanden. Für den Inhalt sind die Autor*innen verantwortlich.
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<item><title>Fair Open Access fördern</title><link>https://open-access.network/blog/fair-open-access-foerdern</link><pubDate>Mon, 01 Jul 2024 00:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><category>Diamond Open Access</category><category>Fair OA</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Michaela Voigt</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fair-open-access-foerdern</guid><description>Am 14./15. Mai fand in Göttingen das 3. von open-access.network organisierte Open Access Barcamp statt. In einer Session wurde die Frage diskutiert, was Bibliotheken tun können, um Fair Open Access zu fördern. Der folgende Blogbeitrag knüpft an diesen Austausch in einer Gruppe von ca. 20 Personen an. Den Diskussionspunkten stellen wir eine Definition vorweg.
Begrifflichkeiten

Der Begriff Diamond Open Access ist in aller Munde, nicht zuletzt seit der Veröffentlichung der „OA Diamond Journals Study“ in 2021 (vgl. Becerril et al., 2021 und Bosman et al. 2021) und den darauf folgenden „Action Plan for Diamond Open Access“ aus 2022 (Ancion et al. 2022); eine gemeinsame Unternehmung von Science Europe, der cOAlition S, OPERAS, und der französischen Forschungsorganisation ANR.
Zwar gibt es immer noch keine allgemein geteilte Definition. Wir können aber feststellen, dass Diamond Open Access als ein Sammelbegriff für Geschäftsmodelle verwendet wird, in denen die Publikationskosten nicht an Autor*innen (bzw. Herausgeber*innen) weitergegeben werden. In einigen Definitionen wird zudem festgehalten, dass sich die Infrastruktur oder das Publikationsorgan in akademischer oder öffentlich-rechtlicher Trägerschaft befinden muss.1 Da es keine geteilte Definition gibt, gibt es auch – noch? – keine allgemeinverbindlichen Kriterien, anhand derer wir beurteilen können, ob ein Publikationsorgan oder eine Infrastruktur Diamond Open Access ist.

Fair Open Access hingegen definiert einen Kriterienkatalog, anhand dessen sich Zeitschriften in Hinsicht auf das Erfüllen bestimmter Werte beschreiben lassen – unabhängig von Geschäftsmodell oder Trägerschaft. Die sog. Fair Open Access Alliance (FOAA)2 hat fünf Prinzipien formuliert, die eine Zeitschrift erfüllen muss, um als Fair Open Access zu gelten: Sie ist 1. wissenschaftsgeleitet, 2. die Autor*innen behalten die Rechte an ihren Werken, 3. die Inhalte sind vollständig und unmittelbar Open Access, 4. die Einreichung und Veröffentlichung von Beiträgen ist nicht unmittelbar mit Kosten verbunden und 5. ggf. anfallende Gebühren sind niedrig, der Leistung angemessen und werden transparent dargestellt. Anders als bei Diamond sind Zeitschriften, deren Geschäftsmodell auch APCs umfasst, nicht per se ausgeschlossen, solange es sich um keine verpflichtende APC-Zahlung handelt, und die Zeitschrift grundsätzlich non-profit ist (vgl. „Clarification notes“ der FOAA principles). Diese Prinzipien wurden speziell mit Blick auf Zeitschriften formuliert, lassen sich aber (entsprechend weitergedacht) auch auf andere Publikationsorgane und Infrastrukturen anwenden.

Diamond und Fair Open Access sind weder synonym, noch schließen sie einander aus; keins von beiden ist eine Teilmenge des anderen, doch gibt es Überlappungen: Tatsächlich erfüllen viele (aber nicht alle!) Diamond-Open-Access-Zeitschriften die Kriterien von Fair Open Access.3 Andersherum gibt es bei vielen (aber nicht allen!) Verlagen, die Diamond-Zeitschriften im Portfolio haben, breite Zustimmung zu den Werten, die hinter den Fair-Open-Access-Kriterien stehen.4 Und, um es noch komplizierter zu machen, gibt es auch not-for-profit Zeitschriften, die sich über APCs finanzieren und die den Kriterien für Fair Open Access entsprechen, aufgrund der APCs aber nicht als Diamond-Open-Access-Zeitschrift gelten (z. B. Quantum).5

Anders gesagt: Diamond Open Access und Fair Open Access nehmen jeweils unterschiedliche Perspektiven ein. Da wir uns im Folgenden mit Kriterien für Fördermöglichkeiten von Bibliotheken beschäftigen, plädieren wir in diesem Fall für die Verwendung Fair Open Access.

Unsere Prämisse lautet: Wir unterstützen in erster Linie Werte (freier Zugang zu Information für alle, freie Teilhabe am wissenschaftlichen Diskurs für alle, Handlungsfähigkeit der Wissenschaft bzw. Wissenschaftler*innen) und erst in zweiter Linie Geschäftsmodelle – nicht andersherum. Unbenommen bleibt, dass es darum geht, relevante Inhalte und Initiativen mit geeigneter wissenschaftlicher Qualitätssicherung zu fördern.

Wie kann eine solche Förderung aussehen? Im Folgenden tragen wir die beim Barcamp diskutierten Aspekte zusammen. Dabei konzentrieren wir uns auf Ideen für Ausgabenarten und andere Aktivitäten – und lassen Fragen der operativen Umsetzung an dieser Stelle außer Betracht.
Finanzierung von Fair Open Access

Die FOAA principles benennen sehr konkret Kriterien von Fair Open Access; daneben sind lokale Kriterien zu berücksichtigen. Viele Einrichtungen werden ihre Unterstützung für ein Publikationsorgan oder eine Infrastruktur an allgemeine Erwerbungskriterien knüpfen (hier beispielhaft):

    Hat die Infrastruktur oder das Publikationsorgan fachliche Relevanz für die Einrichtung?
    Publizieren Wissenschaftler*innen der eigenen Einrichtung in der Zeitschrift oder Reihe?
    Sind Wissenschaftler*innen der eigenen Einrichtung als Herausgeber*innen der Zeitschrift oder Reihe beteiligt? Sind Sie womöglich in herausgehobener Rolle Mitglied im Editorial Board (z. B. Editor-in-Chief)?
    Sind die Inhalte relevant für die Lehre?

Ist der institutionelle Rahmen geklärt, stellt sich die Frage, was eigentlich genau unterstützt werden soll, kann und darf:

    Personalkosten für (unterstützende und/oder inhaltliche) Redaktionstätigkeiten und/oder Arbeiten an Infrastruktur
    Finanzierung verlegerischer Dienstleistungen Dritter: Satz, Klärung von Bildrechten, Anfertigen von Übersetzungen und barrierefreie Umsetzung der Publikation
    finanzielle Unterstützung für Journal Flipping
    finanzielle Unterstützung für Infrastruktur und/oder intermediäre Organisationen, häufig durch institutionelle Mitgliedschaften (z. B. DOAJ, DOAB, OAPEN, ORCID, DSpace, PKP als Organisation hinter OJS/OMP, arXiv, AEUP, COAR)
    Finanzierung von konkreten Publikationsdienstleistungen, etwa einer Zeitschrift (über ein Konsortium oder als Einzelförderung)

Nicht-monetäre Unterstützung

Zunehmend ist Kritik auch von Wissenschaftler*innen an DEAL und ähnlichen Publish-and-Read-Verträgen zu vernehmen, die sich bei der Ausrichtung des institutionellen Open-Access-Förderhandelns benachteiligt bzw. nicht gesehen fühlen, da die Publikationskultur in ihrer Disziplin nicht zur Förderlogik passt.6

Auch vor diesem Hintergrund wollen wir betonen, dass Fair Open Access auch ohne einen Fair-Open-Access-Fonds gefördert werden kann. Zuallererst sind dabei Repositorien, Hochschulverlage oder Zeitschriftenhosting zu nennen – immer vorausgesetzt, dass sie ein klares Open-Access-Profil haben. Diese Publikationsservices und Infrastrukturangebote sind vielerorts etabliert und wir plädieren sehr dafür, für deren Betrieb und weiteren Ausbau ausreichend Personalressourcen in den Bibliotheken bereitzustellen.
Darüber hinaus sind weitere Aktivitäten denkbar, die entweder den Open-Access-Beratungsalltag betreffen, oder eher mittelbar wirken:

    Identifizierung von Fair-Open-Access-Aktivitäten an der eigenen Institution
    Professionalisierung von Diamond- bzw. Fair-Open-Access-Journalen unterstützen (z. B. durch die Vermittlung von Knowhow und/oder Ansprechpartner*innen, die den Prozess der DOAJ-Indexierung begleiten), kurz gesagt: Zeitschriftenredaktionen dazu befähigen, etablierte Förderauflagen zu erfüllen.
    Awareness in der eigenen Institution erhöhen (insbesondere für Fair Open Access bzw. für Zusammenhänge des wissenschaftlichen Publikationsmarktes und die lokalen Auswirkungen des Kostendrucks)
    Veränderung in Research Assessment an eigener Institution bewirken (z. B. durch den Stellenwert bei Openness in Bewerbungsverfahren7)
    bei Einrichtungen mit Konsortialstellen: Konsortialverhandlungen und -bildungen für Fair-OA-Zeitschriften unterstützen („KOALA-Konsortien selbst machen“)
    Ausweitung des Beratungsangebots auf Zielgruppe Herausgeber*innen

Fair Open Access ist kein Nice-to-have

Bibliotheken sind eine der primären zahlenden „Kund*innen“ wissenschaftlicher Publikationen – es liegt in unserem Versorgungsauftrag, den Zugang für die Forschenden unserer Institutionen zu gestalten. Wir können und sollten Verantwortung übernehmen, damit – als Folge der Transformation von Geschäftsmodellen – aus der Subskriptionskrise keine handfeste Publikationskrise erwächst. Das bedeutet, so unsere Meinung, in Konsequenz, dass sich Bibliotheken aktiv(er) mit der nachhaltigen Ausgestaltung von wissenschaftseigenen, not-for-profit Publikationsstrukturen beschäftigen – dazu gehört auch die Finanzierung.8 Fair bzw. Diamond Open Access müssen im Etat fest eingeplant werden – Fair Open Access ist kein Nice-to-Have.

Folgende (institutionelle) Aktivitäten möchten wir exemplarisch erwähnen:

    KU Leuven: Fund for Fair Open Access
    Universität Amsterdam: UvA Diamond Open Access Fund
    TU Berlin: Fair Open Access Fonds
    Niedersächsischer Beirat für Bibliotheksangelegenheiten: NiedersachsenOPEN
    ZBW: Förderung von Open-Access-Infrastrukturen; Open Library of Economics (OLEcon)

Wir freuen uns auf weitere Beispiele in den Kommentaren.

1 Für eine ausführliche (kritische) Auseinandersetzung mit dem Begriff empfehlen wir die Lektüre von Dellmann et al., 2022.
2 Die Fair Open Access Alliance ist eine Stiftung niederländischen Rechts, in der sich Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus Bibliotheken zu einer Art Dachorganisation zusammengeschlossen haben, um die Kräfte ähnlicher Initiativen zu bündeln (u. a. LingOA, MathOA oder Open Library of Humanities). Die frühere Webseite www.fairopenaccess.org ist seit Anfang 2024 leider nicht mehr erreichbar; die Inhalte sind glücklicherweise noch über das Internet Archive einsehbar (Stand November 2023).
3 Die durch KOALA finanzierten Zeitschriften und Schriftenreihen müssen APC-frei sein und darüber hinaus auch weitere Mindeststandards erfüllen, weshalb ein Großteil dieser Zeitschriften zugleich Diamond Open Access und Fair Open Access sind. KOALA erlaubt allerdings die Finanzierung von Zeitschriften und Schriftenreihen bei einem gewinnorientiert arbeitenden Verlag.
4 So geben auch kommerzielle Großverlage APC-freie Open-Access-Zeitschriften heraus (vgl. etwa die Vielzahl an Einträgen im DOAJ mit Filter „Journals without fees“), häufig erfolgt die Finanzierung dabei über eine Institution oder Fachgesellschaft.
5 Demmy Verbeke und Laura Mesotten (2022) beschreiben eindrücklich die Herausforderungen, not-for-profit Zeitschriften, die sich über APCs finanzieren, aus dem Fair Open Access Fonds zu unterstützen. In ihrem Artikel erläutern sie, warum sie letztlich davon Abstand nahmen, not-for-profit APCs aus dem Fair Open Access Fonds der KU Leuven zu begleichen. Vgl. Verbeke &amp; Mesotten, 2022.
6 So diskutiert Kai Matuszkiewicz die Hindernisse für mehr Open Access in der Medienwissenschaft in einem Blogbeitrag auf open.access-network.
7 Als Beispiel für Veränderung wollen wir die Universität Utrecht hervorheben: Hintergründe zum angepassten Research Assessmennt liefert auch folgender Beitrag: https://www.uu.nl/en/news/it-is-not-black-and-white.
8 Auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Finanzierung weist auch die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hin, die in einer Stellungnahme vom Mai 2024 „die wissenschaftlichen Einrichtungen sowie deren Zuwendungsgeber [dazu aufrufen], Investitionen in nicht-kommerzielle Angebote als strategisch bedeutsamen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Publikationsinfrastruktur zu sehen“.
Literatur:

    Ancion, Z. et al. (2022): Action Plan for Diamond Open Access. https://doi.org/10.5281/zenodo.6282403.
    Becerril, A. et al. (2021): The OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. https://doi.org/10.5281/zenodo.4562790.
    Bosman, J. et al. (2021): OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings. https://doi.org/10.5281/zenodo.4558704
    Dellmann, S. et al. (2022): Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. o-Bib. Das offene Bibliotheksjournal, 9(3). https://doi.org/10.5282/o-bib/5849.
    Verbeke, D., &amp; Mesotten, L. (2022): Library funding for open access at KU Leuven. Insights, 35. https://doi.org/10.1629/uksg.565.

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<item><title>KI trifft Open Access in den Künsten – ein Werkstattgespräch über die Licht- und Schattenseiten einer rasanten Entwicklung</title><link>https://open-access.network/blog/ki-trifft-open-access-in-den-kuensten-ein-werkstattgespraech-ueber-die-licht-und-schattenseiten-einer-rasanten-entwicklung</link><comments>https://open-access.network/blog/ki-trifft-open-access-in-den-kuensten-ein-werkstattgespraech-ueber-die-licht-und-schattenseiten-einer-rasanten-entwicklung#comments</comments><pubDate>Mon, 17 Jun 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Friederike Kramer</dc:creator><dc:creator>Anika Wilde</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ki-trifft-open-access-in-den-kuensten-ein-werkstattgespraech-ueber-die-licht-und-schattenseiten-einer-rasanten-entwicklung</guid><description>Hand aufs Herz – das Thema Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird heiß diskutiert.
Werkstattgespräch mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen

Die Fokusgruppe OA-Künste startete am 25.4.2024 mit einem öffentlichen Werkstattgespräch den so wichtigen Austausch zu KI, den Künsten und Open Access. Zusammen mit den eingeladenen Expert*innen aus verschiedenen Bereichen gab es 90 Minuten voller Input und spannender Diskussionen.

Den ersten Einstieg ins Thema machte Oliver Vettermann, Jurist für Datenschutz, IT-Sicherheitsrecht und Medienrecht sowie Vertreter des legal helpdesks von NFDI4Culture. Er gab Einblicke in den brandneuen European AI Act und benannte anschaulich anhand eines mittels Suno AI generierten Musikstücks die großen Herausforderungen: Woraus speisen sich die Trainingsdaten? Welche Forderungen können Künstler*innen geltend machen? Können technische Verfahren wie Data Poisoning (d.h. KI gezielt mit falschen Informationen füttern) eine Möglichkeit sein, die eigenen Daten vor einer KI-Nachnutzung zu schützen?

Georg Fischer vom Open-Access-Büro Berlin und Autor bei irights.info wählte für seinen Input einen Blick auf die Entwicklungen vom Stumm- hin zum Tonfilm und die damit verbundenen Auswirkungen sowie Reaktionen. Seine Einstellung: Mediale Veränderungen brachten schon immer Aufregung und Veränderung mit sich – und werden es auch zukünftig tun. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen aber auch immer davon ab, wie die Gesellschaft die Änderungen mitgestaltet. Eine Analogie, die sich seiner Meinung nach in gewisser Weise auch auf die KI-Entwicklungen übertragen lässt. Ebenso wie Oliver Vettermann weist auch Georg Fischer auf die vielen Unbekannten, gerade in Bezug auf Herkunft der Daten, Offenlegung der Quellcodes etc. hin und benennt die zentralen Fragen zu Original vs. Kopie, Rolle der Autor*innen / Urheber*innen und den Auswirkungen auf die Kreativwirtschaft.

Der Künstler Robert Seidel zeigte in einem dritten Beitrag am Beispiel seiner Arbeit, wie er KI für sein künstlerisches Schaffen nutzt und welche Konsequenzen die KI-Entwicklungen auf seine wirtschaftliche Existenz haben. Er betonte hierbei auch, dass der seit 2021 aufkommende Einsatz von KI ein absolutes Novum für die Kunst gewesen sei und sich die Kunstschaffenden seitdem in einem Findungs- und Aushandlungsprozess befinden. Auf der einen Seite stellt die KI ein großes Potential für die Kunst dar, auf der anderen Seite birgt sie Gefahren für die Künstler*innen, deren Werke zu Trainingsdaten werden können und denen Auftragsarbeiten wegbrechen, die mehr und mehr von der KI übernommen werden.
Mit Impulse in die Diskussion eines Komplexen und vielschichtigen Themas

Mit diesen spannenden Inputs ging es in die Diskussion, zu der auch Sonja Thiel, Kuratorin und museologisch Forschende (digitale offene Bildung, KI und digitale Sammlungen), hinzukam.

Schnell zeichneten sich die Komplexität des Themas und die Vielschichtigkeit der Fragen ab:

    Welche Auswirkungen haben die Entwicklungen auf den Wert von Kunst?
    Welche Vergütungsmodelle brauchen wir, um die wirtschaftliche Existenz der Kreativschaffenden zu sichern?
    Ist die mit Open Access verfolgte Openness dann automatisch ein Weg in die KI? Wo finden sich Verbindungen?
    Welche Rechtsfragen gibt es und wo wird es Lösungen für sie geben?
    Welche maschinenlesbaren Opt-out-/Opt-in-Modelle können bei der Umsetzung von rechtlichen Regularien helfen?1
    Wie gehen wir mit der Diskrepanz der KI-Modelle um? Faire Modelle gehen derzeit mit qualitativ nicht ausreichenden Daten einher, während kritisch zu betrachtende Modelle sehr gute Ergebnisse liefern.2
    Welche Rolle spielen die Künstler*innen bei der Entwicklung der KI-Modelle?
    Welche Ressourcen fordert die immer intensivere Nutzung von KI eigentlich? Stichworte: Nachhaltigkeit und Klimakatastrophe.

Die Runde konnte viele Herausforderungen ansprechen. Es wurde aber auch deutlich, dass jede Frage für sich noch viel Gesprächsbedarf mit sich bringt und im Austausch auch noch geschärft werden muss. Nur so können zusammenhängende Aspekte herausgearbeitet und (Tei-)llösungen erarbeitet werden. Die rasant voranschreitenden Entwicklungen erfordern zudem ein überaus flexibles Agieren an den aufkommenden Beispielen. Zeit für Entwicklung theoretischer Konstrukte mit anschließender Umsetzung bleibt hier nicht.

Eine Teilnehmendenfrage zum Stand der Umsetzung von KI an künstlerischen Hochschulen brachte einen ganz zentralen, praktischen und hochaktuellen Aspekt in die Runde: Auch an den künstlerischen Hochschulen stellt sich die Frage, wie und ob KI bei Prüfungsarbeiten, Lehre oder Forschung integriert wird. Daneben haben andere Aspekte, wie Forderungen aus der Politik, die Frage nach einer hochschulinternen KI-Instanz und der personellen Begleitung der Entwicklungen an den Hochschulen einen großen Einfluss auf persönliche und/oder institutionelle Strategien.
Alle Fragen geklärt?

Es bleiben viele offene Fragen und viel Interesse an weiterem Austausch. Das Werkstattgespräch konnte erste wichtige Punkte aufzeigen und neben vielen Bedenken auch Mut machen. Die Entwicklungen überholen sich, die Änderungen sind gewaltig. Aber es liegt auch an uns, sie mitzugestalten und einen für die Künste passenden Weg der Openness im Zeitalter der KI zu finden.

1Vorbild sind hierbei CC-lizenzen, die maschinenlesbare Nutzungsbindungen beinhalten. Es fehlt ein Äquivalent für die Freigabe von Daten für Trainingsdaten oder eben die Sperre hierfür.
2Faire Modelle wählen die Trainingsdaten aus und „grasen“ nicht einfach das Netz ab. Sie haben dementsprechend eine geringere Datenmenge. Kurz: je mehr Daten, desto bessere Ergebnisse.
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<item><title>Acting together for sustainable scholar-led publishing. Erste Schweizer Diamond-Open-Access-Konferenz legt Fokus auf Nachhaltigkeit</title><link>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit</link><comments>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit#comments</comments><pubDate>Fri, 12 Apr 2024 11:21:00 +0200</pubDate><category>Konferenz</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit</guid><description>Mit Gipfeli und Schüemli begrüßten die Organisator*innen der ersten Schweizer National Diamond Open Access Conference in Bern ihre Teilnehmenden. Unter dem appellierenden Motto “Acting together for sustainable scholar-led publishing” hat das Projekt PLATO am 8. März 2024 Fachpublikum und Expert*innen nach Bern in das Kulturzentrum PROGR eingeladen. Dr. Daniela Hahn (PLATO, Universität Zürich) eröffnete die Veranstaltung und freute sich über die zahlreichen Teilnehmenden. Sie lobte den Erfolg der sieben Schweizer PLATO-Universitäten in Hinblick darauf, dass sie es gemeinsam geschafft haben, Diamond Open Access bekannter und sichtbarer zu machen und somit die Relevanz in der akademischen Gemeinschaft zu verdeutlichen. Laut Hahn komme es nun darauf an, das Problem der Nachhaltigkeit im Bereich der Diamond-Open-Access-Finanzierung und deren grundlegenden Infrastrukturen anzugehen.
Status quo: Viel Open Access, aber kaum Diamond Open Access

Daniela Hahn gab damit das Wort an ihre PLATO-Projektkolleg*innen Dr. Andrea Malits und Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler, beide von der Universität Zürich. Auf Grundlage der Untersuchung “Mapping the Swiss Landscape of Diamond Open Access Journals” (2023) berichteten sie, dass viele Diamond Open Access Journals mit besonders niedrigen Budgets auskommen müssten und es ein größeres Angebot an professionellen Beratungsservices für solche Journals geben müsste. Eine Folge davon sei, dass viele Diamond Open Access Journals auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen seien, die wiederum oft eine unsichere Basis für deren Nachhaltigkeit darstelle. Zur Visualisierung des Status Quo der Publikationslandschaft verwiesen sie auf den National Journal Monitor, der zeigt, dass nur 3,6% der Zeitschriftenartikel, die in den letzten fünf Jahren in der Schweiz veröffentlicht wurden, im Diamond Open Access erschienen sind. Insgesamt sind aber immerhin rund 68,5% der Artikel offen zugänglich und nur 31,5% im Closed Access erschienen .
This graph shows the Open / Closed ratio of the collected journal articles published in Switzerland over the last five years (2020-2024).
Quelle: Journal Monitor (OAM-CH), aufgerufen am 21.03.2024.

Dieses Ergebnis steht bedauerlicherweise im Widerspruch zur 2017 ins Leben gerufenen Swiss National Open Access Strategie, die sich zum Ziel gesetzt hatte, dass “bis 2024 die gesamte wissenschaftliche Publikationstätigkeit in der Schweiz Open Access sein soll und alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen im Internet frei zugänglich sein müssen.” Ein Grund für die Schwierigkeit der Umsetzung der Strategie sei das dezentralisierte schweizerische Hochschulsystem, das sich durch föderale und kantonale Regelungen auszeichnet. Zukünftige Beschlüsse und Fortschritte im Bereich Diamond Open Access seien daher nur durch übergeordnete nationale und internationale Initiativen und Community-Arbeit möglich, wobei Malits und Mumenthaler einen Fokus auf Schweizer Gelehrten-Gesellschaften legen wollen.
Keine Nachhaltigkeit durch mangelhafte Finanzierung

Nach einer kurzen Pause stellte Vanessa Proudman (DIAMAS/Direktorin von SPARC Europe/SCOSS Executive Groupo Chair) in der ersten von drei Keynotes einige Erkenntnisse ihrer Projektarbeit bei DIAMAS mit dem Titel &quot;Sustainable Diamond Open Access. What we know so far” vor. Dafür erläuterte sie zunächst den Begriff der Nachhaltigkeit, der im Fokus der Konferenz stand. Sie wies darauf hin, dass neben der langfristigen finanziellen Sicherheit auch z. B. Unabhängigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten in der Definition von Sustainability enthalten und mitgedacht werden sollten. Die Ergebnisse der letzten DIAMAS-Studie haben ebenfalls ergeben, dass die meisten Diamond Open Access Journals mit sehr geringer Finanzierung auskommen müssen und auf Ehrenamtliche angewiesen sind. Universitätsverlage haben laut Proudman häufig das Problem, dass sie viel Zeit für Fundraising aufbringen müssen. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum bestätigte diese Erkenntnis. Sie erklärte, dass sie Hilfe beim Fundraising benötige, da sie selbst keine Zeit dazu habe. Die Voraussetzungen, um finanziert zu werden, seien je nach Einrichtung unterschiedlich, was die Antragstellung uneinheitlich und damit noch komplizierter und aufwendiger mache. Vanessa Proudman bedankte sich für den Publikumsbeitrag und schlug vor, ihn als Fallbeispiel mit in die weitere Arbeit bei DIAMAS zu nehmen. Sie erklärte zudem, dass es generell mehr permanente öffentliche finanzielle Förderung für Diamond Open Access geben müsse, um einen gewissen Grad der Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Dabei sei jedoch eine Hürde, dass solche Finanzierungen, wenn sie denn existieren, meist nur national möglich sind und der eigentlichen Diamond-Open-Access-Idee einer Internationalisierung widersprechen. Und genau dieser Frage der internationalen Finanzierung gehe DIAMAS ab sofort nach. Der dafür grundlegende Report “Into the financial sustainability of IPSPs” werde Anfang April 2024 veröffentlicht. Ergänzend dazu werde es laut Proudman bald ein Financial Sustainability Self-Assessment Tool für IPSPs geben, um die eigene Nachhaltigkeit überprüfen zu können.
Eine globale Diamond-Vernetzung

Die von Vanessa Proudman angesprochene Problematik der notwendigen internationalen Zusammenarbeit im Bereich Diamond Open Access griff daraufhin Pierre Mounier (OPERAS, École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in der zweiten Keynote mit dem Titel “Towards a European Capacity Hub and a Global Federation for Diamond Open Access” auf. Er erklärte, dass OPERAS in Zusammenarbeit mit DIAMAS eine Struktur für einen internationalen Diamond-Open-Access-Knotenpunkt entworfen habe: Dabei bilden “Communities” die kleinsten Einheiten. Als Communities definiert Mounier Journals, die als &quot;scholarly community” agieren. Einen nächsten Bestandteil der Struktur bilden “Capacity Centres”, die Journals mit Erste-Hilfe-Maßnahmen, also z.B. mit entsprechender Beratung zu Tools, Services oder Trainingsangeboten unterstützen. Diese Capacity Centres sollen wiederum von “Capacity Hubs” auf kontinentaler Ebene koordiniert werden. Die Capacity Hubs haben die Aufgabe, gemeinsame Ressourcen der Capacity Centres zu entwickeln, den Wissensaustausch unter den Centres zu organisieren und nach Synergien zu suchen. Auf dieser strukturellen Basis baue die “Global Federation” auf, die sich weltweit für den Fortschritt der Diamond-Open-Access-Transformation einsetzt, bei der Anpassung der entsprechenden Open-Access-Strategien unterstützt und einen globalen Diamond Open Access Summit organisiert. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum freute sich über das Verbundvorhaben, da sie die Einrichtung, in der sie arbeitet, anhand der Definitionen von Mounier als Capacity Centre einordnen könne und die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit in Form eines Hubs für ihre Arbeit als sehr hoch einschätze.

Die dritte Keynote hielt Dirk Verdicchio von der Universität Bern, der unter dem Titel “Building a Diamond Open Access Environment” seine Forschungsergebnisse zu Entstehungsprozessen von Diamond Open Access Journals berichtete. Bemerkenswert sei vor allem, dass es bei Redaktionen, die mit dem Berner Universitätsverlag zusammenarbeiten möchten, stark um das Vertrauen und sehr wenig um die technischen Grundlagen bzw. Voraussetzungen gehe.
Für eine nachhaltige Open-Access-Zukunft

Nach den drei Keynotes gab es eine Mittagspause, auf die am Nachmittag zwei Roundtables folgten. Als erstes diskutierten Valérie Andres (FHNW Bibliothek/Co-President AKOA), Jeanette Frey (Bibliothèque Cantonale et UniversitaireLausanne/Consortium of Swiss Academic Libraries), Beat Immenhauser (Swiss Academies of Arts and Sciences), Tobias Philipp (Swiss National Science Foundation) und Christian Schwarzenegger (swissuniversities) über die unterschiedlichen Initiativen für eine nachhaltige Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation. In der Diskussion wurde deutlich, dass es zunächst relevant sei, den festgefahrenen Kreislauf der finanziell begründeten Entscheidungen zu durchbrechen. Denn wenn Universitäten darauf angewiesen seien, renommierte Forscher*innen für ihre Einrichtung anzuwerben und die Voraussetzung für Renommée das Publizieren in großen, kommerziellen Journals bleibe, würden Universitäten gezwungen bleiben, ihre finanziellen Ressourcen weiterhin in diese großen Verlage fließen zu lassen. Die Folge wäre, dass kaum oder kein Budget für Open Access Journals übrig bleibe. Eine Publikationszukunft, die ohne Journals auskommt, konnte sich der Roundtable nicht vorstellen, da es einer Review-Struktur bedarf, die bisher nur im Journal-Format gegeben sei. Ohne die Qualität, die diese Review-Struktur bietet, würde zudem das Vertrauen in die Wissenschaft verloren gehen. Ein Gegenbeispiel war jedoch Wikipedia, wo die Zeit als Peer-Reviewer diene, weil Wikipedia-Artikel über die Zeit in der Community immer weiter verbessert und aktualisiert würden. In der Schlussrunde wurden die Expert*innen jeweils um ein abschließendes Statement gebeten: Valérie Andres betonte die Komplexität der Disziplinen und der Stakeholder, die wiederum unterschiedliche Bedarfe an Initiativen wissenschaftlicher Kommunikation mitbringen. Beat Immenhauser erklärte, dass er vor allem die Debatte über Qualität im Open-Access-Bereich für verbesserungswürdig halte. Die Annahme, dass Diamond-Open-Access-Artikel eher dazu neigen, Qualitätsmängel aufzuweisen, sei schlichtweg falsch. Die wiederkehrende Fokussierung und Thematisierung des vermeintlichen Qualitätsmangels könnte die Fehlannahme sogar bestärken, statt aufzuklären. Jeanette Frey schloss ihren Beitrag zum Roundtable mit einer Forderung nach einer zuverlässigen Finanzierung, die z.B. durch Konsortien gewährleistet werden könnte. Um zuverlässig zu sein, müsse Finanzierung jedoch projektunabhängig gegeben sein. Christian Schwarzenegger wies darauf hin, dass es in anderen wissenschaftlichen Bereichen auch immer wieder schwierig sei, eine Finanzierung zu erhalten und dass man mit einer gewissen Unsicherheit mit Blick auf die Zukunft leben müsse. Er wünsche sich zudem ein zentrales Eingangsportal für alle Schweizer Publikationen.
Aus den Fehlern und Erfahrungen lernen

Am zweiten Roundtable diskutierten Margit Dellatorre (Universitätsbibliothek Zürich/HOPE), Manuel Battegay (Präsident des Trägervereins Swiss Medical Weekly), Elio Pellin (Universitätsbibliothek Bern/CRAFT OA) und Klaus Rummler (PH Zürich/MedienPädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung) zum Thema “Diamond Open Access Practices: Quality, Efficiency and Sustainability”. Dabei waren sich alle einig, dass je nach Disziplin unterschiedliche Merkmale wichtig seien, damit ein Journal gut funktionieren könne. Im Bereich Medizin sei ein besonders wichtiges Qualitätsmerkmal die Schnelligkeit, mit der ein Journal seine Artikel publiziert. An diesem Roundtable wurde auch darauf hingewiesen, dass viele Argumente, mit denen sich die Diamond Open Access Community konfrontiert sieht, dieselben seien, die gegen Closed Access oder Gold Open Access Journals existieren: dass sie zu teuer seien, dass ihre Qualität angezweifelt werde und die Zweifel an ihrer Nachhaltigkeit. In der Schlussrunde durften die Expert*innen ihre Wünsche für die Open-Access-Zukunft äußern.

Herausgegriffen sei hier der Kommentar von Elio Pellin, der sich wünschte, dass man nicht wieder dieselben Fehler mache, die man im Bereich Open Access bereits gemacht habe: Die großen Verlage dürften nicht wieder und wieder die finanziellen Ressourcen für Publikationen abgreifen. Stattdessen müsse man die Gelder in gemeinsame europäische Projekte investieren. Mit diesem Blick in die Zukunft endete die erste Schweizer National Diamond Open Access Conference in Bern.
Die Utopie als Motivation

Das Motto “Acting together for sustainable scholar-led publishing” fasst die Vorhaben der Projektreferent*innen perfekt zusammen. Nachhaltigkeit im Bereich Diamond-Open-Access ist sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ein Dreh- und Angelpunkt, der das Vertrauen in und somit die Etablierung von Diamond-Open-Acess-Publikationen beeinflusst. Die gemeinschaftliche Finanzierung nicht-kommerzieller Publikationsorte widerspricht dabei den eingefahrenen Marktlogiken wissenschaftlichen Publizierens, die auf großen Wissenschaftsverlagen und dem damit einhergehenden bibliometrischen Renommee basieren. Die Idee einer globalen Vernetzung, die die Projekte OPERAS, DIAMAS und CraftOA gemeinsam umsetzen wollen, klingt in Hinblick dessen besonders vielversprechend, gleichzeitig aber auch noch etwas utopisch. Das 2017 ins Leben gerufene Ziel der Swiss National Open Access Strategie, bis 2024 100% der Publikationen frei zugänglich zu publizieren, war ambitioniert. Aber: Obwohl dieses Ziel nicht komplett erreicht wurde, sind die Schweizer*innen ihm zumindest näher gekommen. Eine globale Diamond-Open-Access-Zusammenarbeit voranzutreiben, bedarf ebenfalls großer Ambitionen. Die konkreten Pläne und die motivierte Open Access Community in Bern scheinen dafür aber gute Voraussetzungen zu bieten.
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<item><title>Die ersten Schritte zum Informationsbudget gemeinsam gehen</title><link>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen</link><comments>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen#comments</comments><pubDate>Tue, 09 Apr 2024 11:29:53 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen</guid><description>Vertreter*innen vier verschiedener Einrichtungen boten in einem Workshop Einblicke in die praktische Implementierung eines Informationsbudgets.

Über 230 Personen hatten sich angemeldet für den Workshop &quot;Erste Schritte zum Informationsbudget: Publikationskosten erfassen und sichtbar machen&quot;, der am 07.02.2024 im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts open-access.network von der UB der Universität Bielefeld und dem Helmholtz Open Science Office durchgeführt wurde. Sie hatten Gelegenheit, von vier geladenen Referent*innen aus erster Hand einrichtungsübergreifende Ansätze zur Ermittlung von Publikationskosten als Grundlage für die finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation kennenzulernen.
Transparentes Kostenreporting mit OpenAPC 

Als erste Referentin gab Julia Bartlewski von der Universität Bielefeld einen umfassenden Einblick in die Abfragemöglichkeiten und die Struktur von OpenAPC, einem Projekt, das sich der transparenten Berichterstattung über Kosten im Zusammenhang mit Open Access-Publikationen widmet.

Seit 2014 werden in OpenAPC Daten zu Publikationskosten erfasst und veröffentlicht. Dazu gehören Artikelbearbeitungsgebühren (APCs), Buchbearbeitungsgebühren (BPCs) und Transformationsverträge. Ziel ist es, maximale Kostentransparenz und Vergleichbarkeit zu schaffen und damit auch Kostenentwicklungen über die Zeit verfolgbar zu machen. Um den einzelnen Institutionen die Übermittlung ihrer Kostendaten zu erleichtern, wird ein hoher Grad an Automatisierung angestrebt. Daten können beispielsweise per E-Mail, Pull-Request, OAI-Harvesting oder per Meldung ans DFG-Förderprogramm „Open Access-Publikationskosten“ übermittelt werden. Geplant ist außerdem eine Erweiterung der Infrastruktur von OpenAPC unter Nutzung des openCost-Metadatenschemas um relevante Kostenpunkte wie sog. page oder color charges.

Im Projektblog wird eine automatisiert generierte Datenanalyse zu jeder Datenlieferung veröffentlicht. Der gesamte Workflow zur Erfassung der Kostendaten an der Universitätsbibliothek Bielefeld wurde von Julia Bartlewski an praktischen Beispielen veranschaulicht und anschließend diskutiert.

Abschließend gab es noch eine Demonstration anhand interaktiver Treemap-Diagramme, welche die gesammelten Daten visualisieren und verschiedene Möglichkeiten der Betrachtung und Filterung bieten.
Der lange Weg zur zentralen Rechnungsbearbeitung

Als zweiter Referent präsentierte Gernot Deinzer die Entwicklung und Implementierung eines zentralen Systems zur Erfassung von Publikationskosten an der Universität Regensburg.

Dabei ging er auf den zurückgelegten Weg ausgehend vom DFG-Programm „Open-Access-Publizieren“ im Jahr 2011 bis zur heutigen Situation mit einem zentralen System zur Bearbeitung von Publikationsgebühren ein. Dieser Weg sei lang und steinig gewesen, aber mittlerweile wolle niemand mehr zurück. Heute sind Autor*innen, Fakultäten und Lehrstühle verpflichtet, Publikationsrechnungen in der Rechnungsstelle der Universitätsbibliothek einzureichen, wo sie geprüft, erfasst und für die Rechnungsanweisung freigegeben wird. Neben der systematischen Erfassung von Publikationsgebühren, Erwerbs- und Lizenzierungskosten bringt dies eine Reihe weiterer Vorteile mit sich, wie die Möglichkeit, Metadaten einer Publikation mit der DOI zu verknüpfen und auf Knopfdruck auszuwerten. Außerdem erfolgt direkt eine Volltextaufnahme ins institutionelle Repositorium. Deinzer schloss mit einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen, einschließlich der Evaluierung von Publikationskosten und weiterer Verbesserungen im Workflow.

Das Publikum griff seine Ausführungen als Best Practice interessiert auf und es ergab sich eine sehr lebhafte Diskussion zu spezifischen Aspekten der Publikationskostenerfassung. Unter anderem ging es dabei um die Organisation von Literatur- und Lehrmittelbestellungen, personelle Aufwände, Einhaltung von Budgets, Umgang mit Transformationsverträgen sowie die Erfassung weiterer Kostenarten wie Druckkostenzuschüsse oder Artikelbeschaffungskosten (APCs).
Parallele Prozesse zusammenführen

Dritte Referentin war Viola Voß von der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB), wo der Prozess zur schrittweisen Etablierung eines Informationsbudgets begonnen hat. Schwerpunkt ihrer Ausführungen waren die Herausforderungen, die mit der Einführung eines Informationsbudgets verbunden sind. Sie konnte aber auch über erste Fortschritte berichten und über Hürden, die in Münster schon gemeistert wurden.

Die Ausgangslage ist aufgrund des dortigen zweischichtigen Systems kompliziert: Universität und Uniklinikum agieren in Münster als separate Körperschaften mit unterschiedlichen SAP-Systemen, Steuernummern und je eigenen Strukturen und Abteilungen. Statt Zentralmittel für Open-Access-Publikationen gibt es eine Kostenteilung mit den Fachbereichen, die für Publikationsfonds, Verlagsverträge und Transformationsverträge gilt. Die ULB, die am DFG-Förderprogramm beteiligt und 2022 zum Bibliotheksmanagementsystem Alma gewechselt ist, bereitet sich auf die Einführung eines Informationsbudgets z.B. über das Reporting für die DFG und durch die Mitarbeit in der Fokusgruppe Informationsbudget vor. Im Sommer 2023 wurde an der Universität eine neue Kostenstelle eingeführt, um Kosten für Open und Closed Access-Publikationen differenzieren zu können, am Uniklinikum wurde eine Kostenstelle speziell für Publikationen eingerichtet.

Durch diese Maßnahmen hat die Bibliothek nun einen ersten Überblick über die Kosten für Artikel, Bücher und Verlagsverträge; jedoch gestaltet sich die standardisierte Rechnungserfassung aufgrund technischer Einschränkungen und organisatorischer Rahmenbedingungen als herausfordernd. Auch die Integration verschiedener Systeme – z.B. die Anbindung von Alma an SAP – steht noch aus, aber die ULB ist zuversichtlich, dass sie auf einem guten Weg ist.

Die anschließende Diskussion drehte sich um Themen wie die Informationsweitergabe an die Fachbereiche, das Buchungsprozedere, die Rolle von Alma in der Verwaltung von Publikationskosten und die Integration des Metadatenschemas von openCost in das Forschungsinformationssystem.
Kostentransparenz auf allen Ebenen

Abschließend präsentierte Lisa-Marie Stein vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg, den Workflow am DESY zur zentralen Erfassung und Nachnutzung von Kostendaten im institutionellen Repositorium. Das Ziel ist, Schritte in Richtung eines Informationsbudgets zu unternehmen und Kostentransparenz auf allen Ebenen zu schaffen, um eine nachhaltige Transformation zu ermöglichen.

Am DESY werden alle Publikationen frühzeitig im institutionellen Repositorium erfasst und im Verlauf um Informationen zur Genehmigung und Zahlungsabwicklung ergänzt. Das Publikationskostenmodul innerhalb des Repositoriums ermöglicht die Erfassung auf Artikelebene und eine gemeinsame Definition mit JOIN2. Auch Aspekte wie Datenharvesting, DFG-Monitoring oder die Erweiterung des EZB-Katalogs um Informationen zu Publikationen und Publikationskosten wurden thematisiert.

Lisa-Marie Stein betonte die Bedeutung der zentralen Erfassung von Kostendaten im Repositorium und beschreib die Herausforderungen, die mit diesem Prozess verbunden sind. Wichtig war insbesondere, dass openCost keine Datensammlung ist, sondern vielmehr ein definiertes Austauschformat, das an verschiedene Systeme angebunden werden kann.

In der Diskussion wurden Fragen zur Integration von Daten in SAP, zum Format der Daten und zur Zusammenarbeit mit Bibliothekssystemen und Anbietern von Repositorien erörtert.
Fazit: Nie das Ziel aus den Augen verlieren!

In der Abschlussrunde wurde noch einmal die Bandbreite der unterschiedlichen lokalen Ausgangslagen betont. Best Practices lassen sich häufig nicht ohne Weiteres übertragen, aber sie inspirieren zu neuen Ideen für die eigene Einrichtung. Dennoch seien Austauschformate wie dieser Workshop hierzu besonders wichtig, um voneinander zu lernen, beispielsweise, was die Argumentation für eine zentrale Rechnungsstelle angehe. Wichtig sei, dass man nie das Ziel der Transformation aus den Augen verliere: Ein aussagekräftiges Informationsbudget ist kein Selbstzweck, sondern essentiell für eine evidenzbasierte Mittelallokation – auch und gerade angesichts des zunehmenden Kosten- und Spardrucks an vielen Einrichtungen. Auch als Argument für Diamond Open Access und für die Diskussion über Kosten und Nutzen von Transformationsverträgen wie DEAL sind konkrete Zahlen von zentraler Bedeutung. Das große Interesse am Workshop und die positiven Evaluationen bestätigen, dass das Themenfeld für die Open-Access-Community wichtig ist und bleiben wird.

Alle Präsentationen des Workshops wurden bei Zenodo veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
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<item><title>Wir gründen eine wissenschaftliche Zeitschrift</title><link>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift</link><comments>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift#comments</comments><pubDate>Mon, 25 Mar 2024 08:45:00 +0100</pubDate><category>Zeitschriften</category><category>Technik und Workflows</category><dc:creator>Stefan Schmeja</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 18.03.24 auf dem TIB-Blog unter der Lizenz CC BY 3.0 DE erschienen.

Zeitschriften stellen in den meisten Fächern das wichtigste Medium dar, um wissenschaftliche Ergebnisse zu kommunizieren. Im digitalen Zeitalter kann die Produktion und Verbreitung von Zeitschriften von wissenschaftlichen Einrichtungen selbst übernommen werden. Doch wie funktioniert das? Wie läuft der Publikationsprozess eines Zeitschriftenartikels ab? Was ist bei der Herausgabe einer Zeitschrift zu beachten?
Online-Workshop „Wie entsteht eine wissenschaftliche Zeitschrift?“

Um gemeinsam Antworten zu finden und praktische Erfahrungen zu ermöglichen, haben wir im Februar 2024 erstmals den Online-Workshop „Wie entsteht eine wissenschaftliche Zeitschrift?“ für Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen der Leibniz Universität Hannover und deren Partneruniversitäten im EULiST-Netzwerk angeboten. Da es noch freie Plätze gab, haben wir den Workshop kurzfristig auch für andere Interessierte geöffnet.
Der Publikationsprozess eines wissenschaftlichen Artikels

In diesem Workshop erstellten die Teilnehmenden eine fiktive Open-Access-Zeitschrift mit Hilfe von Open Journal Systems (OJS). OJS ist eine weit verbreitete Open-Source-Software für die Verwaltung und Veröffentlichung von wissenschaftlichen Zeitschriften, die auch für unseren Verlag TIB Open Publishing eingesetzt wird. Die Teilnehmenden reichten ihre vorab erstellten Manuskripte bei der Zeitschrift ein, begutachteten diese gegenseitig und spielten so den Weg eines Artikels durch den Publikationsprozess durch. Sie lernten die Grundlagen des wissenschaftlichen Publizierens, die Rollen von Autor:innen, Gutachter:innen und Herausgeber:innen und die Abläufe bei der Produktion einer Zeitschrift kennen.
Qualitätssicherung, Sichtbarkeit und Finanzierung

Sie beschäftigten sich mit Fragen der Qualitätssicherung, der Sichtbarkeit und Finanzierung der Zeitschrift und lernten so die Bedeutung von Metadaten, Metriken und Identifiern im Publikationswesen kennen. Die Teilnehmenden hatten Beispiele von bestehenden Zeitschriften aus ihrem jeweilgen Fachgebiet mitgebracht und erläutert, was ihnen an der Zeitschrift und insbesondere an ihrem Webauftritt inhaltlich und optisch besonders gefiel. In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden, welche Art von Peer Review von „unserer“ Zeitschrift durchgeführt, wie sie finanziert und wie ihr Webauftritt gestaltet werden sollte.
Von den Teilnehmenden zusammengestellte essenzielle und optionale Elemente des Webauftritts der Zeitschrift.
Von den Teilnehmenden zusammengestellte essenzielle und optionale Elemente des Webauftritts der Zeitschrift.
Impact Factor – ja oder nein?

Des Weiteren wurde überlegt, wie für Sichtbarkeit und Attraktivität der Zeitschrift gesorgt werden kann. Soll ein Impact Factor angestrebt und prominent beworben werden? Lässt übertriebenes Werben um Autor:innen die Zeitschrift als „Predatory Journal“ erscheinen? Fachspezifische Unterschiede zeigten sich unter anderem bei der Frage, ob eine Zeitschrift ausschließlich Forschungsartikel oder auch Veranstaltungshinweise, Nachrufe, Buchbesprechungen und Ähnliches beinhalten sollte.

Der Workshop war als Lehrveranstaltung mit 30 Stunden (davon 10 vorab im Selbststudium) konzipiert, für die über eine Zusammenarbeit mit der Zentralen Einrichtung für Weiterbildung der Leibniz Universität Hannover ein ECTS-Punkt erworben werden konnte. Aufgrund des positiven Feedbacks planen wir, den Workshop in ähnlicher oder adaptierter Form auch zukünftig anzubieten. Verschiedene Anfragen haben uns gezeigt, dass es offenbar einen großen Bedarf für solche Formate auch für andere Zielgruppen gibt. Bei Fragen oder Interesse melden Sie sich gerne bei uns unter publikationsberatung@tib.eu.
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<item><title>Open-Access-Tage 2023: Videoaufzeichnungen, Folien und Nachlese</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese#comments</comments><pubDate>Mon, 05 Feb 2024 09:08:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Georg Fischer</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</guid><description>Ende September 2023 fanden die Open-Access-Tage (#OAT23) in Berlin statt. Damit wurde auch der 20-jährige Geburtstag der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen in der deutschen Hauptstadt gebührend gefeiert und gewürdigt. Wer die OAT23 Revue passieren lassen oder noch den einen oder anderen Vortrag nachträglich schauen möchte, hat dafür nun mehr als 30 Videos zur Auswahl.

Open Access hat sich seit der Berliner Erklärung als Standard und wesentliches Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens etabliert. Die Open-Access-Tage, die jährlich stattfindende Konferenz für Open Access und Open Research im deutschsprachigen Raum, nahm sich das Jubiläum zum Anlass, um den zurückliegenden Weg gemeinsam zu reflektieren und unter dem Motto Visionen gestalten in die Zukunft zu blicken.

Das angenehme spätsommerliche Wetter meinte es gut mit den über 450 Teilnehmenden. Sie kamen für zahlreiche Vorträge und Workshops, drei Keynotes, eine Podiumsdiskussion, eine Postersession und in anderen lockeren Formaten, etwa bei Abendveranstaltungen oder einem leckeren Eis zusammen.
Zum Nachschauen: 32 Vorträge der #OAT23 als frei lizenzierte Videos online

Bei einer so großen Konferenz wie den Open-Access-Tagen ist es ein Leichtes, Vorträge zu verpassen. Nun sind insgesamt 32 Vorträge und eine Podiumsdiskussion als Aufzeichnungen im AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek auffindbar. Sie enthalten Untertitelungen in deutscher und englischer Sprache sowie die Vortragsfolien. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema DEAL sind auch Publikumsfragen in den Aufzeichnungen enthalten.

Die Vorträge sind unter dem DOI https://doi.org/10.5446/s_1673 im TIB-AV-Portal abrufbar und können von dort aus auch heruntergeladen werden. Alle Videos stehen unter der freien Lizenz CC BY 3.0 für diverse Formen der Nachnutzung bereit.
Vortragsfolien, Poster und weitere Nachlese zu den #OAT23

Neben den Vorträgen selbst sind die Präsentationsfolien von allen 32 Vorträgen sowie die 18 gezeigten Poster bei Zenodo verfügbar. Die Dateien sind in dieser Zenodo-Gruppe gespeichert und können dank der offenen Lizenz problemlos nachgenutzt werden.

Zudem sind einige Konferenz-Nachberichte erschienen. Darunter ein Nachbericht in der Uni-Zeitung der FU campus.leben, ein Jubiläumsbericht zur Berliner Erklärung beim Berliner Tagesspiegel oder eine Reflexion bei der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg.

Die #OAT23 waren eine gemeinsame Veranstaltung der Berliner Universitäten, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Berliner Hochschulen – insgesamt 14 Einrichtungen. Sie fanden vom 27. bis 29. September 2023 an der Freien Universität Berlin statt. Die Koordination übernahm das Open-Access-Büro Berlin.

Die nächsten Open-Access-Tage (#OAT24) finden vom 10. bis 12. September 2024 in Köln statt. Ein kurzer Teaser dazu findet sich hier.
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<item><title>Auftakt der Workshopreihe &quot;Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation&quot;</title><link>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation</link><comments>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation#comments</comments><pubDate>Thu, 25 Jan 2024 09:08:04 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Informationsbudget</category><guid>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation</guid><description>Ein Veranstaltungsbericht

Die „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ ist Thema einer Workshopreihe im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network. Organisiert und durchgeführt wird sie von der Universitätsbibliothek Bielefeld und dem Helmholtz Open Science Office. Im Mittelpunkt der sechsteiligen Workshopreihe steht das Thema Informationsbudget an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Die Auftaktveranstaltung am 13.09.2023 versorgte die rund 130 Teilnehmenden mit Informationen zum Stand der Diskussion, zur Zielsetzung der Idee und ersten Umsetzungsszenarien.
Überblick über den Diskussionsstand

Der erste Workshop mit dem Titel „Finanzierungsströme für die Open-Access-Transformation – Überblick und Stand der Diskussion“ begann mit drei Impulsvorträgen. Jochen Schirrwagen (RWTH Aachen) gab zunächst einen Überblick und eine Einführung ins Thema Informationsbudget. Prof. Gerard Meijer (Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft) knüpfte in seinem Beitrag &quot;Strategic Aspects of the Open Access Transformation&quot; an die „Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ an, die er als Sprecher einer Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates mitverfasst hat (Wissenschaftsrat, 2022). Schließlich sprach Dr. Bernhard Mittermaier (Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich) über erste Erfahrungen bei der Umsetzung eines Informationsbudgets am Forschungszentrum Jülich. Die Referenten haben die Präsentationsfolien zu ihren Vorträgen bei Zenodo im Open Access veröffentlicht; sie sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
Austausch fördern, gemeinsam arbeiten

Ausgehend von diesen einleitenden Vorträgen diskutierten die rund 130 Teilnehmer*innen während einer Gruppenarbeitsphase  über Vorteile, Ansätze und Herausforderungen bei der Umsetzung eines transparenten Informationsbudgets im eigenen Haus.
Der aktuelle Stand zum Informationsbudget an deutschen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen ist sehr heterogen und oft sind es  die Bibliotheken, die das Thema vorantreiben. Während einige Einrichtungen über bereits implementierte Workflows zur Kostenerfassung im gesamten Haus berichten konnten, steht bei anderen das Thema bislang unbearbeitet auf der To-Do-Liste.
Bild von Manfred Steger auf Pixabay

Viele Teilnehmende suchen nach konkreten Ansatzpunkten, um aus der theoretischen Debatte in das praktische Handeln zu kommen. Dafür ist der Austausch mit anderen Kolleg*innen besonders wichtig. Damit nicht jede Hochschule, Universität oder Wissenschaftsinstitution individuelle Lösungen erarbeiten muss, besteht der Wunsch, von den Erfahrungen, Ideen, Modellen und Ansätzen anderer zu profitieren. Gleichwohl setzen die Unterschiede zwischen den Einrichtungstypen und ihrer internen Organisation gemeinsamen Lösungsansätzen Grenzen. Ein besonderes Problem sahen viele Teilnehmer*innen im dezentralen Abrechnungswesen.

Die transparente und vollständige Erfassung von Kosten und Aufwänden im Kontext des wissenschaftlichen Publizierens muss auf allen Ebenen erfolgen. Organisatorisch beinhaltet  das Institute, Bibliotheken und Infrastruktureinrichtungen und betrifft dies die Budgets von Bibliotheken, Lehrstühlen und Drittmittelprojekten sowie weitere Sondermittel.

    Viele Teilnehmende suchen nach konkreten Ansatzpunkten, um aus der theoretischen Debatte in das praktische Handeln zu kommen. Dafür ist der Austausch mit anderen Kolleg*innen besonders wichtig.

Vorteile und Schwierigkeiten

Gefragt nach den Vorteilen der Einführung von Informationsbudgets für wissenschaftliche Einrichtungen, nannten die Teilnehmer*innen, verbesserte  Steuerungsmöglichkeiten und einen besseren Kostenüberblick bezogen auf Publikationszahlen und Fachbereiche. Ein Informationsbudget böte auch den Vorteil, einfacherer Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Einrichtungen und ermögliche perspektivisch eine verbesserte Verhandlungsposition gegenüber Verlagen. Mehr Transparenz über Kosten und Leistungen in der Retrospektive (z. B. Durchschnitt des Publikationsaufkommens und Kosten der letzten drei Jahre) ermöglicht außerdem eine bessere Kalkulation für die Zukunft.

Schwierigkeiten und (praktischen) Hindernisse sahen die Teilnehmer*innen in der Zusammenarbeit von Finanzabteilung, Controlling, Bibliothek und Leitungsebene.
Verschiedene Datenquellen erschwerten den Gesamtüberblick über tatsächliche Ausgaben und die unterschiedliche Dynamik im Publikationsaufkommen der verschiedenen Fächer mache eine mittel- bis langfristige Finanzplanung nicht einfach.
Schwierig sei zudem die Zuordnung von Publikationen zu Drittmittelprojekten mangels Standardisierung der Projektidentifier, u. a. bei DFG-Projekten im Kontext des Förderprogramms „Open-Access-Publikationskosten“. Auch bei Transformationsverträgen sind die Kosten für einzelne Artikel mitunter nicht sichtbar.
Praktische Lösungsansätze

Im Anschluss an Bernhard Mittermaiers Vortrag zur Umsetzung des Informationsbudgets am Beispiel des Forschungszentrums Jülich, entwickelten die Teilnehmenden eigene Ideen und Ansätze dazu, wie sie an ihren Einrichtungen ein Informationsbudget etablieren wollen. Grundlegend biete der Erwerbungsetat eine gute Ausgangsbasis, die sukzessive um Elemente eines Informationsbudgets erweitert werden kann. Wichtig für die praktische Umsetzung sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Finanzabteilung. Um dies zu erleichtern, kann die Einführung einer entsprechenden Policy für die gesamte Institution hilfreich sein.

Auch ein vereinheitlichtes Bestellverfahren unter Einbeziehung der Bibliothek ermöglicht es, die Publikationsausgaben zentral zu erfassen. Teilnehmer*innen empfahlen auch die Nutzung der Forschungsinformationssysteme (FIS) statt Excel-Listen zur Kostendokumentation. Eine weitere Möglichkeit ist die  Erfassung von Kosten im institutionellen Repositorium oder die Einrichtung eines speziellen Buchungskontos für OA-Publikationen. Sachbearbeiter*innen, die dezentral Publikationsgebühren buchen, sollten entsprechend geschult werden. Um sie bei der korrekten Zuordnung der Kosten zu unterstützen, könne man ihnen außerdem eine Liste mit  Begriffen zur Verfügung stellen, die auf Open-Access-Publikationen hinweisen.
Einige Teilnehmende berichteten allerdings auch, dass es an ihrer Einrichtung bislang keine Ansätze für ein Informationsbudget gibt. Dies scheitere bislang am fehlenden Interesse der Leitungsebene.

Die Resonanz auf den Workshop war insgesamt sehr positiv. Allerdings wünschten sich die meisten Teilnehmenden mehr Zeit zum Austausch und zur Diskussion. Für die nächsten Workshops werden wir deshalb dafür mehr Zeit einplanen. Die während der Gruppenarbeitsphase gesammelten Wünsche zu Themen und Struktur der kommenden Workshops werden in die Planungen einfließen. Der nächste Workshop zum Thema &quot;Erste Schritte zum Informationsbudget: Publikationskosten erfassen und sichtbar machen&quot; wird am 7. Februar 2024 stattfinden.
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<item><title>CODRIA, PLATO und KOALA</title><link>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</link><comments>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Dec 2023 13:16:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</guid><description>Codria, Plato und Koala. Diamond Open Access-Zeitschriften und Finanzierungsmodelle in Deutschland und der Schweiz

„Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ ist der Titel einer neuen Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access von open-access.network. Am 20. September 2023 fand im Rahmen dieser Reihe die erste Veranstaltung statt. Thema waren Untersuchungen zu Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland und der Schweiz und Erfahrungen mit der konsortialen Finanzierung solcher Publikationen.

Diamond Open Access ermöglicht Open-Access-Publizieren ohne Autor*innengebühren. Als Alternative zu APC/BPC-basiertem Open Access wird Diamond Open Access in jüngster Zeit intensiv diskutiert.

Auf europäischer Ebene verabschiedeten die cOAlition S, OPERAS, Science Europe und das französische Forschungsnetzwerk ANR 2022 den Aktionsplan Diamond Open Access. Im Sommer 2022 fand die erste Diamond-Open-Access-Konferenz in Zadar (Kroatien) statt, gefolgt von der zweiten Konferenz im mexikanischen Toluca im Oktober 2023. Bereits 2021 veröffentlichten Science Europe und die cOAlition S die Diamond Open Access Journals Study, eine Bestandsaufnahme und Untersuchung von Open-Access-Zeitschriften, ihren Finanzierungsformen, Herausforderungen und Potenzialen (Bosman et al., 2021; Becerill et al., 2021).

In Deutschland und der Schweiz haben sich die Projekte KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), CODRIA (Community-Driven Open Access Journals zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen) und PLATO (Platinum Open Access Funding) mit den Publikationsbedingungen, Verbesserungspotenzialen und möglichen Modellen für Diamond-Open-Access-Zeitschriften beschäftigt.

In der Informationsveranstaltung am 20.September berichteten Daniela Hahn (Universität Zürich) und Nils Taubert (Universität Bielefeld) zunächst die Ergebnisse der beiden Forschungsprojekte PLATO und CODRIA. Im Anschluss stellte Alexander Pöche (TIB Hannover) das Projekt KOALA und Erfahrungen aus der Organisation und Verwaltung von Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Publikationen vor.
Diamond Open Access Journals in Deutschland und in der Schweiz

Die im Rahmen von CODRIA und PLATO durchgeführten Untersuchungen (Bruns et al., 2022; Taubert et al., 2023; Hahn et al., 2022) kommen zu ähnlichen Ergebnisse wie die Diamond Open Access Study (Bosman et al., 2021): Diamond Open Access Journals sind ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Kommunikation, v.a. in den Sozial- und Geisteswissenschaften, sie sind eher klein, veröffentlichen meist nicht mehr als 25 Artikel pro Jahr und stützen sich wirtschaftlich auf ganz unterschiedliche Finanzierungsquellen, wobei viele dabei mit einer unsicheren Finanzierung zu kämpfen haben. Darüber hinaus bieten die Projektergebnisse wichtige Einblicke in die Strategien von Diamond-Open-Access-Zeitschriften, mit knappen Ressourcen zu haushalten und leisten einen Beitrag zur Klärung der jeweiligen Bedarfe.

Das BMBF-Projekt &quot;Community-Driven Open Access Journale zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen&quot; (Laufzeit 1.2.2021–31.1.2023) führte eine Bestandsaufnahme der Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland durch. Im Rahmen einer bibliographischen Analyse wurden eine Liste von insgesamt 458 Diamond-Open-Access-Zeitschriften zusammengestellt (vgl. Bruns et al. 2022). Viele dieser Zeitschriften sind eher klein: Durchschnittlich wurden 2021 im Jahr nur 16 Beiträge pro Zeitschrift veröffentlicht. Dabei existieren große Unterschiede. Die Zeitschrift mit dem höchsten Output veröffentlichte im Jahr 2021 288 Artikel.

Fachlich sind die Geistes- und Sozialwissenschaften unter den Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit einem Anteil von 72,5% stark überrepräsentiert. Nur rund 13% der Diamond-Open-Access-Zeitschriften haben eine naturwissenschaftliche und 6% eine technikwissenschaftliche Ausrichtung.
Abb. 1: Quelle: Taubert, N. (2023)

Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung vertiefte das CODRIA-Projektteam seine Ergebnisse. Viele Zeitschriften operieren auf der Basis gemischter Ökonomien: Während ein Teil der Arbeiten bezahlt erfolgt, sind andere Aufgaben ehrenamtlich organisiert. Alle Journals vereint, dass sie auf keiner gesicherten wirtschaftlichen Basis agieren. Häufig sind sie von lokal vorhandenen Mitteln oder zeitlich befristeten Projektgeldern abhängig. Eine Strategie, damit umzugehen, kann es sein, Arbeiten auf eine große Zahl Freiwilliger zu verteilen. Doch der Kreis der Engagierten ist häufig klein und zentrale Aufgaben sind vom Engagement Einzelner abhängig. Eine nachhaltige Finanzierung, so das Fazit von Niels Taubert, sei deshalb erforderlich, um eine nachhaltige Geschäftsgrundlage für Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen.

Diese Schlussfolgerung zog auch Daniela Hahn, Projektleiterin von PLATO. PLATO ist ein Partnerprojekt von sechs Schweizer Universitäten. Neben einer Bestandsaufnahme von Zeitschriften und deren Herausforderungen ist es das Ziel von PLATO, nachhaltige Förderstrategien für wissenschaftsgeleitetes Diamond Open Access in der Schweiz zu entwickeln.

In der ersten Projektphase ging es auch bei PLATO, vergleichbar mit CODRIA, um die Erfassung aller Diamond-Open-Access-Zeitschriften und die Untersuchung ihrer Perspektiven und Herausforderungen. Im Ergebnis stellte PLATO eine Liste von 235 Zeitschriften zusammen. Analog zu den Ergebnissen bei CODRIA sind auch die von PLATO untersuchten Zeitschriften überwiegend klein und publizieren durchschnittlich weniger als 25 Artikel pro Jahr; fachlich liegt der Schwerpunkt (67,3%) ebenfalls in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

Anders als in der CODRIA-Studie wurde in der PLATO-Untersuchung auch nach dem Publikationsort und den Finanzierungsmechanismen gefragt: Mehr als die Hälfte der Zeitschriften erscheint an Hochschulen (46,4%) und wissenschaftlichen Akademien (16,6%). Profitorientierte Verlage stellen dagegen nur 15,7% der Publikationsorte. Diamond-Open-Access-Zeitschriften finanzieren sich – hier sind die Ergebnisse von PLATO in Übereinstimmung mit CODRIA –  über eine breite Palette von Quellen. Eine solche Mischfinanzierung aus vielen kleinen Töpfen ist häufig erforderlich, um den Fortbestand der Publikation zu sichern, denn eine nachhaltige Finanzierung zu organisieren, ist für viele Zeitschriften schwierig.

In der zweiten Projektphase soll im Projekt PLATO ein Finanzierungsmodell für Diamond-Open-Access-Zeitschriften entwickelt werden. Herausfordernd ist es dabei, teilweise verborgene Kosten zu ermitteln und Infrastrukturkosten zu recherchieren. Letztere variieren abhängig davon, ob das Zeitschriften-Hosting inhouse oder auf externen Plattformen, kostenlos oder gegen Gebühr organisiert wird. Im Rahmen von PLATO wurden sechs Stichproben erhoben. Die mittleren Kosten lagen demnach bei 15.000 Sfr (15.600 €)/Jahr.
Diamond Open Access nachhaltig ermöglichen

Für die Zukunft der Diamond-Open-Access-Förderung in der Schweiz stellen sich aus Sicht von PLATO strategische, organisatorische und wirtschaftliche Fragen: Strategisch soll Diamond Open Access in die überarbeitete nationale Open-Science-Strategie von swissuniversities integriert werden. Unklar ist aber, wie die Herausforderung der Finanzierung von Diamond Open Access am besten gelöst werden kann. Neben konsortialen Modellen (eine gemeinschaftliche Finanzierung durch mehrere wissenschaftliche Bibliotheken) kommt auch der Aufbau eines nationalen Kapazitätszentrums als Modell in Betracht. Wirtschaftlich ist zu klären, wie sich die Kosten für Diamond Open Access zukünftig entwickeln. Im Zuge der generellen Entwicklung hin zu Open Science lohnt es möglicherweise trotz enger Budgets in Modelle zu investieren, die langfristig ein nachhaltiges Publizieren ermöglichen.

Ein solches Modell zu entwickeln war Ziel des BMBF-Projektes KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), das zwischen 2021 und 2023 gemeinsam von der TIB Hannover und dem KIM der Universität Konstanz durchgeführt wurde. Die Erfahrungen aus dem KOALA-Modell aus Sicht der Konsortialverwaltung stellte Alexander Pöche vor.

KOALA ist es gelungen, insgesamt drei Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Buchreihen zu organisieren. Dabei zeigte sich deutliches Interesse an KOALA sowohl seitens der Zeitschriften als auch der wissenschaftlichen Bibliotheken. Grundsätzlich gibt es eine große Bereitschaft, konsortiale Modelle zu unterstützen. Musterverträge und Gebührenmodell, die im Rahmen von KOALA entwickelt und angewendet wurden, werden seitens der Community akzeptiert.

Gleichzeitig offenbarte KOALA eine Reihe von Herausforderungen, die in Zukunft weiter bedacht werden müssen. So war zumindest in den bisherigen Finanzierungsrunden der organisatorische Aufwand relativ hoch und die Frage ist, wie dieser in Zukunft gesenkt werden könnte. Spielraum gibt es dabei in der Anpassung der Erwerbungsabläufe in den Bibliotheken, z.B. in der Form fester Workflows. Eine weitere Erleichterungsmöglichkeit wären eigene Budgets für Diamond Open Access in den Bibliotheken. Dies würde Erwerbungsentscheidungen im Bereich Diamond Open Access erleichtern. Drittens könnte möglicherweise auch in der Zusammenstellung der Pakete Potenzial zur Vereinfachung ausgeschöpft werden. Wichtig für die weitere Entwicklung und Pflege von Konsortien im Bereich Diamond Open Access ist darüber hinaus, weitere Einrichtungen für die Verwaltung von Konsortien zu gewinnen. Auch internationale Kooperationen können für die Zukunft Potential zur Weiterentwicklung von Diamond-Open-Access-Konsortien haben. Die weitere Verankerung und der Ausbau von Open-Access-Konsortien ist auch Thema des Folgeprojektes KOALA-AV, das Ende 2023 gestartet ist und bis 2025 an der TIB Hannover und der Universität Konstanz durchgeführt wird. Dabei steht auch die Internationalisierung von Konsortien auf der Agenda.

Diskutiert wurde unter anderem die Frage, wer unter welcher Voraussetzung über eine Teilnahme an einem Open-Access-Konsortium entscheidet. Teilnehmer*innen verwiesen darauf, dass neben den Erwerbungsabteilungen auch Fachreferent*innen Adressat*innen sind. Entscheidend seien neben der fachlichen Relevanz der Publikationen auch der Umfang ihrer Nutzung sowie die in den Bibliotheken vorhandener Mittel. Die Nutzung sei allerdings schwierig nachzuweisen, da viele Zeitschriften aus Gründen der Datensparsamkeit Zugriffszahlen auf ihre Webseiten nicht auswerten. Ein Grund für eine Entscheidung gegen die Teilnahme an Open-Access-Konsortien sei oft, dass in der Einrichtung schlicht das Geld fehle und man sonst andere Produkte aus dem Portfolio streichen müsse, was schwer zu vermitteln sei. Bereits während der Etatplanung Mittel für die Finanzierung von Diamond Open Access zurückzustellen, könne dagegen ein Instrument sein, um die Finanzierung solcher Modelle zukünftig zu erleichtern.
Ausblick

Die Veranstaltungsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ wird  fortgesetzt. Ankündigungen zu kommenden Veranstaltungen finden Sie hier: https://open-access.network/fortbilden/workshops/informationsreihe-die-open-access-transformation-nachhaltig-gestalten-diamond-oa-als-alternative

Im Rahmen von open-access.network ist außerdem die Erstellung einer Handreichung zu neuen Formen der Open-Access-Finanzierung geplant. Dort wird auch die Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access dokumentiert werden.
Literatur

Becerill, A., Bjørnshauge, L., Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., Proudman, V., Redhead, C., Torny, D., &amp; Mounier, P. (2021) OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4562790

Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., &amp; Proudman, V. (2021). OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4558704

Bruns, A., Cakir, Y., Kaya, S., Beidaghi, S., &amp; Taubert, N. C. (2022, August 31). Diamond Open Access Journals, Germany (DOAG) (Version 1.1.). Bibliometrics Working Group at the Institute for Interdisciplinary Studies of Science, Bielefeld University.  https://doi.org/10.4119/unibi/2965484

Hahn, D., Hehn, J., Hopp, C., &amp; Pruschak, G. (2022, December). Mapping the Swiss landscape of diamond open access journals: The PLATO study on scholar-led publishing. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.7461728

Hahn, D. (2023). Diamond Open Access in der Schweiz. Zum Stand der Diskussion. Informationsveranstaltung PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialr Finanzierung in Deutschland und der Schweiz., open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10370101

Taubert, N. (2023). Diamond-Open-Access-Journale in Deutschland - zur Lage eines besonderen Zeitschriften-Segments. Informationsveranstaltung &quot;PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialer Finanzierung in Deutschland und der Schweiz&quot;, open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10371485

Taubert, N.; Sterzik, L.; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Landscape. Minerva. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7
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